| Suchanfrage: | Land: China |
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| Datenbank: | Länder und Märkte |
| Titel: | Ambitionierte Ziele für VR Chinas Westregion Xinjiang |
| Datum: | 23.06.2009 |
| Land: | China |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Frau Menshausen, Ruf: 0221/2057-266 |
Beijing (gtai) - Umgeben von Landmassen, weit entfernt von Beijing und der reichen Ostküste ist Xinjiang Symbol für den noch wenig entwickelten Westen Chinas. Doch seine wirtschaftliche Bedeutung wächst. Nicht nur als Gas- und Öllieferant für den Osten der Volksrepublik, sondern auch als Handelspartner für die zentralasiatischen Nachbarn. Der Ausbau der Infrastruktur ist in vollem Gange. Sie wird die Provinz in den nächsten Jahren nicht nur enger mit den Zentren der Ostküste, sondern auch mit den acht angrenzenden Nachbarländern verbinden.
Bislang hat Xinjiang, die mit 1,66 Mio. qm flächengrößte Provinz Chinas, im Vergleich zu den brodelnden Wirtschaftszentren der Ostküste für interessierte Investoren und Geschäftsleute wenig zu bieten: Der Weg zu den inländischen Konsumenten ist weig, und Xinjiang selbst stellt mit 21 Mio. Einwohnern nur knapp 2% der Gesamtbevölkerung. Auch auf dem Weg zu den Exporthäfen gilt es große Entfernungen zu überwinden. Die Investoren scheuen die daraus resultierenden teuren Logistik- und Transportkosten, befürchten hohen administrativen Aufwand im Umgang mit unerfahrenen Behörden und eine langwierige Suche nach ausgebildeten Arbeitskräften.
Seit rund zehn Jahren versucht die Regierung, im Rahmen ihrer "Go West"-Politik durch steuerliche Anreize und Vergünstigungen unternehmerische Pioniere für die Region, deren Bevölkerung zu rund 45% der uigurischen Minderheit angehört, zu gewinnen. Der "Catalogue of Advantaged Industries for Foreign Investment in the Central-Western Region" ( www.fdi.gov.cn/pub/FDI_EN/Laws/law_en_info.jsp?docid=101064) enthält 25 Bereiche, in der die Provinz ausländische Investoren begrüßt und begünstigt. Diese weichen von den für ganz China geltenden Sektoren ab.
Erste Erfolge werden verbucht, doch der Weg ist weit: Während landesweit die ausländischen Direktinvestitionen nach Angaben des chinesischen Wirtschaftsministeriums 2008 um 23,6% zulegten, stiegen sie in Xinjiang um knapp 52%. Im durch die weltweite Wirtschaftskrise geprägten 1. Quartal 2009 ist der Trend deutlich: Landesweit gingen ausländische Direktinvestitionen um 20,4%, zurück; in Xinjiang stiegen sie um 81,1%. Doch der Anteil an den gesamten ausländischen Direktinvestitionen in China bleibt mit 0,2% äußerst gering.
In Xinjiang realisierte Direktinvestitionen nach Industriebranchen (in Mio. US$; Anteil in %)
| Industriebranchen | 2007 | 2008 | Anteil |
| Gesamt | 124,8 | 189,4 | 100,0 |
| Land-, Forst-, Viehwirtschaft | 32,2 | 0,3 | 0,2 |
| Bergbau | 12,2 | 80,6 | 42,6 |
| Verarbeitende Industrie | 23,0 | 96,5 | 51,0 |
| .Textil | 2,9 | 10,9 | 5,8 |
| .Chemische Erzeugnisse | 0,6 | 57,2 | 30,2 |
| Energie-, Wasserver-und entsorgung | 11,1 | 5,4 | 2,9 |
| Transport und Logistik | 10,2 | 0,3 | 0,2 |
| Informationsübertragung und IT-Dienstleistungen | 0,3 | - | - |
| Einzelhandel | 25,3 | 1,6 | 0,8 |
| Tourismus- und Hotelgewerbe | 0,3 | 2,5 | 1,3 |
| Immobilien | 8,7 | - | - |
| Leasing | 0,6 | - | - |
| Forschung und Entwicklung, technische Dienstleistungen, Prospektionen | 0,7 | 2,6 | 1,4 |
Quelle: Xinjiang Foreign Economy Trade (Xinjiang Waijingmao)
Zu den für internationale Investoren interessanten Branchen zählen Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, Bergbau und (petro-)chemische Industrie. Sie alle bauen auf Xinjiangs Ressourcen auf. Bekannt ist die Provinz als das größte Erdgasfördergebiet in China und als wichtiger Ölproduzent; weniger bekannt ist sie als zweitgrößter Tomatenmark-Produzent weltweit. Hinzu kommen nun die im östlichen Junggarbecken entdeckten, mit rund 214 Mrd. t größten bestätigten Kohlevorkommen Chinas.
Das Junggarbecken ist eine der vier großen Kohlebasen in Xinjiang. Seit 2007 hat die Regierung kräftig in den Ausbau der dortigen Infrastruktur investiert. Inzwischen haben sich 40 große Unternehmen im Bereich Kohleförderung und -verarbeitung niedergelassen. Bis 2015 soll im Becken eine große Kohlekraftwerk- und Kohlechemiebasis (inklusive Kohleverflüssigung und Kohlevergasung) auf Grundlage einer geschätzten Jahresproduktion von 100 Mio. t Kohle entstehen. Insgesamt soll sich die jährliche Kohleförderung in der Provinz von 50 Mio. t gemäß Planziel bis 2020 auf rund 1 Mrd. t erhöhen.
