Branchencheck

15.09.2017

Produktmärkte in Belarus (August 2017)

Inhalt

Lieferpotenzial für prioritäre Projekte / Ambitionierte Vorhaben in der Chemie und Petrochemie / Uwe Strohbach

Minsk (GTAI) - Die aktuelle Gesamtlage der Investitionen in Belarus bleibt 2017 kritisch. Dennoch gibt es ein ganzes Bündel an Projekten, die die belarussische Regierung forciert voranbringen will. Genannt seien vor allem das Ausbauprogramm in der chemischen und petrochemischen Industrie, einige Vorhaben im Maschinenbau sowie in der Agrarindustrie. Nicht minder interessante Lieferchancen bieten sich in der Energieversorgung, Wasser- und Abwasserbehandlung sowie in der Abfallwirtschaft.

Maschinenbauindustrie: Mehrere größere Investitionsprojekte geplant

Im Maschinenbau gibt es etwa ein Dutzend nennenswerte Investitionsvorhaben mit Volumina von jeweils etwa 60 Millionen bis 350 Millionen US-Dollar. Hierzu zählen unter anderem der Bau von größeren Fabriken für Lader (Amkodor-Masch) und 300- bis 500-PS-Traktoren (Amkodor, Sinomach Heavy Industry Corp.,VR China). Das neue Traktorenwerk soll je nach Projektvariante über eine jährliche Kapazität von 60.000 bis 120.000 Einheiten verfügen. Des Weiteren sind Investitionen in Produktionsstätten für Kommunaltechnik, Krane und Autopumpen (MAZ, Zoomlion Heavy Industry Science & Technology, VR China) sowie umfassende Modernisierungsprogramme in den Unternehmen OIZ (Fabrik für Metallschneid-, Mess- und andere Präzisionswerkzeuge für Werkzeugmaschinen) und Hydraulik-Holding geplant.

Chemieindustrie: Belnaftachim investiert 8 Milliarden US$ in seine Kapazitäten

Den Leitfaden für Projekte in der Chemie und Petrochemie bildet das auf rund 8 Milliarden US$ veranschlagte Investitionsprogramm des Staatskonzerns Belnaftachim für 2016 bis 2020. Allein in die Modernisierung der Ölraffinerien Masyr und Naftan fließen 1,2 Milliarden US$ (2017 bis 2019). Großvorhaben planen die Betriebe Grodno Azot (Produktion von 1,2 Millionen Tonnen Harnstoff pro Jahr), Mogilevkhimvolokno (Herstellung von Polyethylenterephthalat-Granulat für die Textilproduktion und von Polyesterfasern) und Belschina (Aufnahme und Ausbau der Produktion von großen Radialreifen). Im Jahr 2016 erfolgte der offizielle Start für zwei Vorhaben zum Ausbau der Produktsparte Kalidünger (Belaruskali und Slawkali). In der Pharmaindustrie wird 2017 bis 2019 etwa ein Dutzend neuer Projekte für 40 Millionen US$ realisiert.

Energiewirtschaft: Belenergo realisiert bis 2020 Projekte für 1,4 Milliarden US$

Das Investitionsprogramm des zentralen Stromversorgers Belenergo umfasst für 2017 bis 2020 Vorhaben für 1,4 Milliarden US$ (ohne den neuen Atommeiler). Davon sind 0,5 Milliarden US$ für die Integration des Atomkraftwerks in die Strominfrastruktur, 0,4 Milliarden US$ für die Erneuerung von Stromnetzen und Umspannwerken und 0,3 Milliarden US$ für weitere Projekte in der Stromerzeugung bestimmt. Die beiden 1.194-Megawatt-Blöcke des ersten Atommeilers im Land sollen 2018 bis 2020 in Betrieb gehen. Die Investitionen in die konventionelle Stromerzeugung konzentrieren sich auf Modernisierungsprojekte in den Kraftwerken Nawapolazk und Masyr (etwa 100 Millionen und 150 Millionen US$). Ende 2020 sollen die verfügbaren installierten Kapazitäten von Belenergo inklusive des Atommeilers 12.200 Megawatt erreichen (31. Dezember 2016: 9.000 Megawatt).

Bauwirtschaft: Bauentwickler intensivieren ihre großen Städtebauvorhaben

Der Bausektor hat seine Krise noch nicht überwunden und muss immer noch Einbrüche hinnehmen (Januar bis Juli 2017: -6,6 Prozent). Geschäftschancen für Zulieferungen bieten sich aktuell vor allem für eine Reihe laufender und geplanter größerer Stadtentwicklungsvorhaben in Minsk (Minsk World, Mayak Minsk, Magnit Minsk, Nowaya Borovaya). Im Rahmen des zentralen Programms für den Wohnungsbau sollen 2017 und 2018 jeweils 3,5 Millionen Quadratmeter an neuer Wohnfläche mit öffentlichen und privaten Geldern in Höhe von insgesamt 4,2 Milliarden US$ gebaut werden). Im Straßenbau stehen die Modernisierung weiterer Trassen der nationalen Autobahn sowie der Bau von Umgehungstraßen in einigen Großstädten an.

