Wirtschaftsausblick

11.07.2018

Wirtschaftsausblick - Mongolei (Juli 2018)

Inhalt

Wachstum ist breit aufgestellt / Von Jan Triebel

Ulan Bator/Almaty (GTAI) - Die mongolische Wirtschaft entwickelt sich wieder temporeich. Für 2018 gilt ein Anstieg ihrer Leistung um gut 5 Prozent als möglich. Vor allem die Untertageerschließung der riesigen Vorkommen der Kupfer-Gold-Lagerstätte Oyu Tolgoi befeuert das Investitionsgeschehen. Auch der private Konsum zieht an. Sparmaßnahmen, hohe Exporterlöse und mehrere Milliarden US-Dollar Finanzhilfe seitens internationaler Geber hatten bereits 2017 die Rückkehr zu robustem Wachstum ermöglicht.

Wirtschaftsentwicklung: Impulse von anziehenden Investitionen und erholten Rohstoffpreisen

Die mongolische Wirtschaft hat ihre jüngste Flaute überstanden. Dem Verlust an Dynamik in den beiden Vorjahren folgte 2017 eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um real 5,1 Prozent. Die Erholung setzte sich im 1. Quartal 2018 mit 6,3 Prozent fort. Mit ihren Wachstumserwartungen von 4,9 bis 5,3 Prozent für das Gesamtjahr liegen IWF, Weltbank und The Economist Intelligence Unit nah beieinander. Als etwas zurückhaltender erweist sich die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) mit 3,8 Prozent.

MKT201807108008.14

Bei der Rückkehr zu einem robusten Wachstumstempo profitierte die Mongolei vor allem vom Wiederanziehen der Rohstoffpreise. Gegenüber den 2016 markierten Tiefständen lagen die Preise für Kohle und Kupfer, die dem Land das Gros seiner Exporteinnahmen bescheren, Mitte Juni 2018 um etwa 55 und 70 Prozent höher.

Hinter der zügigen konjunkturellen Stabilisierung stehen aber auch das Wiederanziehen der Investitionen sowie im Mai 2017 von internationalen Gebern gewährte Budgethilfen. Zuvor hatte die mongolische Regierung vergeblich versucht, die Negativauswirkungen des anhaltenden Rückgangs der Rohstoffpreise und des Einbruchs der ausländischen Direktinvestitionen abzufedern. Jedoch führte der von ihr gewählte Weg, die Staatsausgaben schuldenfinanziert auszuweiten, das Land in eine respektable Krise.

Als Gegenleistung für das rund 5,5 Milliarden US-Dollar (US$) schwere Hilfspaket hatte die mongolische Seite die Staatsfinanzen vor allem durch das Zurückfahren öffentlicher Ausgaben zu konsolidieren, was auch schnell Wirkung zeigte. Das Haushaltsdefizit, das 2016 auf 16,7 Prozent im Verhältnis zum BIP hochgeschnellt war, betrug Ende 2017 nur noch 1,9 Prozent. Auch gelang es der Zentralbank des Landes ihre Devisenreserven rasch wieder aufzustocken. Die Importdeckungsquote, die zeitweise nur bei etwa zwei Monaten gelegen hatte, stieg wieder auf gut fünf Monate.

Basierend in erster Linie auf dem enormen Rohstoffreichtum des Landes bleibt das Wachstumspotenzial auch auf lange Sicht hin hoch. Der IWF rechnet zwischen 2020 und 2023 mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 6,5 Prozent. Wie zutreffend diese Prognose sein wird, hängt ab vor allem von der Nachhaltigkeit des Anstiegs der Rohstoffpreise sowie vom Konjunkturverlauf im Nachbarland China. Hinzu kommen weitere Risiken, laut Weltbank zählen dazu politische Instabilität sowie Klimaextreme, die dem wichtigen Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft die Bilanz verhageln könnten.

Wirtschaftliche Eckdaten der Mongolei
Indikator 2016 2017 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 11,1 11,1 3.686,7
BIP pro Kopf (US$) 3.667 3.640 44.595
Bevölkerung (Mio.) 3,1 3,2 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Togrog 2.165,48 2.434,27 -

*) Schätzung

Quellen: IWF; Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank

Investitionen: Staat sucht private Akteure für Ausbau von Transportwegen

Die Investitionstätigkeit bleibt auf Erholungskurs. Die Bruttoanlageinvestitionen legten im 1. Quartal 2018 um real 48,1 Prozent zu. Gleichwohl rechnet die Weltbank im weiteren Jahresverlauf mit einer eher verhaltenen Entwicklung, was in ihrer Prognose von 7 Prozent für 2018 Ausdruck findet.

