Branchencheck

08.12.2017

Branchencheck Iran (Dezember 2017)

Inhalt

Langsame Erholung / Ausländische Partner gesucht / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Die starke Lockerung der Iran-Sanktionen hat bislang noch nicht zum gewünschten kräftigen Aufschwung geführt. Mit Ausnahme des Öl-und Gassektors, der Petrochemie und der Automobilindustrie ist in den meisten Branchen nur eine schwache Belebung zu verzeichnen. Angesichts der unkalkulierbaren Washingtoner Iran-Politik zeigen in- und ausländische Investoren Zurückhaltung. Die schwierige Haushaltslage lässt wenig Raum für staatliche Impulse. Der private Konsum ist ebenfalls kein Wachstumsmotor.

Maschinenbauindustrie: Technologietransfer soll neuen Schwung bringen

Die große lokale Maschinenbauindustrie setzt auf eine verstärkte internationale Zusammenarbeit. Technologietransfer soll der Branche Impulse geben, die Gründung von Joint Ventures wird angestrebt. Während der Sanktionsphase konnte der iranische Maschinenbau angesichts geringerer Konkurrenz durch europäische Hersteller seine Marktposition ausbauen. Von den gegenwärtig leicht anziehenden Investitionen in Maschinen und Anlagen dürften die iranischen Maschinenbauer jedoch nicht profitieren. Priorität haben ausländische Ausrüstungen, die bis Anfang 2016 sanktionsbedingt nicht oder nur schwer zu beschaffen waren. Der Statistikbehörde zufolge sind die Ausrüstungsinvestitionen 2016/17 (iranisches Jahr: 21.3 bis 20.3.) um 1,3 Prozent gestiegen, über 5 Prozent könnten es 2017/18 werden.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Irans Maschinenbaumarkt setzt stärker auf Lieferungen aus Europa

http://www.gtai.de/MKT201703138016

Chemieindustrie: Sektor ist Investitionsschwerpunkt

Nach langer Stagnation arbeitet Iran jetzt an einem starken Ausbau des Raffineriesektors. Die Ölraffinerien hatten 2016 eine nominale Kapazität von insgesamt 1,8 Millionen bpd. Neben Investitionen von 14 Milliarden US$ in die Modernisierung der neun alten Raffinerien sollen zwölf neue gebaut werden. Die Produktionskapazität der chemischen Industrie hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. Nach Angaben der National Petrochemical Company erhöhte sich die Jahreskapazität zwischen 2012/13 und 2016/17 von 55,7 Millionen auf 64,1 Millionen t. Bis Ende 2017/18 soll die Kapazität von dann 59 Petrochemieanlagen bei 72 Millionen t liegen. Eine Erhöhung auf 130 Millionen t wird bis 2021 angestrebt. Diese Zielgröße wird aber von Beobachtern als nur schwer realisierbar bewertet. Für 2025 werden 180 Millionen t anvisiert.

Weitere Informationen:

Chemische Industrie profitiert von langsamer Erholung der iranischen Wirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201711298005

Iran baut seine chemische Industrie aus

http://www.gtai.de/MKT201705238011

Energiewirtschaft: Mehr erneuerbare Energien

Die Regierungsplanung sieht bis 2025 eine Steigerung der Kraftwerkskapazitäten um durchschnittlich 5 GW pro Jahr auf etwa 120 GW vor. Die Kraftwerkskapazitäten haben sich seit 2009/10 um 30 Prozent auf aktuell 75 GW erhöht. Zum Zuwachs sollen erneuerbare Energien bis 2021 insgesamt 5 GW beisteuern. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz bietet privaten Investoren einen Stromabnahmevertrag mit einer 20-jährigen Laufzeit an. Den derzeit gültigen Einspeisetarif bezeichnen Branchenvertreter als attraktiv. Die derzeit installierten Solarkraftwerke haben eine Kapazität von nur 60 MW, davon entfallen 41 MW auf 2017 fertiggestellte deutsch-iranische Projekte in den Provinzen Hamadan und Kerman. Die Gesamtkapazität im Erneuerbaren-Energie-Sektor beträgt 345 MW. Stromabnahmeverträge für weitere 2,4 GW sind geschlossen worden, meist fehlt aber die Projektfinanzierung.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Attraktive Einspeisevergütung soll Unternehmen in Irans Solarsektor locken

http://www.gtai.de/MKT201704128001

Branche kompakt - Windenergie in Iran mit neuem Schwung

http://www.gtai.de/MKT201703178000

Iran baut Kraftwerkskapazitäten aus

http://www.gtai.de/MKT201703068002

Bauwirtschaft: Ende der Krise in Sicht

Irans Baubranche steckt seit 2012 in einer schweren Rezession. Die Bauinvestitionen lagen 2016 unter dem Niveau von 2005. Die Talfahrt scheint nun gestoppt, im ersten Halbjahr 2017 wurde ein Plus von 6 Prozent verzeichnet. Es könnte der Beginn eines mehrjährigen Aufschwungs sein. Neben einer Belebung im Wohnungsbau wäre die Umsetzung der vielen geplanten Infrastrukturprojekte erforderlich. Hier gibt es aber weiterhin erhebliche Risiken, vor allem hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten. Der 6. Fünfjahresplan (2017/18 bis 2021/22) sieht die Fertigstellung von durchschnittlich 900.000 Wohneinheiten pro Jahr vor. Zu den wichtigen Infrastrukturmaßnahmen gehören die starke Erweiterung des Schienennetzes sowie der Flughafen- und Hafenbau. Zudem sind zahlreiche industrielle Großprojekte (Petrochemie, Metallindustrie etc.) geplant.

