| Datenbank: | Länder und Märkte |
|---|---|
| Titel: | Frankreich prescht voran bei Bioethanol |
| Datum: | 10.03.2010 |
| Land: | Frankreich |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Herr Dahm, Ruf: 0221/2057-274 |
Paris (gtai) - Frankreich hat die Produktion von Biokraftstoffen in den letzten Jahren dynamisch vorangetrieben. Mit dem Programm BioTfuel startete die Regierung 2009 ein neues Fünfjahresprojekt mit dem Ziel eines effizienteren Einsatzes agrarischer Ressourcen. Zu den letzten größeren Investoren gehört die spanische Abengoa mit einer Maisanlage in Lacq für 150 Mio. Euro. Die Kontroverse über den Nutzen von Biokraftsstoffen hält an, auch wenn die Forschungsagentur Ademe kürzlich einen positiven Effekt in Energieersparnis und CO2-Emission konstatierte.(Internetadressen)
Die Produktion von Bioethanol erreichte 2008 rund 1.000 Mio. l, während die 16 Mitgliedsländer der European Bioethanol Fuel Association (eBIO) zusammen 2.816 Mio. l erzeugten. 2006 noch auf dem dritten Rang hinter Deutschland und Spanien, schob sich Frankreich bereits 2007 an die Spitze in Europa. Die Regierung hat sich das Ziel gesetzt, dass bis Ende dieses Jahres 7% des Energiegehalts von Kraftstoffen aus Bioethanol verfügbar ist - zu Jahresbeginn waren es 5,75%. Dazu werden sowohl E85 als auch E10 gefördert.
Im November 2006 wurde eine "Charta zur Entwicklung des Kraftstoffs Superethanol E85" verabschiedet, die eine wesentliche Steigerung der Verwendung von Bioethanol in einem Zeitraum von fünf Jahren vorsah. Sie verpflichtete den Staat, die Landwirtschaft, Kraftstoffvertreiber und die Hersteller von Fahrzeugen, Kraftstoffen und Bioethanol, in Frankreich E85 und so genannte FFV-Fahrzeuge (flexible fuel vehicle) flächendeckend in den Markt einzuführen. Hierzu gab es ein ganzes Hilfspaket vom Staat, darunter die steuerliche Förderung von FFV-Fahrzeugen und die Herabsetzung des Energiesteuersatzes auf 33,43 Euro pro Hektoliter.
Das französische Mineralölunternehmen Total sah für die Umsetzung der Charta die Einführung von E85 bei 40% seiner Tankstellen vor. Mitte 2009 gab es in Frankreich circa 425 E85-Tankstellen. Anfang 2010 umfasste der FFV-Park insgesamt etwa 10.400 Fahrzeuge, allein ein Drittel wurde 2009 gebaut (3.135).
Die Verwendung des Biokraftstoffs Sp95-E10 wird seit dem April 2009 forciert. Das Bleifrei-Super-Gemisch besitzt einen zehnprozentigen Anteil an Bioethanol und löst das herkömmliche Bleifrei-Super Sp95 ab. Frankreich folgte damit einer EU-Vorgabe, wonach bis Ende 2010 der grüne Superkraftstoff in allen EU-Ländern eingeführt werden muss. Nach und nach soll der neue Sprit landesweit an allen Tankstellen eingeführt werden. Zur Frage der Motorenverträglichkeit wurde eine Website eingerichtet, laut welcher circa 60% des Fahrzeugbestands E10-tauglich sind.
Ende 2009 lancierte die Regierung das Programm BioTfuel, welches sich der zweiten Generation von mehr ökologischen Biokraftstoffen widmet. Geplant sind dazu zwei Pilotprojekte mit Investitionen von über 100 Mio. Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren - eine in Compiègne (Picardie) und die andere bei Total - denen bei Erfolg eine Reihe weiterer Anlagen folgen soll.
BioTfuel soll Frankreichs Vorreiterrolle in diesem Wirtschaftszweig weiter festigen. Das Ziel besteht in der Gewinnung von Biodiesel und Biokerosin aus agrarischen Abfällen, Sonnenblumenrümpfen und anderen bisher wenig valorisierten Stoffen. Das Programm wird von der Umwelt- und Energieagentur Ademe teilfinanziert. Die weiteren Partner im Projekt sind Total, das Institut Français du Pétrole, das Commissariat à l'Énergie Atomique und Sofiproteol, der Fachverband der Hersteller von Pflanzenöl.
Seitens der Industrie ist in der Bioethanolproduktion von den im Fachverband SNPAA organisierten Unternehmen in den letzten vier Jahren weit über eine Milliarde Euro investiert worden. Nach Angaben von eBIO ist Tereos mit sechs Anlagen und einer Gesamtkapazität von 725 Mio. l der größte Hersteller. An zweiter Stelle folgt Cristanol mit vier Anlagen und 540 Mio. l. Jeweils eine Anlage besitzen Saint Louis Sucre (90 Mio. l), CropEnergies AG (100), ABF (250) und Roquette(75). Im Bau ist ein zweites Werk von Roquette.
