Branchencheck

29.12.2017

Branchencheck Slowenien (Dezember 2017)

Inhalt

Produktionssteigerung in fast allen Industriezweigen / Automobilzulieferer mit reger Investitionstätigkeit / Von Waldemar Lichter

Ljubljana (GTAI) - Die gute Entwicklung der slowenischen Industrie eröffnet auch deutschen Unternehmen Marktchancen. Die Industrieproduktion nahm 2016 um 5,9 und in den ersten neun Monaten 2017 um 6,4 Prozent zu. Die exportorientierten Zweige profitieren von der starken Auslandsnachfrage. Die gute Konjunktur schafft Möglichkeiten für Zulieferbetriebe. Aufgrund ihrer hohen Kapazitätsauslastung investieren die Unternehmen in die Erweiterung und Modernisierung ihrer Anlagen.

Maschinenbauindustrie: Erholung gewinnt an Schwung

Nach den schwachen Jahren 2013 und 2014 setzte im slowenischen Maschinenbau eine deutliche Erholung ein. Die Erzeugung nahm 2015 um 6,2 und 2016 um 6,7 Prozent zu. In den ersten neun Monaten 2017 beschleunigte sich das Wachstum sogar auf 14,1 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Rund zwei Drittel der Erlöse erzielen slowenische Maschinenbaufirmen im Ausland. Zu den wichtigsten neuen Vorhaben der Branche gehört die Errichtung einer Produktionsstätte für bis zu 6.000 Industrieroboter pro Jahr durch Yaskawa Electric in Kocevje. Der Fabrikbau (25 Millionen Euro) begann im November 2017. Slowenien wird damit zum Zentrum für Roboterentwicklung und -vertrieb von Yaskawa Electric in Europa.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Maschinenbau Slowenien

http://www.gtai.de/MKT201706278009

Chemieindustrie: Produktionseinbruch von 2016 ist überwunden

Die Produktion in der chemischen Industrie ging 2016 um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Seit Anfang 2017 ist jedoch eine Trendwende festzustellen. In den ersten neun Monaten nahm die Erzeugung um kräftige 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Günstig bleibt die Entwicklung in der Kunststoff- und Gummiindustrie. Nach einem Plus von 11,5 Prozent im Jahr 2016 stieg die Produktion in den ersten drei Quartalen 2017 um weitere 9.7 Prozent. Bedeutende Sparte ist die Pharmaindustrie mit den großen Unternehmen Lek (Novartis) und Krka. Lek führt derzeit ein großes Projekt über 105 Millionen Euro in Prevalja durch. Krka erweitert seine Aktivitäten in China, wo 2017 ein Joint Venture mit Ningbo Menovo Pharmaceutical gegründet wurde.

Energiewirtschaft: Investitionen in Wasserkraftwerke

Die Nutzung von Wasser- und Atomkraft bleiben Schwerpunkte des slowenischen Energiesektors. Zu den größten Vorhaben gehört der Bau von zehn Wasserkraftwerken am mittleren Save-Lauf durch die Gesellschaft HSE für bis zu 1,5 Milliarden Euro. Zwei HSE-Töchter (DEM und HESS) führen größere Projekte im Wasserkraftbereich durch - DEM am Pumpspeicherkraftwerk Kozjak (403 Megawatt) und HESS an den Anlagen in Brezice (45 Megawatt; im Herbst 2017 in Betrieb genommen) und Mokrice (28 Megawatt). Die Betriebslaufzeit des bestehenden Kernkraftwerks NE Krsko wurde bis 2043 verlängert. Es wird intensiv an Projekten zur Errichtung von Strom- und Gasleitungen sowie am Thema "smart grids" gearbeitet. Ein neues langfristiges Energiekonzepts für das Land ist in Vorbereitung. Ziel soll dabei sein, die Schadstoffemissionen in den nächsten Jahrzehnten deutlich zu senken.

