Branchencheck

29.12.2017

Branchencheck Irland (Dezember 2017)

Inhalt

Investitionen legen auch 2018 kräftig zu / Von Torsten Pauly

Dublin (GTAI) - Irlands verarbeitendes Gewerbe hat im dritten Quartal 2017 mehr umgesetzt als in den drei Monaten zuvor und der Indikator lag um 88,4 Prozent über dem Schnitt des Krisenjahres 2010. Auch der Dienstleistungsindex hat sich zwischen Juli und September 2017 weiter verbessert und war 27,1 Prozent höher als im Mittel von 2010. Die Gesamtaussichten sind ebenfalls positiv. Für 2018 prognostizierte die EU-Kommission Ende 2017 einen Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um real 5,7 Prozent.

Maschinenbauindustrie: Gute Voraussetzungen für Industrie 4.0

Der Importbedarf ist in Irland sehr hoch, denn der Maschinen- und Anlagenbau zählt nicht zu den führenden Industriezweigen und hat 2014 laut den neuesten verfügbaren Zahlen nur 2,2 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe beigetragen. Neue Lösungen zur digitalen Vernetzung von Produktions- und Logistikprozessen eröffnen jedoch vielfältige Geschäftschancen, so dass die Branche in Irland stark an Bedeutung gewinnen könnte. Eine Studie von Roland Berger sieht den irischen Standort im europäischen Vergleich als mit am besten gerüstet für Industrie 4.0-Entwicklungen. Unter anderem sind dort viele innovative Anbieter von informations- und Telekommunikationstechnik ansässig, etwa in der Cybersicherheit oder im Management großer Datenmengen.

Weitere Informationen:

Überblick über den irischen Maschinenbau unter

http://www.gtai.de/MKT201612148006

GTAI-Artikel "Irland bei Industrie 4.0 mit führend"

http://www.gtai.de/MKT201702228010

Überblick über den Ausbau des irischen Breitbandnetzes

http://www.gtai.de/MKT201607118005

Chemieindustrie: Multinationale Investoren dominieren

Die Bruttowertschöpfung der irischen Chemieproduzenten war im dritten Quartal 2017 um 7,4 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Irlands bei weitem größter Industriezweig ist der stark exportorientierte Pharmasektor, der 2016 allein 43,7 Prozent aller Nettoverkaufserlöse in der Kategorie verarbeitendes Gewerbe/Bergbau erzielt hat. Weitere 12 Prozent hat die Chemieindustrie (ohne Pharma) erwirtschaftet. Diese äußerst hohe Bedeutung beruht in erster Linie auf dem Engagement multinationaler Investoren, welche überwiegend aus dem angelsächsischen Raum, teilweise aber auch aus Deutschland stammen und in der Republik Irland für den Weltmarkt produzieren.

Weitere Informationen:

Überblick über die irische Pharma- und Chemieindustrie

http://www.gtai.de/MKT201704208006

Energiewirtschaft: Weitere Windparks in Planung

Irland forciert die Nutzung erneuerbarer Energien, vor allem von Windparks. Bis 2020 sollen neue Onshore-Kapazitäten von 1,1 Gigawatt entstehen, hat der Verband Wind Europe im September 2017 prognostiziert. Zusätzlich erhöhen könnte sich der Bedarf wegen der infolge des Brexit verteuerten Importe fossiler Brennstoffe aus dem Vereinigten Königreich. Unter anderem hat die HSH Nordbank Ende 2017 angekündigt, Anlagen im Umfang von 20 Megawatt in der Grafschaft Cavan zu finanzieren. Bereits zur Jahresmitte hat Greencoat Renewables entschieden, 250 Millionen Euro in die Errichtung zweier Windparks mit einer Gesamtkapazität von 137 Megawatt zu stecken. Darüber hinaus will Lightsource 500 Millionen Euro für diverse Photovoltaikstandorte aufwenden. Diese sollen 2020 eine Gesamtkapazität von 1,5 Gigawatt erreichen.

Weitere Informationen:

Übersicht über die Energieabhängigkeit der europäischen Staaten und Irlands

http://www.gtai.de/MKT201610048008

Bauwirtschaft: Regierung erhöht Förderung für den Wohnungsbau

Der Bauboom in Irland hält an: Preisbereinigt sollen die Bauinvestitionen 2018 um 14,3 Prozent steigen, erwartet die EU-Kommission Ende 2017. Bereits im zweiten Quartal 2017 waren die ausgeführten Bauleistungen real um 13,5 Prozent höher als im selben Vorjahreszeitraum. Nochmals stärkere Zuwächse gab es dabei bei der Errichtung von Wohn- und sonstigen Gebäuden (+20,5 Prozent sowie +21,4 Prozent). Die Tiefbauarbeiten hatten im zweiten Vierteljahr 2017 um 5 Prozent gegenüber demselben Zeitraum 2016 zugelegt. Da die Immobilienkosten vor allem in den irischen Zentren wieder stark steigen, unterstützt die Regierung den sozialen und sonstigen Wohnungsbau von 2016 bis 2021 mit 5,2 Milliarden Euro. Dies soll unter anderem die Errichtung von 47.000 Wohneinheiten ermöglichen.

