| Datenbank: | Länder und Märkte |
|---|---|
| Titel: | Photovoltaikbranche bleibt 2010 auf Expansionskurs |
| Datum: | 03.03.2010 |
| Land: | Deutschland |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Herr Maurer, Ruf: 0221/2057-329 |
Köln (gtai) - Der Solarstrombranche in Deutschland sagen manche Experten geringere Leuchtkraft voraus. Andere sehen die Photovoltaik in neuem Licht erstrahlen. Sinkende Einspeisetarife und wachsende Konkurrenz aus Schwellenländern führen die Negativfaktoren an; Produktverbesserungen, Effizienzsteigerung und eine wachsende weltweite Nachfrage werden auf der Positivseite angepriesen. Die Photovoltaikbranche muss sich mit den Rahmenbedingungen einer reifenden Industrie arrangieren. Daher sind ständige Innovationen gefragt.
Solarenergie ist immer noch ein Nischenbereich. In Deutschland macht die Brutto-Stromerzeugung aus Sonnenlicht mittels photovoltaischer Anlagen gerade mal ein Prozent der Gesamtelektrizitätsbereitstellung aus. Dabei hatte Deutschland 2008 mit 5,4 GWp (Gigawattpeak) weltweit die größte installierte Kapazität, wovon allein 1,65 GWp in dem Jahr neu hinzukamen. Expansionsbedarf ist noch reichlich vorhanden, denn der Anteil an der Strombereitstellung soll bis 2020 auf sieben Prozent wachsen.
Dementsprechend sollten sich die Umsätze der deutschen Branche auch 2010 durchaus positiv entwickeln. Die inländische Erzeugung von Solarzellen und Solarmodulen wird weiter ausgeweitet und nähert sich jeweils einer Kapazität von 1,5 GWp. Für die Photovoltaikbranche war 2009 kein Krisenjahr und auch 2010 wird keines werden. Denn die Anreize für Privathaushalte wie auch Unternehmen bleiben hoch, mittels Photovoltaik Elektrizität für den Eigenbedarf und auch für die Einspeisung ins Netz zu produzieren. Unternehmen können dadurch zudem ihre Kohlendioxid-Emissions-Rechnung verbessern.
Die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz stufenweise sinkenden Subventionen, ein massiver Ausbau der weltweiten Produktionskapazitäten und dadurch sinkende Modulpreise erhöhen jedoch den Druck auf die deutschen Unternehmen der Photovoltaikbranche, durch Effizienzsteigerung der Module, Prozessoptimierung und Innovationen wettbewerbsfähige Preise anzubieten. Die größte Konkurrenz kommt dabei aus Asien, allen voran von chinesischen Herstellern. Der Druck wird noch steigen, da andere Länder, wie beispielsweise Taiwan und Indien, ihre Solaraktivitäten ausbauen.
Von den Veränderungen wird die deutsche Solarindustrie, die die ganze Palette benötigter Erzeugnisse und Dienstleistungen abdeckt, unterschiedlich betroffen werden. Distributoren sind stark auf den Inlandsmarkt ausgerichtet und bekommen von den Herstellern, die inzwischen vermehrt direkt an die Endkunden herantreten, Konkurrenz.
Zulieferer von Produktionsmaschinen vermelden höhere Auftragseingänge, da sie vom Ausbau der Solarindustrien in verschiedenen Ländern profitieren. Immerhin kamen die Zulieferer 2009 bereits auf eine Exportquote von 80%. Die Hersteller von Solarzellen und -modulen, die mit 8,1 Mrd. Euro die Hälfte des Gesamtumsatzes 2009 erzielten, erreichten eine Ausfuhrquote von 43%, so Zahlen des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). Ihr Ziel wird es nun sein, ihre Liefermöglichkeiten ins Ausland zu stärken.
