Branchencheck

12.07.2018

Branchencheck - Griechenland (Juni 2018)

Inhalt

Energiesektor und Infrastrukturprojekte als Wachstumsmotor / Von Michaela Elena Balis

Athen (GTAI) - Die meisten Vorhaben in Griechenland sind im Energiesektor und im Infrastrukturbau geplant. Hierzu zählen beispielsweise die für Juli 2018 angekündigten Projektausschreibungen im Bereich der Erneuerbaren Energien oder ein 10 Milliarden Euro schweres Schienenprojekt. Der Tourismusboom veranlasst Autovermieter dazu, in ihre Flotte zu investieren. Dagegen halten sich Verbraucher bei Fahrzeugkäufen nach wie vor zurück.

Chemieindustrie: Mehrheitsanteil am Erdölunternehmen Hellenic Petroleum wird verkauft

Im Rahmen des griechischen Privatisierungsprogramms wurde der Mehrheitsanteil von 50,1 Prozent am Aktienkapital des griechischen Erdölunternehmens Hellenic Petroleum S.A. ausgeschrieben. Ende Mai 2018 meldeten sich fünf potenzielle Investoren, darunter Glencore Energy mit Sitz in der Schweiz, Vitol Holding aus den Niederlanden sowie die internationale Unternehmensgruppe Gupta Family Group Alliance. Die Abgabe von verbindlichen Angeboten ist für September 2018 geplant. Der Staatliche Verwertungsfonds für das öffentliche Privatvermögen veräußert seinen Anteil von 20 Prozent und die Gesellschaft Paneuropean Oil and Industrial Holdings mit Sitz in Luxemburg von 30,1 Prozent.

Energiewirtschaft: Neue Ausschreibungen für Erneuerbare-Energie-Anlagen

Die ehemals staatliche Stromgesellschaft PPC muss laut Vorgaben der Europäischen Union ihren Anteil am griechischen Strommarkt verringern. Bislang hält sie rund 80 Prozent. Das soll sich mit dem Verkauf von drei Kohlekraftwerken ändern. Bis September 2018 müssen die sechs potenziellen Investoren ihre verbindlichen Angebote abgeben. Dazu zählen griechische Bau, Stahl- und Energieunternehmen sowie chinesische und tschechische Gesellschaften. Der Auftragnehmer soll am 17. Oktober bekanntgegeben werden. Am 2. Juli 2018 fand die erste große Ausschreibungsrunde für Wind- und Photovoltaikanlagen über insgesamt 600 Megawatt statt. Die Angebote lagen rund 23 Prozent unter den Startwerten.

Weitere Informationen:

Griechische Stromgesellschaft verkauft Kohlekraftwerke

http://www.gtai.de/MKT201806058010

Bauwirtschaft: Große Schienenprojekte geplant

Das griechische Ministerium für Transport und Infrastruktur sowie das Unternehmen Ergose, Tochtergesellschaft der griechischen Bahn OSE für Bauvorhaben, planen in den nächsten Jahren große Schienenprojekte. Dazu zählen die "Egnatia Railway", ein 10 Milliarden Euro schweres Vorhaben für den Bau einer Bahnstrecke zwischen dem nordgriechischen Alexandroupolis und der westlichen Hafenstadt Igoumenitsa und die "Western Peloponnese Railway, Ports and Roads". Dabei handelt es sich um den Bau und Ausbau des Bahnnetzes, der Autobahnen und Häfen im westlichen Peloponnes mit einem Budget von insgesamt 850 Millionen Euro. Beide Projekte wurden im Rahmen der Vorschläge für den Juncker-Investitionsplan ausgearbeitet.

Gesundheitswirtschaft: Private Kliniken im Visier ausländischer Fonds

Die Verzerrungen auf dem griechischen Pharmamarkt halten an: Alle öffentlichen Ausgaben für Pharmaprodukte, die über der jährlichen Planung liegen, müssen von der Pharmaindustrie getragen werden. Diese Pflichtrückzahlungen zwingen ausländische Pharmaunternehmen dazu, ihre Präsenz in Hellas zu überdenken. Internationale Fonds zeigen dagegen Interesse am Erwerb von griechischen Privatkliniken, die zum größten Teil hochverschuldet sind. Ziel der Aufkäufe ist der Wiederverkauf nach den Sanierungen der Häuser. Wegen der schlechten Versorgung in öffentlichen Krankenhäusern entscheiden sich immer mehr Griechen für eine private Krankenversicherung, um sich den direkten Zugang zu privaten Krankenhäusern zu sichern.

