05/2013

Glückauf im kanadischen Norden

Rohstoffe. Im Norden der Provinzen Ontario und Quebec sollen bald Mineralien,  Erze und Seltene Erden in großem Stil gefördert werden. Dafür muss in den abgelegenen Abbaugebieten die Infrastruktur geschaffen werden.

"Ring of Fire" ist nicht nur ein bekanntes Lied des Countrysängers Johnny Cash, sondern steht neuerdings für ein milliardenschweres Rohstoffprojekt in der kanadischen Provinz Ontario. Seit in den James Bay Lowlands im Nordosten Ontarios umfangreiche Vorkommen an Mineralien, Metallen und Seltenen Erden entdeckt wurden, haben zahlreiche Unternehmen ihre Ansprüche in dem 20.000 Quadratkilometer großen Gebiet abgesteckt. "Bislang wurden knapp  300 Millionen US-Dollar (US$) in die Exploration der Lagerstätten investiert", erklärt Dr. Christine Kaszycki, Ontarios Koordinatorin des Ring-of-Fire-Projekts.

Seit 2007 wurden bereits 16.400 Grubenfelder an mehr als 20 Bergbauunternehmen vergeben. Die Firmen konzentrieren sich dabei auf einen gut 20 Kilometer langen Streifen, in dem die größten Vorkommen an Chromit, Nickel, Kupfer, Zink und Gold bereits nachgewiesen wurden oder vermutet werden. Einer der größten Investoren ist Cliffs Natural Resources aus den USA. Der Bergbaukonzern möchte über die nächsten zehn Jahre insgesamt 3,3 Milliarden US$ in die Exploration von Chromit investieren. Derzeit befindet sich das Projekt in der Vorbereitungsphase. Spätestens ab 2016 soll das erste Chromit im Tagebau gefördert werden.

Das kanadische Unternehmen Noront  Resources hat bislang 150 Millionen US$ in sein Ring-of-Fire-Vorhaben investiert. Die Junior Mining Company – so werden die Firmen in der Bergbaubranche bezeichnet, die sich auf die Exploration von Rohstoffvorkommen beschränken, aber in der Regel nicht selbst fördern – hat 2007 umfangreiche Lagerstätten mit Nickel, Kupfer, Platin und Palladium entdeckt. In diese will Noront in den nächsten Jahren rund 600 Millionen US$ stecken.

Doch der Weg vom Bergwerk zu den  Abnehmern der Rohstoffe, den Veredlern und der Industrie, ist lang und beschwerlich. "In den Abbaugebieten ist nicht einmal eine Basisinfrastruktur vorhanden", gibt Kaszycki zu bedenken. Der Ring of Fire liegt in einem riesigen Sumpfgebiet, und die existierenden Straßen sind nur im Winter, wenn der Boden gefroren ist, befahrbar. "Abgesehen davon gibt es keine Stromversorgung und keinen Anschluss an das Telekommunikationsnetz", sagt Dr. Christine Kaszycki.

Vor der gleichen Herausforderung steht die frankokanadische Provinz Quebec. Die Regierung hatte 2010 mit dem Plan Nord einen ambitionierten Entwicklungsplan für die abgelegenen Regionen im Norden der Provinz auf den Weg gebracht. Bis 2035 sollen umgerechnet  80 Milliarden US$ in die rohstoffreichen Gebiete jenseits des 49. Breitengrads fließen. Derzeit befinden sich rund 30 Bergbauprojekte vor allem aus dem Metallbereich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Doch um sein Rohstoffpotenzial besser auszuschöpfen, braucht auch der Norden Quebecs rasch eine Infrastruktur. Allein um die Region an das Verkehrsnetz anzubinden und mit Strom zu versorgen, werden Investitionen in Milliardenhöhe benötigt. Die Provinzregierung setzt dabei auch auf erneuerbare Energien. Schätzungen zufolge könnten 3.500 Megawatt Kapazität über Wind- und Solarkraftanlagen gedeckt werden.

Die Beteiligungsmöglichkeiten auch für internationale Unternehmen sind vielfältig. "Gebraucht wird prinzipiell alles, was beim Bau neuer Bergwerke zum Einsatz kommt", meint Aarti Mona Soerensen, die bei der Deutsch-Kanadischen Industrie- und Handelskammer das Kompetenzzentrum für Bergbau und Rohstoffe leitet. "Sofern bei Maschinen und Ausrüstung exzellente Qualität garantiert werden kann, sind kanadische Betreiber in der Regel offen, neue Marktanbieter in Betracht zu ziehen", erklärt sie.

Dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zufolge zählt Deutschland bereits heute zu Kanadas wichtigsten Lieferanten von Bergbauausrüstungen. Hier belegen deutsche Unternehmen hinter den USA und China den dritten Platz, bei Fördertechnik sogar den zweiten Rang nach den USA. Mithilfe des Ring of Fire und des Plan Nord dürften sich die Lieferchancen weiter erhöhen.

Text: Boris Alex, Germany Trade & Invest Toronto

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