Gesundheitswirtschaft: E-Health-Großprojekt vor dem Start

Die Investitionen im öffentlichen Gesundheitswesen fließen vorrangig in die Errichtung von etwa einem Dutzend Polikliniken, die Modernisierung von sieben Krankenhäusern in Minsk (2016/17 bis 2020) und den Bau eines Kinderkrankenhauses in Gomel. Die Internationale Finanz-Corporation (IFC) erwägt im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft ein Finanzierungsengagement für die Modernisierung eines städtischen Krankenhauses in Grodno. Ende 2016 bestätigte die Weltbank ihre Zusage für die Bereitstellung von 125 Millionen US$ für mehrere Vorhaben im Gesundheitswesen. Die Gelder sind für die weitere Implementierung von E-Health-Projekten in der öffentlichen Gesundheitsfürsorge, die Modernisierung von Zentren für Neonatologie und die Verbesserung des Managements in Kliniken im Zeitraum 2017 bis 2021 bestimmt.

Bergbau: Zwei Großprojekte im Kalibergbau in der Pipeline

Großvorhaben für den Ausbau des Kalibergbaus bestimmen die Investitionen im belarussischen Bergbau. Hinter den Projekten stehen das Staatsunternehmen Belaruskali und die neue private Gesellschaft Slawkali. Die beiden Akteure wollen bis 2020/21 mindestens 3,6 Milliarden US$ in die Errichtung neuer komplexer Produktionsstätten für Kalidünger investieren. Von den avisierten Gesamtinvestitionen sind mehr als 2 Milliarden US$ für die Erschließung neuer Kaligruben einschließlich ihrer technischen Ausrüstung vorgesehen. Für die Finanzierung des Projekts von Slawkali stellt die China Development Bank ein Darlehen über 1,4 Milliarden US$ bereit.

Nahrungsmittelindustrie: Ausbauprojekte bieten Lieferchancen

Die Lebensmittelindustrie ist und bleibt der wichtigste Zweig in der verarbeitenden Industrie von Belarus. In vielen Sektoren der Branche gibt es Ausbaupläne mit Fokus auf den Export. Allein der Ausstoß von pflanzlichen Ölen soll bis 2020 gegenüber 2025 um 50 Prozent steigen. Die Holding für Fleisch- und Milchindustrie der Minsker Region KUP Minoblmjasomolprom hegt Erneuerungsinvestitionen in einigen ihrer rund 20 Betriebe. Der chinesische Molkereikonzern DRex kündigte für die kommenden Jahre massive Investitionen in den Ausbau der Milchverarbeitung an. Die Zuckerfabrik Sluzk setzt 2017 bis 2020 ein umfassendes Modernisierungsprogramm um.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Öffnung des EU-Marktes beflügelt Investitionen

Die vom Europäischen Parlament im Frühjahr 2017 beschlossene Abschaffung der Kontingente für den Import von Textilien und Bekleidung schafft Anreize für die weitere Modernisierung der Branche. Ausländische Textil- und Bekleidungshändler sondieren die neuen Geschäftschancen auf dem Markt. Allein der Großproduzent von Stoffen und Fertigerzeugnissen Mogotex will seine Exporte bis 2020 versechsfachen. Er investiert 2018 und 2019 etwa 40 Millionen US$ in neue Ausrüstung. Das Orschaer Kombinat für Leinengarn, -gewebe und -fertigwaren setzt sein Erneuerungsprogramm fort. Geplant ist die Gründung einer Holding in Orscha als Basis für ein nationales Leinen-Cluster. Das Projektportfolio des Staatskonzerns Bellegprom, dem 50 führende Hersteller von Textilien und Bekleidung angehören, beträgt für 2017 bis 2020 gut 250 Millionen US$.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=belarus-baut-die-textil-und-bekleidungsindustrie-aus,did=1639008.html

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Internationale Gelder für Wasserversorgung

Geschäftschancen für Anbieter von Umwelttechnik ergeben sich aus der Umsetzung der für die Jahre 2016 bis 2020 verabschiedeten Programme "Sauberes Wasser" und "Abfallmanagement für kommunale Abfälle". Im Zieljahr 2020 sollen 100 Prozent der Bevölkerung mit sauberem Wasser aus zentralen Leitungen versorgt werden (1. Januar 2016: 84 Prozent). Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) engagiert sich bei der Mitfinanzierung von Wasser- und Abwasserprojekte in Orscha, Polotsk und Loda. In der Abfallwirtschaft sollen 2020 bis zu 25 Prozent der im Land anfallenden festen Kommunalabfälle verwertet werden (2015: 16 Prozent). In Minsk gibt es Pläne für den Bau einer 250 Millionen Euro teuren Müllverbrennungsanlage mit einer jährlichen Kapazität von 500.000 Tonnen Haushaltsabfällen.

Kfz-Markt: Absatz von Pkw und Lkw hat Talsohle durchschritten

Die offiziellen Kfz-Händler und Mitglieder des Belarussischen Automobilverbands erwarten nach zwei schwachen Jahren für 2017 wieder einen Zuwachs im Neuwagenabsatz von bis zu 15 Prozent. In den Jahren 2016 und 2015 blieben die Verkäufe mit rund 28.800 und 28.000 Einheiten weit unter den Vorjahreszahlen. Die höchsten Verkaufsquoten erzielten 2016 die Marken Renault (Absatzanteil: 31,4 Prozent) und Volkswagen (16,6 Prozent). Mehr als 80 Prozent der verkauften Pkw stammten aus russischer Produktion. Die belarussischen internationalen Spediteure dürften 2017 etwa 40 Millionen bis 45 Millionen US$ in neue Lkw investieren - gegenüber 30 Millionen US$ im Vorjahr.

Dieser Artikel ist relevant für:

Weißrussland, Belarus Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein

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Verena Saurenbach

‎+49 228 24 993 283

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