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07.12.2017

Branchencheck Usbekistan November 2017

Inhalt

Zahlreiche Industrieprojekte geplant / Geschäftschancen im Ausbau der Infrastruktur / Von Uwe Strohbach

Usbekistan (GTAI) - Deutschen Firmen bietet sich in Usbekistan viel Geschäftspotenzial. Dafür sorgen die Programme in wichtigen Branchen des Landes. Bis 2021 werden Projekte in vielen Branchen, etwa Förderung und Verarbeitung von Öl und Gas, Textil- sowie Lebensmittelindustrie umgesetzt. Groß bleibt das Geschäftsfeld im Infrastruktursektor. Internationale Geberinstitute unterstützen die Vorhaben in vielen Wirtschaftssektoren.

Maschinenbauindustrie: Modernisierungsprojekte konzentrieren sich auf Land- und Bautechnik

Die Wiederbelebung des nach dem Zusammenbruch der UdSSR nahezu gänzlich zusammengebrochenen Maschinenbaus betrifft bisher nur wenige Sektoren. Die Betriebe der neu gegründeten Holding für Landmaschinenbau (O´zagrotechsanoat) investieren 2017 bis 2019 etwa 130 Millionen US-Dollar (US$) in die Erweiterung und Modernisierung ihrer Fertigungskapazitäten. Empfänger der Mittel sind die beiden Landtechnikfabriken Taschkent und Tschirtschik sowie Zentren für die Wartung und Reparatur von Landmaschinen. Eine neue Initiative der Regierung sieht die Produktion von 15.000 Baumwollerntemaschinen innerhalb der nächsten fünf Jahre vor. Die Usbekische Bahn plant bis Ende 2018 in der Region Syrdarja für circa 30 Millionen US$ den Bau eines Werkes für die Produktion von Baggern und Kettenfahrzeugen.

Chemieindustrie: Projektportfolio für mehr als 3 Milliarden US$ geplant

Die Industriezweigvereinigung O´zkimyosanat, der 13 große Branchenakteure angehören, will 2017 bis 2021 mehr als 40 Projekte für gut 3 Milliarden US$ umsetzen. Die Vorhaben betreffen die Errichtung von Kapazitäten für die Produktion von Ammoniak und Harnstoff (Projektwert: 1 Milliarde US$), PVC, kaustischer Soda und Methanol (500 Millionen US$), Salpetersäure (216 Millionen US$) sowie Düngemittel (80 Millionen US$). Ausbauprojekte gibt es auch in den Produktgruppen synthetische und Azetatfasern, Farben und Lacke und Bohrreagenzien. Sieben 2017 neu gegründete Freizonen für die Ansiedelung pharmazeutischer Unternehmen locken erste Investoren an. Offiziellen Angaben zufolge gibt es schon 60 fertig ausgearbeitete oder vorbereitete Investitionsprojekte mit einem Wert von 460 Millionen US$.

Energiewirtschaft: Massive Investitionen fließen in Wärme- und Wasserkraftwerke

Der Monopolist für Stromerzeugung und -verteilung O´zbekenergo setzt 2017 bis 2021 ein ambitioniertes Investitionsprogramm mit einem Projektwert von 12 Milliarden US$ um. Ausgehend von einem Strombedarf von 71,8 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2020 (Ist 2016: 59 Milliarden Kilowattstunden) werden mehrere große Kraftwerke errichtet oder modernisiert (Turakurgan, Tachiatiasch, Nawoi, Syrdarja und andere) und einige leistungsstarke Solarkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 500 Megawatt (Kosten: 1,1 Milliarden US$) gebaut. In die Modernisierung von 32 Umspannwerken fließen bis 2020 rund 300 Millionen US$. Die im Mai 2017 gegründete staatliche Gesellschaft O´zbekgidroenergo will 2017 bis 2025 bis zu 2,7 Milliarden US$ in größere Wasserkraft-Projekte investieren.

Bauwirtschaft: Belebung im Straßen- und Wohnungsbau setzt sich fort

Das Baugewerbe zeigt weiter auf Wachstum. Hinter diesem Trend stehen der Ausbau der Transportinfrastruktur, der Wohnungsbau und neue Industrieobjekte. Allein in den Straßenbau fließen 2018 bis 2020 etwa bis zu 1,5 Milliarden US$. Fortgesetzt werden 2017 bis 2021 die Programme für den Wohnungsbau in ländlichen Regionen (Errichtung von jährlich mindestens 15.000 preiswerten Häusern mit ein bis zwei Etagen für circa 700 Millionen bis 800 Millionen US$) und ebenso in den Städten (für weniger gut situierte Einwohner). In der Hauptstadt Taschkent startet in Kürze das auf 1 Milliarde US$ veranschlagte Städtebauprojekt Taschkent City - International Business Center. Dabei entstehen Wohn-, Handels-, Büro- und andere Bauten in einem flächenmäßigen Volumen von 1,8 Millionen Quadratmetern.

