Investitionschancen und -risiken

Mann vor Fahnenmasten | © Getty Images//honglouwawa/Westend61

Investitionschancen und -risiken weltweit

Viele deutsche Unternehmen müssen im Ausland produzieren, um Chancen in dynamischen Märkten wahrzunehmen und um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie agieren bei ihren Investitionen im Ausland in einem Umfeld, das sich ständig ändert: Russlandsanktionen, angespannte Beziehungen zwischen der EU und der Türkei, die Neuverhandlungen von Handelsabkommen durch die Trump-Regierung oder das Verbot von Firmenübernahmen in China bestimmen die Schlagzeilen.

Weniger im Rampenlicht - aber von großer Bedeutung für deutsche Investoren - bleiben Entwicklungen wie Wirtschaftsreformen in Argentinien, Frankreich und Indien. Konkrete Änderungen der Rahmenbedingungen zeichnen sich bereits an wichtigen Produktionsstandorten wie Polen oder Tschechien ab. Diese Staaten bauen ihre Förderlandschaft in Richtung einer höheren lokalen Wertschöpfung um.

GTAI analysiert das Investitionsumfeld in 10 ausgewählten Ländern weltweit. Im Ländervergleichen stehen Perspektiven für Direktinvestitionen, Rahmenbedingungen und Fördermaßnahmen sowie Erfahrungen von Unternehmen vor Ort.


Stand: Dezember 2017

Investitionschancen und -risiken ausgewählter Länder

Argentinien, China, Frankreich, Indien, Polen, Russland, Südafrika, Tschechien, Türkei, USA

Argentinien: Chancen für Reformen sind gestiegen

Unter der seit Ende 2015 amtierenden Regierung von Präsident Mauricio Macri hat sich das Investitionsklima deutlich verbessert. Das gute Abschneiden des Regierungsbündnisses „Cambiemos“ bei den Parlamentswahlen im Oktober 2017 hat den Horizont für Macris Reformpolitik erweitert. Die zu bereinigenden Strukturprobleme bei Staatsfinanzen, Steuerlast, Arbeitsmarkt, Infrastruktur und Institutionen sind gewaltig. Zahlreiche staatliche Fördermaßnahmen können dies nur teilweise kompensieren.

Investitionschancen und -risiken in Argentinien

Chinesische Firmen schließen Innovationslücken

China bleibt als weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft für deutsche Firmen ein zentrales Investitionsziel. Viele Unternehmen blicken aber angesichts der stärkeren lokalen Konkurrenz und des zu beobachtenden „ökonomischen Nationalismus“ nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie früher. Trotzdem sehen viele Firmen weiter Chancen für innovative Markenerzeugnisse. Ausländische wie inländische Hochtechnologiefirmen profitieren von gewährten Steuervergünstigungen.

Investitionschancen und -risiken in China

Frankreich: Breites Spektrum an Fördermaßnahmen

Frankreich hat als Investitionsstandort wieder an Attraktivität gewonnen. Im Jahr 2017 sollen die Investitionen um rund 3 Prozent zulegen. Ein Engagement gilt wegen enger rechtlicher Strukturen und hoher Abgabenlast dennoch als schwierig. Ein großer Markt, Kaufkraft und Qualitätsanspruch sind begünstigende Faktoren. Die seit Mitte 2017 amtierende Regierung hat Reformen angestoßen, um einige lang existierende Hürden abzubauen.

Investitionschancen und -risiken in Frankreich

Indien: Wichtige Reformen umgesetzt

Indien unternimmt gegenwärtig große Schritte, um sich als attraktiver Wirtschaftsstandort zu positionieren. Im Rahmen der "Make in India"-Kampagne will die indische Regierung - vor allem im verarbeitenden Gewerbe - ausländische ‎Investoren gewinnen. Die Zukunft der Wirtschaft hängt von der Umsetzung dauerhafter Reformen ab, die das Land benötigt, um das Potenzial von Wirtschaft und Bevölkerung ausschöpfen zu können.

