Produktmärkte

22.02.2017

Produktmärkte in Guinea 2017

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Gute Konjunktur sorgt für steigenden Bedarf an Ausrüstung / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Aufgrund der guten Konjunktur in Guinea nehmen auch die potenziellen Geschäftschancen für deutsche Unternehmen in unterschiedlichen Bereichen zu. Doch die äußerst geringe Präsenz sorgt dafür, dass viel Geschäft an die Konkurrenz geht. Potenzial aufgrund reger Investitionen bietet die Zulieferung von Bergbautechnik sowie von Baumaschinen und Werkzeugen. Zunehmen dürften auch die Exportmöglichkeiten von Konsumgütern vor dem Hintergrund eines erst jetzt entstehenden Einzelhandels.

Energiewirtschaft: Chinesen bauen ein weiteres Wasserkraftwerk

Nachdem der chinesische Staat bereits das 2015 eingeweihte Kaléta-Wasserkraftwerk finanziert und errichtet hat, befindet sich nun eine weitere Anlage im Bau. Das Souapiti-Wasserkraftwerk soll eine Kapazität von 500 MW erhalten. Auch hier übernehmen die Chinesen die Finanzierung von etwa 1,5 Mrd. US$. Gebaut wird durch die China International Water and Electric Corporation (CWE). Einen von der Weltbank finanzierten Vertrag erhielt 2015 das französische Konsortium Seureca Veolia für das Management des ineffizienten nationalen Stromversorgers Électricité de Guinée (EDG). Im Rahmen des West African Power Pools (WAPP) soll das Land an die Strommärkte in Guinea-Bissau und Côte d'Ivoire angebunden werden. Guinea hätte aufgrund seiner Kapazitäten das Potenzial, Strom zu exportieren.

Bauwirtschaft: Zahlreiche Bauprojekte im Großraum Conakry

Die Bauwirtschaft Guineas erlebt eine dynamische Phase. Bei den zahlreichen Investitionen in den Bauxitbergbau sind auch Baufirmen mit Erdbewegungsarbeiten eingebunden. Hinzu kommen zahlreiche private Hochbauprojekte im Großraum Conakry. Auch der Staat ist in Kooperation mit Gebern an Bauprojekten (Straßenbau, Sozialwohnungen) beteiligt. Die Nachfrage nach Baumaschinen, Qualitätswerkzeugen und Beratungsdienstleistungen ist derzeit lebhaft. Baufirmen mit hohem Professionalisierungsgrad wie die französische Sogea Satom kaufen hochwertige Maschinen ein. Deutsche Baumaschinenhersteller sind über professionelle und international agierende Distributoren auf dem Markt präsent, wie HMD Forewin (Bomag) und DEM (Wirtgen-Gruppe).

Landwirtschaft: Großes Potenzial, aber Investitionen bleiben aus

Aufgrund seiner guten Böden und des Klimas herrschen in Guinea hervorragende Bedingungen für landwirtschaftlichen Anbau. Allerdings passiert nur wenig. Über großes Potenzial verfügen der Baumwollanbau in der Region Moyenne Guinée sowie der Anbau von Reis in Guinée Forestière. Die schlechte Transportanbindung verhindert jedoch größere Produktionen. Neben Reis werden auch Erdnüsse, Kassava oder Yams angebaut. Die Einwohner der schnell wachsenden Stadt Conakry fragen zunehmend Obst und Gemüse nach. Der Aufbau von Obst- und Gemüsefarmen in Reichweite der Stadt könnte dürfte daher eine aussichtsreiche Investition darstellen, zumal die neu in der Stadt entstehenden Supermärkte zuverlässige Lieferanten benötigen.

Nahrungsmittelindustrie: Mit weiteren Investitionen ist zu rechnen

Insbesondere für die Versorgung der Stadt Conakry, für die bislang fast alle Lebensmittel importiert werden müssen, bieten sich Investitionen in die Nahrungsmittelverarbeitung an. Der Verkauf von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen macht für die deutsche Industrie einen wesentlichen Teil der Lieferungen nach Guinea aus. Die Nachfrage kommt unter anderem von der Brauerei Sobragui, von Softdrinkherstellern, Weizenmühlen (Les Moulins d'Afrique, Grands Moulins de Conakry) oder Geflügelfarmen. Derzeit plant der Staat, eine Verarbeitungsanlage für Kartoffeln und Kassava in Timbi-Madina für etwa 14 Mio. US$ aufzubauen. Die Anlage soll Ende 2018 in die Produktion gehen, anscheinend verzögert sich das Vorhaben jedoch.

