Branchencheck

29.01.2018

Branchencheck Argentinien (Januar 2018)

Inhalt

Der Konjunkturaufschwung gewinnt an Kraft und Breite / Von Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - Neben der Landwirtschaft und der Bauindustrie, die schon 2017 das Wachstum trugen, kommen auch andere Branchen in Fahrt, darunter die Industriezweige Kfz, Stahl, Chemie und Bergbau. Die zügige Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung ist eines der Hauptziele der Macri-Regierung auf dem Weg zur dringend erforderlichen Steigerung der Produktivität der argentinischen Volkswirtschaft. PPP-Projekte sollen die Modernisierung der Infrastruktur beflügeln.

Maschinenbauindustrie: Produktion boomt

Der argentinische Maschinenbau hat "die Motoren angeworfen", berichtet der Branchenverband Carmahe. Die lokale Produktion von Investitionsgütern wächst mit zweistelligen Raten. Besonders dynamisch entwickelt sich der Landmaschinenbau. Ausrüstungen für die Nutzung erneuerbarer Energien sollen verstärkt im Land produziert werden. Die Produktion des lokalen Maschinen- und Gerätebaus (inklusive Hausgeräte) stieg 2017 (bis November) laut Statistikinstitut INDEC um 9,1%. Die Stärke der heimischen Maschinenbauer liegt in maßgeschneiderten Lösungen für die lokale Industrie.

Chemieindustrie: Im Sog des Aufschwungs

Auch die Chemie wird immer stärker vom Aufschwung erfasst. Nachdem die Branche 2017 noch hinterherhinkte, wird für 2018 ein kräftiges Produktionswachstum erwartet. Während die Grundstoffproduktion noch schwächelt, legen Kunststoffe sowie Kosmetik und Reinigungsmittel bereits kräftig zu. Besonders gute Aussichten hat die Agrarchemie, die schon 2017 das stärkste Produktionswachstum verzeichnete. Investitionen konzentrieren sich auf die Verbesserung der Produktionsprozesse, für neue Anlagen fehlt vorerst die lokale Rohstoffbasis (Erdgas).

Energiewirtschaft: Erneuerbare holen auf

Der Ausbau der erneuerbare Energien kommt nach schwierigem Anlauf immer stärker in Fahrt. Bis 2025 soll ihr Anteil an der Stromerzeugung 20 Prozent erreichen (2016: 2 Prozent). In den ersten beiden Ausschreibungsrunden des Programms Renovar (2016 und 2017) wurden Zuschläge für insgesamt 4.400 Megawatt erteilt (vornehmlich Wind und Fotovoltaik). Eine dritte Ausschreibungsrunde ist in Vorbereitung. Interessante Perspektiven eröffnet das 2017 verabschiedete Einspeisegesetz. Die Regierung setzt den Abbau der Energiesubventionen und die entsprechende Anhebung der Preise für die Energieverbraucher fort.

Weitere Informationen:

Frischer Wind in Argentinien

http://www.gtai.de/MKT201707268004

Argentinien modernisiert

http://www.gtai.de/MKT201706068010

Bauwirtschaft: Hoffnung auf PPP und Hypothekenkredite

Die Bauaktivität wird 2018 das hohe Wachstumstempo des Vorjahres (13 Prozent) nicht halten können, dennoch ein starker Motor der Konjunktur bleiben. Die öffentlichen Investitionen, die 2017 das Wachstum trugen, dürften 2018 real abnehmen. Die Regierung hofft indes, den Rückgang der staatlich finanzierten Investitionen durch zahlreiche PPP-Projekte ausgleichen zu können. Ob die PPP-Initiativen so schnell vorankommen, erscheint jedoch fraglich. Eine dynamische Entwicklung ist für die private Bautätigkeit zu erwarten. Der Wohnungsbau erhält Impulse von der Expansion der Hypothekenkredite.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Die argentinische Bauwirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs

http://www.gtai.de/MKT201711228004

Argentinien modernisiert

http://www.gtai.de/MKT201706068010

Gesundheitswirtschaft: Auftrieb für klinische Forschung

Argentiniens Pharmaindustrie steckt in der Wachstumsdelle - Produktion und Exporte sinken, die Importe steigen. Die Zukunftsaussichten sind besser, vor allem für die Biotechnologie. Die klinische Forschung wird seit April 2017 durch beschleunigte Zulassungsverfahren für klinische Tests begünstigt. Die zuständige Behörde Anmat hat nur noch 60 Tage Zeit über einen Antrag auf Genehmigung eines Tests zu entscheiden, danach erfolgt die Zustimmung automatisch. Verschiedene Unternehmen haben in der Folge dieser Maßnahme bereits Investitionen von 200 Millionen US-Dollar (US$) auf diesem Gebiet angekündigt.

