Produktmärkte

12.01.2018

Branchencheck Spanien (Dezember 2017)

Inhalt

Verarbeitendes Gewerbe mit guter Auftragslage und hoher Auslastung / Von Miriam Neubert

Madrid (GTAI) - Spaniens Industrie schaut zuversichtlich ins Jahr 2018. Ihre Kapazitäten waren im 4. Quartal 2017 zu über 80 Prozent ausgelastet. Produktionsindex, Umsätze und Auftragseingänge zogen weiter an. Der PMI-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes stieg im November auf seinen höchsten Stand seit Februar 2007. Auch Dienstleistungen und Tourismus wachsen. Viele Unternehmen modernisieren, erweitern und investieren in Digitalisierung und Forschung, um ihre Exportkraft zu erhöhen.

Maschinenbauindustrie: Starker Auftragseingang

Spaniens exportstarker Maschinenbau hatte 2017 Grund für Optimismus und setzt auch 2018 auf neue Geschäftschancen. Sehr positiv entwickelten sich die unbereinigten Kennziffern laut Statistikamt INE von Januar bis September gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei Produktion (+5,2 Prozent), Umsätzen (+8 Prozent), Ausfuhren (+7,5 Prozent) und Auftragseingang (+16,1 Prozent). Rund drei Viertel erlöst die Branche inzwischen im Export. Beim Werkzeugmaschinenbau, dem drittstärksten in der Europäischen Union (EU), sind es 80 Prozent. Insgesamt erbrachte der Maschinenverkauf 2016 rund 15,8 Milliarden Euro (+3,4 Prozent). Bei Investitionsprojekten stehen Optimierung, Digitalisierung und Innovation (3D-Druck, verbundene Maschinen) vorn. Sie werden auch mit günstigen Krediten und EU-Mitteln gefördert.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Maschinenbau Spanien

http://www.gtai.de/MKT201707038015

Spanische Industrie investiert auch mit Hilfe des Staates

https://www.gtai.de/MKT201608158004

Chemieindustrie: Innovationsstarke Pharmabranche

Spaniens Chemieindustrie stützt sich auf die steigende Binnennachfrage, konnte aber auch ihren Ausfuhrwert 2017 erhöhen. Der Dachverband Feique schätzt, dass sie mit über 62,4 Milliarden Euro einen Umsatzrekord erzielte und diesen 2018 erneut brechen wird (65,3 Milliarden Euro). Der Auftragseingang stieg von Januar bis September besonders stark in der Petrochemie (+28,2 Prozent), der Chemieindustrie (+11,1 Prozent), aber auch in der Pharmabranche (+2,1 Prozent). Belastend wirken die Energiepreise. In Sachanlagen investierte die Branche 2015 rund 2,1 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Wichtiges Thema sind Energieeffizienzmaßnahmen. Raffinerien, Arzneimittelhersteller und Labore befinden sich in oft mehrjährigen Investitionsprogrammen. Polymer-Hersteller Covestro will 200 Millionen Euro in sein Werk in Tarragona investieren.

Weitere Informationen:

Spaniens Importe von chemischen Erzeugnissen und Pharmazeutika mit neuem Umsatzrekord

https://www.gtai.de/MKT201606098007

Energiewirtschaft: Mega-Projekte bei Solar- und Windparks

Spaniens erneuerbare Energien leben unter den Vorzeichen von Unterbietungs-Auktionen wieder auf. Die Regierung hat 2017 über 8.000 Megawatt an Wind- und Solarkraftkapazitäten förderfrei versteigert. Bis Ende 2019 müssen diese am Netz sein, um zur Erreichung des EU-Ziels beizutragen. Geschätzter Investitionsbedarf: über 8 Milliarden Euro. Die Finanzierung kommt auch von der Europäischen Investitionsbank EIB, wie im Falle des Energiekonzerns Gas Natural Fenosa, der einen kanarischen Windkraftpark baut (Investition: 450 Millionen Euro) oder des Goya-Windprojekts in Aragón von Forestalia (298 Millionen Euro). Auch die Interkonnektivität mit Frankreich muss weiterkommen. Die Strategie der Netzbetreiberin REE sieht bis 2020 als Großprojekt eine 360 km lange Unterseeverbindung durch den Golf von Biskaya vor.