Gesundheitswirtschaft: 90 öffentliche medizinische Versorgungszentren werden bis 2021 modernisiert

Die Regierung hegt ambitionierte Pläne für die Verbesserung der medizinischen Versorgung. Von 2017 bis 2021 sollen 78 medizinische Vereinigungen (Krankenhäuser/Ambulatorien auf Landkreisebene für fachärztliche Behandlungen), sieben städtische medizinische und zwei Mehrprofilzentren (fachübergreifende Kliniken) modernisiert und mit moderner Technik ausgestattet werden. Ferner sollen bis 2020 in den Städten Taschkent, Urgentsch, Fergana und Samarkand Hospize für den Bedarf von unheilbar an Krebs erkrankten Patienten errichtet werden. Geplant ist die Einführung eines modernen Krankenhausmanagements. Der Kauf von Medizintechnik wird größtenteils über projektgebundene internationale Darlehen finanziert.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Anbauflächen werden ausgeweitet

Laut dem Ausbauprogramm im Agrarsektor für 2015 bis 2019 sollen die Anbauflächen für Gemüse, Obst, Melonen und Wein um 300.000 Hektar gegenüber 2014 ausgeweitet werden. Ausbau der Gewächshauswirtschaft ist auch vorgesehen. Der Ausstoß solcher Waren soll bis 2020 von 18,1 Millionen Tonnen (2016) auf bis zu 30 Millionen Tonnen und die Kühllagerkapazitäten für diese Produkte sollen um ein Fünftel auf 1 Million Tonnen steigen. Bis 2020 läuft ein Projekt für die Errichtung von größeren Logistikzentren für den Obst- und Gemüseexport. In die Entwicklung des Gartenbaus fließen Gelder der Weltbank, der Asiatischen Entwicklungsbank und der EU (circa 320 Millionen US$). Ab 2018 sollen unter Nutzung ausländischer Investitionen in allen Regionen hydroponische Gewächshauskomplexe errichtet werden.

Bergbau: Projekt für 1,7 Milliarden US$ für die Gewinnung von Erzen gestartet

Das nationale Flaggschiff der Buntmetallindustrie, das Bergbau- und Hüttenkombinat in Almalyk, startete im Frühjahr 2017 ein Projekt für die Erschließung von Kupfererz-, Molybdänerz- und Edelmetallvorkommen in der Lagerstätte Dalneje. In der ersten Phase (2017 bis 2019) des auf insgesamt 1,7 Milliarden US$ veranschlagten Projekts liegt der Investitionsschwerpunkt auf der Erzgewinnung und der Errichtung der lokalen Transport- und Energieinfrastruktur. Bei der industriellen Nutzung der Eisenerzlagerstätte Tebinbulak will sich das russische Unternehmen Uralskaja Gorno-Metallurgitscheskaja Kompanija (UGMK) engagieren. Ein im April 2017 mit der Regierung unterzeichnetes Memorandum sieht Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden US$ in die Erschließung des Vorkommens und den Bau einer Stahlhütte vor.

Weitere Informationen:

Usbekistans Bergbau forciert Projekte für mehrere Milliarden US-Dollar, http://www.gtai.de/MKT201711238002

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Neue Fahrzeugeschmiede für Lieferwagen und Kleinbusse im Aufbau

In den Jahren 2017 bis 2021 sind in der Kfz-Branche 51 Projekte für 835 Millionen US$ geplant. Das Gros der Gelder fließt in die Produktion von zwei neuen Pkw-Modellen in der Autoschmiede GM Uzbekistan (Pkw) und in ein Gemeinschaftsprojekt mit dem französischen Fahrzeugbauer Peugeot Citroen. Letzteres betrifft den Bau einer Fabrik für die Montage von leichten Nutzfahrzeugen und Kleinbussen mit einer jährlichen Kapazität von 16.000 Einheiten. Der Bau startete im Frühjahr 2017, die Fabrik soll voraussichtlich schon Ende 2018 in Betrieb gehen. Die Investitionen betragen 130 Millionen US$. Die Local-Content-Quote soll schon beim Produktionsstart mindestens 50 Prozent betragen. Die Pkw-Schmiede GM Uzbekistan steht nach einem massiven Absatzeinbruch vor einer umfassenden Umstrukturierung und Neuausrichtung.