Landwirtschaft, Fischerei: Comeback der Exportklassiker

Die Landwirtschaft wird auch 2018 zu den stärksten Wachstumsmotoren gehören. Nach der Liberalisierung des Exports und des Devisenmarktes hat das Wachstum neuen Auftrieb bekommen. Vor allem die Exportklassiker Weizen, Mais und Rindfleisch feiern ein Comeback, die Dominanz von Soja schwächt sich ab. Das Potenzial der argentinischen Agroindustrie ist längst nicht ausgeschöpft. Vor allem durch Produktivitätssteigerungen werden die Erntemengen weiter steigen. Auch die Fischerei erlebt eine neue Blüte, 2017 stieg das Sektorprodukt um 23 Prozent, auch für 2018 wird ein zweistelliger Zuwachs erwartet.

Weitere Informationen:

Argentiniens grüner Motor

http://www.gtai.de/MKT201706278005

Argentiniens Agrarwirtschaft nutzt Technologie-Potenziale

http://www.gtai.de/MKT201701208010

Bergbau: Lithiumprojekte reifen

Im Bergbau werden die Fördermengen 2018 steigen, da verschiedene Gold- und Silberminen (Lindero, Chinchillas und San Nicolás) die Produktion aufnehmen. Die Beratung Abeceb erwartet eine Zunahme der Bergbauexporte um 6,4 Prozent. Vor allem die Lithiumförderung kommt voran, bis 2021 könnten sich Produktion und Export verdreifachen, so die Prognosen. Die Regierung erwägt laut Presseberichten die Lockerung von Umweltschutzauflagen, um dem Bergbau in einigen Gletschergebieten freie Bahn zu geben. Angesichts der Imageprobleme des Bergbaus ist allerdings mit heftigem politischem Gegenwind zu rechnen.

Öl/Gas: Hohe Investitionen angekündigt

Argentinien verfügt nach Schätzung der US-amerikanischen Behörde für Energiestatistik (EIA) über die zweitgrößten Schiefergasvorkommen weltweit nach China, aber noch vor den USA. Die lokalen Förderkosten sind bisher allerdings noch deutlich höher als in den USA. Um Investitionen dennoch lohnend zu machen, garantiert die Regierung den Förderunternehmen Abnahmepreise für Naturgas, die weit über dem Niveau des US-Marktes liegen, aber etwa dem Durchschnittspreis der argentinischen Gasimporte entsprechen. In- und ausländische Ölkonzerne haben Investitionen von 45 Milliarden US$ angekündigt.

Weitere Informationen:

Frischer Wind in Argentinien

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Argentinien senkt Zölle auf Investitionsgüter

http://www.gtai.de/MKT201708218002

Nahrungsmittelindustrie: Die Fleischverarbeitung holt auf

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, Argentiniens größter und wettbewerbsfähigster Industriezweig, wird 2018 besser in Schwung kommen, nachdem die Inlandsnachfrage allmählich wieder anzieht. Eine rasante Aufholjagd hat in der Fleischverarbeitung eingesetzt, wo Argentinien die durch die Exportrestriktionen der Kirchner-Regierung verlorenen Exportmärkte zurückgewinnt. Neue Chancen winken in China. Der Fleischexport stieg 2017 (elf Monate) auf US-Dollarbasis um 25 Prozent, die Rindfleischproduktion expandierte um 9 Prozent. Die Milchverarbeitung kämpft dagegen noch mit der Krise (-6 Prozent).

