Branchencheck

14.06.2018

Branchencheck - Ungarn (Juni 2018)

Inhalt

Gute Industriekonjunktur steigert Lieferchancen / Von Waldemar Lichter

Budapest (GTAI) - Das Wachstum der Industrieproduktion hat deutlich beschleunigt. Nach einem schwachen Plus 2016 von nur 1,3 Prozent legte die Erzeugung 2017 um 4,7 Prozent zu. Für 2018 wird eine Zunahme von 5,0 Prozent erwartet. Die gute Konjunktur und die stark wachsenden Investitionen lassen auf bessere Lieferchancen auch für deutsche Unternehmen auf den ungarischen Markt schließen. Die Automobilindustrie bleibt der stärkste Industriezweig in Ungarn. Die Aktivitäten im Bausektor ziehen kräftig an.

Maschinenbauindustrie: Höhere Nachfrage hellt Stimmung in der Branche auf

Der Zweig konnte die 2017 eingeleitete Wende (Produktionswachstum 12,5 Prozent) zum Jahresbeginn 2018 nicht fortsetzen. Sowohl Produktion als auch Umsätze waren in den ersten drei Monaten 2018 stark rückläufig. Der Rückgang war allerdings vor allem auf geringe Ausfuhren zurückzuführen (-9,5 Prozent). Die Inlandsumsätze nahmen dagegen um 2,0 Prozent zu (2017: 16,8). Die hohe Kapazitätsauslastung und gute Auftragslage in der Industrie lassen dennoch Investitionen in Erweiterung und Modernisierung erwarten. Für Ausrüstungsinvestitionen werden für 2018 und 2019 Zuwächse von 12,6 beziehungsweise 12,3 Prozent prognostiziert.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ungarns Maschinenmarkt wieder im Aufwärtstrend

http://www.gtai.de/MKT201607288014

Ungarn stärkt Industrie 4.0 http://www.gtai.de/MKT201803128005

Chemieindustrie: Positive Trendwende zeichnet sich seit Anfang 2018 an

Nach drei guten Jahren 2013 bis 2015 rutschte die ungarische Chemieindustrie in der Folgezeit ins Minus. Die Produktion ging 2016 um 1,8 und 2017 um 1,7 Prozent zurück. Verantwortlich für die negative Entwicklung war die geringere Inlandsnachfrage (vor allem nach Agrarchemie), während die Exporte durchgehend zunahmen. Seit Anfang 2018 beginnt sich die Lage zu verbessern. Die Produktion stieg in den ersten drei Monaten 2018 um 9,0 Prozent, die Umsätze nahmen vor allem dank verbesserter Inlandsnachfrage um 7,8 Prozent zu. In dem Zweig wird derzeit kräftig investiert. Der Mineralölkonzern MOL plant bis 2030 umfangreiche Investitionen im Wert von etwa 3,8 Milliarden Euro. Weitere Vorhaben bestehen in den Bereichen Agrarchemie (Nitrogénm?vek Zrt.), Reifenproduktion sowie Kunststoffverarbeitung.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ungarns Chemiemarkt wächst weiter

http://www.gtai.de/MKT201707038017

Energiewirtschaft: Investitionen in Kernkraft und Gastransportnetze

Der geplante Bau von zwei Blöcken des Kernkraftwerks Paks2 (je 1.200 Megawatt) wird in den nächsten Jahren die Entwicklung des ungarischen Energiesektors prägen. Die Arbeiten sollen Mitte 2018 beginnen, die Inbetriebnahme ist für 2026 und 2027 geplant. Die Investitionssumme wird auf insgesamt 12 Milliarden Euro geschätzt, wovon 10 Milliarden Euro aus einem russischen Kredit stammen. Einen Auftrag für die Turbinenlieferung für das Kraftwerk (rund 800 Millionen Euro) erhielt die General Electric-Tochter GE Hungary. Die ungarische Regierung will die hohe Abhängigkeit von Erdgasimporten aus Russland reduzieren. Dazu werden Lieferverträge mit anderen Ländern (etwa Rumänien) abgeschlossen und der Ausbau entsprechender Pipelines vorangetrieben.

Bauwirtschaft: Förderprogramme lassen Wohnungsbau boomen

Die Bauwirtschaft zeigt sich dank EU-kofinanzierter Tiefbauprojekte und der Wohnungsbau-Förderung der Regierung erholt. Die Zahl fertiggestellte Wohnungen stieg 2017 um 44 Prozent und im 1.Quartal 2018 um weitere 65 Prozent. Erwartet werden 20.000 bis 25.000 neue Wohnungen gegenüber 14.389 im Vorjahr. Die Dynamik bei Bauanträgen nimmt allerdings leicht ab: Nachdem die Anzahl erteilter Genehmigungen 2017 um 20 Prozent stieg, betrug das Plus im 1.Quartal 2018 nur noch 3,4 Prozent. Im Rahmen des staatlichen Programms CSOK für zinsvergünstigte Wohnbaukredite sind bis Mai 2018 rund 72.000 Anträge für Projekte im Wert von umgerechnet 650 Millionen Euro eingegangen. Erhebliche Investitionen werden zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur getätigt.