Mit etwa 1.400 Mrd. cbm liegen in Xinjiang die größten in China bestätigten Gasreserven, die Ölreserven sollen sich auf über 20 Mrd. t belaufen. 2008 stammten 31% des in China geförderten Erdgases und 14% des geförderten Öls aus der Provinz. Und die Bedeutung Xinjiangs als Energielieferant für den Osten des Landes wird weiter zunehmen. Laut "Shanghai Daily" plant die China National Petroleum Corp. (CNPC) die Länge ihres bestehenden Gaspipelinenetzes bis 2015 auf 43.000 km mehr als zu verdoppeln.
Etwa die Hälfte der geplanten Rohrleitungen entfallen auf die zweite West-Ost-Gaspipeline, die sich von Korgas (an der Grenze zu Kasachstan) nach Shanghai und ins Perlflussdelta erstrecken wird. Die erste Ost-West-Verbindung vom Tarimbecken nach Shanghai ist bereits in Betrieb und China soll den Bau einer dritten West-Ost-Pipeline erwägen. Die Gaspipeline von Korgas nach Shanghai dient nach geplanter Fertigstellung 2011 dem Transport von jährlich 30 Mio. cbm Gas aus Turkmenistan über Usbekistan und Kasachstan nach Ostchina und ist damit die erste Pipeline für Importgas. Turkmenistan hat sich zu Gaslieferungen für die nächsten 30 Jahre verpflichtet.
Massive Infrastrukturinvestitionen verwandeln das frühere Hinterland zunehmend in Chinas Vorhof in Zentralasien. Allein 2009 sind in der Provinz 15 Eisenbahnprojekte in Bau oder Planung. Bereits begonnen hat der Bau der 286 km langen Bahnstrecke von Jinghe über Yining nach Korgas. Sie soll rund 6 Mrd. Renminbi Yuan (RMB; etwa 630 Mio. Euro; 1 Euro = 9,51 RMB, 15.6.2009) kosten. Die 5,5 Mrd. RMB teure Linie von Kuitun nach Beitun sowie die Strecke von Turpan nach Korla sind ebenfalls im Bau. Letztere soll in fünf Jahren fertiggestellt werden, Kostenpunkt: 8,6 Mrd. RMB. 2009 beginnen unter anderem die Arbeiten an den Bahnstrecken Hami - Linhe, Korla - Golmud und Beitun - Fuyun. Einige der Projekte sind Teil der von Xinjiang über Gansu nach Qinghai verlaufenden Eisenbahnstrecke, deren gesamte Baukosten sich auf rund 120 Mrd. RMB belaufen dürften.
Durch die gewaltigen Investitionen sollen Frachtengpässe hauptsächlich für den Transport von Kohle, aber auch von Mineralien, Baustoffen und Agrarprodukten - sowohl in den Osten Chinas als auch in die angrenzenden Nachbarstaaten - beseitigt werden. Denn neben der Bahnlinie von Jinghe nach Korgas soll bis 2020 auch eine Bahnlinie von Kashgar zu dem ebenfalls an der kasachischen Grenze liegenden Torugart entstehen; eine Entlastung der Strecke über den Alataw-Pass ist dringend notwendig.
Der Handel mit den Nachbarländern nimmt ständig zu. 2008 tätigte die Provinz 57% des gesamten Grenzhandels Chinas. Mit einem Volumen von 17,6 Mrd. $ - einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 87% - stellte er 2008 fast vier Fünftel des gesamten Außenhandels der Provinz. Dieser überschritt 2008 mit 22,2 Mrd. $ erstmals die 20 Mrd. $-Marke. Inzwischen verfügt die Provinz über 29 Grenzübergänge mit Grenzhandelsmöglichkeiten; weitere könnten an der Grenze mit Kirgistan und Russland folgen. Besonders rasant hat sich der Grenzhandel in Korgas entwickelt. Nicht umsonst befürworten einige Experten die Eröffnung von Konsulaten Pakistans, der Mongolei und/oder Russlands in der Provinz.
Wirtschaftsindikatoren für Xinjiang und China im 1. Quartal 2009 (Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum in %)
| Xinjiang | China | |
| BIP | 6,5 | 6,1 |
| Investitionen | 32,8 | 28,8 |
| Einzelhandelumsatz | 17 | 15 |
| Import | -38,7 | -35,5 |
| Export | -20,8 | -13,1 |
Quelle: www.xj.cei.gov.cn National Bureau of Statistics
Obwohl auch Xinjiang die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommt, der Außenhandel ging im 1. Quartal 2009 stärker zurück als im Landesdurchschnitt, hält sich die Provinz vor allem im Bereich Investitionsentwicklung (Fixed Asset Investment) deutlich über dem nationalen Durchschnitt. Ein wesentlicher Grund dafür sind die gewaltigen staatlichen Infrastrukturinvestitionen sein. Xinjiang zählt sicherlich zu den Provinzen, die vom Konjunkturprogramm profitieren. Neben zahlreichen Eisenbahnprojekten sind in den nächsten zwei Jahren unter anderem auch Modernisierungen der Flughäfen in der Provinzhauptstadt Urumuqi, in Kashgar sowie der Neubau von Flughäfen in Yining, Turpan und Kuqa geplant.
(C.A.)

