Produktmärkte

31.08.2017

Produktmärkte in Argentinien - August 2017

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Der Aufschwung erfasst immer mehr Branchen / Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - Zur Jahresmitte 2017 verzeichnen zehn von zwölf Wirtschaftszweigen Wachstum. Eine Rekordernte des Agrarsektors hat starke Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Neben vielen öffentlichen Bauvorhaben zieht auch die private Bautätigkeit immer stärker an. In der Energiewirtschaft haben die Erneuerbaren Aufwind. Deutsche Unternehmen sind gut positioniert, müssen aber gegen eine starke Konkurrenz aus China kämpfen, die mit attraktiven Finanzierungsangeboten lockt.

Maschinenbauindustrie: Boom bei Landmaschinen

Die Produktion des lokalen Maschinen- und Gerätebaus (inklusive Hausgeräte) fiel im 1. Halbjahr 2017 laut der Stiftung für Wirtschaftsforschung FIEL um 0,3 Prozent, die Fertigung erreichte Mitte 2017 nur ein Viertel des Rekordvolumens von 2012. Im weiteren Jahresverlauf ist mit einer Belebung zu rechnen. Rund läuft das Geschäft bereits für den heimischen Landmaschinenbau, der den Absatz von Mähdreschern im 1. Halbjahr 2017 um 31 Prozent steigern konnte (Importe gar +150 Prozent). Die Stärke der heimischen Maschinenbauer liegt in maßgeschneiderten Lösungen für die lokale Industrie.

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http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=argentiniens-gruener-motor,did=1739298.html

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Recht-Zoll/Zoll/suche,t=argentinien-senkt-zoelle-auf-investitionsgueter,did=1773358.html

Chemieindustrie: Agrarchemie legt Tempo vor

Die Chemieindustrie kommt zur Jahresmitte 2017 besser in Schwung. Im 1. Halbjahr blieb die Produktion laut Statistikinstitut Indec noch leicht unter Vorjahr (-0,5 Prozent). Ein besonders kräftiges Wachstum zeichnet sich für die Agrarchemie ab (+10 Prozent im 1. Halbjahr). Auch bei Körperpflege- und Reinigungsmitteln hat ein kräftiger Aufschwung der Produktion eingesetzt, ebenso bei Kunststoffen. Ein dynamischer Wachstumszweig ist die Biotechnologie, die in Argentinien vor allem auf die Entwicklung der Nahrungsmittelproduktion fokussiert ist. Die Biotreibstoffindustrie kämpft mit Barrieren auf Exportmärkten.

Energiewirtschaft: Erneuerbare im Aufwind

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung soll bis 2025 rasant zunehmen und 20 Prozent erreichen (2016: 2 Prozent). Vor allem für Wind- und Solarenergie bietet Argentinien beste Voraussetzungen. Bei den ersten EE-Ausschreibungen wurden 2016 Zuschläge für insgesamt 2.424 Megawatt erteilt, die Investitionen von rund 4 Milliarden US-Dollar (US$) erforderlich machen. Weitere 1.200 Megawatt sind ausgeschrieben. Die Bayern LB will sich an der Finanzierung des geplanten Wasserkraftwerks Chihuido I beteiligen. Voith Hydro bewirbt sich um eine Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke.

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Bauwirtschaft: Private Bauherren kommen aus der Reserve

Die Bauwirtschaft erholt sich 2017 von dem Einbruch des Vorjahres (2016: -12,7 Prozent). Im 1. Halbjahr 2017 lag die Bauaktivität um 7 Prozent über Vorjahr. Für die zweite Jahreshälfte zeichnet sich eine Beschleunigung des Aufschwungs ab. Neben den hohen öffentlichen Investitionen kommen zuletzt auch die private Bautätigkeit in Fahrt. Der Construya-Index, der vornehmlich die private Bauaktivität abbildet, lag in den Monaten Mai bis Juli 2017 im Durchschnitt um 18,4 Prozent über Vorjahr. Die Regierung setzt überdies auf eine stärkere Beteiligung der Privatwirtschaft an Infrastrukturprojekten.