Weitere Informationen:

Argentiniens grüner Motor

http://www.gtai.de/MKT201706278005

Metallindustrie: Neuer Produktionsrekord scheint möglich

Die Aussichten für die Metallindustrie bleiben positiv, 2018 könnte die Produktion auf ein neues Rekordniveau steigen. Wichtige Abnehmerbranchen wie Bau, Kfz, Maschinen- und Gerätebau haben gute Konjunktur. Die Erholung der Ölpreise wird die Nachfrage nach Stahlrohren aus dem In- und Ausland antreiben. Bis November lag der Ausstoß der Metallindustrie 2017 um 8 Prozent über dem Vorjahr. Die Rohstahlproduktion expandierte um 11 Prozent, bei verarbeiteten Produkten führten Baustahl und Rohre (+28 Prozent). Auch die Produktion von Aluminium zieht wieder an (2017: +2 Prozent, bis November).

Weitere Informationen:

Argentiniens Stahlindustrie heizt die Öfen an

http://www.gtai.de/MKT201708178000

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Pick-ups auf der Überholspur

Während der Inlandsabsatz boomt (2018 winkt ein Rekordverkauf von 1 Million Kfz), stocken Produktion und Export. Eine wieder steigende Nachfrage aus Brasilien wird 2018 den Export beflügeln. Damit wird auch die Produktion besser in Gang kommen, die 2017 bei 472.000 Einheiten stagnierte, und noch um 43 Prozent unter dem Rekord von 2011 lag. Die Konzentration auf die Produktion von Pick-ups (bald 350.000 Einheiten pro Jahr) wird weiter verstärkt. Nissan, Renault und Mercedes-Benz wollen ab 2018 eine neue Plattform für Pick-up-Modelle teilen. VW steckt 560 Millionen Euro in ein neues SUV-Modell.

Umwelttechnik: PPP-Projekte sollen Nachholbedarf decken

Argentinien plant für die für die nächsten 15 Jahre Investitionen von 44 Milliarden US$ in die Wasserwirtschaft. Schwerpunkte sind der Ausbau der Trinkwasser- und Kanalisationsnetze, Bewässerung, Überschwemmungsschutz und Umweltsanierung. Für die Umsetzung zahlreicher Projekte setzt die Regierung auf die Beteiligung von privatem Kapital durch PPP- oder BOT-Verträge. Zudem stehen erheblich ausgeweitete Kredite multilateraler Geber (regionale Entwicklungsbanken IADB und CAF sowie Weltbank) zur Verfügung. Bei der Abwasserbehandlung besteht hoher Nachholbedarf im Vergleich zu Nachbarländern wie Chile und Brasilien.

Weitere Informationen:

Argentinien mobilisiert Kapital für den Ausbau der Wasserwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201710178001

Argentiniens Wasserwirtschaft lockt ausländische Unternehmen

http://www.gtai.de/MKT201710168007

Elektronikindustrie: Bauboom treibt die Nachfrage

Gute Aussichten haben die Hersteller von Elektrohausgeräten und Unterhaltungselektronik, die von dem Aufschwung im Wohnungsbau und der zunehmenden Kreditvergabe der Banken profitieren. Nach der seit April 2017 geltenden Zollbefreiung für Computer und Zubehör müssen sich einige Hersteller, die bisher mit geringer lokaler Wertschöpfung und wenig Innovation zumeist in Feuerland montierten, auf das Importgeschäft oder auf die Fertigung von elektronischen Nischenprodukten verlagern. Weiter im Land montiert werden TV-Geräte, die 2018 einen kräftigen Nachfrageimpuls durch die Fußball-WM erhalten.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Büros auf Digitalisierungskurs

Die Digitalisierung des Finanzwesens, der Verwaltung und der Justiz entfaltet einen hohen Bedarf an entsprechenden Ausrüstungen und Software. Die Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer sieht 4.0 und digitale Transformation 2018 im Fokus. Das überfällige Upgrade der IKT-Infrastruktur wird beschleunigt. Vorrang haben der rasche Ausbau der 4G-Netze und eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet. Das Staatsunternehmen Arsat geht mit seinem eigenen Glasfasernetz (33.000 Kilometer) voran. Das ab 2018 zulässige Quadruple Play (festes und mobiles Telefon, Internet und Kabel-TV vom selben Anbieter) stößt Investitionen an.

Weitere Informationen:

Argentiniens Digitalisierung soll an Fahrt gewinnen

http://www.gtai.de/MKT201702018003

Argentiniens Softwarebranche expandiert

http://www.gtai.de/MKT201701208011

Argentinien modernisiert

http://www.gtai.de/MKT201706068010

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Schienenfahrzeuge, Wasserfahrzeuge, Elektronik, allgemein, Öl, Gas, Luftfahrzeuge

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