Denn einer Branchenanalyse der Bank Sarasin zufolge soll der globale Photovoltaikmarkt 2010 um 46% expandieren. Dabei werden die größten Wachstumsmärkte aber nicht mehr nur in Europa liegen. Asien mit China und Indien sowie die USA werden in den nächsten Jahren die größten Wachstumsraten verzeichnen, so die Vorhersage, basierend auf den massiven Investitionsplänen der jeweiligen Regierungen. Nichtsdestotrotz wird Europa bei der absoluten Zahl an Neuinstallationen den internationalen PV-Markt weiter anführen und Deutschland weiterhin der größte Markt der Welt bleiben.
Deshalb werden die deutschen Solarunternehmen nicht nur ihre Exportfähigkeit zu erhöhen versuchen - sie wollen auch nicht im heimischen Markt aus dem Geschäft gedrängt werden: Immerhin wird erwartet, dass der Ausbaukorridor des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit auf 3,5 GWp für das Jahr 2010 mehr als verdoppelt wird.
Mit Innovationen soll die Pionierstellung der deutschen Photovoltaikunternehmen erhalten bleiben. Daher investieren sie 2010 voraussichtlich etwa 180 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung. Das wären um 35 Mio. Euro höhere Ausgaben als im Vorjahr. Die Investitionsbudgets sollen um 300 Mio. Euro auf 1,8 Mrd. Euro zulegen, so die Prognosen des BSW-Solar.
In allen Bereichen der Photovoltaik-Prozesskette, die deutsche Unternehmen abdecken, wird an Neuerungen gearbeitet. Maschinen und Anlagen sowie Herstellungsverfahren werden optimiert, um weniger Material zu verbrauchen und somit Rohstoff- und Energieverbrauch zu senken. Das Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme arbeitet an neuen Verfahren, um die Silizium-Solarzellen - die momentan am meisten genutzte PV-Technologie - zu verbessern. Prototypen mit einem Wirkungsgrad über 20% wurden bereits umgesetzt, so eine Pressemeldung des Forschungsinstitutes vom September 2009.
An alternativen Werkstoffen wird geforscht, um die Abhängigkeit nach Silizium zu verringern, auch wenn die Weltmarktpreise für Silizium in der jüngsten Vergangenheit eingebrochen sind. Zudem werden andere Eigenschaften und Komponenten erprobt. Ein Beispiel ist dabei die Dünnschicht-Solartechnik, die zwar einen geringeren Wirkungsgrad (derzeit kommerzielle Systeme rund 10%) erzielt, aber kostengünstiger herzustellen ist. Sie wird bereits umfangreich in großflächigen PV-Installationen eingesetzt.
Als Grundlage dienen hochwertige Substrate wie Glas, Edelstahl oder Polymerfolien. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) meldete im Oktober 2009, ein Dünnschicht-Solarmodul entwickelt zu haben, das auf Baustahlfolie aufgebracht werden kann. Dadurch ließe sich die Rohstoff- und Produktionskosten senken ebenso wie durch neue Produktionsverfahren.
In die Dünnschicht-Entwicklungsrichtung geht auch die organische Photovoltaik, die auf Basis elektrisch leitfähiger Polymere funktioniert. Diese lässt sich als dünne, flexible Beschichtung aufbringen und ist im Massendruckverfahren kostengünstig zu produzieren. Sie steht vor der Kommerzialisierung, so Angaben der Arbeitsgemeinschaft Organic Electronics Association im VDMA.
Durch Entwicklung von leichten und flexiblen PV-Technologien entstehen ganz neue Einsatzgebiete, wie beispielsweise die gebäudeintegrierte Photovoltaik. Bislang sind eher Einzelprojekte mit teuren Nischenlösungen vorherrschend. Deutschland hat gesetzliche Anforderungen an die Gebäudeeffizienz für neue wie auch an die Sanierung von Altbestand schon in Kraft gesetzt. Andere Länder in Europa, wie Frankreich und Italien, fördern die Energiesparmaßnahmen durch gebäudeintegrierte Photovoltaik.
Weitere Informationen zur Photovoltaikindustrie in Deutschland finden Sie unter:
www.gtai.com/homepage/industries/renewable-energies-resources/?backlink=0
(M.J.)