Gesundheitswirtschaft: Budgets zu gering, hohe Investitionen geplant

Die Budgets der staatlichen Gesundheitseinrichtungen und Krankenversicherungen sind in den letzten Jahren aufgestockt worden. Jetzt mehren sich aber die Meldungen von wieder wachsenden Zahlungsproblemen bei staatlichen Krankenhäusern, auf die fast 90 Prozent der Bettenkapazitäten des Landes entfallen. Der weitere Ausbau des Gesundheitssystems soll möglichst von privaten in- und ausländischen Investoren finanziert werden. Schätzungen zufolge besteht bei der Hälfte der aktuell 135.000 registrierten Betten Modernisierungsbedarf, über 30.000 Betten sollen faktisch nicht mehr nutzbar sein. Nach Regierungsangaben ist in der ersten Amtszeit von Präsident Rouhani (2013 bis 2017) die Bettenkapazität um insgesamt 25.000 gestiegen. Mittelfristig wird angestrebt, die Krankenhauskapazitäten auf über 250.000 Betten zu erhöhen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Irans Medizintechnikmarkt im Aufbruch

http://www.gtai.de/MKT201606308002

Irans Gesundheitspolitik setzt auf den Privatsektor

http://www.gtai.de/MKT201602048014

Öl/Gas: Washingtoner Iran-Politik behindert Projektentwicklung

Die Vergabe der etwa 50 in Zusammenarbeit mit internationalen Firmen geplanten Öl- und Gasprojekte gestaltet sich zäh. Es werden ausländische Investitionen in Höhe von insgesamt 130 Milliarden US$ erwartet. Die mögliche Reaktivierung US-amerikanischer Sanktionen dürfte Entscheidungen weiter verzögern. Im Juli 2017 wurde mit Total, der China National Petroleum Corporation und der lokalen Petropars ein 5 Milliarden US$ Vertrag zur Entwicklung der Phase 11 des South Pars Gasfeldes geschlossen. Im November erklärte Total, bei einer Änderung der US-Sanktionspolitik müsse die Beteiligung überprüft werden. Jüngsten Verlautbarungen zufolge soll nun die Vergabe eines ersten Ölprojektes erst 2018 erfolgen. Ohne Kooperationen mit ausländischen Partnern dürfte Iran seine Förderkapazität bis 2021 nicht von derzeit 4 Millionen auf die geplanten 4,7 Millionen bpd steigern können.

Weitere Informationen:

Irans Öl- und Gasprojekte verzögern sich weiter

http://www.gtai.de/MKT201703308007

Metallindustrie: Kapazitätsauslastung im Stahlsektor weiterhin gering

Irans Stahlbranche kämpft weiterhin mit einer schwachen Inlandsnachfrage, kann aber Exportzuwächse verbuchen. Die nominale Rohstahlkapazität ist zwischen 2014/15 und 2016/17 von 22,5 Millionen auf 29,8 Millionen t gestiegen. Im laufenden Jahr 2017/18 sollen weitere 4,8 Millionen t hinzukommen. Die Auslastung lag 2016/17 bei nur 62 Prozent und könnte 2017/18 trotz eines prognostizierten Produktionsanstiegs von etwa 10 Prozent aufgrund der erwarteten Fertigstellung zusätzlicher Kapazitäten weiter sinken. Hohe Investitionen in die gesamte Wertschöpfungskette sollen bis 2025 zu einer Verdreifachung der Stahlerzeugung auf jährlich 55 Millionen t führen. Mit ausländischen Anlagenbauern wird über Stahlprojekte gesprochen. So arbeiten die deutsche SMS und Italiens Danieli an mehreren Großvorhaben, allerdings sind Finanzierungsfragen nicht abschließend geklärt.

