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06.12.2017

Branchencheck Indien (November 2017)

Inhalt

Aussichten bleiben langfristig für die meisten Branchen positiv/ Von Thomas Hundt und Heena Nazir

Mumbai/Delhi (GTAI) - Indien bleibt trotz aktuell abgeschwächter Wirtschaftsdynamik ein Zukunftsmarkt. Aufgrund der schieren Bevölkerungsgröße bietet der Subkontinent einen enormen Absatzmarkt und ist damit interessant für ausländische Investoren. Weitere wichtige Faktoren sind die wachsende, konsumfreudige Mittelschicht, eine noch geringe Marktsättigung sowie ein bislang frühes Entwicklungsstadium der heimischen Industrie in vielen Bereichen.

Maschinenbauindustrie: Aussichten sind gut

Indiens Maschinenbauer bedienen das untere bis mittlere Preissegment. Sie konkurrieren mit Waren aus dem asiatischen Ausland beziehungsweise Importen von Gebrauchtmaschinen. Jedoch setzen Sie sich immer stärker durch. Der Produktionsindex legte von April bis September 2017 real um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Größere Bereiche sind Textil-, Bau-, Werkzeugmaschinen sowie Energietechnik. Die Verbände wollen Einfuhren erschweren. Der Staat fördert den Sektor. Die Investitionen der Maschinenbauer dürften 2018 wieder anspringen. Ausländische Firmen haben seit 2000 bereits 6,3 Milliarden US-Dollar (US$) investiert und berichten von gut laufenden Geschäften. Auch die 550 Niederlassungen der VDMA-Mitgliedsfirmen rechnen 2018 mit einem Wachstum von 10 Prozent.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Indiens Maschinenbaumarkt entwickelt sich mühsam

http://www.gtai.de/MKT201706078008

Chemieindustrie : Hindernisse überwinden

Indiens Industrialisierung und Urbanisierung eröffnen der Chemieindustrie langfristig Wachstumschancen, denn die zunehmende Mittelschicht verlangt höherwertige Erzeugnisse, und der Nachholbedarf ist groß. Das Marktvolumen der Chemieindustrie wird vom Fachverband Federation of Indian Chambers of Commerce and Industry (FICCI) für 2016/17 auf 155 Milliarden US$ geschätzt und soll bis 2021 auf 240 Milliarden US$ ansteigen. Fortschritt und Wachstum der Branche werden durch den technologischen Rückstand, der knappen Verfügbarkeit von Rohstoffen, ein undurchsichtiges und kompliziertes Steuersystem sowie der mangelhaften Infrastruktur in vielen Teilen des Landes gebremst.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Konsolidierung indischer Chemieindustrie erwartet

http://www.gtai.de/MKT201706228005

Energiewirtschaft: Energiewende wird sich durchsetzen

Indiens Stromkapazitäten in Höhe von 331 Gigawatt sind nur zu 60 Prozent ausgelastet. Experten stellen den geplanten Bau von Kohle- und Atomkraftwerken in Frage. Betreiber von konventionellen Kraftwerken sind allerdings kapitalschwach. Sauberere, effizientere und flexiblere Kraftwerkstechnik wird benötigt. Die netzgebundenen Kapazitäten von erneuerbaren Energien erreichten im Oktober 2017 etwa 60 Gigawatt. Strom aus erneuerbaren Energien ist teilweise bereits günstiger. Fachleute erwarten 2018 rund fünf Gigawatt an neuen Photovoltaikanlagen. Solarmodule kommen hauptsächlich aus China. Windkraftprojekte werden seit Februar 2017 versteigert. Die Auktionen verzögern sich, und die Anlagenhersteller warten dringend auf neue Aufträge. Die Netzintegration ist eine Herausforderung.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Indiens Windenergie läuft auf Hochtouren

http://www.gtai.de/MKT201707068005

Bauwirtschaft: Ausbau der Infrastruktur hat Priorität

Indiens Tiefbau wächst, weil die Regierung Hürden bei Infrastrukturvorhaben beseitigt und mehr Gelder investiert. Die großen Konzerne sind relativ gut ausgelastet. Insbesondere der Bau von Straßen und Eisenbahnen schreitet voran. Nationale und insbesondere international finanzierte Projekte von Entwicklungsbanken bieten Chancen. Sie stellen Milliardensummen für neue See- und Flughäfen, Verkehrs- und Energieprojekte zur Verfügung. Der Bau von Wohnimmobilien kriselt jedoch unter anderem wegen der Maßnahmen gegen Schwarzgelder und wegen strengerer Auflagen für Bauträger. Investitionen in Büros und andere Wirtschaftsgebäude wachsen stark, weil hier die Nachfrage das Angebot übersteigt. Das schwierige Bodenrecht und administrative Hürden verzögern Bauprojekte allerdings erheblich.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Indiens Hochbau braucht mehr Investitionen

http://www.gtai.de/MKT201612198025

Indien hat Nachholbedarf bei Bürogebäuden

http://www.gtai.de/MKT201612198024

Branche kompakt: Indiens Infrastrukturbau mit neuem Schwung

http://www.gtai.de/MKT201610138003

Gesundheitswirtschaft: Hoher Nachholbedarf

Der Gesundheitsmarkt in Indien wird im Jahr 2016 auf ein Volumen von circa 100 Milliarden US$ geschätzt und soll bis 2020 auf 280 Milliarden US$ anwachsen. Der Privatsektor ist die treibende Kraft hinter der Modernisierung des Gesundheitswesens. Die Gesundheitsausgaben lagen laut Weltbank 2014 pro Kopf bei gerade einmal 75 US$ und fallen somit im internationalen Vergleich sehr gering aus. Problematisch ist der Mangel an Ärzten und Krankenpflegekräften sowie die ungenügende Gesundheitsinfrastruktur. Die Nachfrage nach Medizintechnik wächst rasant. Ausländische Hersteller profitieren, da die Importabhängigkeit bei Medizintechnik mit 80 Prozent sehr groß ist. Die Investitionen in Hochtechnologie steigen, um den zunehmenden Ansprüchen zahlungskräftiger Patienten gerecht zu werden.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Nachholbedarf am indischen Medizintechnikmarkt