Eine der letzten großen Investitionen realisierte Abengoa aus dem spanischen Sevilla, der einzige Hersteller von Bioethanol auf Maisbasis. Nach erfolgreichen Testläufen und mit Unterstützung der Maiszüchter im Südwesten Frankreichs wurde die französische Tochter Abengoa Bioenergy France (ABF) gegründet und im Herbst 2008 eine industrielle Produktion im Werk Lacq in der Region Pyrénées-Atlantiques aufgenommen. Die Investitionskosten betrugen 150 Mio. Euro.
Die Partner von Abengoa sind die Kooperativen Pau Euralis, Maisadour, Vivadur und Lur Berri als die größten Maishändler der Regionen Aquitaine und Midi-Pyrénées. Bei einer Jahreskapazität von 250 Mio. l kann Abengoa etwa 450.000 t Mais verarbeiten, was 7 bis 8% der Maisernte entspricht. Quotenbedingt wird weniger als die Hälfte des Bioethanols in den Gemeinden verkauft, der Rest geht in den Export mit Schweden und den Niederlanden als wichtigsten Abnehmerländern. ABF erzielt einen Jahresumsatz von 135 Mio. Euro, der Umsatz des Mutterkonzerns Abengoa erreicht 3 Mrd. Euro, eingerechnet die drei Bioethanol-Anlagen in Spanien.
Dass es auch kritische Stimmen von Umweltexperten in Sachen Bioethanol gibt, scheint der Fortentwicklung bisher keinen Abbruch zu tun. Bezweifelt wird vor allem, ob der Effekt der CO2-Reduzierung wirklich deutlich größer ist als bei mineralischen Kraftstoffen. Ein weiteres Gegenargument besteht in der Verteuerung der agrarischen Rohstoffe, insofern ein Teil der agrarischen Nutzflächen für die Nahrungsmittelerzeugung wegfällt. Und nicht zuletzt wird der Effekt der Energieersparnis im Lichte des zusätzlichen Stromverbrauchs bei der Produktion infrage gestellt. Auch die OECD beanstandete in einer Studie nicht nur den ökologischen Nutzen, sondern hielt auch die Förderung für ökonomisch fragwürdig.
Um diese Zweifel auszuräumen, präsentierte die Forschungsagentur Ademe im Oktober 2009 eine Studie, die weder jubelt noch schmettert. Das Gesamtbild ist zwar in den einzelnen Produktzweigen kontrastreich, doch werden die von der Agrarwirtschaft in den nächsten fünf Jahren für die Produktion von Biokraftstoffen geplanten zusätzlichen Investitionen über rund 2 Mrd. Euro nicht infrage gestellt. Und unterm Strich bescheinigte Ademe den Biokraftstoffen sowohl einen positiven Effekt in der Energiebilanz als auch einen Einspareffekt bei den CO2-Emissionen gegenüber mineralischen Kraftstoffen zwischen 50 bis 80%.
Als die einzige Ausnahme mit einem wenig überzeugendem Profil deklariert Ademe den Biokraftstoff ETBE (Ethyl-tert-butylether). ETBE wird in den drei Raffinerien Le Havre (Feyzin), Dunkerque (Total) und Fos-sur-Mer (Lyondell) produziert und stellt über die Hälfte des in Frankreich konsumierten Ethanols. Ademe plädiert zwar nicht für die Einstellung der ETBE-Produktion, rät aber von weiteren Anlagen ab.
Ungeachtet der Unsicherheit arbeitete die Branche bereits seit längerem an der zweiten Generation, welche die Ökologiebilanz verbessern bzw. einen höheren Nutzen in der Rohstoffverwertung generieren soll. Bisher nutzen die Produzenten nur Biokraftstoffe aus Pflanzen wie Zuckerrohr, Zuckerrüben, Getreide und Pflanzenöl. Das Interesse soll in der Zukunft dahin gehen, die gesamte Pflanze einschließlich der bisher entsorgten Abfälle zu verwerten. Ein entsprechendes Projekt namens Futurol wurde bereits 2008 mit elf Partnern und einer Pilotanlage in Pomacle (Marne) gestartet.
Ministère de l'Écologie, de l'Énergie, du Développement durable et de l'Aménagement du territoire
www.developpement-durable.gouv.fr
Institut Francais de l'Environnement
Agence de l'environnement et de la maîtrise de l'énergie
Syndicat National Production Alcool Agricole
European Bioethanol Fuel Association (eBIO)
Newsletter
Village Bioéthanol - Salon International de l'Agriculture (SIA)
(W.D.)

