Produktmärkte

23.06.2017

Produktmärkte auf den Kapverden (Juni 2017)

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Touristenzahlen steigen wieder / Von Carsten Ehlers

Praia (GTAI) - Die Kapverden bieten in einigen Sektoren interessante Lieferchancen für deutsche Unternehmen, wenn auch in geringem Umfang. Chancen ergeben sich unter anderem aus dem Tourismus. Nahrungsmittel müssen importiert werden und beim Bau von Hotels wird technisches Gerät benötigt. Auch bei den häufig von Geberorganisationen finanzierten Infrastrukturmaßnahmen sind deutsche Ausrüstungen gefragt. Zudem bestehen bei derartigen Projekten Möglichkeiten der Beratung.

Energiewirtschaft: Strompreis soll gesenkt werden

Die Stromerzeugungskapazitäten auf den meisten der neun bewohnten Inseln des Inselstaats sind nach diversen Investitionen derzeit gut ausgebaut, sodass weitere Kraftwerke vorerst nicht gebaut werden müssen. Chancen für deutsche Unternehmen bestehen jedoch bei Beratung und auch bei Zulieferung von Technologie bei netzungebundenen Solaranlagen. Insbesondere die großen Hotels auf den Inseln Sal und Boavista sowie die Nahrungsmittelverarbeiter auf den Inseln Santiago und Sao Vicente haben Interesse an einer Eigenversorgung mit Strom. Zudem soll der Stromversorger Electra in die Bereiche Stromproduktion und -verteilung aufgeteilt werden. Die AHK Portugal veranstaltet einmal jährlich Reisen mit einer Geschäftsdelegation zum Thema erneuerbare Energien auf die Kapverden.

Bauwirtschaft: Seit Jahren Flaute

Obwohl es immer wieder größere Projekte zum Beispiel im Hotelbau gibt, ist der Bausektor in den letzten Jahren geschrumpft. Die Möglichkeiten für deutsche Zulieferer zum Beispiel von Baumaschinen sind daher eingeschränkt. Beratung ist gefragt bei technisch sehr speziellen Projekten wie im Hafen- und Energiebau. Bis zur Wirtschaftskrise 2009 wurden zahlreiche Hotels gebaut und der Staat investierte massiv in die Infrastruktur. Danach brach der Markt ein und ein beträchtlicher Teil der Baufirmen hat den Auftragseinbruch nicht überstanden. Die großen noch aktiven Bauunternehmen wie Empreitel Figueiredo verfügen über einen hohen Professionalisierungsgrad und ordern hochwertige Baumaschinen und Werkzeuge.

Gesundheitswirtschaft: Regelmäßige Bestellungen

Im recht gut ausgebauten kapverdischen Gesundheitssektor sind derzeit zwar keine größeren Projekte wie der Bau neuer Krankenhäuser geplant. Es kommt jedoch regelmäßig zu Beschaffungen von Medizintechnik und Pharmazeutika. Auch die staatlichen Krankenhäuser verfügen über ein gutes Niveau im afrikanischen Vergleich und verwenden neue Technologie. In kleinerem Umfang wird Medizintechnik von den zahlreichen privaten Arztpraxen in den Großstädten nachgefragt. Weil es immer wieder zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von Ärzten gerade auf kleineren Inseln kommt, spielt das Thema Telemedizin auf den Kapverden eine wichtige Rolle. In diesem Bereich läuft ein Programm der slowenischen Regierung.

Landwirtschaft: 600.000 Touristen fragen frische Lebensmittel nach

Da der Bedarf an frischen Lebensmitteln zügig wächst, kam es in den letzten Jahren vermehrt zu Investitionen in Treibhausfarmen. Diese versorgen vor allem die großen Städte Praia und Mindelo sowie die Touristeninseln Boavista und Sal. In Sao Vicente entsteht derzeit zudem eine Garnelenfarm. Es ist mit einem weiteren Ausbau der Produktion zu rechnen. Bis auf wenige Ausnahmen verfügt die kapverdische Landwirtschaft über einen geringen Professionalisierungsgrad und wird von Subsistenzbauern dominiert. Es fehlen Kooperativen, Transportboote zwischen den Inseln sowie Großhändler, die von den Farmen aufkaufen. Jedoch konnte seit kurzem durch den Bau von Dämmen auf verschiedenen Inseln die landwirtschaftliche Bewässerung vereinfacht werden.

