Branchencheck

25.05.2017

Produktmärkte in Tschad (Mai 2017)

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Geber bringen Chancen im Infrastrukturbereich / Von Carsten Ehlers

N'Djamena (GTAI) - Aufgrund der Wirtschaftskrise sind die Lieferchancen nach Tschad derzeit geringer als ohnehin schon. Der Ölsektor, die Bauindustrie oder auch der Konsumsektor fahren ihre Bestellungen herunter. Auch dem Staat fehlt jegliches Geld für Investitionen. Hingegen fließt in einigen Bereichen Geld der Geber. Vor allem im Infrastrukturbereich und in der Landwirtschaft dürfte es in den kommenden Jahren zu Maßnahmen kommen. Dort verfügen auch deutsche Unternehmen über Beteiligungsmöglichkeiten.

Energiewirtschaft: Kleinere Solarkraftwerke haben Potenzial

Im Energiebereich dürfte es in Tschad in den kommenden Jahren zu mehreren Projekten kommen. Deutlich verbessert werden soll die Stromversorgung durch ein von der EU und der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) finanziertes Übertragungskabel nach Kamerun. Auch bei netzungebundener Solarkraft hätte Tschad großes Potenzial, aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung. Mit dem Djermaya-Solar-IPP mit 30 MW ist ein Projekt im Gespräch, welches ins Netz einspeisen soll. Problem ist jedoch die Stromabnahmegarantie. Der staatliche Stromversorger Société Nationale d'Electricité (SNE) bezieht den gesamten Strom aus Diesel- oder Gaskraftwerken. Das Netz ist in Tschad nur sehr schwach ausgebaut und beschränkt sich weitgehend auf die Hauptstadt N'Djamena.

Bauwirtschaft: Infrastrukturprojekte bringen Hoffnung auf Besserung

Die Auftragslage der Bauindustrie ist schlecht. Neue Projekte könnten in den kommenden Jahren Geberorganisationen im Infrastrukturbereich finanzieren. Insbesondere die EU und die AfDB planen Investitionen beim Bau von Straßen, Dämmen sowie Leitungen. Der Ölboom brachte eine Reihe von Bauprojekten und damit auch Baufirmen wie Arab Contractors ins Land. Inzwischen hat sich die Situation verändert. Zu Bauaufträgen seitens der Regierung, die zuvor noch den Neubau zahlreicher Ministerien in Auftrag gab, kommt es kaum noch. Auch die Ölindustrie, die für den Aufbau der Ölanlagen immer wieder Aufträge an Baufirmen vergibt, hat ihre Aktivitäten auf ein Mindestmaß heruntergefahren.

Landwirtschaft: Potenzial bei Fleischverarbeitung

Alleine schon um Mangelernährung zu bekämpfen und Nahrungsmittelsicherheit zu verbessern, dürften in den kommenden Jahren reichlich Gebergelder fließen. Im Rahmen der Projekte werden mitunter Bewässerungssysteme gebaut, für die robuste Pumpen, zunehmend auch mit Solarantrieb, bestellt werden. Auch wird von Gebern immer wieder die Beschaffung neuen Saatgutes und Dünger ausgeschrieben, welches an die Kleinbauern weiter gegeben wird. Möglichkeiten sehen Experten in der Fleischverarbeitung. Das Vieh mit einem Bestand von über 90 Mio. Köpfen wird in der Regel unverarbeitet nach Nigeria geliefert. Einen größeren Schlachthof gibt es noch nicht. Auch die Produktion von Hühnerfleisch dürfte interessant sein. In Mandelia entsteht die Tchirei-Hühnerfabrik mit einer Kapazität von etwa 141.000 Legehennen.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Transsahara-Kabel im Bau

Der Netzausbau dürfte in Tschad in den kommenden Jahren weiter voranschreiten. Für die Mobilfunkbetreiber ist das Geschäft auch in der Krise noch lukrativ und Geber finanzieren grenzüberschreitende Verbindungen. Für deutlich mehr Bandbreite und sinkende Preise bei Telefonie und Internetznutzung dürfte das von Tschad über Niger, Mali bis nach Algerien laufende Transsahara-Fiberoptikkabel sorgen. Für das geplante Kabel haben die EU und die AfDB die Finanzierung bereit gestellt. Die beiden Mobilfunknetzbetreiber Tigo und Airtel bauen zudem ihre 3G-Netze weiter aus, um mobiles Internet anbieten zu können. Bislang beschränken sich die Netze jedoch auf den Großraum N'Djamena. Für die staatliche Sotel (Festnetzbetreiber mit Mobilfunklizenz) sucht die Regierung einen privaten Partner.

