Branchencheck

15.06.2018

Branchencheck - Côte d'Ivoire (Juni 2018)

Inhalt

Dynamik auf breiter Ebene / Von Carsten Ehlers

Abidjan (GTAI) - In Côte d'Ivoire bestehen in diversen Branchen Liefer- und Beratungschancen für deutsche Unternehmen. In den Bereichen Bau, Energie, Einzelhandel oder der Nahrungsmittelindustrie besteht Hochkonjunktur. Auch in der Landwirtschaft wird reichlich investiert, zunehmend auch in die Verarbeitung lokal geernteter Produkte. Minenprojekte werden seit Jahren im Goldbergbau durchgeführt und auch im Öl- und Gassektor könnte es zu größeren Investitionen kommen.

Energiewirtschaft: KfW stellt Kapital für erneuerbare Energien bereit

Der Stromsektor erlebt eine Phase hoher Investitionen, die auch anhalten dürfte. Die derzeit bei knapp über 2.000 Megawatt liegenden Stromerzeugungskapazitäten sollen bis zum Jahr 2020 die 4.000-Megawatt-Schwelle überschritten haben. Private Investitionen fließen in den Ausbau der thermischen Kraftwerke wie Ciprel und Azito. Mit chinesischer Unterstützung werden Wasserkraftwerke wie das Ende 2017 eingeweihte Soubré gebaut. Weitere Dämme sind geplant. Ebenfalls werden im Rahmen des West African Power Pool (WAPP) Hochspannungsleitungen in die Nachbarländer verlegt. Zu Projekten dürfte es im Bereich der erneuerbaren Energien kommen. So soll unter anderem die KfW im Rahmen der "G20 - Compact with Africa"-Initiative 95 Millionen Euro für die Finanzierung von Fotovoltaik-Anlagen bereitstellen.

Weitere Informationen:

Côte d'Ivoire will Westafrika mit Strom versorgen, http://www.gtai.de/MKT201805168010

Bauwirtschaft: Zahlreiche Hochbauprojekte in Abidjan

Das Land befindet sich seit Jahren in einem Bauboom. Zwar dürfte sich dieser etwas abschwächen, aber die Aussichten bleiben positiv. Insbesondere private Akteure investieren in der Wirtschaftsmetropole Abidjan in Büros, Einkaufszentren, Hotels, Wohnungen und neue Fabriken. Auch muss nach den bis 2012 andauernden politischen Unruhen immer noch kräftig in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden. Vor allem internationale Geberorganisationen, aber auch private Unternehmen stellen das Geld für Projekte zur Verfügung. Fahrplan für die in der Regel von der Regierung ins Spiel gebrachten Projekte ist der Plan Nationale de Développement (PND). Neben dem Ausbau der Häfen in Abidjan und San Pédro stehen insbesondere die Erweiterung des Straßennetzes und der Bau neuer Kraftwerke im Mittelpunkt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Côte d'Ivoires Bauwirtschaft hat Hochkonjunktur, http://www.gtai.de/MKT201806078012

Gesundheitswirtschaft: Nouvelle Clinique Farah investiert

Im insgesamt schlecht ausgestatteten Gesundheitssektor kommt es zu diversen Investitionen verbunden auch mit Lieferchancen. So hat erst kürzlich die Abidjaner Privatklinik Nouvelle Clinique Farah (NCF) 22,8 Millionen Euro in den Ausbau investiert. Das Krankenhaus, welches Konkurrent der Polyclinique Internationale Sainte-Anne-Marie (Pisam) ist, will der Oberklasse medizinische Dienstleistungen nach internationalen Standards anbieten. Ein Teil des Personals wurde zudem in Deutschland ausgebildet. Darüber hinaus investieren verschiedene Geberorganisationen immer wieder in den Ausbau der medizinischen Grundversorgung in ländlichen Regionen.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Ausbau der Verarbeitung

Sowohl in den Anbau als auch in die Weiterverarbeitung wird investiert. Das dürfte auch in den kommenden Jahren deutschen Unternehmen Lieferchancen bringen. Côte d'Ivoire produziert einerseits Cash-Crops für die Weltmärkte, wie Kakao, Kautschuk oder Cashewnüsse. Für den lokalen und regionalen Absatzmarkt werden unter anderem in großen Mengen Palmöl und Zuckerrohr produziert. Dort und beim Anbau von Reis, Mais, Kassava und Geflügelfleisch werden zahlreiche Investitionen durchgeführt. Dies betrifft nicht nur den landwirtschaftlichen Anbau, sondern bei Kakao, Palmöl, Kautschuk, Cashewnüssen oder Reis auch die Weiterverarbeitung. Die zahlreich in Abidjan entstandenen Supermärkte fragen zudem verstärkt nach frischem lokal produzierten Obst und Gemüse nach.

Weitere Informationen:

Côte d'Ivoire entwickelt sich zum Brotkorb Westafrikas, http://www.gtai.de/MKT201805158001

Bergbau: Weitere Goldminen geplant

Zu Lieferchancen für Bergbautechnik kommt es immer wieder. Noch vor etwa zehn Jahren spielte der Sektor kaum eine Rolle in dem Land. Seitdem aber kam es zu zahlreichen Projekten im Goldbergbau. Bis zum Jahr 2020 strebt die ivorische Regierung eine Goldproduktion von 60 Tonnen im Jahr an. Zuletzt wurde Anfang 2018 die Sissingué-Goldmine von Perseus Mining eröffnet. Eine Reihe weiterer Minen begannen in den letzten Jahren mit der Produktion, darunter Tongon (Randgold), Agbaou (Endeavour Mining) und Yaouré (Perseus Mining). Côte d'Ivoire verfügt im Gegensatz zu Ghana über ein äußerst investorenfreundliches Bergbaugesetz. Bergbauzulieferer haben sich bislang kaum in Côte d'Ivoire angesiedelt. Viele betreiben ihre regionale Niederlassung in Ghana.