Umwelttechnik: Conakry bekommt heftige Umweltprobleme

Zahlreiche Geber wie die Islamische Entwicklungsbank unterstützen den guineischen Wassersektor, der lange Jahre kaum Investitionen erfuhr. Insbesondere in Conakry wird das Wassernetz in die schnell wachsende Peripherie nach Hamdallaye, Koloma und Simbaya erweitert. Die Ausschreibungen werden vom staatlichen Wasserversorger Société des Eaux de Guinée (SEG) veröffentlicht. In den Bereichen Abwasser und Abfall besteht hoher Bedarf, es passiert jedoch kaum etwas. Wie den meisten afrikanischen Städten droht auch Conakry ein massives Umweltproblem. Die Stadt beziehungsweise die umliegende Küste läuft Gefahr im Müll zu ersticken. Überall im Zentrum liegen Berge von Plastikmüll herum, der nur hin und wieder von der überforderten Müllabfuhr weggeräumt wird. Das Abwasser geht ungereinigt ins Meer.

Nahrungsmittelmarkt: Das Entstehen eines formellen Einzelhandels eröffnet Chancen

Aufgrund der guten Konjunkturlage dürfte die Nachfrage nach importierten Konsumgütern steigen. Ein formeller Einzelhandel entsteht in der 2,2 Mio.-Metropole Conakry gerade erst. Mit dem Prima Center wurde 2016 das erste Einkaufszentrum mit der spanischen Dia als Hauptmieter eingeweiht. Bislang gibt es in Conakry mit Belle France, Leader Price und Bobo Supermarché (indische Leitung) nur drei eher schwach sortierte Läden. Ein Angebot an lokalen Produkten existiert so gut wie nicht. Alles ist importiert, meistens lange haltbare Ware wie Konserven, alkoholische Getränke oder gewachste Äpfel. Günstige Produkte wie Fleischkönnen über Großhändler auch auf den offenen informellen Märkten vertrieben werden.

Kfz-Markt: Nur Mercedes-Benz ist präsent

Die Nachfrage nach Neuwagen ist angesichts der kleinen Oberschicht sehr begrenzt. Die Mittelschicht kauft sich in der Regel einen Gebrauchtwagen. Asiatische Hersteller dominieren den Markt für Neuwagen. Mit Mercedes-Benz ist in Guinea nur ein deutsches Fabrikat über einen offiziellen Händler (Séta) vertreten. Die anderen Fabrikate werden über informelle Kanäle vertrieben. Ohnehin sind insbesondere deutsche Pkw eher ein Statussymbol als ein den Straßen angepasstes Transportmittel in Guinea. Die Straßen- und Klimatauglichkeit asiatischer Modelle wird als deutlich höher eingestuft. Gleiches gilt für die Ersatzteilversorgung. Bei Lkw kommen immer mehr chinesische Anbieter zum Zuge, auch bei Baufirmen mit hohem Professionalisierungsgrad.

Bergbau: Milliarden US-Dollar fließen in den Bauxitabbau

Durch diverse Investitionen, unter anderem durch Rusal, Emirates Global Aluminium (EGA) und Alliance Minière Responsable (AMR), dürfte die Bauxitproduktion bis 2018 massiv steigen von derzeit rund 26 Mio. auf über 40 Mio. t pro Jahr. Bei diesen Projekten ergeben sich Chancen für die Zulieferung von Bergbautechnik. An der Grenze zu Liberia gibt es zudem größere Eisenerzvorkommen, bei denen sich das Interesse aufgrund der niedrigen Eisenerzpreise jedoch in Grenzen hält. Zuletzt hat sich Ende 2016 die anglo-australische Rio Tinto aus dem in der Planung befindlichen Simandou-Projekt zurückgezogen. Rio Tintos Anteile soll nun die chinesische Chinalco übernehmen.

Metallindustrie: Aluminiumwerk in Friguia soll wieder in Betrieb gehen

Nach fünf Jahren Produktionsstillstand sieht es aus, als ob das Aluminiumwerk in Friguia seinen Betrieb bald wieder aufnimmt. Der russische Konzern Rusal hatte Friguia 2006 dem guineischen Staat abgekauft. Als der französische Industriekonzern Pechiney Friguia 1960 baute, war es die erste Aluminiumhütte in ganz Afrika. Nun soll das Werk für 825 Mio. US$ umfassend renoviert werden. Die Arbeiten sollten Anfang 2017 beginnen und bis Mitte 2018 dauern. Anschließend soll dann mit der Produktion begonnen werden, bei einer Kapazität von etwa 650.000 jato. Bis 2026 soll diese bei 1,05 Mio. jato liegen. Rusal, das darüber hinaus eine Konzession für den Bauxitabbau in Dian-Dian hält, darf gemäß einer Übereinkunft der russischen mit der guineischen Regierung die Einnahmen aus Dian-Dian für die Finanzierung von Friguia nutzen.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter:http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsentwicklung,t=wirtschaftsausblick-winter-201617--guinea,did=1648508.html

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Guinea Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein

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