Branchencheck

20.06.2018

Branchencheck - Kasachstan (Juni 2018)

Inhalt

Deutlicher Fokus auf Steigerung der einheimischen Produktion / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Der Aufwärtstrend in der kasachischen Industrie setzt sich 2018 fort. Mit einem Plus von 3,3 Prozent steigt die Industrieproduktion laut einer Regierungsprognose aber weniger stark als im Vorjahr. Einmaleffekte durch den Produktionsstart eines neuen Ölfelds hatten die Industrie 2017 um 7,1 Prozent wachsen lassen. In zahlreichen Industriezweigen stützt der Staat nach wie vor mit nennenswerten Zuwendungen das Investitionsgeschehen. Zudem bringen sich internationale Geber aktiv ein.

Maschinenbauindustrie: Mehr Landtechnik aus lokaler Fertigung ist ein Ziel

Bei Maschinen und Anlagen bleibt Kasachstan weiterhin stark importabhängig. Schwerpunkte der lokalen Fertigung sind Ausrüstungen für den Rohstoffsektor, Kfz-Montagebetriebe, der Schienenfahrzeugbau oder die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen. Die Branche schloss 2017 mit einem überschaubaren Produktionswert von umgerechnet 360 Millionen US-Dollar (US$) ab. Laut einer Regierungsprognose wird der kasachische Maschinenbau 2018 um real 7 Prozent zulegen. Das Wachstum im Zeitraum bis 2023 soll sich bei 5 bis 6 Prozent bewegen. Geplant ist ein starker Ausbau der Fertigung von Landtechnik. Langfristig sollen etwa 30 Prozent der Inlandsnachfrage nach Traktoren, Mähdreschern und Zubehör aus heimischen Quellen bestritten werden. Das liefe auf eine Verdreifachung des aktuellen Ausstoßes hinaus.

Chemieindustrie: Erzeugung von Vorprodukten wird ausgebaut

Trotz einer breiten Rohstoffbasis muss Kasachstan noch immer einen Großteil der Vorprodukte für die Chemieindustrie importieren. Um hier Abhilfe zu schaffen, sind mehrere Großprojekte geplant. Ihre Umsetzung kommt aber nur langsam voran. Dank der für Mitte des Jahres geplanten Vollendung der Modernisierung der drei Raffinerien des Landes steuert die Ölverarbeitung 2018 laut Regierung auf ein Ausstoßplus von real 8,3 Prozent zu. Seit Ende 2017 ist auch das Polypropylen-Werk eines neuen Großkomplexes für Gaschemie in Atyrau im Bau. Mit dem ersten Spatenstich für die Polyethylen-Produktion ist jedoch kaum vor 2020 zu rechnen. Für Werke mit jeweils größeren Kapazitäten zur Herstellung von Methanol, Harnstoff, Polyurethanen oder Kaliumsulfat läuft die Suche nach Partnern.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Erholung der Nachfrage nach Chemieprodukten in Kasachstan erwartet (Juni 2017), http://www.gtai.de/MKT201706278012;

Projekte in Kasachstans Petrochemie kommen langsam voran (Dezember 2017),

http://www.gtai.de/MKT201712068008

Energiewirtschaft: Neuer Ansatz mit Auktionen bei erneuerbaren Energien

Im Zuge der fortschreitenden wirtschaftlichen Erholung erwartet die Regierung für die Stromerzeugung 2018 ein reales Plus von 1,9 Prozent. Rund 70 Prozent der Energie werden noch immer aus Kohle generiert. Mit einer Ende 2017 installierten Kapazität von 342 Megawatt belief sich der Anteil der Erneuerbaren am Energiemix auf lediglich 1,1 Prozent. Das Land verfolgt bei deren Ausbau aber große Pläne. Allein 2018 sollen über mehrere Auktionsrunden - die ersten davon starteten Ende Mai - Anlagen mit insgesamt 1.000 Megawatt ausgeschrieben werden, davon knapp zwei Drittel im Bereich Windkraft. Für den Bau einer 50 Megawatt starken Fotovoltaikanlage im Gebiet Kyzylorda haben die internationalen Geber EBWE, Asiatische Entwicklungsbank und Clean Technology Fund im Mai 2018 die Finanzierungszusage gegeben.