Weitere Informationen:

In Spanien kommen Ökostromvorhaben zu Marktpreisen in Gang

http://www.gtai.de/MKT201709048004

Kräftiger Impuls für Spaniens Windkraftmarkt

http://www.gtai.de/MKT201706068004

Bauwirtschaft: Bau und Sanierung von Wohnungen legen zu

Mit Spaniens Bauinvestitionen geht es seit 2014 wieder aufwärts. 2017 zogen vor allem Baugenehmigungen für Neubauten von Januar bis September um 17,5 Prozent auf 20.800 an. Treiber sind Wohnungsgebäude (+19,6 Prozent auf 17.400) und Industriegebäude (+26,8 Prozent auf 326). Bei der Gebäudesanierung gab es ein Plus von 4 Prozent auf 24.668. Sanierungsmaßnahmen werden durch das Programm zur Mietwohnungssanierung 2018 bis 2022 weiter gefördert. Der Tiefbau wird 2018 durch den öffentlich-privaten Straßeninvestitionsplan (5 Milliarden Euro bis 2021) und neue Ausschreibungen des Hochgeschwindigkeitszugnetzes AVE zu neuem Leben erwachen. Zugleich soll das im Februar 2018 in Kraft tretende neue Gesetz über öffentliche Aufträge mehr Chancen für KMU schaffen.

Weitere Informationen:

Urbanes Megaprojekt für Spaniens Hauptstadt

http://www.gtai.de/MKT201708288006

Spanien investiert wieder in die Infrastruktur

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Trends/Infrastruktur/Land-Spanien/trend-land-spanien.html

Spaniens Hochbau im Aufwind

http://www.gtai.de/MKT201612228000

GTAI-Trend Energieeffizienz im Gebäudebau

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Trends/EE-Gebaeude/Land-Spanien/trend-land-spanien.html

Gesundheitswirtschaft: Steigende Ausgaben

Die demografische Entwicklung lässt in Spanien die Nachfrage nach medizinischen Diensten und Produkten ansteigen. Die staatlichen Gesundheitsausgaben sollen 2017 rund 69 Milliarden Euro erreichen, mit weiter steigender Tendenz. Der Medizintechniksektor hat dem Fachverband Fenin zufolge seine Erholung 2016 fortgesetzt und die Erlöse um 3 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro gesteigert. Rund 70 Prozent der Umsätze werden mit dem öffentlichen Sektor gemacht. Dort ist der Preis das bestimmende Kriterium. Der Zahlungsverzug der Regionen bei Anbietern lag Mitte Juli 2017 bei 834 Millionen Euro. Der private Krankenhausbau geht weiter. Sehr aktiv ist darunter die zu Fresenius Helios gehörende Gruppe Quirónsalud, die in Madrid erweitert und in Córdoba eine neue Klinik baut.

Weitere Informationen:

Spaniens Dentaltechnikmarkt

https://www.gtai.de/MKT201603178004

Branche kompakt - Medizintechnik Spanien

https://www.gtai.de/MKT201502208014

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Umsatzrekord des Kfz-Zuliefersektors

Spanien ist der zweitgrößte Pkw-Produzent in der EU, größter Nutzfahrzeug- (Nfz) und viertgrößter Teilehersteller. Das Branchenziel, 2017 rund 3 Millionen Fahrzeuge zu produzieren, wurde nicht erreicht. Auf wichtigen Exportmärkten wie dem Vereinigten Königreich ging die Nachfrage zurück. Die Pkw-Produktion, ging laut Branchenverband Anfac von Januar bis Oktober 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent auf 1,9 Millionen Einheiten zurück. Dafür stieg die Nfz-Fertigung um 3,5 Prozent auf 470.000. Der exportstarke Zuliefersektor erwartet mit über 36 Milliarden Euro (+7 Prozent) einen neuen Umsatzrekord. Ford will 2018 rund 750 Mio. Euro in sein Werk in Valencia investieren. Torrot eröffnet ein neues Motorradwerk. Seit November 2017 existiert der sogenannte Plan MOVALT für Elektrofahrzeuge und Aufladenetze (35 Millionen Euro).

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Kfz und -teile Spanien

http://www.gtai.de/MKT201709298001

Urbane Mobilität in Spanien

http://www.gtai.de/MKT201607228003

Nahrungsmittelindustrie: Umsatzstärkster Industriesektor

Spaniens Nahrungsmittelindustrie ist breit aufgestellt, zieht ausländische Investoren an und ist auf robustem Wachstumspfad. Dank der starken Nachfrage nach mediterranen Produkten konnte sie auch in der Krise ihre Exporte steigern. Die Ausfuhren stiegen von Januar bis September im Vorjahresvergleich um 7,3 Prozent auf 34,1 Milliarden Euro. Obwohl die Produktion 2017 kaum zunahm (+0,3 Prozent), war der Zuwachs bei Umsätzen und Auftragseingang beachtlich (jeweils +6,1 und +6,7 Prozent). Als umsatzstärkster Industriesektor gehört sie bei den Sachanlagen zur Spitze (2015: 3,7 Milliarden Euro). Investiert wird in Erweiterungen, aber verstärkt auch in Digitalisierung, Energie- und Prozesseffizienz. Im Inland stützen der sich erholende Horeka-Bereich und die wachsenden Lebensmittelausgaben das Geschäft.