Öl/Gas: Internationale Erdölkonzerne wollen griechische Kohlenwasserstoffvorkommen nutzen

Im April 2018 erhielt ein italienisch-spanisch-belgisches Konsortium aus Erdgasnetzbetreibern den Zuschlag für den Erwerb von 66 Prozent am Aktienkapital des griechischen Erdgasnetzbetreibers Desfa. Die Mitglieder des Konsortiums sind gleichzeitig Aktionäre der Gesellschaft der Transadriatischen Erdgaspipeline. Ferner sollen im Herbst 2018 die neuen Verträge für die Forschung und Nutzung von Kohlenwasserstoffen vom griechischen Parlament ratifiziert werden. Den gemeinsamen Zuschlag für Kreta bekamen der französische Erdölkonzern Total, der US-Erdölgigant ExxonMobil und die griechische Erdölgesellschaft Hellenic Petroleum. Vertragspartner für die Felder im Ionischen Meer ist Hellenic Petroleum und das spanische Energieunternehmen Repsol.

Metallindustrie: Deutsche Industrie beliefert griechischen Marktführer

Das führende griechische Aluminium- und Kupferunternehmen ElvalHalcor will seine Produktion im Land in den nächsten fünf Jahren nahezu verdoppeln und dafür 150 Millionen Euro in Infrastruktur und Ausrüstung investieren, unter anderem in ein viergerüstiges Aluminiumwarmwalzwerk. Den Meldungen des Unternehmens zufolge soll die deutsche Hütten- und Walzwerkstechnikgruppe SMS Group GmbH die Ausrüstung liefern. Das Projekt wird von der Europäischen Investitionsbank zu 46 Prozent kofinanziert.

Umwelttechnik: Abfallprojekte in Hellas schreiten voran

Im November 2017 hat Griechenland ein neues Recyclinggesetz verabschiedet. Fortan können Gemeinden ihr Recyclingmaterial selbst verwalten und damit Einnahmen generieren. Voraussetzung dafür ist die Einführung der Mülltrennung an der Quelle in vier Strömen (Glas, Papier, Plastik, Aluminium). Bisher waren die Gemeinden für das Sammeln, den Transport und die Lagerung der Abfälle zuständig. Noch im Sommer 2018 wird die rund 52 Millionen Euro teure integrierte Abfallverwaltungsanlage in Epirus fertiggestellt werden. Der Betrieb soll im Jahr 2019 aufgenommen werden. Die Verträge für die Anlage auf dem Peloponnes werden in den nächsten Wochen voraussichtlich unterzeichnet (Kosten: 158 Millionen Euro).

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Projekte in Griechenlands Abfallwirtschaft schreiten voran

http://www.gtai.de/MKT201803238000

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Gesellschaft OTE investiert in Glasfasernetz

Ende Mai 2018 erwarb die Deutsche Telekom weitere 5 Prozent an der griechischen Telekommunikationsgesellschaft OTE für rund 284 Millionen Euro im Rahmen des griechischen Privatisierungsprogramms. Damit steigt der Anteil der Deutschen Telekom an OTE auf 45 Prozent. OTE will in den nächsten drei Jahren etwa 2 Milliarden Euro in ein neues Glasfasernetz investieren. Danach soll ein Viertel der griechischen Haushalte und Unternehmen schnelleren Internetzugang mit einer Geschwindigkeit bis zu einem Gigabit pro Sekunde erhalten. Hellas verpflichtete sich diesen Standard bis 2025 der Hälfte der Haushalte zur Verfügung zu stellen, gemäß der digitalen Agenda der Europäischen Kommission.

Kfz-Markt: Tourismus fördert Autoabsatz

Der griechische Kfz-Markt wächst auch im Jahr 2018. Der Tourismusboom zwingt Autovermietungsunternehmen dazu, ihre Flotte zu erneuern und zu erweitern. In den ersten vier Monaten wurden rund 26 Prozent mehr neue Pkw als in der Vorjahresperiode registriert. Trotzdem ist der Markt immer noch weit unter dem Niveau der Vorkrisenzeit. Insbesondre private Verbraucher halten sich nach wie vor bei Fahrzeugkäufen zurück. Am ehesten gefragt sind Pkw mit einem Hubraum bis 1.200 Kubikzentimeter.

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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Sofia Hempel

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