Besonders hoch fällt der Nachholbedarf bei der Verkehrsinfrastruktur aus. Ende Mai 2018 kündigte die Regierung ein Programm mit 113 Einzelprojekten an. Von den knapp 16 Milliarden US$ Gesamtkosten sollen private Akteure rund 90 Prozent stemmen. Ebenfalls Ende Mai 2018 bestätigte die Regierung die Verteilung eines chinesischen Staatsdarlehens über 1 Milliarde US$ auf Vorhaben etwa in den Bereichen Stromversorgung, Abwasser, Straßen, Sicherheitstechnik und Fleischverarbeitung.

Die Direktinvestitionen des Auslands lagen 2017 bei knapp 1,5 Milliarden US$. Ein Jahr zuvor mussten vor Ort aktive Firmen in größerem Umfang Kredite gegenüber ihren ausländischen Mutterhäusern tilgen, was mehr Ab- als Zuflüsse zur Folge hatte. Im 1. Quartal 2018 investierte das Ausland 465 Millionen US$ in der Mongolei. Am stärksten eingebracht haben sich bisher Kanada und China, auf die beide jeweils gut ein Viertel des Gesamtbestands an ausländischen Direktinvestitionen entfiel.

Ausgewählte Großprojekte in der Mongolei
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Zweite Ausbaustufe der Kupfer- und Goldmine Oyu Tolgoi mit Untertageerschließung (80% der Ressourcen) 5.300 In Gang; Beginn der Kupferförderung ab 2020; volle Produktionskapazität ab 2027 Federführend: Rio Tinto Group; Projektgesellschaft: Oyu Tolgoi (http://ot.mn/underground-en/?eoi; nachgewiesene Reserven: 499 Mio. t Kupfer/Gold
Kohlekraftwerk Chandgana in Murun Soum (Aimag Chentii; 600 MW) mit Überlandanbindungen an die Umspannwerke Baganuur und Öndörchaan 1.600 In Vorbereitung Federführend: Prophecy Development Corp. (Kanada); SEPCO2 (China) seit 2015 als strategischer Partner eingebunden; Gespräche mit mongolischer Regierung zur Konzessionsvereinbarung und zum Stromliefervertrag in Gang
Erdölraffinerie in Altanshiree (Aimag Dorno-Gobi; 1,5 Mio. t jährlich) 1.350 In Gang seit Juni 2018; geplante Fertigstellung Ende 2022 Federführend: Mongol Refinery (http://mongolrefinery.mn/Default.aspx?page=66&menu=238; Kontakt: Altantsetseg Dashdavaa, altantsetseg.d@mongolrefinery.mn); Projekt schließt Bau von Ölpipeline, Kraftwerk, Schienenwegen und Straßen ein
Bau eines Kraftwerks, hauptsächlich zum Betrieb der Aktivitäten von Oyu Tolgoi 500 Seit Mitte Februar 2018; Frist von vier Jahren nach deren Ablauf Projekt mit lokalem Strom versorgt werden muss Mongolische Regierung hat Mitte Februar 2018 das Southern Region Power Sector Cooperation Agreement aufgekündigt womit Alternativlösung für Oyu Tolgoi fällig wird
Erschließung der Goldmine Gatsuurt und Bau einer BIOX-Aufbereitungsanlage am Standort Boroo 245 In Vorbereitung Federführend: Centerra Gold Mongolia (Kanada); wahrscheinliche Reserven: 1,3 Mio. Unzen Gold; Co-Finanzierung: zunächst revolvierende Kreditlinie der EBWE über 150 Mio. US$
Windpark Sainshand (Aimag Dorno-Gobi; 55 MW) 117,5 In Gang seit August 2017; erste Anlage (von 25) im Mai 2018 installiert; geplante Fertigstellung Herbst 2018 Federführend: Sainshand Salkhin Park LLC (http://sainshandwindpark.mn); Projektpartner: Ferrostaal Industrial Projects GmbH, Engie (Frankreich), IFU (Dänemark); Co-Finanzierung: EIB, EBWE, EKF (Dänemark); Bauausführung: CMEC (China)
Instandsetzung der Fernstraße zwischen Ulan Bator und der mongolisch-russischen Grenze (Ulan Bator-Darchan-Alanbulag; 311 km; Teil des CAREC-Korridors 4b) 60 Endgültige Finanzierungszusage demnächst zu erwarten Federführend: Ministry of Road and Transport Development (Kontakt: B. Oyundelger, oyundelger@mrtd.gov.mn); Co-Finanzierung: ADB
30-MW-Fotovoltaikanlage in der Wüste Gobi 47,5 Grundsteinlegung im April 2017; Zusage zur Co-Finanzierung im Mai 2018 Federführend: Desert Solar Power One LLC (http://www.desertsolarpower.eu, Gemeinschaftsunternehmen zwischen United Green Group (Vereinigtes Königreich/VAE) und Tucher Group GmbH (Deutschland); Co-Finanzierung: EBWE, Triodos Investment Management, FMO (beide Niederlande)
Bau einer zusätzlichen Deponie für Siedlungsabfälle und eines Betriebs zur Aufbereitung von Bauschutt in Ulan Bator 14,7 In Gang; Finanzierungszusage im Juli 2017 bestätigt Federführend: Stadtverwaltung Ulan Bator (Kontakt: Ulziibayar Gonching, ulziibayar.g@ulaanbaatar.mn) Co-Finanzierung: EBWE, EU Asia Investment Facility
Bau der Eisenbahnverbindung Tavan Tolgoi-Züünbajan (414 km) k.A. In Planung; grundsätzliche Entscheidung der Regierung liegt seit Mai 2018 vor Anbindung der Kohlelagerstätte Tavan Tolgoi an die Transmongolische Eisenbahn in Sainshand; geplante Konzession mit Betreibergesellschaft an der MTZ (staatliche Eisenbahngesellschaft der Mongolei) mindestens 51% halten soll

