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Schwerpunkt: Kanada

Gute Aussichten für den Medizintechnikmarkt

Lieferanten von bildgebender Diagnostik haben gute Chancen

Toronto (gtai) - Kanadas Medizintechnikmarkt dürfte auch künftig mit Raten im niedrigen einstelligen Bereich wachsen. Angesichts einer alternden Bevölkerung bleiben die Aussichten langfristig positiv. Das Land bezieht den Großteil seiner medizintechnischen Geräte aus dem Ausland. Vor allem bei der bildgebenden Diagnostik bleibt Kanada auf Importe angewiesen. Diese haben sich nach einem Rückgang im Jahr 2010 inzwischen wieder erholt. Die deutschen Lieferungen stiegen in den ersten zehn Monaten 2011 um 16%.

Der kanadische Markt für Medizintechnik wächst jedes Jahr um durchschnittlich 2% und dürfte 2011 ein Volumen von rund 7 Mrd. kanadischen Dollar (kan$; 5,2 Mrd. Euro; Wechselkurs am 20.12.11: 1 Euro = 1,35 kan$) erreichen. Für 2012 erwartet der Branchenverband Canada's Medical Technology Companies (Medec) erneut moderate Zuwächse im einstelligen Bereich. Mittel- bis langfristig bleiben die Aussichten für den Markt positiv, da - wie in den meisten Industrieländern - auch in Kanada der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre zunimmt und mit ihm die Gesundheitsausgaben.

Einfuhr ausgewählter medizintechnischer Produkte nach Kanada (in Mio. kan$)

HSProduktgruppe

2009

2010

Januar - Oktober 2011

davon aus Deutschland

9018.11-.20Elektrodiagnoseapparate und -geräte

460

453

405

71

9022Röntgenapparate etc.

457

436

369

95

8419.20Sterilisierapparate

29

34

28

1

8713Rollstühle

43

43

42

0

9018.41, .49Zahnmedizinische Instrumente, a.n.g.

178

172

151

25

9018.31-.39Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

590

580

515

8

9018.50Ophthalmologische Instrumente

84

91

78

7

9018.90Andere Instrumente, Apparate und Geräte

1.061

1.013

896

59

9019, 9020Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

443

418

380

7

9402Medizinmöbel etc.

153

160

163

4

9021Orthopädietechnik, Prothesen etc.

1.078

1.075

937

27

Summe

4.576

4.475

3.964

304

Quelle: Statistics Canada

Gesundheitsausgaben 2011 erstmals über 200 Mrd. kan$

Einer Prognose des Canadian Institute for Health Information (CIHI) zufolge dürften die Gesundheitsausgaben 2011 erstmals über 200 Mrd. kan$ steigen - ein Plus von 4% gegenüber dem Vorjahr. Die Pro-Kopf-Ausgaben sollen im betrachteten Zeitraum um knapp 3% auf 5.811 kan$ zulegen, so das Forschungsinstitut. Rund 70% der Gesundheitsausgaben werden durch die öffentliche Hand finanziert, der Rest entfällt auf den Privatsektor.

Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird mit 11,6% nahezu konstant bleiben.

Die Finanzierung des Gesundheitssystems dürfte die Haushalte der kanadischen Provinzen in den kommenden Jahren noch stärker belasten als bisher. Denn 2013 läuft eine Verpflichtung der Zentralregierung aus, die Kosten über einen Zeitraum von zehn Jahren mit rund 40 Mrd. kan$ zu bezuschussen.

Die Provinzregierungen, die bereits heute mit einem Haushaltsdefizit von zusammen 100 Mrd. kan$ zu kämpfen haben, müssen dringend Effizienzsteigerungen im Gesundheitswesen erzielen - auch durch den Einsatz moderner Medizintechnik.

Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Kanada
IndikatorWert (Jahr)
Einwohnerzahl (Mio.)34,5 (2011)
Bevölkerungswachstum (% p.a.)1,2 (2011)
Altersstruktur der Bevölkerung
.Anteil der unter 14-Jährigen (%)16,4 (2011)
.Anteil der über 65-Jährigen (%)14,4 (2011)
Durchschnittliche Lebenserwartungen bei Geburt (Jahre)
.Männer79 (2011)
.Frauen83 (2011)
Durchschnittseinkommen (kan$/Woche)786 (2010)
Gesundheitsausgaben pro Kopf (kan$/Jahr)5.613 (2010)
Anteil der Gesundheitsausgaben (% des BIP)11,7 (2010)
Ärzte/100.000 Einwohner190 (2010)
Zahnärzte/100.000 Einwohner57,6 (2009)
Krankenhausbetten/100.000 Einwohner340 (2009)

Quellen: Statistics Canada, Canadian Institute for Health Information, Global Health Fact, 2011

Diagnostik expandiert besonders

Etwa drei Viertel aller auf dem kanadischen Markt erhältlichen medizintechnischen Geräte werden importiert. Wichtigste Lieferanten sind die USA, Japan, Deutschland und die Schweiz. Eine Reihe von geplanten Klinikneu- und -ausbauten dürften die Nachfrage nach medizinischen Geräten weiter vorantreiben.

Als expandierendes Marktsegment gilt die Diagnostik, vor allem die Früherkennung durch Imaging-Geräte. Auch die Vernetzung von Informationstechnologien und E-Health gehören zu den Wachstumsfeldern.

