Branchencheck

20.06.2017

Produktmärkte in Senegal (Juni 2017)

Inhalt

Die Franzosen kommen zurück / Von Carsten Ehlers

Dakar (GTAI) - Durch die gute Konjunkturlage kommt es in Senegal in etlichen Sektoren zu Liefer- und Beratungschancen. Deutsche Unternehmen sind in dem Markt nur schwach vertreten. Als Einzelmarkt ist Senegal klein. Allerdings zählt der Großraum Dakar in der gesamten Region zu den großen Produktionsstandorten. Französische Unternehmen dominieren den Markt nach wie vor. Gerade in den vergangenen Jahren gingen vermehrt Aufträge an französische Unternehmen.

Energiewirtschaft: Wärmekraft dominiert den Markt

Von Seiten der Regierung, Geberorganisationen und privaten Akteuren fließt jede Menge Kapital in den Stromsektor. Lieferchancen bestehen in den kommenden Jahren reichlich. Erst kürzlich begann die private Contour Global mit der Stromproduktion im neuen Schwerölkraftwerk Cap des Biches mit 53 MW. Unter anderem mit Mitteln der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) werden im Rahmen des West African Power Pool Überlandleitungen zwischen Guinea, Guinea-Bissau, Gambia und Senegal gebaut. Eine weitere Leitung ist nach Mauretanien geplant, von wo Strom aus Erdgas kommen könnte. Das Land will künftig 20% durcherneuerbare Energien, vor allem in Form von Solarstrom produzieren. Ein 15-MW-Solarpark in Ourossogui ist im Gespräch. MAN Turbo ist angesichts der zahlreichen Lieferchancen bei Wärmekraftwerken mit einem Büro in Dakar präsent.

Bauwirtschaft: Bauboom im Großraum Dakar

Politische Stabilität und gute Konjunktur bescheren dem Bausektor hervorragende Rahmenbedingungen. Dies dürfte auch in den kommenden Jahren so bleiben. Der Absatz von Baumaschinen sowie industriellen Werkzeugen dürfte ebenso auf hohem Niveau verharren wie die Möglichkeiten der Beratung bei Infrastrukturprojekten. Projekte wie der Bau der neuen Dakarer Vorstadt Diamniadio, dem neuen internationalen Flughafen sowie des geplanten Zuges von Dakar zum Flughafen sorgen für zahlreiche Aufträge der jedoch zumeist französischen Bauunternehmen wie Sogea-Satom, Vinci oder Eiffage. Mit Bomag (Distributeur: Bia Group), Wirtgen (DEM) und Liebherr (Premium) sind zwei deutsche Baumaschinenhersteller in Dakar präsent. Das Ingenieurbüro Gauff International betreibt zudem ein Büro.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-bauwirtschaft,t=branche-kompakt-senegals-bauwirtschaft-konzentriert-sich-auf-den-grossraum-dakar,did=1611656.html

Gesundheitswirtschaft: Regelmäßiger Bedarf bei Luxuskliniken

Der Absatz hochwertiger Medizintechnik und Pharmaprodukte dürfte in den kommenden Jahren steigen. Dakar ist ein Hub für die Gesundheitsversorgung der Wohlhabenden in Westafrika. Privatkliniken wie die Clinique de la Madeleine oder die Clinique du Cap bestellen regelmäßig beste Medizintechnik und Pharmazeutika. Auch das staatliche Hôpital Principal hat für westafrikanische Verhältnisse gute Standards. Das Gesundheitsministerium schreibt regelmäßig für die Beschaffung aus. Ärmlich ist die Gesundheitsversorgung außerhalb Dakars. Sowohl der Staat als auch Geberorganisationen beschaffen für die dortigen Gesundheitseinrichtungen regelmäßig. Deutsche Lieferanten für den Gesundheitsbereich sind in Senegal nicht vertreten, weder direkt noch über Distributoren.