Weitere Informationen:

Übersicht über den irischen Hochbau

http://www.gtai.de/MKT201612088003

GTAI-Artikel zum Immobilienmarkt in Irland

http://www.gtai.de/MKT201709198005

Informationen zum U-Bahnbau in Irland

http://www.gtai.de/MKT201510168006

Gesundheitswirtschaft: Neue Kliniken für 1,2 Milliarden Euro

Der irische Medizintechnikmarkt soll von 2016 bis 2020 um insgesamt 23 Prozent auf ein Volumen von dann 832 Millionen Euro wachsen, hat das Analyseinstitut BMI 2016 geschätzt. Größtes Projekt im Gesundheitssektor ist der Neubau einer Kinderklinik mit 39 medizinischen Fachrichtungen in Dublin bis 2021. Diese kostet 916 Millionen Euro. Weitere 295 Millionen Euro stehen für eine neue Entbindungsklinik bereit, die 2022 in der Hauptstadt ihre Pforten öffnet. In den Ausbau von Tumorbehandlungen in Cork und Galway fließen 55 Millionen Euro sowie 64 Millionen Euro. Wegen Sparzwängen in der Wirtschaftskrise hatten sich die öffentlichen Gesundheitsleistungen vor einigen Jahren verschlechtert und das schwedische Analyseinstitut Healthpowerhouse führt Irland im Euro Health Consumer Index 2016 nur auf Rang 20 unter 35 europäischen Ländern.

Weitere Informationen:

GTAI-Artikel über den Bau eines Kinderkrankenhauses in Dublin

http://www.gtai.de/MKT201606088004

Branchenübersicht Medizintechnik in Irland

http://www.gtai.de/MKT201512148012

Nahrungsmittelindustrie: Brexit fördert Markteintritt in Deutschland

Die Nahrungsmittel- und Getränkeverarbeitung ist Irlands zweitgrößter Industriezweig, 2016 entfielen auf die Branche insgesamt 18,1 Prozent aller Nettoverkaufserlöse im verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau. Die hohe Bedeutung gründet auch im Export. In diesem Sektor dominieren einheimische Unternehmen weit mehr als in anderen Wirtschaftszweigen. Im dritten Quartal 2017 war die Produktion der Branche um 7,8 Prozent geringer als im selben Vorjahreszeitraum. Zur großen Herausforderung kann der Brexit werden, da das Vereinigte Königreich für die irischen Anbieter der bei weitem wichtigste Auslandsmarkt ist. Die jüngsten Abwertungen des Pfund Sterling sowie mögliche Handelshindernisse nach dem britischen EU-Austritt sind daher Risiken, die auch zu einem verstärkten Markteintritt in Deutschland führen können.

Weitere Informationen:

GTAI-Artikel zu den Auswirkungen des Brexits auf Irland

http://www.gtai.de/MKT201607218018

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Irish Water investiert 5,5 Milliarden Euro

Irlands öffentliche Hand investiert nach Rückgängen in der Rezession wieder mehr in den Umweltschutz, dank der besseren Finanzlage und wegen eines erheblichen Modernisierungsstaus. In der Wasserversorgung liegen die Leitungsverluste 2017 bei 47 Prozent. Um die Quote bis Ende 2021 auf 38 Prozent zu senken, will das landesweit zuständige Unternehmen Irish Water 500 Millionen Euro aufwenden. Von 2016 bis 2021 will Irish Water insgesamt 5,5 Milliarden Euro investieren, davon 2,2 Milliarden Euro ins Trinkwassernetz, 2 Milliarden Euro in die Abwassersysteme und den Rest in die allgemeine Infrastruktur. Das mit 300 Millionen Euro teuerste Einzelprojekt ist die laufende Modernisierung des Dubliner Klärwerks Ringsend. Eine andere Anlage für 160 Millionen Euro in Cork-Ringaskiddy befindet sich noch im Genehmigungsverfahren.

Weitere Informationen:

Informationen zu den irischen Investitionen in Wassertechnik

http://www.gtai.de/MKT201707038005

Irlands Bedarf an Abwassertechnik steigt stark an

http://www.gtai.de/MKT201604278010

Irland baut den Hochwasserschutz aus

http://www.gtai.de/MKT201601088002

Kfz-Markt: Erstzulassungen sinken nach starken Anstiegen in den Vorjahren

In den ersten elf Monaten 2017 wurden in Irland 131.200 Neuwagen zum Verkehr zugelassen, das waren 10,3 Prozent weniger als im selben Vorjahreszeitraum. Bei den Nutzfahrzeugen (Nfz) gab es zwischen Januar und Oktober 2017 einen Rückgang um 14,5 Prozent auf 25.700 Stück. Diese Entwicklung ist allerdings vor dem Hintergrund der kräftigen Anstiege in den Jahren zuvor zu sehen: Von 2013 bis 2016 hatte sich die Zahl neu zugelassener Autos auf 146.700 Einheiten fast verdoppelt (+97,2 Prozent). Bei den Nfz gab es in derselben Zeit einen Anstieg um 143,3 Prozent auf 31.119 Stück. Dies lag an der besseren Wirtschaftslage und am hohen Nachholbedarf nach der Krise. Von 2007 bis 2009 waren allein die Anmeldungen neuer Pkw insgesamt um 69,2 Prozent eingebrochen und hatten danach lange auf niedrigem Niveau verharrt.

Weitere Informationen:

Gute Aussichten auf dem irischen Kfz-Markt

http://www.gtai.de/MKT201701258003

(P.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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