Branchencheck

23.06.2017

Produktmärkte in Côte d'Ivoire (Juni 2017)

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Weiterhin gute Aussichten / Von Carsten Ehlers

Abidjan (GTAI) - Die Stimmung in der ivorischen Wirtschaft ist seit Jahren insgesamt hervorragend. Deutsche Unternehmen sind in dem Land unterrepräsentiert und könnten durch eine aktivere Marktbearbeitung deutlich mehr Aufträge an Land ziehen. Chancen bestehen insbesondere im Energiesektor, in der Konsumgüterindustrie, in den Rohstoffsektoren Bergbau, Öl und Gas sowie in der Landwirtschaft. Auch der Umweltbereich bietet großes Potenzial. Dort ist die Finanzierung jedoch von Geberorganisationen abhängig.

Energiewirtschaft: Zügiger Ausbau der Infrastruktur

In Côte d'Ivoire wird der Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten und -netze auch in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben. Die Kapazität soll von derzeit etwa 2.000 auf 4.000 MW im Jahr 2020 erhöht werden. Chancen für Zulieferer und Dienstleister bestehen in großer Zahl. Derzeit im Bau befinden sich das Wasserkraftwerk Soubré (Sinohydro) und das private Gaskraftwerk in Songon von Starenergie2073. Außerdem wird das privat betriebene Gaskraftwerk der Compagnie ivoirienne de production d'électricité (Ciprel) ausgebaut auf eine Kapazität von 556 MW. Vor allem mit Gebermitteln werden die Übertragungs- und Verteilungsnetze des Landes erweitert. So sollen unter anderem im Rahmen des West African Power Pools Leitungen nach Liberia, Guinea und Mali verlegt werden.

Bauwirtschaft: Rückgang der staatlichen Aufträge

Der Bausektor scheint nach Jahren hohen Wachstums den Höhepunkt erreicht zu haben. Die Aussichten sind Mitte 2017 nicht mehr so positiv wie noch in den vergangenen Jahren. Der Absatz von Baumaschinen ging bereits 2016 zurück, weil dem Staat das Geld ausging, insbesondere für neue Ausschreibungen im sozialen Wohnungs- und im Straßenbau. Aufträge kommen derzeit in erster Linie von privaten Auftraggebern oder durch geberfinanzierte Projekte. Marktführer im Bausektor sind die französische Sogea, Bouygues, Vinci, Razel sowie die chinesische China Harbour Engineering Company Ltd. (CHEC) und Sinohydro. Die Bauunternehmen verfügen über einen hohen Professionalisierungsgrad und beschaffen in der Regel hochwertiges Gerät.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-bauwirtschaft,t=branche-kompakt-cte-divoires-bauwirtschaft-erwartet-weiter-hochkonjunktur,did=1589106.html

Bergbau: Dynamik im Goldbergbau

Trotz niedrigen Weltmarktpreises für Gold eröffneten in den vergangenen Jahren einige Goldminen in Côte d'Ivoire. Das Land liegt auf dem Birimian-Goldgürtel, der sich von Senegal bis nach Ghana erstreckt. Bis 2020 wünscht sich die Regierung eine Jahresproduktion von 60 t. Chancen für Bergbauzulieferer sind regelmäßig gegeben. Noch 2017 soll die vierte größere Goldmine des Landes in Yaouré von Amara Mining mit der Produktion beginnen. Des Weiteren sind Randgold (Tongon-Mine), Endeavour Mining (Agbaou) und Perseus Mining (Yaouré) aktiv. Côte d'Ivoire verfügt im Gegensatz zu Ghana über ein äußerst investorenfreundliches Bergbaugesetz. Dieses verbilligt die Produktion deutlich und lockt Investoren an.

Landwirtschaft: Derzeit geringe Investitionen

Da das Land bei mehreren landwirtschaftlichen Produkten (Kakao, Kautschuk, Cashewnüsse) zu den Weltmarktführern zählt, bildet die Landwirtschaft das Rückgrat der ivorischen Wirtschaft. Bestellungen von Landtechnik oder Agrochemie werden daher auch in den kommenden Jahren regelmäßig stattfinden. Allerdings sind laut Auskunft von Branchenkennern vorerst keine größeren Investitionen mehr geplant. Jährlich werden etwa 150 bis 200 Traktoren verkauft. Es dominieren Massey-Ferguson, New Holland, John Deere, Solanika, Same-Deutz und Landini. Fast ausschließlich werden die Traktoren seitens der Betreiber von Kautschuk- (SAPH, SIFCA), Kakao- (SIFCA, Kooperativen) oder Zuckerrohrplantagen (Sucaf, Sucrivoire) verwendet. Zusatzgerät wie Scheibenpflüge wird kaum verkauft.

