Nicht nur aus sportlicher oder medialer Perspektive ist London 2012 von großem Interesse. Wie bei Olympischen Spielen generell bietet sich auch der Wirtschaft ein weites Feld der Teilnahme. Die Projektbandbreite und –tiefe ist erheblich. Sie reicht vom Olympia-Park mit seinen vielfältigen baulichen und landschaftsplanerischen Anforderungen über den Ausbau, insbesondere des öffentlichen Nahverkehrs, sowie die Vorbereitung weiterer permanenter und temporärer Sportstätten und Einrichtungen außerhalb des Parks bis hin zu Unternehmensdienstleistungen im Zusammenhang mit der Olympiade 2012. Letztere betreffen unter anderem Bereiche wie Finanzen, Projektversicherung, Beratung, Gesundheit, IT oder auch Filmproduktion. Die Vielzahl der involvierten Branchen und Sparten bietet größeren wie auch mittleren und kleinen Unternehmen Geschäftschancen.
London will sich durch Olympia 2012 neu erfinden Die Bauvorbereitungen für die Olympischen Spiele 2012 in London sind in der heißen Phase. Die großvolumigen Aufträge wurden von der Olympic Delivery Authority (ODA) zwar bereits an Bauunternehmen wie Balfour Beatty, Arup oder BAM Nuttall Ltd vergeben, dennoch bestehen für spezialisierte Zulieferer und Technologielieferanten noch gute Geschäftsmöglichkeiten. Interessierte Unternehmen sollten vor allem die Auswahlkriterien der ODA verinnerlichen: „Value for Money“, ökologische Nachhaltigkeit sowie langfristiger Nutzen für die Region (Legacy).
Zielsetzung Der britischen Regierung geht es bei der Austragung der Olympischen Spiele 2012 in London nicht nur um den Prestigecharakter des weltweit wichtigsten Sportereignisses. Sie verfolgt langfristigere und umfassendere Ziele: Die Olympischen Spiele sollen als Katalysator für die Entwicklung und Erneuerung (Regeneration) des bisher vergleichsweise unterentwickelten Ostteils der britischen Hauptstadt und des Gebiets der Themse-Mündung (Thames Gateway) wirken. Das Budget für die Bauvorbereitungen der Olympischen Spiele beläuft sich auf rund 9,3 Mrd. Pfund Sterling (£; rund 10,5 Mrd. Euro; 1 £ = 1,13 Euro). Geschätzte rund 30 Mrd. £ an Investitionen könnte bis 2030 Europas größtes Regenerationsprojekt „Thames Gateway“, in dessen Rahmen ein 60 km langer Landstreifen von Tower Hamlets (Ost-London) bis zur Isle of Sheppey wirtschaftlich und infrastrukturell (wieder)erschlossen werden soll, nach sich ziehen. Von überragender Bedeutung ist daher für die mit der Errichtung der Sportstätten beauftragten Olympic Delivery Authority (ODA) der Vermächtnis-Gedanke (Legacy) der Spiele. Dieser zeigt sich beispielsweise bei der geplanten nacholympischen Nutzung des Olympischen Dorfs in Stratford. Das australische Unternehmen Lend Lease hat nicht nur den Auftrag, die Gebäude für das Olympische Dorf und die rund 17.000 Athleten aus aller Welt zu bauen, es muss auch dafür sorgen, dass nach den Spielen rund 3.000 Wohnungen auf dem Gelände zur dauerhaften Nutzung hinterlassen werden. In der Post-Olympia-Phase soll das Dorf zudem Teil des umfassenden, rund 4 Mrd. £ teuren Regenerationsprogramms für Stratford City sein, zu dem ein neues Einkaufszentrum, eines der größten des Vereinigten Königreichs, mit weiteren Freizeit-, Büro-, und Wohnflächen gehört. Die rund 73 ha große Fläche wird vom australischen Unternehmen Westfield entwickelt und soll zum neuen urbanen Zentrum im Osten der britischen Hauptstadt werden. Ein neuer Bahnhof, an dem auch die aus Brüssel kommenden Eurostar-Züge halten sollen, ist bereits weitgehend fertig. Neben dem Vermächtnischarakter, den die Olympische Spiele für den Londoner Osten haben sollen, betont ODA den Gedanken der „grünen Spiele“. Auf die Prinzipien ökologischer Nachhaltigkeit wie Müllvermeidung, Recycling, Einsatz umweltfreundlicher Materialien und erneuerbarer Energien sowie Energieeffizienz sind nicht nur die Hauptkontraktoren (Tier One) verpflichtet