http://www.gtai.de/MKT201611248007

Nahrungsmittelindustrie: Regierung will Investitionen steigern

Indien ist einer der größten Nahrungsmittelhersteller weltweit. Der Weiterverarbeitungsanteil von Lebensmitteln ist aber noch gering und das Marktpotenzial entsprechend groß. Die Regierung behandelt die Entwicklung der Branche prioritär und erlaubt bereits seit 2012 ausländische Direktinvestitionen von bis zu 100 Prozent in den Sektor. Einen weiteren Schub verspricht nun die Öffnung des Einzelhandels für ausländische Investoren. Künftig werden verstärkt Investitionen der großen Lebensmittelproduzenten in den Ausbau von Kühlhäusern und Lagerkapazitäten sowie in Maschinen zur Verarbeitung und Verpackung erwartet.

Weitere Informationen:

Indien treibt Ausbau des Lebensmittelsektors voran

http://www.gtai.de/MKT201709208000

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Langfristig gute Perspektiven

Die indische Automobilindustrie meldet für den Zeitraum von April bis Oktober 2017 positive Zahlen. Die Kauflust wurde nur bedingt durch die Bargeld- und Steuerreform gebremst. Der Umsatz des Sektors ist um 7,6 Prozent gewachsen. Die Produktion ist um 8,1 Prozent und die Exporte sind auf 10,4 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode gestiegen. Ob diese insgesamt aussichtsreiche Entwicklung der Branche sich im Finanzjahr 2018/19 fortsetzen wird, ist ungewiss. Der Sektor muss mit zunehmender Volatilität rechnen. Insbesondere die Luftprobleme in der Hauptstadt New Delhi führten zu starken und teils abrupten regulatorischen Maßnahmen durch die Regierung. Die langfristigen Aussichten sind positiv.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Indische Kfz-Industrie überwindet Hindernisse

http://www.gtai.de/MKT201709148020

Umwelttechnik: Private Investitionen gefragt

Indien will seine mangelhafte Wasserver- und Abwasserentsorgung verbessern. Der Investitionsbedarf allein in der städtischen Trinkwasserversorgung wird bis 2031 auf durchschnittlich 2,5 Milliarden US$ pro Jahr beziffert. Im Rahmen der angekündigten "Clean Ganga Mission" soll der Reinigung von Gewässern künftig größere Bedeutung zukommen. In der Abfallentsorgung besteht ebenfalls dringender Handlungsbedarf. Diese wickelt größtenteils der unorganisierte Sektor ab. Besonders beim Recycling von E-Waste, Papier und Kunststoff sowie in der Entsorgung von Sondermüll herrscht großer Nachholbedarf. Aufgrund knapper öffentlicher Kassen will Indien stärker auf privatwirtschaftliches Engagement setzen. Bei Planung und Technologie ist das Land auf ausländisches Know-how angewiesen.

Elektronikindustrie: Fertigung im Aufwind

Nach Angaben des Ministeriums für Elektronik und Informationstechnik hat sich die Fertigung von Elektronik von 2012/13 bis 2016/17 auf ungefähr 26 Milliarden US$ verdoppelt. Ein Drittel der Produktion entfällt jeweils auf Verbraucher- und Industrieelektronik, der Rest auf Komponenten und elektronische Halbleiterbauteile (LED). Die Hersteller wachsen und setzen auf die stark zulegende Nachfrage im Inland. Sie erweitern und erneuern ihren Fabriken. Das Ministerium unterstützt sie mit Subventionen und Förderprogrammen. Außerdem möchte es dringend benötigte Fachkräfte ausbilden lassen. Ausländische Elektronikkonzerne haben Investitionen angekündigt. Sie investierten seit 2000 lediglich 1,9 Milliarden US$ in den Sektor.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Positive Zahlen gemeldet

Indien hat eine der größten Softwareindustrien der Welt. Der Gesamtumsatz der Informationstechnologie inklusive des Business Process Mangement-Sektors (E-Commerce eingeschlossen) soll 2017/18 dem Wirtschaftsverband National Association of Software and Services Companies (Nasscom) zufolge auf circa 178 Milliarden US$ ansteigen. Damit ist der Branchenumsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um 9,5 Prozent gestiegen. Niedrige Technologieausgaben sowohl ausländischer als auch inländischer Unternehmen trüben gegenwärtig die Geschäftsaussichten. Der Sektor hat eine starke Exportausrichtung. Über 65 Prozent seines Umsatzes werden durch Exporte erreicht. Die Regierung investiert stark in den Ausbau der Branche. Wachstumsaussichten bleiben langfristig gesehen positiv.

Weitere Informationen:

Akteure auf dem indischen E-Commerce-Markt nehmen zu

http://www.gtai.de/MKT201603018007

Indiens E-Commerce-Markt wächst rasant

http://www.gtai.de/MKT201603018006

(HENA)

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201712018012

Dieser Artikel ist relevant für:

Indien Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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