Weitere Informationen:

Irans Stahlindustrie blickt nach vorn

http://www.gtai.de/MKT201707118007

Irans Metallindustrie mit ambitionierten Zielen

http://www.gtai.de/MKT201603178007

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Modernisierung noch mit geringen Fortschritten

Seit Lockerung der Sanktionen ist Irans Kfz-Produktion kräftig gestiegen. In den ersten sieben Monaten 2017/18 (21.3. bis 20.10.2017) ist der Kfz-Ausstoß um 19 Prozent auf 0,82 Millionen Einheiten gestiegen, für die Pkw-Sparte wurde eine Steigerung um 21 Prozent auf 0,77 Millionen gemeldet. Im Gesamtjahr 2017/18 dürfte sich die Kfz-Produktion auf über 1,5 Millionen Einheiten erhöhen, vor zwei Jahren (2015/16) waren es weniger als 1 Million. Die Fertigung wird allerdings weiterhin von technisch völlig überalterten Modellen dominiert. Die mit französischen Partnern vereinbarten Projekte zur Produktion moderner Pkw bewegen sich nur langsam. Zwar fand im Mai 2017 die offizielle Eröffnung einer Fabrik zur Fertigung neuer Peugeot-Modelle statt, bis Oktober wurden aber lediglich vier Fahrzeuge montiert. Gespräche über eine Volkswagen-Fertigung haben noch nicht zu einem Ergebnis geführt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Irans Kfz-Industrie auf Modernisierungskurs

http://www.gtai.de/MKT201705228000

Irans Kfz-Industrie steigert Produktion

http://www.gtai.de/MKT201701138002

Sonstiger Fahrzeugbau: Schienenfahrzeugindustrie soll expandieren

Der geplante starke Ausbau des Schienennah- und Fernverkehrs erfordert auch hohe Investitionen in rollendes Material. Es wird angestrebt, den wachsenden Bedarf möglichst durch lokale Fertigung/Montage zu decken. Nach Angaben des Industrieministeriums ist bis 2025 mit der Beschaffung von mindestens 4.000 Metro-Waggons durch Irans Kommunen zu rechnen. An einem Engagement europäischer Firmen besteht großes Interesse, aber noch dominiert die asiatische Konkurrenz. Im Juli 2017 hat Alstom gemeinsam mit zwei staatlichen iranischen Partnern ein Joint Venture zum Bau von 1.000 Metrowaggons gegründet. Irans führender Maschinenbauer, Mapna, will wieder die Produktion von Siemens-Diesellokomotiven aufnehmen, über die Montage von Siemens Elektroloks für die Teheran-Mashhad Linie wird gesprochen.

Weitere Informationen:

Iran setzt im Nah und Regionalverkehr auf Schiene

http://www.gtai.de/MKT201711098004

Iran will Schienennetz stark erweitern und modernisieren

http://www.gtai.de/MKT201711098003

Irans Schienenfahrzeugbau mit Chancen

http://www.gtai.de/MKT201607268007

Umwelttechnik: Investoren für Wasserprojekte gesucht

Hohe Investitionen in die Erschließung neuer Wasserressourcen (Abwasserrecycling, Meerwasserentsalzung, Wassermanagementtechnologien, Sanierung von Trinkwassernetzen etc.) sind erforderlich. Die National Water and Wastewater Engineering Company, die eine zentrale Funktion bei der Planung und Genehmigung von Wasserprojekten hat und wichtigster Ansprechpartner für ausländische Firmen ist, veröffentlicht Listen mit geplanten BOT- und BOO-Projekten. Die neueste Liste wurde Mitte 2017 präsentiert. Das für die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung zuständige Energieministerium kalkuliert die notwendigen Investitionen in Wasserprojekte bis 2021 mit 12 Milliarden US$. Etwa 3.000 Wasser- und Abwasserprojekte warten derzeit auf Finanzierungen.

Weitere Informationen:

Irans Wasserwirtschaft vor großen Herausforderungen

http://www.gtai.de/MKT201603108003

Iran zeigt großes Interesse an Projekten mit deutschen Firmen im Wassersektor

http://www.gtai.de/MKT201703078005

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Weiterhin großer Nachholbedarf

Im Bereich der Mobilfunk- und Internetinfrastruktur besteht hoher Investitionsbedarf. Obwohl in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte verzeichnet werden konnten, ist die Internet- und Mobilfunkversorgung weiterhin völlig unzureichend. Hinzu kommen die starken Behinderungen durch die staatliche Internet-Zensur. Die drei landesweit aktiven Mobilfunkanbieter bauen ihre 4G-Netze aus. Nach Angaben des Ministeriums für Kommunikation gab es im September 2017 rund 85,6 Millionen aktive SIM-Karten (Durchdringungsrate: 106,4 Prozent), Ende 2016/17 (März 2017) waren es 83,0 Millionen (104,1 Prozent). Das mobile Internet wurde im September von 47,3 Millionen Teilnehmern genutzt. Die Zahl der Internetfestnetzanschlüsse (ADSL, Glasfaser) betrug 10,5 Millionen, die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei unter 4 Mbps, in vier Jahren sollen 20 Mbps erreicht werden.

Weitere Informationen:

Irans Internet- und Mobilfunkinfrastruktur wächst stark

http://www.gtai.de/MKT201612158010

E-Commerce in Iran entwickelt sich dynamisch

http://www.gtai.de/MKT201612208008

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-dezember-2017--iran,did=1830482.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Schienenfahrzeuge, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

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