Bauwirtschaft: Branche scheint die Wende geschafft zu haben

Anzeichen für eine positive Entwicklung sind im Bausektor festzustellen. Nach dem Rückgang der Bauleistungen im Jahr 2016 von 17,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (darunter Hochbau:-2,4 und Tiefbau: -24,7 Prozent) drehte die Baukonjunktur Anfang 2017 ins Plus. So war der Wert der Bauleistungen im 1. Quartal 2017 nach Angaben von Eurostat um 20,1, im 2. Quartal um 17,4 und im 3. Quartal um 8,4 Prozent höher als im jeweiligen Vorjahrsquartal. Allerdings ist das Niveau der Bauleistungen noch weit vom Vorkrisenstand entfernt. Im 3. Quartal 2017 war das Bauvolumen rund 29 Prozent geringer als im Durchschnitt des Jahres 2010.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Bauwirtschaft Slowenien (2015)

https://www.gtai.de/MKT201511048002

Gesundheitswirtschaft: Medizintechnikmarkt auf Importe angewiesen

Die slowenischen Gesundheitsausgaben sind in den vergangenen Jahren leicht gesunken. Nach Angaben der OECD bewegte sich deren Anteil am BIP im abgelaufenen Jahrzehnt zwischen 7,5 und 8,8 Prozent. Für den Medizintechnikmarkt gehen Marktforscher von Business Monitor International (BMI) für die Jahre 2015 bis 2020 von einem durchschnittlichen Wachstum von 4,2 Prozent pro Jahr aus. Bis 2020 wird das Marktvolumen eine Größenordnung von 274,8 Millionen Euro erreichen. Die Pro-Kopf-Ausgaben sind im regionalen Vergleich relativ hoch und sollen zwischen 2015 und 2020 von 114,1 auf 139,4 Euro steigen. Der slowenische Markt für Medizintechnik wird zu einem großen Anteil durch Einfuhren bedient.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Medizintechnik in Slowenien

https://www.gtai.de/MKT201701318012

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Kfz-Zulieferer bauen ihre Kapazitäten aus

Die slowenische Automobilindustrie hat ihre kleine Delle von 2016 (-2,5 Prozent) wieder ausgebügelt. In den ersten neun Monaten 2017 stieg die Produktion um 19,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mit 133.702 gebauten Autos im Jahr 2016 ist der Industriezweig jedoch noch weit von seinem Rekord von 202.570 des Jahres 2009 entfernt. In der Fahrzeugfertigung ist Revoz, die Tochterfirma des französischen Autobauers Renault, tätig. Sie produziert am Standort Novo Mesto die Modelle Twingo und Clio sowie den Smart ForFour. Im Sektor sind zahlreiche (ausländische) Zulieferer tätig, die ihre Kapazitäten weiter ausbauen. Im Herbst 2017 ist es dem Land gelungen, den kanadischen Konzern Magna für eine erste große Investition bei Maribor zu gewinnen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Kfz-Industrie und Kfz-Teile Slowenien

https://www.gtai.de/MKT201504298031

Informations- und Kommunikationswirtschaft: IT-Dienste und Software treiben Marktwachstum an

Die slowenischen IT-Ausgaben werden Prognosen von BMI-Experten zufolge von 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 1,8 Milliarden Euro 2021 wachsen. Angetrieben wird der Markt vor allem durch die Nachfrage nach Servicedienstleistungen (6,1 Prozent pro Jahr auf 1,3 Milliarden Euro bis 2021) und Software (7,1 Prozent pro Jahr auf 277 Millionen Euro). Der Hardware-Markt werde sich dagegen nach BMI-Einschätzung rückläufig entwickeln, was vor allem auf die Sättigung in der PC-Sparte zurückgeführt wird.

Kfz-Markt: Einschränkungen für Kfz mit Verbrennungsmotoren ab 2025

Der slowenische Kfz-Markt wächst kräftig. BMI-Experten gehen für 2018 bis 2021 von einer durchschnittlichen Zunahme der Verkäufe von 8,4 Prozent pro Jahr auf dann über 118.500 Fahrzeuge aus. Auf dem Markt zeichnet sich eine bedeutende Änderung der Rahmenbedingungen ab: Die Zulassung neuer Straßenfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren soll ab 2025 nach und nach einschränkt werden. Stattdessen soll der Anteil von Elektro- und Hybridautos an der gesamten Fahrzeugflotte des Landes steigen. Es wird an besseren Bedingungen für Car-Sharing und der Einführung von autonomen Fahrzeugen beispielsweise im öffentlichen Personennahverkehr gearbeitet.

Weitere Informationen:

Slowenien setzt auf Elektromobilität

https://www.gtai.de/MKT201711068003

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowenien EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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‎+49 228 24 993 365

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