Infrastrukturprojekte

Architektin auf der Baustelle | © Getty Images/Morsa Images

Infrastrukturprojekte weltweit

Die Weltbevölkerung wächst, und mit ihr der Bedarf an Infrastruktur. Jedes Jahr werden laut McKinsey weltweit 2,5 Billionen US$ in den Ausbau von Infrastruktur investiert. Der Bedarf ist, getrieben durch Urbanisierung und Digitalisierung, noch wesentlich größer.

Dabei gibt es ganz unterschiedliche Trends: In Entwicklungs- und Schwellenländern muss erst noch grundlegende Infrastruktur geschaffen werden. Gerade in diesen Ländern steigen Bevölkerung und Urbanisierung oft sehr stark. Der Nachholbedarf bei Straßen oder Schienen, Häfen, Energie- und Wasserversorgung oder Abfallentsorgung ist enorm. Aber auch in Industrieländern gibt es großen Modernisierungs- und Investitionsbedarf.

Deutschen Unternehmen bieten sich vielfältige Beteiligungschancen. Ihr Know-how ist bei komplexen Spezialaufgaben, in der Planung und Bauüberwachung, aber auch für die Zulieferung von Ausrüstung gefragt. Neben der Qualität werden besonders Beratungs- und Servicekompetenz geschätzt. Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen ist die Beteiligung bei internationalen Großprojekten oft mit besonderen Herausforderungen verbunden.

Germany Trade & Invest zeigt in einer Analyse von Infrastrukturvorhaben in 15 ausgewählten Ländern, welche Geschäftschancen es wo gibt. Ein direkter Vergleich zwischen Ländern und Subsektoren erleichtert es deutschen Unternehmen, Chancen und Risiken für die zukünftige Beteiligung abzuschätzen.


Stand: Juli 2017

Infrastrukturprojekte ausgewählter Länder

Ägypten, Argentinien, China, Frankreich, Indien, Indonesien, Iran, Kasachstan, Nigeria, Polen, Rumänien, Spanien, USA, Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam

Ägypten muss Infrastruktur modernisieren

Die Investitionen können mit dem Bedarf des Ausbaus der Infrastruktur in Ägypten kaum Schritt halten. Viele Straßen, Brücken und das Eisenbahnnetz sind veraltet. Auch bei der sozialen und der Versorgungsinfrastruktur sind Investitionen notwendig. Die Energieinfrastruktur wird dagegen erfolgreich ausgebaut. Der Staat nutzt eigene Haushaltsmittel, Kredite, PPPs und die Unterstützung internationaler Geber. Chancen für deutsche Unternehmen liegen vor allem bei Spezialaufgaben.

Infrastrukturprojekte in Ägypten

Nach langem Stillstand kommt Bewegung in Argentiniens Infrastruktur

Argentinien will eineinhalb Jahrzehnte Stillstand beim Ausbau der Infrastruktur aufholen. Der Bedarf ist riesig. Das größte Eisenbahnnetz Lateinamerikas ist größtenteils stillgelegt, die Straßen sind oft in schlechtem Zustand, der Energiebedarf ist groß. Verbrauchspreise sollen schrittweise an die Kostendeckung herangeführt werden, um private Investoren anzulocken. Auch wenn das Land nach der Beilegung von Schuldenkonflikten wieder Zugang zum Kapitalmarkt hat, ist es vorteilhaft, die Finanzierung mitzubringen.

Infrastrukturprojekte in Argentinien

China investiert in Infrastrukturprojekte der Superlative

Chinas investitionsgetriebene Wachstumsmodell stößt an seine Grenzen. Insbesondere in den Bereichen Umwelt und Stadtplanung sind jedoch noch Investitionen notwendig. Die meisten der derzeit von offizieller Seite getätigten Investitionen finden im Rahmen dreier nationaler Initiativen statt: der Ausbau der neuen Seidenstraße, das Beijing-Tianjin-Hebei-Cluster und die Yangtze River Economic Zone. Auftragsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen gibt es in erster Linie wenn spezielle Technologien oder hohe Qualität gefragt sind.