Weitere Informationen:

Usbekistan investiert 700 Millionen US-Dollar in den Nahverkehr, http://www.gtai.de/MKT201711108011

Nahrungsmittelindustrie: Bis 2020 stehen rund 100 Projekte auf dem Plan

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie hat ihr Projektportfolio in den letzten zwei Jahren sichtlich erweitert. Das von der Regierung beschlossene Branchenprogramm sieht in den kommenden drei Jahren 2018 bis 2020 die Umsetzung von mindestens 100 Projekten für mehr als 300 Millionen US$ in Sparten wie Speiseöle und -fette, Fleisch- und Milcherzeugnisse, alkoholfreie Getränke und Süßwaren vor. Hinter diesen Vorhaben stehen die Betriebe der Industriezweigvereinigung O´bekoziqovqatxolding. Darüber hinaus gibt es mehrere Hundert kleinere rein private regionale Ausbauprojekte. Die Unternehmen der Holding für die Produktion und Abfüllung von Wein und Spirituosen Uzvinprom plant 2017 bis 2021 die Realisierung von 70 Projekten in einem Volumen von umgerechnet deutlich mehr als 100 Millionen US$.

Öl / Gas: Bis 2021 sind Vorhaben für mehr als 20 Milliarden US$ geplant

Die Förderung und Verarbeitung von Öl- und Gas ist traditionell der bedeutendste Investitionssektor in Usbekistan. Nach Angaben der staatlichen Öl- und Gasholding O`zbekneftgaz stehen 2017 bis 2021Vorhaben im Wert von mehr als 20 Milliarden US$ auf der Liste. An der Umsetzung sind ausländische Partner wie Lukoil (Russland), Kogas und GS (Korea/Rep.), CNPC (VR China) und Sasol (Südafrika) maßgeblich beteiligt. Zu den geplanten Großprojekten zählen die Errichtung von Großanlagen für die Produktion von synthetischen Kraftstoffen, eine neue Ölraffinerie (auf der Basis von Rohöllieferungen aus Russland und Kasachstan), der Ausbau der Produktsparte Polyethylen oder die technische Erschließung neuer Gaslagerstätten.

Textil- und Bekleidungsindustrie: 120 neue Betriebe werden bis 2020 errichtet

Das mittelfristige zentrale Branchenprogramm sieht im Zeitraum 2017 bis 2020 die Errichtung von rund 120 neuen und die Modernisierung von etwa zehn Betrieben vor. Der Anteil ausländischer Investitionen und Kredite am Projektwert soll etwa 50 Prozent erreichen. In Realisierung der Vorhaben wird bis 2020 eine Verdoppelung der jährlichen Branchenexporte auf bis zu 2,5 Milliarden US$ erwartet. Der Ausstoß von Fertigerzeugnissen soll bis zum Zieljahr gegenüber 2016 um 110 Prozent steigen und einen Anteil am Gesamtausstoß von 65,5 Prozent (47 Prozent) erreichen. Usbekistan zählt mit einem jährlichen Aufkommen von mehr als 3 Millionen Tonnen Rohbaumwolle zu den weltweit größten Produzenten des weißen Goldes.

Umwelttechnik: Internationale Geber fördern Projekte in der Wasserwirtschaft

Allein die Weltbank fördert mit 145 Millionen US$ die auf 228 Millionen US$ veranschlagte zweite Phase eines Projekts für die Verbesserung der Wasserversorgung im Ferganatal (2018 bis 2024). Die EBRD stellt weitere 98 Millionen für die Trinkwasserversorgung in der Stadt Namangan und im Landkreis Pap (ebenfalls Ferganatal) zur Verfügung. In der Region Kaschkadarja wird zurzeit ein 130-Millionen-$-Vorhaben für eine bessere Bewässerung auf 402.000 ha Böden realisiert. Im Rahmen des Programms für die beschleunigte Entwicklung des Abfallmanagements im Zeitraum 2017 bis 2021 sind unter anderem Projekte für eine effiziente und ökologische Mülleinsammlung und -deponierung sowie der Bau mehrerer Fabriken für die Verarbeitung fester Haushaltsabfälle geplant.

Weitere Informationen:

Usbekistan steckt 2,7 Milliarden US-Dollar in die Wasserkraft

http://www.gtai.de/MKT201709138005

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter:

Wirtschaftsausblick - Usbekistan (November 2017), http://www.gtai.de/MKT201711288012

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

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Olesja Hess

‎+49 228 24 993 219

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