Branchencheck

17.05.2018

Branchencheck - Myanmar (Mai 2018)

Inhalt

Auslandsinvestitionen formen Industrieprofil / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Myanmars verarbeitendes Gewerbe gewinnt langsam eine breitere Struktur, befördert durch die steigende Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. Geprägt wird das Profil der Warenproduktion durch 767 ausländische Unternehmen mit einem akkumulierten Investitionswert von 8,0 Milliarden US-Dollar. Das Schwergewicht liegt auf Bekleidung, Haushaltswaren, Baumaterialien, Nahrungsmitteln und Getränken. Aussichtsreich sind Kfz-Teile, Elektrogeräte, Verpackungen und medizinische Artikel.

Maschinenbauindustrie: Niedriges Niveau in der Technologie

Eine Eigenproduktion von Maschinen existiert in dem überwiegend agrarisch geprägten Entwicklungsland, ohne wesentliche Industriestruktur, nur rudimentär auf handwerklicher Basis. Auch die Importnachfrage bewegt sich noch auf sehr niedrigem Niveau. Im Fiskaljahr 2016/17 sank der Import von Investitionsgütern um 16 Prozent deutlich, auf 6,9 Millionen US$. Zu den deutschen Pionieren zählen Siemens mit der Lieferung von Hafenkränen für Myanmar Mahar Htun, ThyssenKrupp mit der gesamten Palette von Industrielösungen oder Claas mit einem Verkaufscenter für gebrauchte Agrarmaschinen. Auf visionärem Terrain in der Automatisierung engagiert sich Festo mit der Eröffnung einer Schulungseinheit mit dem lokalen Partner Sea Lion.

Chemieindustrie: Impulse aus Baugewerbe und Konsumgüterherstellung

Die Entwicklung der Chemieindustrie wird maßgeblich beeinflusst durch die Nachfrage nach Baumaterialien und die so genannten Fast Moving Consumer Goods (FMCG). Größere Direktinvestitionen realisierten bisher Weltunternehmen wie Dupont, Colgate Palmolive, Taekwang & Hutchems, TOA Paint, Mantakanok, Henkel und BASF. Im Zweig der Industriegase sind die zwei japanischen Unternehmen Iwatani und Taiyo Nippon Sanso Myanmar tonangebend neben der lokalen Yangon Industrial Gases mit dem Partner Bangkok Industrial Gases. Für LNG ist ein neuer Terminal mit einer schwimmenden Lager- und Regasifizierungsanlage geplant, während LNG Plus Int. an einer entsprechenden Anlage in der zukünftigen SWZ Dawei interessiert ist.

Energiewirtschaft: Fokus auf fossilen Energieträgern

Gemäß der langfristigen Energieplanung sollen 2030 rund 30 Prozent der Energieversorgung durch Kohle gesichert werden. Ein erstes Kohlekraftwerk für 2,8 Milliarden US$ mit einer Kapazität von 1.280 Megawatt soll bis 2024 durch TTC realisiert werden. Das erste gasbefeuerte IPP-Projekt entsteht in Myangyan mit 225 Megawatt, finanziert durch Weltbank, ADB und AIIB. Bei erneuerbaren Energien erhielt die thailändische Green Earth Power grünes Licht für einen Solarpark von 170 Megawatt in Minbu (Magway). In der Biomasse führt Mapco mit japanischer Expertise die Regie mit kleinen Pilotanlagen in Nay Pyi Daw und der Region Ayeyarwady. In Yangon entstand eine erste Waste to Energy-Anlage mit 700 Megawatt und japanischer Technologie.

Weitere Informationen:

Myanmars Energiesektor zeigt neue Ansätze

http://www.gtai.de/MKT201612088016

Bauwirtschaft: Nachfrage konzentriert sich auf Yangon

Das Baugewerbe soll mit Jahreszuwächsen um 10 Prozent bis 2020 auf 13,5 Milliarden US$ ansteigen, stark konzentriert auf Yangon. Furore machte 2017 insbesondere der Einzelhandel, dessen Fläche laut Colliers International um 79.400 qm zulegte und 2018 nochmals um 81.400 qm wachsen soll. Verantwortlich waren 2017 vor allem die zwei Prestigeprojekte Junction City und St John City Mall neben Handelsflächen in den Wohngebäuden Crystal Tower oder Riverview Point Yangon. Beim Büroraum konstatierte Colliers einen Zuwachs um 22 Prozent auf 356.000 qm. Am Hanthawaddy International Airport nordöstlich von Yangon mit Kosten von 1,5 Milliarden US$ engagiert sich nun Japans Regierung als dritter Interessent, nach dem Ausstieg von Yongnam Holdings Singapore und zuvor der Incheon International Airport Corporation.