Infrastrukturprojekte in China

Frankreich: Neue Akzente beim Ausbau der Infrastruktur

Im internationalen Vergleich besitzt Frankreich eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur. In den nächsten Jahren sind bei Autobahnen und den Eisenbahnstrecken Erweiterungen und Modernisierungen vorgesehen. Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2030 kräftig steigen auch die Digitalisierung steht im Fokus. Die Mitgliedschaft im Konsortium mit lokalen und spezialisierten Bauunternehmen ist eine Möglichkeit, sich an einem der großen Projekte zu beteiligen.

Infrastrukturprojekte in Frankreich

Indien modernisiert veraltete Infrastruktur

Indiens Infrastruktur hat sich in den letzten 20 Jahren schon verbessert, der Nachholbedarf bleibt jedoch groß. Die Regierung investiert in den Straßenausbau, ins Eisenbahnnetz und in moderne Häfen und Flughäfen. Urbane Zentren müssen mit Infrastruktur für die Energie- und Wasserversorgung sowie mit Wohnraum ausgestattet werden. Ausländische Unternehmen kommen bei technisch anspruchsvollen Vorhaben und komplexen Dienstleistungen am ehesten zum Zuge.

Infrastrukturprojekte in Indien

Indonesien will mit Infrastrukturausbau Wirtschaftswachstum steigern

Indonesien investiert kräftig in die Modernisierung der Infrastruktur. In der Hauptstadt Jakarta werden der öffentliche Nahverkehr, Schnell- und Zufahrtstraßen und auch Containerhafen und Flughafen ausgebaut. Der Inselstaat möchte sich als maritime Achse etablieren und die Energieerzeugungs- und -verteilungskapazitäten stark ausbauen. Die Finanzierungen kann der Staat jedoch nur mit Unterstützung von privaten Investoren aufbringen. Die Auftragsvergabe bei Infrastrukturprojekten ist oft intransparent.

Infrastrukturprojekte in Indonesien

Iran will Verkehrsinfrastruktur ausbauen

Nach der Lockerung der Wirtschaftssanktionen 2016 will Iran seine Infrastruktur modernisieren. Die höchsten Investitionen sind für die Verkehrsinfrastruktur vorgesehen. Im Fokus stehen das nationale Schienennetz und Flughäfen. Der Staat setzt angesichts seiner Haushaltsprobleme bei Infrastrukturinvestitionen auf den Privatsektor. Fast alle Projekte stehen noch unter Finanzierungsvorbehalt. Beteiligungschancen gibt es bei der Projektplanung, im  Projektmanagement oder als Unterauftragnehmer.

Infrastrukturprojekte im Iran

Kasachstans Modernisierungsbedarf bietet langfristig viele Chancen

Der Infrastruktursektor Kasachstans bietet langfristig viele Chancen, dank des Modernisierungsbedarfs, des Bevölkerungswachstums und der zunehmenden Urbanisierung. Ölpreisverfall, knappere öffentliche Kassen und die geringe Wirtschaftlichkeit in staatlich regulierten Sektoren bremsen die Fortschritte. Aktuelle Schwerpunkte der Infrastrukturpolitik sind Straßenbau, sozialer Wohnungsbau und Modernisierung kommunaler Leitungen. Geberorganisationen spielen eine wichtige Rolle.

Infrastrukturprojekte in Kasachstan

Nigerias Infrastrukturbedarf wächst, Ausbau schwächelt

In Nigeria besteht ein hoher Investitionsbedarf. Es gibt jedoch kaum neue Infrastrukturprojekte, aufgrund einer andauernden Wirtschaftskrise. Der hohe und wachsende Urbanisierungsgrad könnte Investitionen in Infrastrukturnetze attraktiv machen. Unsichere Rahmenbedingungen lassen Investoren jedoch zögern. Für ausländische Firmen ist Nigeria ein großer, kaum erschlossener Markt. Deutsche Unternehmen sind als Zulieferer aktiv.