Investitionschancen und -risiken in Indien

Polen: Politische Unsicherheit belastet Investitionsattraktivität

Die gute Konjunktur und kontinuierlich steigende Konsumausgaben machen Polen zu einem attraktiven Markt. Das mittelosteuropäische Land zählte lange zu den Topinvestitionsstandorten in der Region. Aber das bisher geltende, sehr breite Angebot an Fördermöglichkeiten steht auf dem Prüfstand. Kritisch beurteilen Unternehmen seit Regierungsübernahme durch die rechtskonservative PiS-Partei 2015 vor allem politische Stabilität und Vorhersehbarkeit der Wirtschaftspolitik.

Investitionschancen und -risiken in Polen

Russland: Geschäftsklima verbessert sich

Russlands Wirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs. Bei Wettbewerbsfähigkeit und Geschäftsklima macht das Land einen Sprung nach vorn. Ausländische Investoren werden mit offenen Armen empfangen und erhalten finanzielle Vergünstigungen, wenn sie ihre Produktion lokalisieren. Einige deutsche Firmen haben bereits Werke in Russland. Doch fehlende Rechtssicherheit und aktuelle Betrugsfälle trüben den positiven Gesamteindruck. Zudem treibt deutsche Unternehmen die Sorge vor neuen US-Sanktionen um.

Investitionschancen und -risiken in Russland

Südafrika: Politische Unsicherheit belastet das Geschäftsklima

Das Investitionsklima in Südafrika leidet unter der schwachen Wirtschaftsentwicklung. Ausufernde Korruption und inkonsistente Regierungsführung sorgen für einen Vertrauensverlust gegenüber der politischen Führung. Für die Privatwirtschaft sind die Signale wichtig, die sie von dem Parteitag des regierenden ANC Ende 2017 erwartete. Bei einem künftigen Reformkurs könnte sich die Investitionsbereitschaft erholen. Dabei bieten sich neue Sonderwirtschaftszonen als Standorte an.

Investitionschancen und -risiken in Südafrika

Tschechien: Beliebter Standort für ausländische Hersteller

Die Tschechische Republik ist einer der beliebtesten Zielmärkte für ausländische Direktinvestitionen in Mittelosteuropa. Politische Stabilität, hohe Wachstumsraten und die lange Industrietradition bilden die Pluspunkte des Standortes. Auch bei Zukunftstechnologien wie Industrie 4.0 sowie bei den Forschungsaktivitäten gehört Deutschlands Nachbarin zu den Schrittmachern in der Region. Probleme bereiten den Unternehmen der Personalmangel und die träge Bürokratie.

Investitionschancen und -risiken in Tschechien

Türkei: Politische Fehlleistungen mindern Interesse der Unternehmen

Das Investitionsklima in der Türkei wird zurzeit von politischen Ereignissen bestimmt. Sie stellen die wirtschaftlichen Vorteile des Standortes in den Schatten. Für ausländische Investoren gibt es keine besonderen staatlichen Förderungen. Jedoch können auch sie über ihre örtlichen Tochterfirmen alle Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Die Bürokratie und Korruption in der Verwaltung bleiben wichtige Hindernisse.

Investitionschancen und -risiken in der Türkei

USA: Zuversicht trotz neuer Politikausrichtung

Die USA ziehen mit den Pluspunkten Marktgröße, Innovation und einem guten Geschäftsumfeld weltweit Investoren an. Direktinvestitionen sind gerne gesehen, vor allem, wenn sie Arbeitsplätze schaffen. Unterstützung dafür gibt es sowohl von den Einzelstaaten als auch auf Ebene des Bundes. Unsicherheiten zeigen sich in Umfragen angesichts der Diskussionen um das Freihandelsabkommen NAFTA, ihre Geschäftsperspektiven in den USA bewerten Unternehmen aber weiterhin positiv.

Investitionschancen und -risiken in den USA