Branchencheck

13.12.2017

Branchencheck Kuba (November 2017)

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Devisenmangel verschärft sich, doch private Investitionen schaffen Absatzchancen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Deutsche Lieferanten mit Interesse am Kubageschäft müssen Geduld haben. Die Devisenknappheit zwingt die staatlichen Kunden momentan dazu, ihre Zahlungsziele auf bis zu 720 Tage auszuweiten. Absatzchancen sind - auch aufgrund von ausländischen Investitionsprojekten - in einigen Sektoren jedoch durchaus vorhanden.

Energiewirtschaft: Erneuerbare mit ersten Projekten

Biomasse, Fotovoltaik sowie Wind- und Wasserkraft sollen bis 2030 knapp ein Viertel der Stromerzeugung ausmachen. 2016 waren es lediglich 5 Prozent. Ausländische Unternehmen werden vorwiegend über Joint Venture sowie über Build-Own-Operate-Modelle (BOO) aktiv. Die größten Ausbaupläne gibt es für Bioenergieanlagen innerhalb bestehender Zuckerfabriken. Ein erstes Projekt wurde 2016 an ein Joint Venture mit der britischen Havanna Energy vergeben. Deutsche Projektentwickler haben ebenfalls Interesse. Mit der britischen Hive Energy, der spanischen Yield Energía und der deutschen EFF sicherten sich erste Firmen Fotovoltaikprojekte. Auch konventionelle Kraftwerke haben Chancen. MAN und MTU lieferten in den letzten Jahren moderne Dieselkraftwerke - ein wichtiger Pfeiler der kubanischen Stromwirtschaft.

Bauwirtschaft: Mehr Engagement von Hotelbetreibern

Der Tourismus generierte 2016 Einnahmen von rund 3 Milliarden US-Dollar (US$) und ist damit mittlerweile der drittwichtigste Devisenbringer Kubas. Für 2017 erwartet das Tourismusministerium Mintur 4,7 Millionen ausländische Gäste und damit rund 17 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr. Angesichts neuer US-Reisebeschränkungen sowie der Schäden durch den Hurrikan Irma ist jedoch nicht klar, ob diese Zahl erreicht werden kann. In jedem Fall verstärken Hotelbetreiber wie Meliá und Marriott ihr Engagement. Die Kreuzfahrtlinien Carnival Cruise Lines, Norwegian Cruise Lines und Royal Caribbean planen, Kuba als Anlaufpunkt zu forcieren. Unter deutscher Beteiligung gibt es Pläne für Themenparks, um das Freizeitangebot zu erweitern.

Gesundheitswirtschaft: Kuba bei Medizintechnik stark von Importen abhängig

Während die Entwicklung von Medikamenten weltweit zu den fortschrittlichsten gehört, ist Kuba bei Medizintechnik stark auf Importe angewiesen. 2016 kamen knapp 80 Prozent des Medizintechnikabsatzes von insgesamt 152 Millionen US$ aus dem Ausland. Der Bedarf wird angesichts der alternden Bevölkerung und des aufkommenden Medizintourismus in den kommenden Jahren zunehmen. Die Marktforschungsfirma BMI Research prognostiziert für 2016 bis 2021 ein Absatzplus von durchschnittlich 5,7 Prozent pro Jahr. Deutschland ist mit China und verstärkt auch Japan der wichtigste Lieferant von Medizintechnik, die Verkäufe variieren aufgrund der staatlich gesteuerten Einkaufspolitik allerdings stark von Jahr zu Jahr. 2016 nahmen die Gesamteinfuhren im Vergleich zum Vorjahr um rund 14 Prozent ab.

Bergbau: Neues Großprojekt

Im Oktober 2017 öffnete erstmals seit mehreren Jahren ein neues Bergwerk in Kuba. Ein Joint Venture des schweizerischen Unternehmens Trafigura und der kubanischen Staatsfirma GeoMinera produziert künftig 100.000 Tonnen Zink- und 50.000 Tonnen Bleikonzentrat pro Jahr in der westlichen Provinz Pinar del Río. Das Projekt ist für die Kubaner ein willkommener Ausgleich für das darbende Nickelgeschäft. Nickel ist das wichtigste mineralische Exportgut, doch die geringen Weltmarktpreise ließen die Ausfuhrerlöse 2015 auf 517 Millionen US$ und damit rund 15 Prozent der kubanischen Exporte sinken. Wichtigster Investor in diesem Bereich ist Kanada. Auch wenn in der Investitionsmöglichkeitenliste der Regierung rund 50 Bergbauvorschläge enthalten sind, gibt es momentan keine konkreten Pläne für weitere Abbauvorhaben.