Weitere Informationen:

Kasachstan führt Auktionen für erneuerbare Energien durch (März 2018),

http://www.gtai.de/MKT201803288002

Bauwirtschaft: Staatsprogramme liefern Impulse

Im Zuge der Umsetzung staatlicher Investitionsprogramme steuert die Bauwirtschaft 2018 auf einen realen Anstieg von voraussichtlich 3,6 Prozent zu. Im Zeitraum 2019 bis 2023 soll die Baukonjunktur laut Regierungsprognose mit Veränderungsraten zwischen 3,8 bis 4,6 Prozent sogar noch stärker zunehmen. Wachstumstreiber ist vor allem das Infrastrukturprogramm "Nurly Zhol", wofür der Staat und internationale Geber Gelder in Milliardenhöhe bereitstellen. Priorität genießen Projekte im Straßenbau, aber auch neue Schienenverbindungen, See- und Flughäfen stehen auf der Agenda. Für Impulse im Wohnungsbau sorgt das Anfang 2017 gestartete Programm "Nurly Zher". Innerhalb von 15 Jahren ist geplant, neuen Wohnraum für etwa 1,5 Millionen Familien zu schaffen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Wohnungsbau und Infrastrukturinvestitionen stützen Bauwirtschaft in Kasachstan (Juli 2017),

http://www.gtai.de/MKT201707058006;

Eurasische Transportkorridore - Ausbau der Transitwege zwischen China und Europa (Juni 2017),

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/im-fokus,t=eurasische-transportkorridore--ausbau-der-transitwege-zwischen-china-und-europa,did=1734844.html

Gesundheitswirtschaft: Mehrere Krankenhäuser als PPP geplant

In den kasachischen Gesundheitssektor muss dringend mehr investiert werden: Das Gesundheitsministerium beziffert den finanziellen Bedarf auf umgerechnet mehr als 3 Milliarden US$. Die neue Pflichtkrankenversicherung, von der sich auch bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Gesundheitsausgaben versprochen werden, geht nun erst ab 2020 vollumfänglich an den Start. Für eine Reihe von Großprojekten ist die öffentliche Hand zudem auf der Suche nach privaten Partnern. Als potenzielle PPP-Projekte gelten beispielsweise ein neues Klinikum mit 1.265 Betten in Almaty sowie drei größere Krankenhäuser in der Hauptstadt Astana, Karagandy und Almaty mit Bettenkapazitäten zwischen 300 und 500. Der Umfang der dafür jeweils veranschlagten Investitionen liegt zwischen 126 Millionen und 336 Millionen US$.

Landwirtschaft: Mehr lokal erzeugte Agrargüter für Binnenmarkt und Export

Spätestens seit 2017 zählt auch der Agrarsektor zu den prioritären Bereichen der kasachischen Regierung. Seitdem läuft ein branchenorientiertes staatliches Förderprogramm mit einer Laufzeit von zunächst vier Jahren. Im Fokus stehen eine merkliche Steigerung der lokalen landwirtschaftlichen Produktion sowie deutlich mehr Exporte von Agrarerzeugnissen. Der Ausstoß des Sektors, der nach Regierungsprognosen 2018 auf ein Plus von 3,6 Prozent zusteuert, soll mittelfristig um gut 6 Prozent im Jahresdurchschnitt wachsen. Das Maßnahmenpaket enthält etwa Zinsvergünstigungen für das Leasing moderner Landtechnik. Hinzu kommen gezielte Subventionen für Kleinst- und Kleinbetriebe für die Verwendung hochwertigen Saatguts und besonders wirksamer Düngemittel.

Weitere Informationen:

Landwirtschaft in Kasachstan: "Es bedarf mehr Nachhaltigkeit" (Juli 2017),

http://www.gtai.de/MKT201707178004

Bergbau: Für zahlreiche Erzvorkommen läuft Suche nach Projektpartnern

Wieder steigende Weltmarktpreise für Erze und Metalle beleben die Investitionen im kasachischen Bergbau. In die Förderung von metallischen Erzen könnten im Zeitraum bis 2021 bis zu 2 Milliarden US$ pro Jahr fließen. Allein der Investitionsplan der Mine ShalkiyaZinc im Gebiet Kysylorda für die nächsten Jahre ist etwa 565 Millionen US$ schwer. Neben der Erweiterung der Förderaktivitäten ist der Bau einer Anlage zur Anreicherung von jährlich rund 4 Millionen Tonnen zink- und bleihaltiger Erze geplant. Die Muttergesellschaft, der staatliche Bergbaukonzern Tau-Ken Samruk, sucht zudem nach Partnern für Projekte zur Erschließung von Vorkommen mit Eisen-, Gold-, Kupfer-, Wolfram- und Molybdänerzen. Das neue Gesetz über Bodenschätze und ihre Nutzung tritt Ende Juni 2018 in Kraft und erleichtert Investitionen in dem Sektor.