Umwelttechnik: Geberprojekte dominieren

Die EU plant die Rehabilitierung des Wasserversorgungsnetzes in der Hauptstadt N'Djamena. Noch ist das Projekt nicht verabschiedet, aber wenn es beschlossen ist, dann dürfte ein Betrag von um die 50 Mio. Euro fließen. Viele Maßnahmen wie der Bau von Wassertürmen dürften an lokale Baufirmen gehen. Pumpen jedoch werden in größeren Mengen importiert. Gleiches gilt für handbetriebene Pumpen für die ländliche Wasserversorgung. Zu den Aufgaben gehört auch eine Stärkung der Institutionen des Sektors. Bislang ist der nationale Wasserversorger Société Tchadienne des Eaux (STE) eine schwache Institution, die nicht in der Lage ist Kapital und Know-how für den Betrieb seiner Netze aufzubringen. Neben Lieferchancen besteht für deutsche Unternehmen die Möglichkeit, sich beratend an den Projekten zu beteiligen.

Nahrungsmittelmarkt: Kaum deutsche Produkte

Aufgrund der Wirtschaftskrise befindet sich der Konsum in Tschad auf einem niedrigen Niveau. Die Aussichten für deutsche Nahrungsmittellieferungen sind gering. Die über Duala importierten Produkte kommen überwiegend aus Frankreich, denn ein Großteil der Bevölkerung sowohl in Kamerun als auch in Tschad ist frankofon und an französische Produkte gewöhnt. Der Einzelhandel in N'Djamena ist nur schwach entwickelt. Es gibt mit dem seit 2016 existierenden libanesischen "Modern Market" gerade einen größeren Supermarkt. Sollten internationale Geber ihre Präsenz in den kommenden Jahren verstärken, dann dürften deren Expats zusätzliche Nachfrage nach importierten Nahrungsmitteln nach sich ziehen. Die lokale Bevölkerung kann sich importierte Produkte aufgrund der geringen Kaufkraft kaum leisten.

Kfz-Markt: Deutsche Marken spielen keine Rolle

Deutsche Neuwagen spielen in Tschad keine Rolle. Der einzige Distributor in der Hauptstadt N'djamena ist die französische CFAO, die vor allem Toyota vertreibt. Toyotas in allen Kategorien dominieren auf den Straßen. Für sie und andere asiatische Modelle ist auch die Ersatzteilversorgung bei weitem am besten. Deutsche Modelle gelangen fast nur als Gebrauchtwagen nach Tschad, wie die zahlreichen Mercedes-Lkw aus den 1960er Jahren. Der nächste Händler einer deutschen Marke ist ein VW-Händler im 1.800 km entfernten kamerunischen Duala. Möchte ein Tschader eine andere deutsche Marke fahren, muss er jedes Ersatzteil von weit her importieren.

Bergbau: Keine Investitionen geplant

Trotz Mineralienvorkommen gibt es keinen kommerziellen Bergbau im Land. Absatzchancen von Bergbautechnik dürfte es in den kommenden Jahren kaum geben. Die Regierung versucht, Investoren im Bergbau anzuziehen aber in Zeiten insgesamt niedriger Rohstoffpreise sind größere Engagements unrealistisch. Bei steigenden Preisen könnte sich dies ändern. Mit französischer Unterstützung werden die Böden untersucht. Im Norden des Landes bei Tibesti wird Gold, Tantal, Uran und Wolfram vermutet. Im Südwesten bei Mayo Kebbi gibt es Vorkommen von Kalk, Marmor, Kupfer, Zinn und Graphit. Auch die Gesetzgebung für den Bergbau soll Investitionen ausländischer Minengesellschaften attraktiver machen. Der aus dem Jahr 1995 stammende Mining-Code soll daher überarbeitet werden.

Öl und Gas: Projekte auf Eis gelegt

Solange der Ölpreis niedrig ist, kann nicht mit größeren Lieferaufträgen seitens der in Tschad aktiven Ölfirmen gerechnet werden. Firmen wie die schweizerische Glencore oder der kanadische United Hydrocarbon International haben ihre geplanten Investitionen auf Eis gelegt. Das bestehende Doba-Ölfeld von Exxon nähert sich zudem dem Ende seiner Laufzeit. Derzeit herrscht viel Frustration im Sektor. So kann die Regierung einen Kredit an Glencore nicht zurückbezahlen. Ein tschadisches Gericht hat zudem Exxon 2016 zu einer Nachzahlung von Steuern in Höhe von 75 Mrd. US$ verurteilt. Die Summe entspricht etwa dem Siebenfachen der tschadischen Wirtschaftsleistung und es ist nicht zu erwarten, dass es zu einer auch nur annähernd so hohen Auszahlung kommt.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-mai-2017--tschad,did=1723524.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschad Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Nahrungsmittel

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