| Suchanfrage: | Land: China |
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| Datenbank: | Länder und Märkte |
| Titel: | Einbruch bei Neuaufträgen bereitet chinesischem Schiffbau Sorgen |
| Datum: | 04.09.2009 |
| Land: | China |
| Produktkategorie: | Artikel |
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Shanghai (gtai) - Der chinesische Schiffsbau zeigt sich derzeit noch in guter Verfassung. Doch die Neuaufträge sind im 1. Halbjahr 2009 um 80% eingebrochen, und die Branche leidet allgemein unter der Finanzknappheit. Um den Schiffsbau insgesamt zu stützen, hat die chinesische Regierung jüngst ein Strategiepapier veröffentlicht. Neben allgemeinen Maßnahmen zur Modernisierung stehen finanzielle Maßnahmen im Vordergrund. Die Unternehmen dürfen daher auf billige Darlehen hoffen, während gleichzeitig Export- und Käuferkredite verstärkt ausgegeben werden.
Auf den ersten Blick scheint die chinesische Schiffswelt noch in Ordnung. So erhöhte sich die Bruttoproduktion gemäß der jüngsten Analyse des Branchenverbandes "China Association of the National Shipbuilding Industry" (CANSI) im 1. Halbjahr 2009 im Vergleich zur Vorperiode um 36,7% auf 256,1 Mrd. RMB (etwa 28,1 Mrd. Euro; 1 Euro = 9,1234 RMB). Auch die Erzeugung von Ausrüstungen legte noch ein mal kräftig zu, während bei Reparaturen nur noch ein kleiner Zuwachs zu vermelden war.
Auf den zweiten Blick jedoch zeigt sich, dass die Dynamik im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2008 vor allem bei Ausrüstungen und Reparaturen stark nachgelassen hat. Große Sorgen bereiten auch die Neuorders, die von Januar bis Juni 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 80,7% auf 5,46 Mio. DWT eingebrochen waren, so Angaben der CANSI. Der Auftragsbestand wird Ende Juni mit 167,93 Mio. DWT angegeben. Der Juli 2009 gab allerdings bei den Neubestellungen wieder Anlass zu einem gewissen Optimismus. CANSI bezifferte die neuen Orders auf 4,1 Mio. DWT, jedoch ohne einen Veränderungswert anzugeben.
Kennziffern des chinesischen Schiffbaus im 1. Halbjahr 2009 (Veränderung im Vergleich zum Vorjahr)
| Segment | Bruttoproduktion (in Mrd. RMB) | Veränderung (in %) | Rückgang *) |
| Insgesamt | 256,1 | 36,7 | -21,4 |
| Schiffsbau | 195,5 | 43,0 | -8,4 |
| Ausrüstungen | 28,0 | 42,3 | -44,6 |
| Reparaturen | 32,2 | 5,4 | -63,7 |
*) Rückgang = schwächeres Wachstum im Vergleich zur Vorperiode in Prozentpunkten
Quelle: CANSI
Die Schiffexporte hingegen laufen derzeit noch gut und legten im 1. Halbjahr 2009 um 51,3% auf 13,2 Mrd. $ zu. Insbesondere die beiden Hauptabnehmerländer Singapur und die Sonderverwaltungsregion (SVR) Hongkong bescherten ein hohes Wachstum. Die Lieferungen nach Singapur erhöhten sich um 59,2% auf 2.678 Mio. $, und die Ausfuhren in die SVR Hongkong legten um 95,0% auf 1.952 Mio. $ zu. Die Exporte in das drittplazierte Deutschland gingen dagegen um 44,5% auf 835 Mio. $ zurück.
Chinas Gesamtexport von Schiffen (HS-Pos. 89; in Mio. US)
| 2007 | 2008 | 1. Hj. 2009 | Veränderung (in %) *) |
| 12.240 | 19.571 | 13.153 | 51,3 |
*) Veränderung im Vergleich zur Vorjahresperiode
Quelle: Chinesische Zollstatistik
Kopfzerbrechen bereiten der Schiffbauindustrie allerdings die zahlreichen Stornierungen. Von Oktober 2008 bis Mai 2009 wurden insgesamt Bestellungen für 152 Schiffe mit 4,4 Mio. DWT annulliert. Ferner hat auch der Baltic Dry Index, wichtigster Indikator für den Schiffsbau, sein Zwischenhoch vom 3.6.09 von 4.291 Punkten wieder verlassen und ist zwischenzeitlich um fast 44% auf 2.421 Punkte bis Ende August gesunken.
