Branchencheck

05.12.2016

Produktmärkte in Kuba 2017

Inhalt

Zahlreiche Ausbauprojekte im Tourismus / Erste ausländische Investoren im verarbeitenden Gewerbe / Von Florian Steinmeyer (November 2016)

Mexiko-Stadt (GTAI) - Im Jahr 2016 und voraussichtlich auch 2017 leidet die kubanische Wirtschaft unter einem Mangel an Devisen, der sich auf die Investitionen der weitgehend staatlichen Institutionen und Unternehmen auswirkt. Aufgrund der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft und mehr privatem Engagement bieten einige Sektoren trotzdem interessante Geschäftschancen. Wichtig für die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes ist die Sonderwirtschaftszone Mariel.

Maschinenbauindustrie: Nationaler Maschinenbau schwach entwickelt

Der kubanische Maschinenbau ist nur sehr schwach entwickelt und konzentriert sich auf Anlagen für die Nahrungsmittelproduktion sowie auf die Fertigung von Ersatzteilen. Das Unternehmen Inoxidables Varona, Teil der staatlichen Gruppe Empresarial de la Sideromecánica (GESIME), stellt Anlagen für die Frucht-, Gemüse- und Milchverarbeitung her. Angesichts ausländischer Investitionen in die Nahrungsmittelverarbeitung könnte die nationale Produktion entsprechender Maschinen mittelfristig steigen. Daneben fertigt Inoxidables Varona Ersatzteile unter anderem für Maschinen der Baustoff- und Zuckerindustrie. Das ebenfalls zu GESIME gehörige Unternehmen Planta Mecánica baut kleine Durchströmturbinen, VALBO fertigt Absperrschieber.

Chemieindustrie: Petrochemie mit Problemen

Die Petrochemie ist das am stärksten ausgeprägte Segment der kubanischen Chemieindustrie, allerdings hat die Branche mit Problemen zu kämpfen. Die geringeren Erdöllieferungen aus Venezuela (-40% im 1. Halbjahr 2016), der niedrigere Weltmarktpreis für Mineralölprodukte und Wartungsarbeiten in der wichtigen Raffinerie Cienfuegos lassen den Output 2016 sinken. Auch die Aussichten in der Pharmaindustrie sind angesichts geringerer Arzneimittelexporte in befreundete Staaten (Brasilien 2015: -20%) verhalten. Die Nachfrage nach Vorprodukten für die Farb- und Lackproduktion wird angesichts von Investitionen des mexikanischen Farbenherstellers Devox Caribe in der Sonderwirtschaftszone Mariel voraussichtlich zunehmen.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=die-kubanische-pharmaindustrie-sucht-partner,did=1524440.html

Energiewirtschaft: Umbau der Stromerzeugung wird drängender

Die Elektrizitätswirtschaft ist direkt vom Einbruch der venezolanischen Öllieferungen betroffen, rund 96% der Stromerzeugung beruht auf fossilen Energieträgern. Bereits im Juni 2014 beschloss die zuständige Regierungskommission einen neuen Politikrahmen für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, wonach der Anteil erneuerbarer Energieträger an der Stromgeneration von 4% (2014) auf 24% (2030) steigen soll. Wichtigster Bereich des Ausbaus sind Biokraftwerke, die in den zahlreichen Zuckerfabriken des Landes neu installiert beziehungsweise modernisiert werden sollen. Daneben gibt es Pläne für Wind- und Photovoltaikanlagen. Erste Projekte wurden bereits an britische, spanische und brasilianische Firmen vergeben.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=kuba-muss-energieerzeugung-umbauen,did=1527620.html

Bauwirtschaft: Neue Hotels in Planung

Das interessanteste Segment in der kubanischen Bauwirtschaft ist momentan der Tourismus. Infolge des Besucheransturms auf die Insel will die Regierung bis 2030 rund 100.000 zusätzliche Hotelbetten schaffen. Daneben wird das Fremdenverkehrsangebot durch neue Golfplätze und Jachthäfen diversifiziert. Dominanter Player im Hotelbau ist das französische Unternehmen Bouygues Bâtiment International (BBI). Im Gewerbebau planen beziehungsweise realisieren ausländische Investoren zurzeit rund acht neue Vorhaben in der Sonderwirtschaftszone Mariel. Die Erschließung der Zone erfolgte durch das brasilianische Bauunternehmen Odebrecht. Auch BBI ist mittlerweile in Mariel ansässig. Das kubanische Bauministerium sucht ausländische Partner für zahlreiche neue Baustofffabriken.

