| Suchanfrage: | Land: China |
|---|---|
| Datenbank: | Länder und Märkte |
| Titel: | VR Chinas Außenhandel leidet unter der Finanzkrise |
| Datum: | 25.08.2009 |
| Land: | China |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Frau Menshausen, Ruf: 0221/2057-266 |
Shanghai (gtai) - Der chinesische Außenhandel legte im 1. Halbjahr 2009 den Rückwärtsgang ein. Exporte und Importe brachen jeweils um mehr als 20% ein, der Saldo der Handelsbilanz verringerte sich allerdings nur geringfügig. Zwar entfiel ein beträchtlicher Teil des Rückgangs auf gesunkene Rohstoffpreise. Dennoch gab es in vielen Sektoren empfindliche Einbrüche. Manche Sparten aus dem Maschinenbau und der Chemie wiesen jedoch entgegen dem Trend erfreuliche Zuwachsraten auf, und es gibt Anzeichen, dass es in wichtigen Branchen geschafft wieder bergauf geht.
Der chinesische Außenhandel zeigt sich im 1. Halbjahr 2009 von der Weltwirtschaftskrise schwer getroffen. Der Umsatz ging im Vergleich zur Vorperiode um 23,4% auf 946 Mrd. US$ zurück. Während sich die Ausfuhren um 21,8% auf 522 Mrd. $ verringerten, schrumpften die Importe um 25,4% auf 425 Mrd. $. Der Saldo der Handelsbilanz blieb allerdings mit 97 Mrd. $ nur leicht unter dem Vorjahreswert (99 Mrd. $).
Gut 40% des nominalen Importrückgangs entfielen allerdings auf nur zwei Posten: Die Auslandsbezüge von Erdöl gingen um 51,6% auf 82 Mrd. und die von Eisenerz um 32,4% auf 52 Mrd. $ zurück. Der starke Rückgang der Ölpreise sorgte dafür, dass Länder wie Saudi Arabien - die chinesischen Bezüge von dort stürzten um 43,1% ab - nicht mehr unter den zehn größten Lieferanten zu finden waren.
Auch die Bezüge aus Indien haben sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit einem Minus von 50,5% mehr als halbiert. Besonders hart traf es Lieferanten aus Hongkong, die einen Rückgang um 41,4% zu verkraften hatten. Und die Philippinen, aus denen China hauptsächliche elektronische Erzeugnisse bezieht, mussten sogar eine Kürzung von 56,5% hinnehmen. Regional betrachtet schrumpften die Einfuhren aus Afrika am stärksten (-49,6%), und auch die Importe aus Asien gingen mit einem Minus von 28,5% unerwartet stark zurück. Auch Lateinamerika musste Federn lassen (-25,3%), während Nordamerika (-15,4%) relativ gut abschnitt. Aufatmen dürfen indes Lieferanten aus Europa: der Rückgang belief sich auf nur 13,3%.
Deutschland hat es besonders gut getroffen, da die chinesischen Bezüge nur um 11,6% schrumpften. Wird mit einberechnet, dass der Euro im 1. Halbjahr 2009 gegenüber dem US-Dollar um durchschnittlich 13,0% zurückging, dürften deutsche Exporteure auf Euro-Basis ihre Lieferungen ins Reich der Mitte mindestens gehalten wenn nicht gar leicht gesteigert haben.
Die größten Lieferanten 1. Halbjahr 2009 (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
| Import | Veränderung | |
| Import insgesamt | 424.612 | -25,4 |
| Japan | 55.697 | -25,1 |
| Korea (Rep.) | 43.772 | -22,9 |
| USA | 35.009 | -15,6 |
| Taiwan | 34.776 | -36,7 |
| Deutschland | 24.132 | -11,6 |
| Australien | 18.274 | -6,3 |
| Malaysia | 12.620 | -20,7 |
| Brasilien | 11.453 | -12,5 |
| Thailand | 10.425 | -17,7 |
| Russland | 9.590 | -24,0 |
| EU | 56.496 | -13,2 |
| ASEAN | 43.627 | -27,9 |
Quelle: Chinesische Zollstatistik
Auch exportseitig zeigen sich extreme regionale Disparitäten. Während die chinesischen Lieferungen nach Afrika nur um 5,4% zurückgingen, schrumpften sie nach Europa um 27,8%, nach Lateinamerika um 26,6%, nach Asien um 21,6% und nach Nordamerika um 17,0%. Innerhalb Europas stürzten insbesondere die Lieferungen nach Irland (-58,4%), Russland (-48,1%) sowie Spanien (-43,9%) ab, während Großkunden wie Deutschland (-19,3%), Großbritannien (-19,2%) oder Frankreich (-16,6%) die Lage etwas stabilisieren konnten.
