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| Titel: | "Cloud Computing"-Weckruf für Japans IT-Konzerne |
| Datum: | 23.09.2009 |
| Land: | Japan |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Frau Ratzeburg, Ruf: 0221/2057-265 |
Tokio (gtai) - Das Konzept des sogenannten Cloud Computing schlägt in Japans IT-Industrie hohe Wellen. Eine Reihe japanischer IT-Konzerne engagiert sich mit beträchtlichen Investitionen. Dabei steht derzeit der Aufbau neuer Datenzentren im Mittelpunkt. Auch die japanische Regierung unterstützt das Cloud Computing mit verschiedenen Vorhaben. Die heimische Wirtschaft scheint in Teilen interessiert; genauere Anwenderdaten gibt es aber noch nicht.
Angesichts einer insgesamt nicht sehr guten geschäftlichen Situation ist Cloud Computing in der japanischen IT-Industrie gegenwärtig das Zauberwort. "Wir werden unsere IT-Dienstleistungen vor allem um Cloud Computing herum ausbauen", gab zum Beispiel Yukihiro Fujiyoshi, einer der Top-Manager bei NEC, Anfang Juni 2009 bekannt. Der Firmenpräsident Kaoru Yano ergänzte: "Dies ist ein Bereich, der unseren Stärken entspricht". Zu ähnlichen Einschätzungen kommen auch die Konkurrenten Fujitsu oder Hitachi.
Dabei fehlt es in Japan wie in anderen Ländern an einer übereinstimmenden Definition der neuen Technologie. Meist wird derzeit unter Cloud Computing ein Konzept verstanden, bei dem IT-Ressourcen (zum Beispiel Rechenzentren, Datenspeicherung, Spezialsoftware) über das Internet von einem oder mehreren Anbietern bereitgestellt werden. Anwendungen oder Daten befinden sich also nicht mehr auf einem lokalen Rechner, sondern in einer "Wolke" (cloud). Unternehmen können durch Cloud Computing Investitionen in Computer-Hardware, -Software und -Dienstleistungen verringern und zahlen dem Anbieter nur das, was tatsächlich in Anspruch genommen wird.
Als ein Schwachpunkt von Cloud Computing wird vor allem angeführt, dass das Problem der Datentransfersicherheit zwischen lokalem Anwender und entferntem Server noch nicht ganz gelöst ist. Ferner fühlen sich manche Nutzer bei dem Gedanken unbehaglich, dass sie bei einer Datenauslagerung keine vollständige Informationskontrolle mehr haben.
Dessen ungeachtet wird Cloud Computing für die kommenden Jahre eine sehr gute Marktentwicklung vorausgesagt. Das US-Marktforschungsinstitut IDC prognostiziert, dass die Ausgaben für Cloud-bezogene Dienstleistungen weltweit von rund 16,2 Mrd. US$ (2008) auf knapp 42,3 Mrd. $ im Jahr 2012 steigen werden.
Ferner hatte nach Angaben des japanischen Yano Research Institute von Februar 2009 der inländische Markt für Cloud Computing und "Software as a Service" (SaaS) 2008 ein Volumen von 21,3 Mrd. Yen (etwa 158,6 Mio. Euro; 1 Euro = 134 Yen). Die Umsätze sollen bis 2012 auf 69,1 Mrd. Yen und bis 2016 sogar auf 177 Mrd. Yen wachsen. Wie die Wirtschaftszeitung "Nikkei" IDC zitiert, soll Japans Markt bereits 2013 Umsätze zwischen 500 Mrd. und 750 Mrd. Yen erbringen. Neben SaaS wird hierbei wahrscheinlich auch das Geschäft mit anderen Dienstleistungen wie "Hardware as a Service" (HaaS) und "Platform as a Service" (PaaS) enthalten sein.
Aufgrund dieser Aussichten investieren einige japanische Unternehmen stark in die neue Technologie. Nach einem Nikkei-Bericht von Anfang August 2009 baut zum Beispiel Fujitsu derzeit für etwa 10 Mrd. Yen ein neues Datenzentrum in Tatebayashi (Präfektur Gunma). Es soll im Herbst dieses Jahres mit zunächst circa 1.000 Servern den Betrieb aufnehmen. Hitachi hat ebenfalls 10 Mrd. Yen in ein Datenzentrum in Yokohama investiert und stellt seit Juli 2009 über 500 Server zur Verfügung. Die Firma strebt an, mit Cloud Computing im Fiskaljahr 2011 (1.4.11 bis 31.3.12) etwa 100 Mrd. Yen zu erwirtschaften.
Die japanischen IT-Unternehmen antworten mit diesen Projekten auf die Aktivitäten ausländischer Gesellschaften. IBM Japan zum Beispiel hat am 1.8.08 ein Zentrum für Cloud Computing-Dienste errichtet. Die Firma intensiviert ferner ihre Kontakte zu Universitäten, um zukünftige Geschäftsbeziehungen aufzubauen. So wird IBM ein Zentrum im Tokyo Institute of Technology errichten, in dem Studenten der Computerwissenschaften die Grundlagen des Cloud Computing lernen können.
Auch von Seiten der japanischen Regierung gibt es entsprechende Projekte. Im letzten Konjunkturprogramm der LDP-Regierung Aso von Ende Mai 2009 sind zum Beispiel 15,6 Mrd. Yen für ein Vorhaben des Ministry of Internals Affairs and Communications (MIC) vorgesehen, das die Entwicklung von Cloud Networking-Technologien zum Ziel hat. Darüber hinaus hat das Ministerium für Handel, Energie und Industrie (METI) 2009 ein "Green Cloud Computing"-Vorhaben gestartet, in dessen Rahmen unter anderem energiesparende Datenverarbeitungstechnologien entwickelt werden sollen. Das Budget beläuft sich auf 6 Mrd. Yen.
Die seit Mitte September 2009 von der ehemaligen Opposition gestellte Regierung unter dem neuen Premierminister Hatoyama hat angekündigt, das Konjunkturprogramm kritisch überprüfen zu wollen. Da aber auch die neue Regierung wichtige Hochtechnologien weiter fördern will, sind in Bezug auf die Cloud Computing-Vorhaben kaum Einschränkungen zu erwarten.
Inwieweit die japanische Wirtschaft das Cloud Computing bereits nutzt, lässt sich nur schwer beurteilen. Fuji Soft, das den Apps-Service von Google in Japan vermarktet, soll 2008 bereits 70 Verträge mit heimischen Unternehmen geschlossen haben und Gespräche mit weiteren 300 führen. Lawson, einer der großen Betreiber von Convenience Stores in Japan, nutzt die Cloud Computing-Plattform von Salesforce. Allerdings will die Firma Kerninformationen des Geschäfts nicht an das US-Unternehmen auslagern.
(D.R.)