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Gesundheitswirtschaft: Noch in der Rekonvaleszenz

Argentiniens Gesundheitsmarkt hat sich der Konjunkturkrise nicht entziehen können. Knappe öffentliche Kassen und eine schwache private Kaufkraft bestimmten 2016 und Anfang 2017 die Lage. Die Arzneimittelproduktion lag im 1. Halbjahr 2017 um 7 Prozent unter Vorjahr, nicht zuletzt aufgrund der steigenden Konkurrenz von Importen (+12,2 Prozent in US-Dollar). Wieder steigende Realeinkommen dürften die Nachfrage nach Arzneimitteln und Gesundheitsdiensten ab dem 2. Halbjahr 2017 ankurbeln. Die Regierung setzt mehr auf Effizienzsteigerung in bestehenden Krankenhäusern als auf den Bau neuer Einrichtungen.

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Bergbau: Lithiumreserven begehrt

Argentiniens Bergbau hat in 44 Projekten ein Investitionspotenzial von 32 Milliarden US$. Die meisten Vorhaben befinden sich noch in frühen Stadien der Entwicklung. Der Bedarf an Investitionen in Exploration wird auf 400 Millionen US$ pro Jahr geschätzt. Besonders begehrt sind Argentiniens Lithiumvorkommen - die Regierung erwartet Investitionen von 1,5 Milliarden US$ und eine Verdreifachung der Lithiumproduktion bis 2021. Zu schaffen machen der Bergbaubranche wachsende Imageprobleme, nachdem allein der Konzern Barrick Gold in seiner Goldmine Veladero drei Unfälle in Folge verzeichnete.

Elektronikindustrie: PC-Montage verliert Zollschutz

Mit der seit April 2017 geltenden Zollbefreiung für Computer und Zubehör muss sich ein großer Teil der heimischen Branchenunternehmen neu aufstellen. Einige Hersteller, die bisher mit geringer lokaler Wertschöpfung und wenig Innovation zumeist in Feuerland montierten, verlagern sich nun ganz auf das Importgeschäft oder auf die Fertigung von elektronischen Nischenprodukten (Telemedizin, Server). Bessere Chancen hat die Produktion von Elektrohausgeräten und Unterhaltungselektronik, die von dem Aufschwung im Wohnungsbau und der zunehmenden Kreditvergabe der Banken profitieren wird.

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Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Erste Schritte in die Elektromobilität

Die Kfz-Industrie zeigt gemischte Tendenzen, die insgesamt jedoch in Richtung Erholung weisen. Während die Auslieferungen an die Vertragshändler im 1. Halbjahr 2017 um fast 20 Prozent expandierten, ging die Montage noch um 2 Prozent zurück. Die Differenz wurde durch kräftig steigende Importe gedeckt. Hoffnungen ruhen auf einer schrittweisen Erholung der Nachfrage in Brasilien, dem wichtigsten Exportmarkt. Argentinien tätigt derweil erste Schritte in die Elektromobilität. Der chinesische Konzern BYD will 100 Millionen US$ investieren, um Elektrobusse für den lokalen Markt zu bauen.

Landwirtschaft: Argentiniens Topsektor expandiert

Der Agrarsektor ist bisher die am stärksten treibende Kraft der Konjunkturerholung. Kein anderer Wirtschaftszweig hat so schnell und so positiv auf die Wirtschaftsreformen der Macri-Regierung reagiert. Die Abschaffung der Exportsteuern und anderer Ausfuhrhemmnisse hat zusammen mit der Freigabe des Devisen- und Kapitalverkehrs einen neuen Boom im wichtigsten Exportsektor Argentiniens angestoßen. Bei einer erwarteten Rekordernte von 137 Millionen t Getreide und Ölsaaten lag das Branchenwachstum im 1. Halbjahr 2017 bei 7,7 Prozent. Ein starker Trend ist die Digitalisierung der Agrarproduktion.

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Metallindustrie: Neues Stahlwerk in Betrieb

Der Trend der Metallindustrie ist deutlich positiv. Die Erzeugung von Rohstahl lag im 1. Halbjahr 2017 um 3 Prozent über Vorjahr, die Verarbeitung gewinnt Monat für Monat an Fahrt. Besonders kräftig ist das Wachstum der Produktion von Baustahl (+22 Prozent im 1. Halbjahr) sowie von nahtlosen Rohren für die Mineralölindustrie (Prognose 2017: +70 Prozent). Nach vier Jahrzehnten ging Mitte 2017 erstmals ein neues Stahlwerk in Betrieb. Der brasilianische Konzern Gerdau startete die Produktion von Draht, Nägeln und Profilen, als Rohstoff verwendet die neue Anlage Schrott.