Gesundheitswirtschaft: Medizintourismus im Fokus

Der Absatz von Medizintechnik nimmt laut dem Marktanalysten Economist Intelligence Unit 2016 um rund 10% zu, wird sich in den kommen Jahren aber aufgrund des schwachen Bevölkerungswachstums und geringer Deviseneinnahmen weniger dynamisch entwickeln. Neue Projekte im Medizintourismus könnten die Nachfrage jedoch erhöhen. In der aktuellen Liste der Investitionsmöglichkeiten finden sich drei Projekte für Gesundheitszentren, die sich vorrangig an Medizintouristen wenden. Sie sollen von ausländischen Unternehmen zusammen mit der kubanischen Gesellschaft Comercializadora de Servicios Médicos Cubanos (zwei Projekte) sowie mit dem Instituto Medicina Deportiva (ein Projekt) durchgeführt werden.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=kuba-ist-bei-medizintechnik-auf-importe-angewiesen,did=1523202.html

Bergbau: Ausländische Firmen halten sich zurück

2015 war Kuba der weltweit neuntgrößte Nickelproduzent. Wichtigster ausländischer Investor ist das kanadische Unternehmen Sherritt. Der Sektor leidet allerdings unter den niedrigen Weltmarktpreisen. Neue Projekte, unter anderem mit venezolanischer Beteiligung, kommen nicht voran. Aktuell aussichtsreichstes Projekt ist der Aufbau einer Blei- und Zinkförderung, wofür das Joint Venture Minera del Caribe (Emincar) in den kommenden Jahren 300 Mio. US$ investieren will. Die aktuelle Liste der Investitionsprojekte umfasst zahlreiche weitere Bergbauvorhaben, die in den meisten Fällen von ausländischen Unternehmen zusammen mit den kubanischen Staatsfirmen Geominera und Caribbean Nickel in einer Internationalen Wirtschaftlichen Vereinigung (Contrato de Asociación Económica Internacional) umgesetzt werden sollen.

Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie: Regierung hofft auf weitere Investitionen

Neue Investitionen in der Nahrungsmittelindustrie sind eines der Hauptanliegen der kubanischen Regierung. Ein guter Teil des Handelsbilanzdefizits in Höhe von 9,6 Mrd. US$ im Jahr 2015 ist auf die Importabhängigkeit in diesem Bereich zurückzuführen. Neue Werke sollen vorwiegend in Mariel entstehen, wo sich mit Profood Service (Getränke; Spanien) und Richmeat (Fleischverarbeitung; Mexiko) bereits zwei Branchenunternehmen angesiedelt haben. Die aktuelle Liste der Investitionsprojekte gibt weitere Projekte an, sowohl in der Herstellung und Verarbeitung von Fleisch und anderen tierischen Produkten, wie auch für Frucht- und Gemüsezubereitungen. Maschinen und Ausrüstungen für die Produktionsausweitung müssten aufgrund der eingeschränkten nationalen Fertigung zum großen Teil importiert werden.

Öl / Gas: Möglicher Durchbruch bei Exploration

Kuba fördert momentan rund 80.000 Barrel pro Tag an Erdöl und kann sich somit zu 60% selber versorgen. Allerdings handelt es sich dabei um qualitativ minderwertiges Öl. Ende Juli 2016 meldete das australische Unternehmen MEO Australia, in einem Onshore-Explorationsblock nahe der Stadt Cárdenas rund 8 Mrd. Barrel an Leichtöl zu vermuten, von denen 395 Mio. Barrel mit Kosten von lediglich 9 US$/Barrel zu fördern seien. Nach dem kubanischen Erdölunternehmen CUPET handelt es sich lediglich um potenzielle Funde. In der Vergangenheit waren bereits mehrere Explorationen erfolglos verlaufen. Aktuell haben neben MEO Australia Ölfirmen aus Kanada, Russland, Venezuela, Angola und Vietnam Interesse an Explorationskonzessionen in Kuba und zum Teil schon entsprechende Verträge mit CUPET abgeschlossen.

Umwelttechnik: Dürren sorgen für Wassermangel

Aufgrund von Dürren und hohen Verlusten des bestehenden Systems liegen die interessantesten Chancen für Umwelttechnik momentan in der Wasserwirtschaft. Die Investitionen in den Wasserbereich werden 2017 trotz knapper Haushaltsmittel um 20 Mio. auf 400 Mio. US$ steigen. Wasserbestände und -lieferungen sollen anhand von Wasserzählern genauer gemessen werden. Das nationale Wasserinstitut INRH will eine vollständige Messung im öffentlichen Sektor erreichen, im Wohnungsbereich sollen zunächst 12% der Haushalte eingebunden werden. Dadurch steigt die Nachfrage nach Messausrüstung. Daneben stößt das INRH den Ersatz von bestehenden durch wassersparende Armaturen an und will fünf Meerwasserentsalzungsanlagen bauen. Spanische Firmen sind in der Wasserwirtschaft stark vertreten.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=wassermangel-setzt-kuba-unter-druck,did=1546506.html

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsentwicklung,t=wirtschaftsausblick-winter-201617--kuba,did=1592480.html

(FST)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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