Der Branchenverband Medec unterteilt den kanadischen Medizintechnikmarkt in vier Segmente: Verbrauchsmaterialien, elektromedizinische Geräte, bildgebende Diagnostik sowie Homecare-Produkte. Generell gilt: Je technisch anspruchsvoller das Produkt ist, desto größer sind die Lieferchancen für deutsche Unternehmen. Die Nachfrage nach medizinischen Verbrauchsmaterialien decken größtenteils lokale Anbieter.

Die Wachstumssausichten für elektromedizinische Geräte schätzt Medec weiterhin positiv ein. Gefragt sind vor allem Apparate zur Behandlung altersbedingter Krankheiten - insbesondere im Orthopädiebereich. So soll der Bedarf an künstlichen Hüft-, Schulter- und Kniegelenken in den nächsten Jahren überdurchschnittlich zunehmen. Auch für Produkte zur Diagnose und Behandlung von Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten werden gute Absatzmöglichkeiten vorhergesagt. Denn bis 2025 soll der Anteil der Kanadier, die über 65 Jahre sind, von heute 14 auf 25% steigen, so eine Prognose von CIHI.

Der Bereich bildgebende Diagnostik entwickelt sich ebenfalls positiv und bietet aufgrund der hohen Importabhängigkeit Kanadas für deutsche Anbieter weiterhin günstige Lieferchancen. Rund ein Viertel des Marktes entfällt auf Ultraschallgeräte, weitere 21% auf nuklearmedizinische Apparate, 19% auf Magnet-Resonance-Imaging- (MRI) und 17% auf Computertomografiegeräte (CT), so eine Erhebung von Mars Discovery District.

Auf dem kanadischen Markt wurden 2008 rund 11% mehr Geräte als im Vorjahr abgesetzt. Die Verkäufe von CT-Geräten legten sogar um 30% zu, die von MRI-Apparaten um 8%. Im Jahr 2009 waren 266 MRI- sowie 465 CT-Geräte im Einsatz, davon 95% in Krankenhäusern und der Rest in Privatkliniken. Im internationalen Vergleich hinkt Kanada bei der Versorgung mit Imaging-Geräten hinter den übrigen Industrieländern hinterher, so eine Studie der OECD aus dem Jahr 2007.

Demnach kamen in Kanada lediglich 6,7 MRI-Geräte auf 1 Mio. Einwohner. Zum Vergleich: Der OECD-Schnitt lag bei 11,0. Bei CT-Scannern lag das Land mit 12,7 Apparaten pro 1 Mio. Einwohner ebenfalls weit unter dem Durchschnitt von 20,2 Scannern. Aufgrund dieser Ausstattungsmängel bestehen für Patienten lange Wartezeiten. Der Markt der bildgebenden Diagnostik wird von GE Healthcare, Philips und Siemens dominiert. Die drei Konkurrenten kommen auf einen Marktanteil von zusammengenommen 80%.

Homecare immer wichtiger

Das Homecare-Segment bietet ebenfalls wachsende Absatzchancen. Denn Kanadas Gesundheitssystem hat zunehmend damit zu kämpfen, dass ältere Patienten Klinikbetten beanspruchen, da es keine Möglichkeit gibt, sie zu Hause weiter zu behandeln und zu pflegen, obwohl dies aus medizinischer Sicht unbedenklich wäre. Dadurch stehen den Krankenhäusern weniger Betten für Notfallpatienten zur Verfügung. Laut CIHI gehen dadurch jedes Jahr knapp 2 Mio. Kliniktage "verloren".

Entsprechend dürfte der Bedarf an Homecare-Produkten wie portable Diagnoseapparate, Patientenüberwachsungssysteme etc. in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Auch hier ist Kanada bislang stark auf Importe angewiesen. Gleiches gilt für die Sparte Dentalmedizin. Deren Marktvolumen wird für 2010 auf rund 500 Mio. kan$ geschätzt. Zunehmend beliebter werden nicht-invasive Behandlungen. Eingriffe und Operationen, die zielgerichtet und effizient sind, aber keine großen Wunden hinterlassen, finden häufiger Anwendung.

Einfuhren aus Deutschland steigen um 16%

Nachdem die kanadischen Einfuhren von Medizintechnik 2010 leicht um 2% auf rund 4,5 Mrd. kan$ zurückgingen, stehen für 2011 die Zeichen wieder auf Wachstum. In den ersten zehn Monaten importierte Kanada Geräte und Ausrüstung im Wert von fast 4 Mrd. kan$ und damit 8% mehr als in der Vorjahresperiode. Wichtigste Lieferländer sind die USA, auf die rund die Hälfte der Importe entfallen, sowie Japan, Deutschland und die Schweiz.

Die Einfuhren aus Deutschland verzeichneten von Januar bis Oktober 2011 sogar einen Zuwachs von 16% auf 304 Mio. kan$. Besonders gefragt waren Röntgenapparate mit einem Plus von 28% auf 95 Mio. kan$ sowie Elektrodiagnosegeräte, die um knapp 20% auf 71 Mio. kan$ zulegen konnten.

Hinweis: Dieser Artikel wurde gekürzt. Weitere Informationen - insbesondere zu Geschäftspraxis sowie Produktion und Branchenstruktur enthält die Vollversion der "Branche kompakt - Medizintechnik - Kanada, 201".

Boris Alex

amerika@gtai.de

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