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Nahrungsmittelindustrie: Die Fleischverarbeitung holt auf

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ist nicht nur Argentiniens größter Industriezweig, sondern zugleich auch der wettbewerbsfähigste, wie die Beratungsfirma Abeceb in einer Studie bestätigt. Aufgrund der zuletzt noch schwachen Inlandsnachfrage lag die Produktion im 1. Halbjahr 2017 allerdings noch um 0,6 Prozent unter dem Vorjahr. Das ändert nichts an den mittel- und langfristig günstigen Wachstumsaussichten der Branche. Eine kräftige Erholung erlebt die Fleischverarbeitung, die ihren Export im 1. Halbjahr 2017 um 18 Prozent in US-Dollar steigerte. Die Milchverarbeitung kriselt dagegen noch.

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Öl/Gas: Abhängigkeit von Importen soll sinken

Auf mittlere und längere Sicht ruhen große Hoffnungen auf der Erschließung der riesigen Vorkommen an Schiefergas und -öl. Vor allem bei Schiefergas hat Argentinien das Potenzial, den Frackingboom der USA zu replizieren. Die lokalen Förderkosten sind bisher allerdings noch deutlich höher als in den USA. Um Investitionen dennoch lohnend zu machen, garantiert die Regierung den Förderunternehmen Abnahmepreise, die weit über dem Niveau des US-Marktes liegen, aber etwa dem Durchschnittspreis der Importe entsprechen. So will Argentinien in einigen Jahren wieder unabhängig von Energieimporten werden.

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Textil- und Bekleidungsindustrie: Unter Druck der Importkonkurrenz

Die Textil- und Bekleidungsindustrie gehört zu den Industriezweigen, die konjunkturell und strukturell die größten Probleme aufweisen. Im 1. Halbjahr 2017 fiel die Produktion von Garnen (-25 Prozent) und Geweben (-12 Prozent). Die Beratungsfirma Abeceb zählt die Bekleidungsproduktion zu den am wenigsten wettbewerbsfähigen Industriezweigen des Landes, obgleich einige kleine Modehersteller mit besonders kreativen Artikeln durchaus erfolgreich sind. Die Branche leidet akut unter einer schwachen Inlandsnachfrage und einer gleichzeitig zunehmenden Importkonkurrenz, vor allem aus Asien.

Umwelttechnik: PPP-Projekte für Wasser und Kanalisation

Die Regierung plant bis 2022 Investitionen von 22 Milliarden US$ in den Ausbau von Trinkwasserversorgung und Kanalisation, zum Teil unter Beteiligung privater Investoren. In Planung sind 20 PPP-Projekte im Wert von 4 Milliarden US$. Bis 2022 sollen 55.000 km neue Trinkwasserleitungen und 30.000 km Kanalisationsrohre gelegt werden. Der Anteil der an die Kanalisation angeschlossenen Haushalte soll bis 2019 von 58 Prozent auf 75 Prozent steigen, die Versorgung mit Trinkwasser (2015: 84 Prozent) soll bis dahin 100 Prozent erreichen. Bisher wird zudem nur etwa ein Zehntel aller Abwässer gereinigt.

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Informations- und Kommunikationswirtschaft: Der Branchenriese Clarín wächst

Das überfällige Upgrade der IKT-Infrastruktur kommt in Gang. Vorrang haben der rasche Ausbau der 4G-Netze und eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet auch in ländlichen Gebieten. Die Deregulierung des Medienmarktes erlaubt künftig das Triple Play (Telefon, Daten und TV vom selben Anbieter). Das tritt Investitionen der größten Player los. Mit der geplanten Übernahme der Telefongesellschaft Telecom durch den Medienkonzern Clarín (Cable Visión, Fibertel) entsteht ein neuer Branchenriese. Die Regierung erwartet hohe Investitionen in die Infrastruktur für Mobildienste.

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Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

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