Öl/Gas: Es könnte bald zu größeren Projekten kommen

Lieferchancen für Ausrüstungen dürften in den kommenden Jahren bestehen. Der ivorische Öl- und Gassektor befindet sich noch in der Phase des Entstehens und die Abbaumengen vor der Küste sind noch klein. Im Jahr 2016 lagen sie bei etwa 53.000 Barrel pro Tag. Bis 2020 strebt die Regierung eine Produktion von 200.000 Barrel pro Tag an. Aufgrund der vielversprechenden Aussichten sind Unternehmen wie Tullow Oil, Exxon Mobil, Total und Anadarko für die Exploration ins Land gekommen. Im Hafen von Abidjan beabsichtigt zudem ein von Total angeführtes Konsortium den Bau eines Ölterminals, der über Pipelines mit den Produktionsstätten verbunden werden soll. Für das Projekt werden 1 Milliarde US-Dollar (US$) veranschlagt.

Nahrungsmittelindustrie: Innovative Lösungen gefragt

Investitionen werden weiterhin im Bereich der Nahrungsmittelindustrie fließen, auch wenn es zuletzt etwas ruhiger geworden ist. Auch die existierenden Fabriken benötigen immer wieder neue Lösungen zum Beispiel für die Versorgung mit Strom und Wasser oder die Abfallentsorgung. Für die deutsche Wirtschaft ist die Nahrungsmittelindustrie eine der wichtigsten Abnehmerbranchen in Côte d'Ivoire. Aus Deutschland werden in erster Linie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sowie Chemikalien zugeliefert. In den letzten Jahren kam es zu zahlreichen Investitionen in neue Fabriken. In den Abidjaner Industriezonen Youpogon und Vridi hat sich eine Vielzahl von Nahrungsmittelherstellern angesiedelt, die unter anderem Getränke, Süßwaren, Molkereiprodukte und Fleisch produzieren.

Weitere Informationen:

Côte d'Ivoire entwickelt sich zum Brotkorb Westafrikas, http://www.gtai.de/MKT201805158001

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Viel Geberkapital für die Wasserversorgung

Lösungen insbesondere im Bereich der Wasserversorgung dürften vermehrt gefragt sein, denn internationale Geber wie die Weltbank, Frankreich oder China stellen reichlich Geld für den Ausbau der öffentlichen Wasserversorgung zur Verfügung. Der Wasserbedarf des Landes steigt rasant an und die gegenwärtige Infrastruktur ist überfordert. Dem ivorischen Staat stehen kaum Mittel für den Ausbau der Netze zur Verfügung. Insbesondere Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserversorgung dürften bei der Regierung eine zunehmende Priorität genießen. Das hohe Bevölkerungswachstum sowie zahlreiche Aktivitäten in den Bereichen Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung ließen die Wassernachfrage in den letzten Jahren nach oben schnellen.

Weitere Informationen:

Côte d'Ivoire sucht Investoren für die Abfallentsorgung, http://www.gtai.de/MKT201805158003

Frankreich und die Weltbank engagieren sich zunehmend in der Wasserversorgung Côte d'Ivoires, http://www.gtai.de/MKT201805148005

Nahrungsmittelmarkt: Importe aus Frankreich dominieren weiterhin

Weiteren Bedarf nach Nahrungsmitteln dürfte der expandierende Einzelhandel nach sich ziehen. Die Bevölkerung wächst jährlich um 600.000 Einwohner und diesen Mehrbedarf kann die eigene Landwirtschaft selbst bei hohen Investitionen nicht decken. Daher werden nicht nur hochwertige Produkte sondern auch Massennahrungsmittel wie Weizen, Milchpulver oder Reis in großen Mengen importiert. Die auf die Mittelklasse zielenden Malls bieten insbesondere für teurere und frische Nahrungsmittel zusätzliche Verkaufsflächen. Sie fragen jedoch vor allem französische Produkte nach. Deutsche Nahrungsmittel tauchen so gut wie nicht in den Ladenregalen auf. Die Eröffnung mehrerer Läden der spanischen Supermarktkette Dia in Abidjan mit vor allem spanischen Produkten zeigt, dass die Konsumenten neuen Produkten offen gegenüber stehen.

Kfz-Markt: Neuwagenverkäufe nehmen zu

Im Jahr 2017 lag der Neuwagenverkauf bei grob geschätzten 10.000 Einheiten inklusive Busse und Lkw. Das entspricht laut Branchenexperten einem deutlichen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Auch haben die ivorischen Behörden Restriktionen für den Import von Gebrauchtwagen angekündigt, die den Kfz-Markt seit vielen Jahren dominieren. Hiervon würden die Verkäufer von Neuwagen profitieren. Bevor die Gebrauchtwagen den Markt beherrschten, wurden jährlich etwa 20.000 Neuwagen abgesetzt. Es dominieren bei Pkw Toyota (circa 30 Prozent Marktanteil), Hyundai, Kia, Renault, Citroen und Peugeot. Der Lkw-Markt ist mit 150 bis 200 verkauften Einheiten pro Jahr sehr klein und stagnierend. Dort sind inzwischen chinesische Fabrikate wie Chacman, Beiben, Sinotruck und Foton Marktführer.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--cte-divoire-juni2018,did=1927084.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Côte d'Ivoire Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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