Infrastrukturprojekte in Nigeria

Trotz Fortschritten muss Polen weiter modernisieren

Polens Infrastruktur hat sich seit dem EU-Beitritt 2004 bereits deutlich verbessert. Dennoch besteht Investitionsbedarf. Wegen des gewachsenen Güterverkehrs werden Containerhäfen und das Schienennetz weiter ausgebaut. Im Energiesektor setzt Polen weiterhin auf Kohle und modernisiert zahlreiche Kraftwerke. EU-Gelder sind eine wichtige Finanzierungsmöglichkeit, nach einer Gesetzesnovelle sollen Private-Public-Partnerships jedoch attraktiver werden.

Infrastrukturprojekte in Polen

Rumänien: Infrastruktur behindert die Wettbewerbsfähigkeit

Die Infrastruktur Rumäniens hat in allen Bereichen erheblichen Nachholbedarf. Im Verkehrsbereich sorgen vor allem schlechte Straßenanbindungen für regionale Ungleichgewichte. Noch wird der Privatsektor zu wenig beteiligt, daneben mangelt es an diversifizierten Finanzierungsinstrumenten. Ein Strategischer Fonds soll den Krankenhaus-, Straßen- und Eisenbahnbau beleben.

Infrastrukturprojekte in Rumänien

Spanien investiert wieder in die Infrastruktur

Nachdem die Bauinvestitionen in Spanien zwischen 2008 und 2014 zurückgegangen waren, gibt es seitdem wieder positivere Meldungen. Der Markt ist zwar nicht zuletzt wegen des starken lokalen Bausektors hart umkämpft, für Spezialaufträge oder Lieferungen von Technologie bestehen aber durchaus Chancen. Da der Staat weiter sparen muss, spielen EU-Mittel und der private Kapitalmarkt für die Finanzierung eine wichtige Rolle.

Infrastrukturprojekte in Spanien

USA: Infrastrukturausbau mit hohem Nachholbedarf

Die US-Regierung will die Ausgaben für die Infrastruktur künftig deutlich steigern. Vereinfachte Genehmigungsverfahren sowie eine stärkere Beteiligung privater Kapitalgeber stehen im Fokus. Der Investitionsbedarf in den Bereichen Verkehr, Wasser- und Energie ist beträchtlich. Deutsche Zuliefererprodukte und Ausrüstungen kommen in fast allen Marktbereichen zum Einsatz. Hindernis für ausländische Branchenunternehmen sind zunehmende Local-Content-Bestimmungen.

Infrastrukturprojekte in den USA

Vereinigte Arabische Emirate: Infrastrukturausbau auf hohem Niveau

Die Vereinigten Arabischen Emirate modernisieren ihre gute Infrastruktur stetig. Entschieden und finanziert werden Projekte hauptsächlich von Regierungsseite. Innovative Lösungen sind gefragt. Investitionen sind in den nächsten Jahren in erster Linie in den Schienenverkehr geplant, sowohl für den Personennahverkehr als auch für den Gütertransport. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Energiesektor. Beteiligungschancen für deutsche Unternehmen gibt es als Planer und Technologielieferanten.

Infrastrukturprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Vietnam investiert kräftig in Verkehrsinfrastruktur

Der Ausbau der Infrastruktur steht im Fokus der vietnamesischen Regierung, der Investitionsbedarf von 2016 bis 2020 wird auf 48 Mrd. US$ geschätzt. Dies betrifft sowohl die städtische Infrastruktur als auch den Bau von Schnell- und Fernstraßen, die Instandsetzung des bestehenden Schienennetzes sowie die Erweiterungen und den Neubau von Flug- und Seehäfen. Auch der Umweltsektor bedarf umfangreicher Investitionen. Die Finanzierung der Projekte ist jedoch schwierig.

Infrastrukturprojekte in Vietnam