Weitere Informationen: <abs<http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=ivorische-landwirtschaft-bleibt-dynamisch,did=1743054.html

Nahrungsmittelindustrie: Produktionsaufstockung ist im Gange

Investitionen werden weiter in die Aufstockung der Kapazitäten der lokalen Nahrungsmittelindustrie fließen. Im April 2017 wurde mit der neuen Brauerei von Brassivoire (51% gehören Heineken, 49% der Compagnie Française de l'Afrique Occidentale (CFAO)) das wohl größte Projekt der letzten Jahre eingeweiht. Heineken will mit der Investition dem französischen Monopolisten Castel Konkurrenz machen. Nestlé, Castel und der Weizenverarbeiter Grands Moulins d'Abidjan (GMA) sind weitere große Besteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Kapital fließt in Côte d'Ivoire auch in das Agro-Processing, also die Weiterverarbeitung von lokalen Agrarerzeugnissen wie Kakao (durchgeführt von Barry Callebaut, Cémoi, ADM, Cargill), Palmöl, Kautschuk (SAPH), Cashewnüssen (Olam) oder Reis (DekelOil).

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Öl und Gas: Massiver Ausbau der Produktion ist gewünscht

Trotz eines niedrigen Ölpreises fließen Investitionen in die Suche nach Öl und Gas sowie in die Förderung. Lieferchancen für Ausrüstungen dürften daher in den kommenden Jahren bestehen. 2016 wurden etwa 53.000 Barrel pro Tag (bpd) vor der ivorischen Küste gefördert. Bis 2020 wünscht sich die Regierung eine Produktion von 200.000 bpd. Aufgrund der vielversprechenden Aussichten sind Unternehmen wie Tullow Oil, Exxon Mobil, Total und Anadarko für die Exploration ins Land gekommen. Im Hafen von Abidjan beabsichtigt zudem ein von Total angeführtes Konsortium den Bau eines Ölterminals, der über Pipelines mit den Förderstätten verbunden werden soll. Für das Projekt werden 1 Mrd. US$ veranschlagt.

Umwelttechnik: Nur wenige Aktivitäten

Chancen für den Absatz deutscher Umwelttechnik sind nur begrenzt gegeben, da diese Bereiche wenig politische Priorität genießen. Am ehesten kommt es noch zu Geschäften im Bereich der städtischen Wasserversorgung. Hierfür ist die staatliche SODECI zuständig, an der die französische Véolia beteiligt ist. SODECI investiert selbst, wird aber auch durch die Geber EU, Weltbank und KfW Entwicklungsbank unterstützt. In der ländlichen Wasserversorgung hingegen ist seit den 1990er-Jahren kaum etwas passiert. Chaotisch ist dort der institutionelle Rahmen, weil sich mehrere Ministerien zuständig fühlen. In den Abwassersektor wurde noch weniger Geld gesteckt. Auch in Abidjan gibt es so gut wie kein Abwassernetz. Fäkalien werden von privaten Unternehmen aus den Klärgruben abgepumpt.

Nahrungsmittelmarkt: Deutsche Produkte sind bislang kaum präsent

Weiteren Bedarf nach Nahrungsmitteln dürfte der expandierende Einzelhandel nach sich ziehen. Zuletzt öffnete Mitte 2016 die Mall d'Abidjan mit etwa 35.000 qm Verkaufsfläche ihre Pforten. Die auf die Mittelklasse zielenden Malls bieten insbesondere für teurere und frische Nahrungsmittel zusätzliche Verkaufsflächen. Sie fragen jedoch vor allem französische Produkte nach. Deutsche Nahrungsmittel tauchen so gut wie nicht in den Ladenregalen auf. Die Eröffnung mehrerer kleiner Läden der spanischen Supermarktkette Dia in Abidjan mit vor allem spanischen Produkten zeigt, dass die Konsumenten neuen Produkten offen gegenüber stehen. Auch deutsche Lebensmittel würden in Côte d'Ivoire gekauft werden. Entscheidend ist der Preis.

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Kfz-Markt: Chinesische Marken werden stärker

Der Kfz-Markt stagniert seit Jahren auf einem Niveau von circa 6.000 bis 7.000 Neuwagen pro Jahr. Experten glauben, dass dies auch in näherer Zukunft so bleiben wird. Konkurrenz sind Gebrauchtwagenimporte. Sie machen etwa 45.000 Fahrzeuge aus. Deutsche Neuwagen verkaufen sich vor allem im Oberklasse-Segment, im Mittelkasse-Segment sind die ivorischen Kunden sehr preissensibel und setzen auf asiatische Modelle. Es dominieren bei Pkw Toyota (rund 30% Marktanteil), Hyundai, Kia, Renault, Citroen und Peugeot. Der Lkw-Markt ist mit 150 bis 200 verkauften Einheiten pro Jahr sehr klein und ebenfalls stagnierend. Dort sind inzwischen chinesische Fabrikate wie Chacman, Beiben, Sinotruck und Foton Marktführer.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-juni-2017--cte-divoire,did=1737058.html

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Côte d'Ivoire Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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