Öl/Gas: Kuba kann bedeutender Erdölförderer werden

Kuba produziert bereits rund 45.000 Barrel Rohöl und 3 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Tag, hat aber das Potenzial für eine weiteraus höhere Förderung. Die australische MEO Australia vermutet alleine im nördlich gelegenen Block 9 Reserven von 8 Milliarden Barrel an Leichtöl, von denen 395 Millionen wirtschaftlich förderbar sind. 2018 will das Unternehmen zusammen mit der kubanischen Cupet das Feld ausbeuten. Zudem engagiert sich seit 2017 mit Sheritt ein kanadisches Unternehmen von der Sonderwirtschaftszone Mariel aus in der Förderung. Weitere interessierte Firmen sind Petrovietnam (Vietnam) und Rosneft (Russland). Sonangol (Angola), PDVSA (Venezuela) und Zarubezhneft (Russland) verfügen bereits über Aktivitäten in Kuba, vorwiegend in Offshore-Gebieten vor der Nord- und Westküste.

Nahrungsmittelindustrie: Investitionen in Sonderwirtschaftszone Mariel

Kuba muss trotz bester klimatischer Bedingungen pro Jahr Nahrungsmittel im Wert von rund 2 Milliarden US$ einführen, was rund 20 Prozent der Gesamtimporte des Landes entspricht. Der aufstrebende Tourismus verschärft die Situation. Die Anstrengungen der Regierung, Kooperationen mit ausländischen Unternehmen zur Produktion von Nahrungsmitteln und Getränken einzugehen, ist entsprechend hoch und trägt bereits Früchte. In der Sonderwirtschaftszone Mariel lassen sich mit Nestlé (Bäckereiprodukte, Süßwaren, Kaffee), Grupo TGT (Milchprodukte), Profood Service (Getränke) und Richmeat (Fleisch) sowie den beiden rein kubanischen Firmen Cimex Mariel (Kaffee) und Minal (Bier) mehrere Verarbeiter nieder. Hinsichtlich sonstiger landwirtschaftlicher Projekte ist das private Interesse aufgrund der starken Regulierung jedoch gering.

Umwelttechnik: Kuba kämpft gegen Dürren

In der Wasserversorgung hat Kuba einerseits immer wieder mit Dürren zu kämpfen, insbesondere im Osten der Insel. Zum anderen sorgte der Hurrikan Irma im September 2017 für starke Verwüstungen, deren Reparatur sich bis in das Jahr 2018 hineinziehen wird. Spanische Player sind in der Installation von Kläranlagen führend, unter ihnen die Firmen Velamar und Tramasa. Anfang des Jahres startete der Betrieb der Kläranlage Luyanó IV in Havanna, die 200 Liter pro Sekunde reinigen kann. Mit Unterstützung der spanischen Entwicklungsagentur Aecid folgten im Jahresverlauf 2017 die Anlagen San Matías und Prosperidad, ebenfalls in Havanna. Für 2018 steht der Bau des Klärwerks Monterrey an (150 Liter pro Sekunde). Daneben startete 2017 ein Programm, das mittelfristig den Bau von zwölf Meerwasserentsalzungsanlagen vorsieht.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Erstmals Internet für Privathaushalte

Die Regierung hat erkannt, dass sie das Internetangebot für Privatpersonen ausbauen muss. Nach einem Ende 2016 gestarteten Pilotprojekt zwischen dem staatlichen Telekommunikations- und Internetanbieter Etecsa und Google können mittlerweile alle Haushalte einen Zugang beantragen. Die Leistungsfähigkeit des Internets ist jedoch gering und die Nutzungskosten sehr hoch. Inwieweit der restriktivere Kurs der US-Regierung gegenüber Kuba solche Kooperationsprojekte im Telekombereich unterbinden wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Etecsa modernisiert durch die Umstellung von GSM auf den 3G- und 4G-Standard auch das mobile Internet. Dafür müssen rund 250 neue Sendeeinrichtungen aufgebaut werden. Im produzierenden Gewerbe ist die Digitalisierung jedoch noch kein Thema.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

Jutta Kusche Jutta Kusche | © GTAI

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