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/mongolei "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Höhere Einkommen kurbeln Verbrauch wieder stärker an

Die Erholung des privaten Verbrauchs setzt sich 2018 fort. Eine spürbare Abwertung des Togrog und daraus resultierende deutliche Kaufkrafteinbußen hatten 2016 den Konsum der Privathaushalte um real 9 Prozent einbrechen lassen. Doch trotz der Sparpolitik des Staates und der damit einhergehenden Einschränkungen der Ausgaben der öffentlichen Hand um 5,4 Prozent, erholte sich der Konsum der privaten Haushalte 2017 mit einem Plus von 4,3 Prozent deutlicher als erwartet. Dieser wuchs laut Statistikamt im 1. Quartal 2018 sogar um 9,6 Prozent. Die Weltbank sieht den privaten Konsum 2018 um 3,7 Prozent expandieren, 2019 um 6,7 Prozent.

Hauptträger des Aufwärtstrends sind ein recht reges Geschäft der lokalen Banken mit Verbraucherkrediten und das wieder gestärkte Konsumentenvertrauen, in dem sich auch die steigenden Realeinkommen niederschlagen. Mit umgerechnet etwa 404 US$ pro Monat verfügte ein Durchschnittshaushalt im 1. Quartal 2018 um immerhin 8,3 Prozent mehr Mittel für den Konsum als ein Jahr zuvor. Um angesichts steigender Zinsen möglichen Überschuldungen vorzubeugen, hat die Zentralbank die Kreditinstitute angewiesen, ab 2019 bei der Vergabe von Verbraucherkrediten einen Verschuldungsgrad des Kreditnehmers von nicht höher als 70 Prozent einzuhalten.

Außenhandel: Importnachfrage steigt dank erneuter Belebung im Bergbau

Nach deutlichen Zugewinnen 2017 wächst der Außenhandel auch 2018 mit recht hohem Tempo. Dabei sorgt das erneute Anziehen der Nachfrage aus dem Bergbau für stark steigende Importe. Entsprechend zogen zwischen Januar und Mai 2018 beispielsweise die Einfuhren von wichtigen Importgütern wie Dieselkraftstoff, Bergwerkstechnik und Lkw besonders an. Fast zwei Drittel ihres Importbedarfs deckte die Mongolei mit Lieferungen aus China (Anteil: 36 Prozent) und Russland (29 Prozent). Zu den wichtigen Herkunftsländern gehörten außerdem Japan (9 Prozent), Südkorea (4 Prozent) sowie die USA und Deutschland (jeweils 3 Prozent).

Demgegenüber kennen die Ausfuhren geografisch fast nur eine Richtung: Der Anteil von China lag im Zeitraum Januar bis Mai 2018 wertmäßig bei 92 Prozent. Dort hält die hochtourige Konjunktur an, was auch 2018 die mongolischen Exporte weiter steigen lässt. Die Dynamik fällt aufgrund des ausgesprochen hohen Vorjahresniveaus aber etwas geringer aus. Mit zusammen gut zwei Dritteln des gesamten Exportaufkommens waren Steinkohle (Anteil: 38 Prozent) und Kupferkonzentrate (29 Prozent) die tonangebenden Vertreter des insgesamt überschaubaren Warensortiments der mongolischen Wirtschaft.

Außenhandel der Mongolei (in Millionen US$; Veränderung in %)
2016 2017 Januar bis Mai 2018 *) Veränderung Januar bis Mai 2018/Januar bis Mai 2017 *)
Importe 3.358 4.337 2.885 45,5
Exporte 4.916 6.201 2.179 15,1
Handelsbilanzsaldo 1.558 1.863 -706 -

*) vorläufig

Quelle: Nationales Statistikamt

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/mongolei

Dieser Artikel ist relevant für:

Mongolei Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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