06/2017

Verkaufsargumente

Deutsche Unternehmen haben der Welt mehr zu bieten als Maschinen. Auch mit Konsumgütern können sie im Ausland Fuß fassen. Markets International stellt die wichtigsten Konsumtrends vor – und Mittelständler, die sie nutzen.
von Oliver Döhne, Marcus Knupp, Gerit Schulze, Heiko Steinacher

Logistikzentrum von Zalando in Erfurt. Das eigentliche Produkt heißt: Bequemlichkeit. | © Moore/NYT/Redux/laif
Bequem, maßgeschneidert und gesund. Das Passauer Start-up Mymuesli erfüllt gleich drei Kriterien des Konsums von morgen. Seit dem Jahr 2007 können sich Kunden online aus 80 Biozutaten ihr individuelles Müsli zusammenstellen. Was als kleines Start-up dreier Studenten begann, ist mittlerweile zu einer europäischen Erfolgsgeschichte mit 700 Beschäftigten und Niederlassungen in Österreich, der Schweiz und seit 2016 auch in Schweden herangewachsen. Obwohl anfangs nur online aktiv, hat Mymuesli inzwischen mehr als 50 Shops eröffnet und ist mit seinen auffallenden Dosen auch immer häufiger in Supermärkten zu finden. Ohne die ungewöhnliche Idee, eine clevere Medienarbeit und die so erzeugte Aufmerksamkeit hätten die Passauer dort inmitten all der Konzernkonkurrenz wohl kaum eine Chance gehabt.

Digitale Revolution, neue Art Konsum

Die Welt hat sich verändert: Für die sogenannten Millennials, zwischen 1980 und 2000 geboren und die größte Konsumentengruppe, ist ein schneller Zugang zu Informationen über das Internet selbstverständlich. Gleichzeitig geben sie auch großzügig und unbesorgt Details über ihre eigenen Konsumgewohnheiten preis. So ermöglichen sie es Unternehmen, sich ihnen individuell anzunähern. "Wer die qualitativ besten Daten hat, kann am besten eine Antwort geben", sagt der Schweizer Trendforscher David Bosshart, Geschäftsführer des Gottlieb Duttweiler Instituts. Das gelte auch für kleine und mittlere Betriebe. "Man muss als Mittelständler keine Strategie zum Thema künstliche Intelligenz haben, aber man muss verstehen, was einem weiterhilft und was nicht."

Konsumgütermärkte | © GTAI/KammannRossi

Bosshart betont: Unternehmen sollten Konsumentenwünsche nicht als isolierte Trends betrachten. Auch sei nicht ein Trend bedeutender als der andere. Wichtig sei die Gesamtentwicklung. "Es geht um Konstellationen in Netzwerken, die sich situativ anpassen." Zu den vernetzten Konsumtrends im Zeitalter der Digitalisierung gehören für ihn vier Trends, die Mittelständlern internationalen Erfolg bringen können.

Erster Trend Convenience: Der Wunsch nach einem bequemeren Leben: Er ist seit jeher eine der Haupttriebfedern von Innovation und Fortschritt. Seit das Internet Angebote transparent und vergleichbar gemacht und die Auswahl stark erhöht hat, will der Konsument nicht mehr nur bequeme und leicht zugängliche Produkte, sondern vor allem auch einen bequemen Einkauf erleben. Er will sich stressfrei informieren, er will ausprobieren, etwas schnell geliefert bekommen, einfach zubereiten, individuell einstellen, leicht und schnell konsumieren, problemlos umtauschen.

Zweiter Trend Premium: Der Wunsch nach Exklusivität. Er erhält immer dann Rückenwind, wenn einst unerschwingliche Produkte durch technischen Fortschritt und gesellschaftlichen Aufschwung nach unten durchgereicht werden – wenn sich Luxus also demokratisiert und sich Konsumenten davon erneut abgrenzen wollen. Sowohl in entwickelten Volkswirtschaften wie auch in Schwellenländern steigt der Bedarf an Premiumprodukten spürbar.

Dritter Trend Individualität: Der Wunsch nach Individualität. Wohlstand, Bildung und Mobilität sowie die scheinbar unbegrenzten Alternativen im Internet geben Konsumenten mehr Wahlmöglichkeiten, insbesondere, um sich selbst zu definieren. Daher geben sie sich nicht mehr mit vorausgewählten Sortimenten zufrieden, sondern suchen nach maßgeschneiderten Produkten, die sie sich idealerweise direkt selbst entwerfen.

Vierter Trend Nachhaltigkeit: Der Wunsch nach verantwortungsvollem Konsum ohne Kollateralschäden. Kunden wissen heute, wo und wie Waren produziert werden und wie sich das auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt. Mit steigendem Wohlstand und demografischem Wandel rückt ein in jeder Hinsicht gesunder und verantwortungsvoller Konsum in den Blick. Es geht um Lebensqualität und Selbstoptimierung.

GTAI-Future: Deutsche Konsumgütermärkte | © GTAI/KammannRossi GTAI Future - Zahlen, Daten, Fakten.

"Deutsche Konsumgüter – Exportchancen auf Märkten weltweit"

In der Kosmetikindustrie setzt sich ebenfalls der Trend zu natürlichen Produkten fort. Laut Grand View Research wird sich der globale Umsatz mit Bio-Beauty, der 2016 bei rund elf Milliarden US-Dollar lag, in den kommenden acht Jahren verdoppeln. Dabei ist das Verkaufsargument "natürlich" bislang undefiniert. Im Fall von Biokosmetika haben die Behörden im größten Markt USA angefangen, Produkte genauer auf ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen. Dank einer wachsenden Zahl von Beauty Blogs und Social Media Accounts, die sich mit dem Thema chemiefrei beschäftigen, sind Konsumenten immer besser über Nachhaltigkeit informiert. Anbieter von umweltbewussten Produkten sollten also schon im eigenen Interesse vor allem für eins sorgen: Transparenz.

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