Weitere Informationen:

Kasachstans Bergbaubranche reaktiviert zahlreiche Projekte (November 2017),

http://www.gtai.de/MKT201711108010;

Kasachstans Wirtschaft soll digitaler werden (Dezember 2017),

http://www.gtai.de/MKT201712048001

Öl/Gas: Ölförderung wächst zunächst nur noch moderat

Die Ölförderung war der größte Wachstumstreiber im Jahr 2017. Dank der im Herbst 2016 begonnenen Produktion am Ölfeld Kaschagan stieg das landesweite Aufkommen an Rohöl 2017 um 10,5 Prozent auf 86,2 Millionen Tonnen. Für 2018 und den Zeitraum bis 2022 rechnet die Regierung jedoch nur noch mit marginalen Steigerungen. Mit einem stärkeren Förderplus ist voraussichtlich erst wieder 2023 zu rechnen. Dann soll eine Erweiterung des Ölfelds Tengiz dessen Ausstoß um etwa 12 Millionen auf 39 Millionen Tonnen erhöhen. Als Großprojekt im Bereich Öl und Gas verfolgt Kasachstan neben Kaschagan und Tengiz noch den Ausbau des Lagerstätte Karatschaganak, wo hauptsächlich Gaskondensat gewonnen wird. Der Öl- und Gassektor bleibt die mit Abstand wichtigste Branche in Kasachstan.

Nahrungsmittelindustrie: Agrarsektor setzt auf mehr Verarbeitungstiefe

Kasachstan ist trotz seines landwirtschaftlichen Potenzials noch immer auf umfangreiche Lebensmittelimporte angewiesen. Die Regierung setzt auch in diesem Sektor auf eine Ausweitung der heimischen Produktion. Für 2018 rechnet sie mit einer Steigerung der Nahrungsmittelherstellung um 5 Prozent. Bis 2023 soll die Dynamik schrittweise auf 8 Prozent zunehmen. Neben der Substitution von Einfuhren zielt der Kapazitätsausbau auch auf den Export ab. Als wichtige Absatzmärkte gelten Russland und China. Hierzu sind beispielsweise größere Fabriken zur Gewinnung von Rübenzucker und Kartoffelstärke sowie zur Verarbeitung von Sojabohnen geplant. Im Fokus stehen zudem die Produktion von Geflügelfleisch und die verstärkte Nutzung von Gewächshäusern für den Anbau von Obst und Gemüse.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Kasachstans Ernährungswirtschaft überwindet die Krise (Mai 2018), http://www.gtai.de/MKT201806138013;

Kasachstan will Nahrungsmittelfertigung ausbauen (November 2017),

http://www.gtai.de/MKT201711138007

Metallindustrie: Tragende Säule im verarbeitenden Gewerbe

Die Metallindustrie entwickelt sich weiter stabil. Die Produktion metallurgischer Erzeugnisse wird laut Regierungsprognosen zufolge 2018 um 4,7 Prozent steigen. Im Fünfjahreszeitraum bis 2023 wird das Wachstumstempo mit durchschnittlich 3,1 Prozent pro Jahr etwas moderater ausfallen. Die Metallindustrie ist eine wichtige Branche für Kasachstan. Ihr Beitrag zur Produktion des verarbeitenden Gewerbes belief sich 2017 auf annähernd 45 Prozent. Der staatliche Bergbaukonzern Tau-Ken Samruk plant gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen CNTIC ein Stahlwerk im Umfeld der noch zu erschließenden Eisenerzlagerstätte Massalskoje im Gebiet Akmola. Für die Modernisierung von zwei Herstellern spezieller Ferrolegierungen (Ferrosiliciummangan) in den Gebieten Karagandy und Shambyl werden aktuell Partner gesucht.

Kfz-Markt: Wieder mehr Nachfrage nach lokal montierten Pkw

Kasachstans Neuwagenmarkt lässt die Krise hinter sich. Nachdem die Verkäufe bereits 2017 mit gut 46.000 Pkw ein Plus von knapp 6 Prozent verzeichneten, zieht das Tempo 2018 spürbar an. Der Automobilverband KazAvtoProm registrierte im Zeitraum Januar bis April 2018 einen Absatz von mehr als 15.600 Neuwagen, was im Vorjahresvergleich einer Steigerung um knapp 42 Prozent entsprach. Der Staat fördert den Verkauf lokal produzierter Pkw über vergünstigte Kredite. Zuletzt wieder mit größerem Erfolg: Der Anteil der aus kasachischer Montage stammenden Fahrzeuge an den Gesamtverkäufen lag in den ersten vier Monaten 2018 bei fast 48 Prozent. Im Jahr 2017 hatten importierte Neu-Pkw die Verkäufe mit einem Beitrag von knapp zwei Dritteln noch deutlich dominiert. Die Nachfrage nach Elektroautos ist gering.

Weitere Informationen: Pkw-Verkäufe in Kasachstan steigen (April 2018),

http://www.gtai.de/MKT201804268015

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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Verena Saurenbach

‎+49 228 24 993 283

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