Die größten Kunden 1. Halbjahr 2009 (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
| Export | Veränderung | |
| Export insgesamt | 521.632 | -21,8 |
| USA | 97.084 | -16,9 |
| Hongkong (SVR) | 69.753 | -23,1 |
| Japan | 44.030 | -20,3 |
| Korea (Rep.) | 23.832 | -33,4 |
| Deutschland | 21.661 | -19,3 |
| Niederlande | 15.283 | -29,3 |
| Großbritannien | 13.127 | -19,2 |
| Indien | 13.020 | -16,8 |
| Singapur | 12.696 | -14,5 |
| Italien | 9.502 | -23,8 |
| EU | 103.470 | -24,5 |
| ASEAN | 44.432 | -19,4 |
Quelle: Chinesische Zollstatistik
Der Rückgang der Rohstoffpreise sorgte dafür, dass der Anteil verarbeiteter Waren an den Importen wieder stieg. So belief sich der Rückgang der Auslandsbezüge in diesem Sektor nur auf 19,7%, während Primärgüter um 37,1% zurückgingen. In dem für deutsche Lieferanten wichtigsten Posten, Verarbeitete Erzeugnisse, zeigte sich im 1. Halbjahr bei den chinesischen Einfuhren ein gemischtes Bild. So wiesen beispielsweise die Bezüge von Mess- und Regeltechnik mit einem Minus von 35,9% einen starken Rückgang auf, und auch Kfz (-32,0%) und Kfz-Teile (-21,8%) konnten sich dem Abwärtssog nicht entziehen.
Der Auslandsbezug von Maschinen (SITC 71 - 74) ging insgesamt um erträgliche 15,1% auf 42,8 Mrd. $ zurück. Damit schnitt das Reich der Mitte weit besser ab als beispielsweise die USA, deren Maschinenimporte nach Angaben des Department of Commerce um 28,2% auf 62,1 Mrd. $ schrumpften.
Am Schlimmsten traf es die Lieferanten von Textilmaschinen, die einen noch nie dagewesenen Einbruch von -48,9% zu verkraften hatten. Schlecht erging es ferner Lieferanten von Kunststoffmaschinen (-30,2%), Druckmaschinen (-29,7%), Kältetechnik (-25,5%) sowie von Getränke- (-21,8%), Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (-16,8%). Das düstere Bild hellt sich allerdings auf, wenn andere Maschinensegmente betrachtet werden. Die Importe von Werkzeugmaschinen gingen beispielsweise in den ersten sechs Monaten nur um 11,3% zurück.
Analysiert man die Entwicklung auf Monatsbasis, so zeichnet sich inzwischen eine deutliche Verbesserung ab. Waren die Auslandsbezüge von Werkzeugmaschinen im April (-20,1% im Vergleich zum Vorjahresmonat) und Mai (-33,4%) noch stark rückläufig, konnte im Juni bereits ein deutliches Plus von 11,3% erzielt werden. Ähnlich positiv ist das Bild bei Textilmaschinen. Waren in den Monaten Januar bis Mai Rückgänge von bis zu 63,9% zu verzeichnen waren, zogen die Importe im Juni sensationell auf +10,8% an. Die Gesamtjahresbilanz der Branche dürfte allerdings trotzdem extrem schlecht ausfallen.
Es gab sogar einige Sektoren, die selbst angesichts des miserablen Umfelds noch ein Plus hinlegten. Hierzu gehören beispielsweise Personenaufzüge (+10,6%), Gießereitechnik (+5,8%) sowie Armaturen (+4,6%). Mit am Besten schnitt jedoch die Medizintechnik ab. Krise hin oder her: Chinas Importe in diesem Segment stiegen um hohe 21,6%.
Ein gemischtes Bild zeigt die Chemie. Während organische Chemikalien (-23,1%) und anorganische Chemikalien (-35,9%) stark nachgaben und auch Kunststoffe in Primärform ein Minus von 16,8% einfuhren, ging es Lieferanten von Arzneimitteln (+15,3%) weiterhin prächtig. Für Analysten überraschend ist die Entwicklung bei Düngemitteln, die ein unerwartetes Plus von 17,3% hinlegten.
Struktur des chinesischen Außenhandels (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
| SITC-Pos. | Warengruppe | Export | Veränd. | Import | Veränd. |
| 0-9 | Insgesamt | 521.632 | -21,8 | 424.612 | -25,4 |
| 0 | Nahrungsmittel | 14.699 | -5,9 | 6.707 | -3,5 |
| 1 | Getränke, Tabak | 740 | 9,2 | 748 | -10,3 |
| 2 | Rohstoffe (ohne Brennstoffe) | 3.655 | -33,2 | 60.554 | -29,8 |
| 3 | Brennstoffe, technische Öle | 8.214 | -44,3 | 45.653 | -46,9 |
| 4 | Tierische Fette | 137 | -54,2 | 3.115 | -43,9 |
| 0-4 | Primärgüter | 27.444 | -25,5 | 116.776 | -37,1 |
| 5 | Chemische Erzeugnisse | 27.788 | -31,6 | 49.316 | -19,2 |
| 6 | Halbwaren | 82.511 | -31,6 | 48.354 | -11,8 |
| 7 | Maschinen und Fahrzeuge | 252.668 | -21,0 | 173.770 | -19,2 |
| 8 | Fertigerzeugnisse | 130.517 | -12,2 | 35.135 | -30,3 |
| 9 | Andere Warenvorgänge | 703 | -7,1 | 1.262 | -38,3 |
| 5-9 | Verarbeitete Waren | 494.188 | -21,6 | 307.836 | -19,7 |
Quelle: Chinesische Zollstatistik
(S.G.)