Bergbau: Goldminen fahren die Kosten herunter

Die Absatzchancen für Bergbautechnik in Senegal sind derzeit schlecht und bei anhaltend niedrigen Rohstoffpreisen dürfte dieser Zustand anhalten. Insbesondere die Goldminen im Osten des Landes investieren derzeit nicht in neues Gerät, weil sie die Kosten senken müssen. Neue Goldminen sind nicht im Gespräch. Investiert wird im Phosphatbergbau. Seit der Übernahme der Industries Chimiques du Sénégal (ICS) durch die indonesische Indorama 2016 fließt Geld in die Modernisierung der Anlagen. Darüber hinaus will Sénégalaise de phosphats (Sephos), eine Tochter der spanischen Tervalis Desarrollo, bis 2030 etwa 637 Mio. Euro in den Aufbau seiner Phosphatproduktion investieren. Deutsche Zulieferer von Bergbautechnik sind bis auf Liebherr und Bauer Resources in Senegal nicht präsent.

Landwirtschaft: Anbau für den Export entwickelt sich zu Wachstumssegment

Insbesondere der Anbau von Obst und Gemüse für europäische Supermarktketten hat sich in Senegal in den letzten Jahren als schnell expandierender Wachstumsbereich herausgestellt. In diesem Bereich ist in den kommenden Jahren mit weiteren Investitionen zu rechnen, wie das kürzlich verkündete Kartoffelprojekt von Senegindia für etwa 44 Mio. Euro. Senegal ist aufgrund seiner Nähe zum europäischen Markt sowie der Möglichkeit, dort ganzjährig Produkte wie grüne Bohnen oder Auberginen anzubauen, ein attraktiver Standort. Ebenfalls interessant ist der Anbau für den lokalen Absatzmarkt, da paradoxerweise ein Großteil des frischen Gemüses noch importiert werden muss. Darüber hinaus gibt es größere Vorhaben bei der Herstellung von Reis, Erdnüssen und Baumwolle.

Nahrungsmittelindustrie: Produzenten in Dakar expandieren weiter

Neben Abidjan, Accra und Lagos ist Dakar das größte Zentrum für die Nahrungsmittelindustrie in Westafrika. Die gute Konjunktur dürfte dafür sorgen, dass auch in absehbarer Zeit Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sowie Nahrungsmittelzusatzstoffe nachgefragt werden. Zahlreiche Unternehmen investieren in die Produktion von günstigen Nahrungsmitteln, wie alle Arten von Getränken, Backwaren aus importiertem Weizenmehl, Süßigkeiten, Bouillonwürfel und Molkereiprodukte aus importiertem Milchpulver. Nur in geringem Umfang werden von der senegalesischen Landwirtschaft produzierte Rohstoffe verwendet. Fast alles wird importiert. Von Senegal aus versorgt die Nahrungsmittelindustrie mehrere westafrikanische Staaten, darunter Mali, Niger oder Guinea.

Öl / Gas: Ölproduktion könnte 2020 beginnen

Derzeit wird vor der senegalesischen Küste nur exploriert, mit zum Teil sehr vielversprechenden Resultaten. Beobachter gehen davon aus, dass in den ersten Blöcken ab 2020 Öl abgebaut werden könnte. Chancen für Zulieferer beschränken sich bis dahin auf die Explorationsaktivitäten. Im Mai 2017 hat auch die französische Total Explorationslizenzen für zwei Offshore-Blöcke erworben. Bereits aktiv sind Kosmos Energy und Timis Corporation, die etwa 65 km nordwestlich von Dakar an der Küste vor Kayar auf neue Gasvorkommen gestoßen sind. Die ersten Funde hatten beide Unternehmen 2015 in der Grenzzone zwischen Senegal und Mauretanien. Ein weiteres Konsortium aus Cairn Energy, ConocoPhillips und First Australian Resources ist auf Ölfunde an der Küste vor Sangomar gestoßen.