Weitere Informationen:

Spaniens Nahrungsmittelindustrie wächst und investiert

http://www.gtai.de/MKT201609198001

Branche kompakt - Ernährungswirtschaft Spanien

https://www.gtai.de/MKT201507158018

Sonstiger Fahrzeugbau: Werften mit Aufträgen für Offshore-Windparks

Spaniens Werften sind 2017 durch neue Aufträge, darunter zunehmend der Offshore-Windenergiewirtschaft, weiter in Bewegung. Staatsbetrieb Navantia hat im Verbund mit Windar Renovables von Siemens den Auftrag für vier Offshore-Fundamente (Jackets) erhalten und begann die Umsetzung der elektrischen Substation im Rahmen des Iberdrola-Auftrags für den Windpark East Anglia One. Ein im Mai 2017 auf insgesamt 30 Züge aufgestockter spanischer Großauftrag verschafft Schienenfahrzeugbauer Talgo Geschäfte. Die hochspezialisierte Raumfahrtindustrie wird davon profitieren, dass die Regierung die Mittel bei der Europäischen Weltraumorganistation ESA von 2017 bis 2024 auf 1,5 Milliarden Euro fast verdoppelt hat.

Weitere Informationen:

Spaniens Schienenfahrzeugbau im Aufwind

http://www.gtai.de/MKT201608248006

Spaniens Luft- und Raumfahrtbau bietet Perspektiven

http://www.gtai.de/MKT201510168004

Spaniens zivile Luftfahrtindustrie bietet viele Projekte

http://www.gtai.de/MKT201510168005

Umwelttechnik (Wasser und Abfall): Investitionen für Abwasserreinigung

Die Trockenheit in Spanien macht den Investitionsbedarf in der Wasserinfrastruktur deutlich - von Stauseen bis zu Bewässerungstechnik. Im Rahmen des hydrologischen Plans 2016 bis 2021 werden 17,4 Milliarden Euro investiert. Die Abwasseraufbereitung funktioniert noch nicht überall richtlinienkonform, was den Bau neuer Kläranlagen anschiebt. Die Verbesserung der Flusswasserqualität hat der Plan Crece zum Ziel, der zugleich Bau und Modernisierung von Kläranlagen und Kollektoren fördert. Druck in Richtung Kreislaufwirtschaft macht der Abfallwirtschaftsplan 2016 bis 2022 (PEMAR). Handlungsbedarf besteht bei der Reduzierung von Siedlungsabfällen, der Trennung von Biomüll und beim Deponieabbau. Eine neue Kreditlinie für Energieeffizienz (100 Millionen Euro) stößt 2018 bei KMU, Großbetrieben und Hotels neue Maßnahmen an.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Recycling- und Entsorgungswirtschaft Spanien

https://www.gtai.de/MKT201503138009

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Nationaler Plan 5G

Wirtschaftsaufschwung und Digitalisierungsdruck ließen den spanischen IKT-Sektor 2016 im dritten Jahr in Folge wachsen, laut dem nationalen Observatorium Ontsi um 7 Prozent auf 88 Milliarden Euro. Erstmals seit 2009 ging es auch mit den Erlösen in der Telekombranche wieder nach oben, während die IT-Branche schon seit 2014 auf positivem Kurs ist. Ein Treiber ist der wachsende Export (+8 Prozent auf 14 Milliarden Euro, davon drei Viertel Dienstleistungen). Im Inland sind es die Digitale Agenda, EU-Fördermittel und der technologische Nachholbedarf der KMU bei E-Commerce oder der technischen Nutzung der Big Data. Die Regierung hat Anfang Dezember 2017 einen Nationalen Plan 5G vorgestellt, mit Förderung für Pilotvorhaben. Die ersten Frequenzen sollen Anfang 2018 ausgeschrieben werden.

Weitere Informationen:

Neue Bewegung in Spaniens digitaler Agenda

http://www.gtai.de/MKT201701098003

Spaniens IT-Sektor erholt sich

http://www.gtai.de/MKT201612288003

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Wasserfahrzeuge

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