Weitere Informationen:

Myanmar investiert massiv in Yangons Infrastruktur

http://www.gtai.de/MKT201803138002

Gesundheitswirtschaft: Schrittweise Modernisierung mit Auslandshilfe

Die Gesundheitsausgaben beliefen sich 2015 laut der Weltbank auf 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder rund 2,5 Milliarden US$. Der Sektor expandiert rasch mit der Unterstützung von ausländischen Regierungen, NGOs und Privatinvestoren. Im Joint Venture mit Auslandspartnern entstehen in Yangon das Privathospital MJ Parkview Healthcare und die Augenklinik Pioneer Asian Speciality Clinics. Hilfe aus Thailand kommt von den Privatketten Bumrumgrad, Thonburi, Samitivej und Bangkok Dusit Medical Services. Aus Singapur interessiert sich Parkway Pantai (IHH Healthcare), die 2020 ihr erstes Hospital "Parkway Yangon" für 70 Millionen US$ eröffnen will. Einen großen Einstieg plant auch die indonesiche Lippo Group mit zehn Kliniken bis 2023 mit der Serge Pun & Associates Group als lokalem Partner (PHSH).

Nahrungsmittelindustrie: Rascher Ausbau des Getränkezweigs

Erwirtschaftet das warenproduzierende Gewerbe etwa 22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, bestreitet der Sektor Nahrungsmittel & Getränke allein zwei Drittel. Das große Gewicht belegt auch die Existenz von elf Verbandsgremien für Agrarprodukte, Viehzucht, Fischwirtschaft und Verarbeitung. Haupterzeugnisse sind Backwaren, Kühleis, Trinkwasser, Bier, Alkohol, Speiseöl und Marmeladen. Die neue Dynamik lockte zahlreiche Großkonzerne an wie etwa Coca-Cola, PepsiCo, Nestlé, Unilever, Carlsberg, Heineken, Mitsubishi, Kirin, Asahi oder Fraser & Nieve. Viel Potential besteht vor allem noch im Biermarkt, wo Euromonitor durch die neuen Markteintritte für 2018 nach nur zwei Jahren eine Verdoppelung des Umsatzes auf 375 Millionen US$ prognostiziert.

Weitere Informationen:

Myanmar will Nahrungsmittelproduktion ausbauen

http://www.gtai.de/MKT201506018002

Textil- und Bekleidungsindustrie: Exportstärke durch Niedriglöhne

Die Aufhebung der Sanktionen durch die EU und die USA belebte spürbar das Investitionsklima der Branche, zumal dies verbunden war mit der Reaktivierung des GSP-Importstatus der EU (Generalised System of Preferences). Stammen die meisten Investoren aus China, Hongkong, Taiwan oder Südkorea fanden sich auch westliche Marken ein, wie GAP, H & M, Primark oder Marks & Spencer. Aktuell beschäftigt werden etwa 400.000 Arbeiter in fast 400 zumeist lediglich auf CMP ausgerichteten Fabriken (cut-make-pack), darunter 171 Auslandsinvestoren und 22 Joint Ventures. Der Export soll 2017 laut der Myanmar Garment Entrepreneurs Association um 40 Prozent auf über 3 Milliarden US$ angestiegen sein. Größter Abnehmer war erstmals die Europäische Union, vornehmlich Deutschland, vor Japan und Südkorea.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Rasante Aufholjagd

Der Sektor Transport und Kommunikation steht mit 8,8 Milliarden US$ an dritter Stelle der akkumulierten Auslandsinvestitionen, mit einem Anteil von 12,8 Prozent. Die Pioniere in der Telekommunikation waren Ooredoo und Telenor mit Investitionen von 2,0 Milliarden und 1,5 Milliarden US$ und zusammen 28 Millionen Abonnenten. Die Marktspitze mit 20 Millionen Kunden hält die früher staatliche MPT, welche mit ihren neuen japanischen Partnern KDDI und Sumitomo Investitionen von über 2 Milliarden US$ ankündigte. Neu einsteigen im Network Facilities Service will auch FibreLinks aus Singapur mit einem langfristigen Investment von insgesamt 860 Millionen US$ für die landesweite Infrastruktur. Die 4G-Technologie für Smartphones im 1.800 MHz-Netzwerk wurde 2017 von Ooredoo mit den Partnern Nokia und ZTE eingeführt.

Myanmars Telekommunikationssektor bleibt dynamisch

https://www.gtai.de/MKT201701268007

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Myanmar können Sie unter http://www.gtai.de/myanmar abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Myanmar Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

Kontakt

Achim Haug

‎+49 228 24 993 393

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