Umwelttechnik: Dakar erhält eine neue Wasseraufbereitungsanlage

Stark steigender Wasserbedarf im Großraum Dakar macht den Ausbau der aus den 1980er Jahren stammenden Wasserversorgungsinfrastruktur notwendig und sorgt für gute Zuliefer- und Beratungschancen in diesem Bereich. Hingegen wird in die Bereiche Abwasser und Abfall nur wenig investiert. Unter anderem mit Geld der Europäischen Investitionsbank wird die neue Wasseraufbereitungsanlage Keur Momar Sarr 3 (KMS3) etwa 200 km östlich von Dakar gebaut. In der ersten Bauphase bis 2019 soll die Anlage eine Kapazität von 100.000 cbm pro Tag erhalten, danach noch einmal 100.000 cbm/Tag. Mit Hilfe der japanischen JICA soll die Mamelles-Meerwasserentsalzungsanlage gebaut werden. Der Wasserbedarf im Großraum Dakar mit seinen etwa 3,1 Mio. Bewohnern dürfte bei etwa 400.000 cbm/Tag liegen.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Ausbau des Fiberoptiknetzes

Der IT-Sektor insbesondere im Großraum Dakar floriert. Dementsprechend lohnend könnte ein Blick auf geplante Investitionen sein. Bereits seit einigen Jahren haben sich sowohl innovative Unternehmen als auch Callcenter vor allem für französische Unternehmen in Dakar angesiedelt. Die Regierung will den Sektor im Rahmen ihrer "Stratégie Sénégal Numerique 2025" fördern, baut mit Geld der Afrikanischen Entwicklungsbank einen 25 ha großen IT-Park in Diamniadio vor den Toren Dakars. Auch der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur im ganzen Land um weitere etwa 3.000 km wird vorangetrieben. Verteuert wird die Internetnutzung durch geringe internationale Übertragungskapazitäten. Senegal verfügt nur über einen Anschluss zum ACE-Kabel nach Europa.

Nahrungsmittelmarkt: Französische Nahrungsmittel dominieren

Ein gutes Konsumklima sowie ein expandierender formeller Einzelhandel bilden die Voraussetzungen für eine steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Insbesondere in Dakar investieren Supermarktketten wie Casino oder Auchan in neue Filialen. Ein Großteil ihres Angebots ist importiert. Deutsche Produkte sind kaum zu finden. Das frankofone Senegal importiert vor allem Nahrungsmittel aus Frankreich. Dennoch ist der Absatzmarkt für deutsche Produkte nicht verschlossen. Hersteller, die sich Absatzchancen ausrechnen, können Kontakt zu Importeuren aufnehmen. Dies können die lokal aktiven Supermarktketten sein, aber auch Vertriebskanäle wie die E-Commerce-Plattform Jumia oder Afrimarket. Beide betreiben Lager in Dakar, vermieten den Lagerplatz und übernehmen die Vermarktung der Produkte.

Kfz-Markt: Dakar dürfte Busse in größerem Umfang nachfragen

Die Aussichten auf steigende Absatzzahlen für deutsche Hersteller sind angesichts der guten Konjunkturlage positiv. Deutsche Marken spielen in Senegal nur im Luxussegment, nicht aber im Mittelklassesegment eine Rolle. Bei Pkw wird der Markt beherrscht von Toyota sowie anderen asiatischen und französischen Modellen. Luxuskarossen von BMW (Distributeur: Carrefour Automobiles), Mercedes (La Sénégalaise de l'Automobile) und VW (L'Africaine de l'Automobile) sind daher in - wenn auch geringen Mengen - gefragt. Bei Lkw will MAN insbesondere Renault Marktanteile wegnehmen und hat mit VAS Africa einen neuen Distributoren beauftragt. Die Stadt Dakar dürfte zudem größere Bestellungen von Bussen in Auftrag geben. Laut International Organization of Motor Vehicle Manufacturers (OICA) wurden 2016 in Senegal 4.400 neue Pkw und etwa 2.200 neue Nutzfahrzeuge verkauft.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-juni-2017--senegal,did=1734922.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Öl, Gas

Funktionen

Kontakt

Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche