Produktmärkte

19.06.2017

Produktmärkte in Vietnam (Mai 2017)

Inhalt

Weiterhin hohe Investitionen in vielen Branchen geplant / Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Vietnams Wirtschaft wächst, und die Einkommen steigen. Das Land hat sich als wichtiger Bestandteil internationaler Lieferketten etabliert. Dennoch steht es vor erheblichen Herausforderungen. Die Wertschöpfung in der Industrie ist überwiegend gering. Die Produktivität ist auch im asiatischen Vergleich niedrig und steigt langsamer als die Löhne. Eine Zulieferindustrie ist in vielen Bereichen nicht oder kaum vorhanden. Bei höherwertigen Ausrüstungen ist Vietnam auf Importe angewiesen.

Maschinenbauindustrie: Lokale Produktion noch ganz am Anfang

Vietnams Maschinenbau fertigt in begrenztem Maße einfache Ausrüstungen überwiegend für den heimischen Markt. Im Wesentlichen existieren Produktionen für Landtechnik und Baumaschinen, dabei handelt es sich in der Regel allerdings um die Montage von importierten Bausätzen. Es gibt nur wenige größere nationale Maschinenhersteller. Internationale Produzenten sind zum Teil mit eigenen Werken vertreten und fertigen meist für den Export. Eine wachsende Industrieproduktion, ausländische Direktinvestitionen und ein starker Anstieg der Auftragseingänge aus dem In- und Ausland führen zu einer höheren Nachfrage nach Maschinen in allen Bereichen.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-maschinen-und-anlagenbau,t=branche-kompakt-vietnams-nachfrage-nach-maschinen-waechst,did=1490052.html

Chemieindustrie: Aufbau von Raffinerien und Chemieinfrastruktur verläuft schleppend

Vietnam verfügt bislang nur über eine schwach ausgebildete Chemieproduktion. Lediglich Düngemittel, Wasch- und Reinigungsmittel sowie einige Primärkunststoffe werden produziert. Zwar arbeitet das Land am Aufbau einer eigenen Chemie- und Raffinerieinfrastruktur. Allerdings sind einige Großprojekte wie die Long Son-Raffinerie ins Stocken geraten. Die Anstrengungen fokussieren sich nunmehr auf die Nghi Son- und die Vung Ro-Raffinerien, die 2017 beziehungsweise 2019 die Produktion aufnehmen sollen. Insgesamt ist das Land noch nicht in der Lage, den Bedarf an chemischen Roh- und Vormaterialien für die Industrie zu decken. Insbesondere der boomende Kunststoffsektor ist daher auf Importe von Primärkunststoffen angewiesen.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=vietnams-kunststoffindustrie-waechst-zweistellig,did=1723148.html

Energiewirtschaft: Kohle soll den Energiebedarf decken

Vietnams Bedarf an Energie wächst rasant. Die vietnamesische Regierung geht von einer Nachfragesteigerung von 10 bis 12% pro Jahr aus. Für Kapazitätserhöhungen sowie den Ausbau und die Modernisierung der Übertragungsnetze müssen bis 2020 dem Ministry of Industry and Trade zufolge 40 Mrd. US$ investiert werden. Kohlekraft soll in Zukunft den Großteil der benötigten Energie liefern. Dafür müssen bestehende Kraftwerke ausgebaut und neue Anlagen errichtet werden. Zudem sollen gasbetriebene Wärmekraftwerke stärker zur Stromerzeugung beitragen und auch der Anteil der Erneuerbaren Energien deutlich angehoben werden. Für Wind- und Solarstromanlagen, bislang noch kaum existent, peilt die Regierung bis 2030 einen Kapazitätsausbau auf 18 GW an.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=neue-kohlekraftwerke-sollen-vietnams-energiehunger-stillen,did=1652848.html

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=vietnam-stellt-weichen-fuer-nutzung-von-solarenergie,did=1724270.html

Bauwirtschaft: Ausbau der Infrastruktur dringend erforderlich, aber Finanzierung problematisch

Der Bausektor befindet sich auf stabilem Wachstumskurs. Für 2017 prognostizieren Experten eine Steigerungsrate von 6,1%. Die zunehmende Urbanisierung erfordert neuen Wohnraum für die in die Städte strömenden Menschen. Steigende Touristenzahlen stoßen den Hotelbau an. Für den öffentlichen Bausektor veranschlagt das Ministry of Planning and Investment zwischen 2016 und 2020 Ausgaben von rund 48 Mrd. $ allein für zentralstaatlich investierte Projekte. Metro- und Straßenbau sowie der Ausbau von Flug- und Seehäfen stehen auf der Agenda. Auch benötigt das Land dringend mehr Müllentsorgungs- und Kläranlagen. Allerdings kann Vietnam die Finanzierung allein nicht stemmen. Die Regierung setzt daher vermehrt auf Public-Private-Partnership-Modelle.

Weitere Informationen:

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-bauwirtschaft,t=branche-kompakt-bauwirtschaft-waechst-kraeftig-in-vietnam,did=1582836.html

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=vietnams-infrastruktur-muss-ausgebaut-werden,did=1538752.html

Gesundheitswirtschaft: Bevölkerung investiert zunehmend privat in ihre Gesundheit

Vietnams Gesundheitsmarkt expandiert. Experten prognostizieren bis 2019 ein stetiges Wachstum von jährlich annähernd 8%. Nicht nur wächst Vietnams Bevölkerung, sie beginnt auch zu altern. Zudem steigen die Einkommen, so dass sich die Menschen eine bessere medizinische Versorgung leisten können und höhere Ansprüche stellen. Zwar sind viele medizinische Ausgaben aus eigener Tasche zu bezahlen. Allerdings ist die Bereitschaft der Patienten, für eine gute medizinische Versorgung Zuzahlungen zu leisten, deutlich ausgeprägt. Dies erhöht den Anreiz für staatliche Krankenhäuser wie auch Privateinrichtungen, hochwertige Ausstattung zu erwerben. Die staatlichen Krankenhäuser sind überlastet, so dass der Ausbau vorangetrieben wird.

Weitere Informationen:

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-medizintechnik,t=branche-kompakt-vietnams-nachfrage-nach-hochwertiger-medizintechnik-waechst-weiter,did=1629086.html

Elektronikindustrie: Vietnam liefert die Smartphones der Welt

Vietnam hat sich als Produktionsstandort für die Elektronikindustrie der Welt etabliert. Microsoft, LG, Foxconn, Panasonic und allen voran Samsung montieren Produkte vom Kühlschrank über Klimaanlagen und Fernsehern bis hin zum Mobiltelefon. Alleine Samsung stand 2016 für über 22% der vietnamesischen Exporte. Ausländische Elektronikkonzerne planen auch für die kommenden Jahre, verstärkt in Vietnam zu investieren. Der vietnamesische Einzelhandel mit Elektro- und Haushaltsgeräten boomt ebenfalls. Angaben des Forschungsinstituts GFK zufolge belief sich der Umsatz 2016 auf rund 8,6 Mrd. $, Euromonitor prognostiziert bis 2021 ein jährliches Wachstum von rund 8%.

Landwirtschaft: Modernisierung der Landwirtschaft bleibt schwierig

Der Agrarsektor ist eine wichtige Säule der vietnamesischen Wirtschaft, 2016 steuerte er 11,6% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Regierung will die Branche modernisieren und von einer kleinbäuerlichen Landbewirtschaftung behutsam auf eine moderne Agrarindustrie umstellen. Auch sollen die Qualität der vietnamesischen Produkte verbessert und mehr Produkte vor dem Export weiterverarbeitet werden. Ziel ist, dass vietnamesische Nahrungsmittel auf den attraktiven, aber anspruchsvollen Märkten der ASEAN-Staaten und der EU bestehen können. Die für die Automatisierung der Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung erforderlichen Maschinen und Ausrüstungen werden in Vietnam allerdings kaum hergestellt. Damit ist das Land, will es seine ehrgeizigen Entwicklungspläne umsetzen, auf Importe angewiesen.

Weitere Informationen:

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=vietnam-technisiert-die-landwirtschaft,did=1669762.html

Textil- und Bekleidungsindustrie: Vietnam muss mehr als nähen

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist eines der wichtigsten Standbeine der vietnamesischen Industrie und trug 2016 mit Ausfuhren in Höhe von 23,8 Mrd. $ rund 13,5% zu den Gesamtexporten des Landes bei. Für 2017 strebt die Branche ein Wachstum von 7 bis 8% an, die Exporte sollen auf über 30 Mio. $ ansteigen. Um Ursprungsregeln der seitens Vietnam abgeschlossenen Freihandelsabkommen zu erfüllen, muss das Land eine höhere Wertschöpfung erzielen. Heimische Unternehmen wie die Vinatex-Gruppe oder Garco10, aber auch ausländische Betriebe investieren vermehrt in technische Innovationen und bauen der reinen Näherei vorgelagerte Prozesse wie Spinnen, Weben und Färben aus. Zudem beginnen erste Unternehmen, die Produktion zu automatisieren.

Umwelttechnik: Umweltschutz rückt in den Vordergrund

Der Umweltschutz rückt nach Skandalen des Jahres 2016 in den Fokus von Regierung und Öffentlichkeit. Es besteht immenser Nachholbedarf. In den Städten, aber auch in vielen Industriezonen fehlen Einrichtungen zur Abwasser- und Abfallbehandlung. Bis 2020 sollen mindestens 40 neue Kläranlagen entstehen. Die bislang übliche Entsorgung von städtischem und Industriemüll auf offenen und teils wilden Mülldeponien soll durch eine moderne Müllbehandlung ersetzt werden. Waste-to-Energy-Modelle werden erstmals in Müllentsorgungskonzepte aufgenommen. Da Vietnam in den Bereichen Wasser- und Abfallwirtschaft bislang kaum über eigene fortgeschrittene Technologie verfügt, ist das Land auf ausländische Consultingleistungen sowie Know-how und Ausrüstung angewiesen.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=vietnam-investiert-in-abwasserentsorgung,did=1671188.html

Kfz-Markt: Die Mittelschicht steigt aufs Auto um

Die Nachfrage nach Autos wächst rasant. Für 2016 vermeldete der Branchenverband Vietnam Automobile Association (VAMA) einen Anstieg der Autoverkäufe um 24% und prognostiziert für 2017 eine Steigerung der Verkaufszahlen von rund 10%. Gefragt sind nicht nur kleine und günstige Fahrzeuge. Auch Premiumanbieter wie Mercedes, Porsche und Audi verzeichnen steile Wachstumsraten. Bislang wird mit rund 75% ein Großteil der in Vietnam verkauften Autos im Land produziert. Allerdings dürfen ab 2018 ASEAN-Fahrzeuge zollfrei eingeführt werden. Beobachter fürchten daher, dass heimische Unternehmen von da ab von importierten Modellen aus Südostasien und anderen Freihandelspartnern überrollt werden. Ersten Prognosen zufolge dürfte sich die Importquote von bislang 25% auf rund 40% erhöhen.

Weitere Informationen:

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=vietnams-autoindustrie-am-scheideweg,did=1720304.html

(F.B.)

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-mai-2017--vietnam,did=1730078.html

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--vietnam,did=1589548.html

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Elektronik, allgemein

Kontakt

Anna Westenberger

Wirtschaft

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