Umwelttechnik: US-Geber investiert in die Abwasserentsorgung

Im Umweltbereich dürften auch in den kommenden Jahren Beratung und Zulieferung gefragt sein. Seit 2012 läuft ein Programm des US-amerikanischen Gebers Millennium Challenge Corporation (MCC) in Höhe von 39,7 Mio. US$. Mit dem Geld wird unter anderem die Wasserversorgung umstrukturiert. So wurde 2016 die Wasserver- und Abwasserentsorgung aus den Städteverwaltungen ausgegliedert. Auf der Hauptinsel Santiago wurde die Wasserversorgung in der gemeindeübergreifenden Organisation Aguas de Santiago zusammengefasst. Diese, so vermuten Experten, wird in den kommenden Jahren in den Ausbau der Infrastruktur investieren. Insbesondere der Ausbau des Abwassernetzes in Praia ist dringend nötig, da nur etwa ein Drittel der Haushalte der 150.000-Einwohner-Stadt über einen Abwasseranschluss verfügt.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Neues Unterseekabel erhofft

Weitere Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur der Kapverden stehen an. Für 2018 ist mit der Vergabe von 4G-Lizenzen an die Netzbetreiber CV Movél und Unitel T-Mais zu rechnen. Dringend benötigt wird ein zusätzliches Unterseekabel, das den Inselstaat mit Europa und den USA verbindet. Derzeit sind beide Netzbetreiber vom West Africa Cable System (WACS-Kabel) abhängig. Zudem beklagt sich Unitel darüber, dass CV Movél, welches die Hoheit über die Kapazitäten von WACS inne hat, zu wenig davon freigibt. Durch die große kapverdische Diaspora in Amerika und Europa sowie den zunehmenden Touristenzahlen ist der Bedarf an internationaler Bandbreite auf den Kapverden sehr hoch.

Nahrungsmittelmarkt: Steigende Nachfrage durch Touristen

Aufgrund steigender Touristenzahlen sowie eines sich verbessernden Konsumklimas dürfte der Bedarf an Nahrungsmitteln kurzfristig deutlich steigen. Der Einzelhandel ist schwach entwickelt. Die einzige Kette ist die kapverdische Calú & Ângela mit kleineren Supermärkten. Fast alle industriell gefertigten, aber auch ein Teil der frischen Nahrungsmittel müssen importiert werden. Portugiesische Produkte dominieren das Angebot. Insbesondere durch den großen Anteil deutscher Touristen dürfte aber auch eine gewisse Nachfrage nach deutschen Konsumgütern auf den Urlaubsinseln Sal und Boavista bestehen.

Kfz-Markt: Von deutscher Seite weitgehend vernachlässigt

Ein beträchtlicher Teil der Importe der Kapverden entfällt auf Kraftfahrzeuge. Es dominieren asiatische Modelle, vor allem Toyota. Deutsche Fahrzeuge verfügen über einen guten Ruf, werden jedoch von den Handelsvertretern nicht bevorzugt beworben. So wird VW von Caetano Auto vertreten, die ebenfalls Toyota repräsentiert. Für Lkw dürfte die Nachfrage vorerst gering bleiben, da sich der Bausektor in einer Krise befindet. Fahrzeuge sind aufgrund der hohen Importzölle sehr teuer, der Markt daher begrenzt. Es überwiegen Importe von gebrauchten Pkw mit einem Alter von bis zu vier Jahren. Für sie wird dieselbe Importsteuer erhoben wie für Neuwagen.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-juni-2017--kapverden,did=1737540.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Cabo Verde Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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