05/2017

Ostafrika: die Malls verändern alles

Two Rivers Mall in Nairobi | © picture alliance/Photoshot Szenenwechsel: Kenia in Ostafrika. Dort gibt es schon seit Jahrzehnten kaum neue Jobs. Die Aussichten sind also eigentlich nicht rosig. Aber auch hier tut sich einiges, wie die Geschichte der Zwillingsschwestern Caroline und Rosemary Magondu zeigt.

Als die beiden im Jahr 2009 ihren Job verloren, weil die Fluggesellschaft pleiteging, bei der sie angestellt waren, blieb ihnen nur die Selbstständigkeit. So wurden die Magondus Franchisenehmer des US-Kosmetikherstellers Revlon und eröffneten in Nairobis Nobelvorort Karen einen bescheidenen Schönheitssalon.

Im Jahr 2011 entstand dann ganz in der Nähe die Galleria, eines der ersten modernen Shoppingcenter Nairobis. Die Schwestern nahmen ihren ganzen Mut zusammen und mieteten sich ein. "Unsere Geschäftsmiete explodierte um das Sechsfache", erinnert sich Rosemary Magondu. "Unsere Kunden waren aber kaum mal bereit, 20 Prozent mehr zu bezahlen." Der Mut hat sich trotzdem ausgezahlt. Heute besitzen die Zwillinge einen zweiten Salon – im noch moderneren Einkaufszentrum The Hub in Nairobi-Karen. "Extreme Styling Studio" heißt ihre Marke, und sie bietet jede Menge Zeitvertreib: Haare, Nägel, Make-up, Massage. Dazu ein Glas Wein. Viele kommen mit Freundinnen und bleiben viele Stunden, sagt Caroline. Beliebt seien Styling Parties vor Hochzeiten: Braut und Brautjungfern lassen sich stundenlang verschönern, sprudelnde Getränke heben die Stimmung – ein hervorragendes Geschäft.

Sicherer und sauberer Einkauf

Wer in einer guten kenianischen Mall unterkommen will, braucht erstklassige Referenzen, ein gutes Ladendesign und eine attraktive Angebotspalette. Im Zweifel helfen die Mallbetreiber nach und vermitteln Kontakte zu westlichen Konsumgüterherstellern. Ankermieter ist immer ein großer Supermarkt – in den beiden kenianischen Spitzenmalls Two Rivers Mall und The Hub jeweils die französische Kette Carrefour. Überall in Kenia und – mit Verspätung – auch in den Nachbarländern schießen die neuen Supermalls aus dem Boden. Sie sind für den Handel in Ostafrika ein Game Changer.

Kunden stellen ihre Autos dort auf sicheren und großen Parkplätzen ab und geben dann in lärm- und dreckfreiem Ambiente ihr Geld aus. Ausländische Markenartikler können ihre Produkte erstmals angemessen präsentieren. Inländische Anbieter etwa von Gewächshausgemüse finden Kunden für hochwertige Waren. Bleibt die Frage nach der Herkunft von Investitionsgeldern für die Malls und den Eigentumsverhältnissen, die sich allerdings eher für private Gespräche eignet.

Die Erfolgsgeschichte der kenianischen Malls zeigt dennoch eindrücklich, dass Privatwirtschaft in Afrika funktioniert, sofern sie nur den notwendigen Spielraum bekommt. Gerade dieses Beispiel könnte als Vorbild für die neue Art von ökonomischem Engagement dienen, für die auch die Afrika­initiativen sowohl in Europa als auch in Deutschland stehen sollen. Denn die Malls gehören in Kenia zu den wenigen Wirtschaftszweigen, welche die Politik weitgehend in Ruhe lässt.

Ostafrika: Zeit zu handeln | © GTAI/KammannRossi

Perspektiven für junge Menschen

Am Beispiel Kenia zeigt sich auch deutlich der Zusammenhang zum Flüchtlingsproblem: Jedes Jahr verlassen rund eine Million junger Menschen das kenianische Bildungssystem, haben aber so gut wie keine Chance auf einen formalen Arbeitsplatz. Viele von ihnen wissen, wie man nach Europa, Nordamerika und in die Golfstaaten kommt, legal und mitunter auch illegal.

Und der ostafrikanischen Politik ist es recht: Auslandsbürger generieren in der Region die höchsten Devisenzuflüsse. Wer junge Menschen langfristig von der Flucht abhalten will, muss ihnen eine Perspektive, muss ihnen Arbeitsplätze bieten. Kenia kann das unter anderem mit seinen Shoppingmalls.

Im benachbarten Äthiopien entstehen neue Industriezentren. Und die Insel Mauritius im Indischen Ozean macht seit einigen Jahren mit Business Process Outsourcing von sich reden: Auf Mauritius können internationale Konzerne Callcenter, Lohnbuchhaltung und Abrechnungsservices in Anspruch nehmen, Rechtsberatung und IT-Dienste. Eins ist klar: Die Eliten Ostafrikas wollen mit der Welt Geschäfte machen. "Hilfe" ist hier längst ein Schimpfwort.