worden. Auch die Tier-1-Unternehmen sollen ihrerseits darauf achten, dass diese „grünen“ Prinzipien in der gesamten Lieferkette (supply chain) eingehalten werden, was die ODA überprüfen will. Vor diesem Hintergrund kann es für deutsche Technologielieferanten nur vorteilhaft sein, auf die ökologischen Vorteile ihrer Produkte und Lösungsansätze (wie beispielsweise Energieeffizienz) explizit hinzuweisen. Auch das „Value for money“-Prinzip ist essenziell. Die ODA bevorzugt eigenen Angaben zufolge die Lösungen mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis - und nicht notwendigerweise die billigsten Produkte. Die Olympia-Behörde sieht es zudem gerne, wenn Unternehmen, die sich als Kontraktoren oder Subkontraktoren bewerben, Qualifizierungsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung anbieten. Im Vereinigten Königreich stets wichtig sind zudem die Health & Safety-Vorschriften. Firmen, die an Lieferaufträgen interessiert sind, sollten überzeugend demonstrieren können, dass und wie genau Sicherheitsbestimmungen und Vorkehrungen zum (Gesundheits-)Schutz der Mitarbeiter im Unternehmen gelebt und umgesetzt werden. Die „ODA Design and Construction Health and Safety Standards” können hier eingesehen werden.
Chancen für KMUs Die Olympia-Behörde ODA fördert zudem die Partizipation kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) an den Beschaffungen und hat zu diesem Zweck das olympische „Business Network“ ins Leben gerufen. Zudem soll die >> Online-Plattform CompeteFor für mehr Transparenz in den Ausschreibungsprozessen sorgen, vor allem was die Vergabe von Tier-2 und Tier-3-Aufträgen angeht. Technologie- und Servicelieferanten können hier online Unternehmensprofile anlegen. Durch die Internetseite CompeteFor sollen KMU zudem eine Möglichkeit haben, sich zu Bieterkonsortien zusammenzuschließen. Wie der Plattformbetreiber berichtet, sind auf CompeteFor zu Jahresbeginn 2009 bereits 1.500 Auftragschancen von mehr als 150 Einkäuferunternehmen annonciert worden. Angaben von ODA zufolge sollen (inklusive Tier-1 und Tier-2-Aufträgen) im Rahmen der Olympiavorbereitungen bis 2012 insgesamt rund 50.000 Beschaffungskontrakte vergeben werden. Eine Liste von Unternehmen, die bereits Ausschreibungen auf CompeteFor publiziert haben, ist hier einsehbar. Auch unabhängig von Bau- oder Lieferaufträgen im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen empfiehlt es sich für Unternehmen, die am britischen Markt interessiert sind, sich mit der Plattform CompeteFor vertraut zu machen. Die britische Regierung hat angekündigt, dass CompeteFor künftig als zentrale Plattform für öffentliche Beschaffungen aller Art (auch jenseits der Olympischen Spiele) ausgebaut werden könne. Bereits jetzt sind auf CompeteFor Ausschreibungen zu finden, die nichts mit den olympischen Bauvorhaben zu tun haben. Die Olympia-Behörde ODA wird, was die Event-Management Aufgaben angeht, vom London 2012 Organising Committee of the Olympic and Paralympic Games (LOCOG) unterstützt. LOCOG ist für die Organisation und den Ablauf der Spiele sowie Marketing und Sponsoring verantwortlich. Das Komitee, das sich überwiegend aus privaten Quellen finanziert, hat zudem den Auftrag, bestehende Sportstätten (beispielsweise die Tennis-Courts in Wimbledon) oder temporäre Sportstätten (wie das ExCel-Ausstellungszentrum) in einen Olympia-tauglichen Zustand zu bringen. Als Veranstalter der Spiele ist LOCOG nicht zuletzt für die Beschaffung eines breiten Spektrums von Dienstleistungen und Gebrauchsgütern zuständig, was auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) Chancen birgt. Hierbei geht es unter anderem um Bestuhlungen, Sportausrüstungen, IT-Systeme, Merchandise-Artikel, Bekleidung/Uniformen und Catering. Nach Angaben von ODA sollen auch die meisten LOCOG-Ausschreibungen über das Portal CompeteFor laufen.