Mehrere große Orders sorgten in der Branche für Furore. So meldete die Shanghai Zhenhua Heavy Industry den Vertragsabschluss mit der spanischen ADHK im Umfang von 2,2 Mrd. $. Demnach sollen unter anderem zehn Offshore-Bohrplattformen, sieben Bohranlagen sowie zwei Schwimmkräne geliefert werden. Der Reederei COSCO ist es gelungen, ein Abkommen mit der norwegischen Sevan Marine zu schließen. Vorgesehen ist die Zustellung einer Tiefseebohranlage, die in der Lage ist, bis zu 40.000 Fuß tief zu bohren und 150.000 Barrels Öl zu lagern. Der Umfang des Auftrags beläuft sich auf 600 Mio. $.
Ein weiterer Großauftrag konnte mit Iran unter Dach und Fach gebracht werden. So hat die National Iran Tanker Co. (NITC) bestätigt, zwölf Tanker der VLCC-Klasse bei chinesischen Werften bestellt zu haben. Die Rede ist von 320.000 DWT-Einheiten, die dem Vernehmen nach 100 Mio. $ pro Stück kosten sollen.
Dass die Geschäfte realisiert werden konnten, ist anscheinend dem aggressiven Marketing der chinesischen Eximbank zu verdanken. Erklärte Politik der Staatsbank ist es, unter anderem der Schiffbauindustrie unter die Arme zu greifen. Bis Ende 2008 hatte der Versicherer Darlehen im Umfang von 102,5 Mrd. RMB an heimische Branchenfirmen vergeben, hinzu kommen weitere 7,45 Mrd. $. Vor kurzem wurden die Kredite um weitere 160 Mrd. RMB aufgestockt. Darunter 100 Mrd. RMB für die China State Shipbuilding Corp. (CSSC) sowie 60 Mrd. RMB für die China Shipbuilding Industry Corp. (CSIC), berichtet die Fachzeitung "Hai Ri Jingji Xinwen" (etwa: Marine Economy Daily).
Vor diesem Hintergrund hat auch die Bank of China (BOC) ihre Engagements im Bereich von Krediten sowie Bürgschaftserklärungen für den Schiffsbau ausgeweitet und stellte bis Ende Mai 2009 rund 13 Mrd. RMB zur Verfügung. Gut 80 Mrd. RMB sollen nun der CSSC in Form von Export- und anderen Krediten zufließen. Auch die COSCO-Gruppe, einer der Weltmarktführer von Containerdiensten, soll in den nächsten drei Jahren Mittel im Umfang von 2,93 Mrd. $ erhalten.
Diese, keineswegs vollständigen Subventionen und finanziellen Unterstützungen sind Teil einer offiziellen chinesischen Strategie, die vom Staatsrat Mitte Juni veröffentlicht worden war. Nach dem "Plan zur Regulierung und Förderung der Schiffsbauindustrie" für den Zeitraum 2009 bis 2011 soll der chinesische Weltmarktanteil am Schiffbau bis zum Ende der Periode im Schnitt auf 35% steigen. Im Bereich von Hochtechnologie-Schiffen sollen 20% erreicht werden, während man sich bei marinen Industrieausrüstungen (Bohr- und Förderplattformen) noch mit 10% begnügt. Insgesamt soll das Volumen fertiggestellter Schiffe dann bei 50 Mio. DWT pro Jahr liegen.
Schiffsausrüstungen, die bislang noch zu einem größeren Umfang importiert werden mussten, sollen vermehrt lokal produziert werden. Bis 2011 dürften 65% der benötigten Anlagen selbst hergestellt werden, und bei Schiffsdieselmotoren sollen die Kapazitäten erhöht werden. Damit beabsichtigt Peking, 80% des Binnenmarktes abzudecken.
Explizit heißt es in dem Papier weiter, dass die Exportfinanzierung für den Schiffsbau erhöht werden müsse. Alle Finanzinstitutionen werden ermuntert, Käuferkredite auszuweiten, um die Exportaufträge zu stabilisieren.
Unterdessen hat die weltweit größte Werft ihren Betrieb im nordöstlichen Dalian (Provinz Liaoning) aufgenommen. Die STX (Dalian) Shipbuilding Co. Ltd., eine Tochter der koreanischen STX-Gruppe, plant, in der 460 m langen Werft Schiffe von bis zu 320.000 DWT zu bauen. STX hat bis dato etwa 2 Mrd. $ in die Anlage investiert.
Etwas vorsichtiger zeigt sich die japanische Kawasaki Heavy Industries. Das 50:50-Joint Venture mit COSCO zum Bau einer zweiten Werft, ebenfalls in Dalian, soll aufgrund der weltwirtschaftlichen Unwägbarkeiten um drei Jahre verschoben werden.
(S.G.)