Weitere Informationen:

Ungarn baut Straßenverbindungen aus http://www.gtai.de/MKT201709148009

Ungarn will intermodale Containerterminals bauen http://www.gtai.de/MKT201710098004

Gesundheitswirtschaft: Großes Investitionsprogramm für Zentralungarn

Der ungarische Markt für Medizintechnik wird nach Schätzungen von Business Monitor International (BMI) bis 2021 um durchschnittlich 8 Prozent pro Jahr wachsen und dann die Schwelle von 1 Milliarde Euro überschreiten. Die Nachfrage wird zunehmend vom expandierenden privaten Gesundheitssektor angetrieben. Die Regierung will in nächster Zeit mehr in Gesundheitseinrichtungen der Region Zentralungarn (Budapest und Komitat Pest; "Healthy Budapest Program") investieren. Bis 2025 sind für die Modernisierung und den Ausbau von drei Zentral- und 25 anderen Krankenhäusern sowie sieben Kliniken umgerechnet 2,2 Milliarden Euro vorgesehen. Geplant ist außerdem der Bau eines 1.000-Betten großen "Super-Krankenhauses" in Süd-Buda.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ungarn investiert in Krankenhäuser http://www.gtai.de/MKT201805258014

Nahrungsmittelindustrie: Hoher Modernisierungsbedarf

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie gehört zu einem der wichtigsten Zweige der ungarischen Industrie. Sie generiert 11,5 Prozent der Umsätze des verarbeitenden Gewerbes. Die Produktion nimmt seit mehreren Jahren kontinuierlich zu. Deren Wachstum hat sich in den ersten drei Monaten 2018 auf 4,6 Prozent beschleunigt. Der Zweig hat mit einigen Problemen bei der Kosteneffizienz zu kämpfen. Der Modernisierungsbedarf gilt als hoch. Zahlreiche Projekte werden in der Fleischsparte (etwa Bau von Schlachthäusern) durchgeführt. Besonders benötigt werden nach Einschätzung von Fachleuten Investitionen in der Früchte-, Gemüse- sowie Milchverarbeitung.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Nachfragewachstum in Ungarns Ernährungsbranche erwartet http://www.gtai.de/MKT201806058002

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Automobilindustrie setzt auf Zukunftsthemen

Die Kfz-Industrie verantwortet ein Viertel der Erzeugung des verarbeitenden Gewerbes und ist somit sein wichtigster Zweig. Ihre Umsätze erreichten 2017 mit 25,5 Milliarden Euro einen historischen Rekordwert. Die Exportquote liegt bei 92 Prozent. Für die nächsten Jahre ist mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, da derzeit zahlreiche Neu- und Erweiterungsvorhaben bei den Automobilherstellern und bei Kfz-Zulieferern realisiert werden. Unterstützt von der Regierung wendet sich der Industriezweig immer mehr wichtigen Zukunftsthemen wie Elektromobilität, autonomes Fahren oder Industrie 4.0 zu. In diesen Bereichen ist in nächsten Jahren mit erheblichen Investitionen zu rechnen.

Weitere Informationen:

Anhaltender Investitionstrend in Ungarns Autoindustrie: http://www.gtai.de/MKT201802268006

Elektromobilität Ungarn: Pläne für Elektromotoren- und Batterieproduktion: http://www.gtai.de/MKT201804308004

Ungarn stärkt Industrie 4.0 http://www.gtai.de/MKT201803128005

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Software und Dienstleistungen sind Umsatztreiber

Der ungarische IT-Markt wird Prognosen von Business Monitor International (BMI) zufolge zwischen 2018 und 2022 auf Forint-Basis um 6,1 Prozent jährlich zulegen und dann einen Wert von etwa 4 Milliarden Euro erreichen. Überdurchschnittlich stark werden dabei die Sparten Software und IT-Dienstleistungen zulegen, schwächer dagegen die Hardware-Verkäufe. Die Regierung unterstützt den Ausbau günstiger Internetanschlüsse für private Haushalte sowie die Digitalisierung und die Einführung von "Industrie 4.0"-Modellen in der Industrie. Ungarn soll zum Vorreiter bei der Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G werden. Dafür wurde Mitte 2017 eine Kooperationsvereinbarung (5G-Koalition) zwischen privaten Unternehmen und der Regierung unterschrieben.

Weitere Informationen:

Ungarn stärkt Industrie 4.0 http://www.gtai.de/MKT201803128005

Nahrungsmittelmarkt: Deutliches Wachstum bis 2022 erwartet

Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird in den nächsten Jahren dank günstiger Einkommensentwicklung deutlich zulegen. Prognosen von Business Monitor International (BMI) zufolge werden die Ausgaben für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke bis zum Jahr 2022 auf rund 14,5 Milliarden Euro (2016: 10,4), die für alkoholische Getränke und Tabakerzeugnisse auf 6,7 Milliarden Euro (4,3) steigen. Die ungarische Bevölkerung wird älter. Das dürfte konservative Verbrauchertrends festigen und die Chancen für innovative Produkte auf dem Markt einschränken. Dennoch sehen Marktforscher gute Chancen für Convenience Food. Überdurchschnittliches Wachstum wird bei Fleisch- und Geflügelerzeugnissen erwartet.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Nachfragewachstum in Ungarns Ernährungsbranche erwartet http://www.gtai.de/MKT201806058002

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

Kontakt

Martin Schulte

‎+49 228 24 993 245

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche