Wirtschaftsausblick

15.06.2018

Wirtschaftsausblick - Niederlande (Mai 2018)

Inhalt

Wachstum auf hohem Niveau / Starke Nachfrage aus dem Inland / Von Marte-Marie van den Bosch

Den Haag (GTAI) - Die niederländische Wirtschaft floriert dank des privaten Konsums und der Investitionstätigkeit der Unternehmen. Auch der Außenhandel wächst beständig. Die Beschäftigung steigt und die Arbeitslosigkeit soll auf einen historischen Tiefstand zurückgehen. Dem wichtigsten Handelspartner Deutschland eröffnen sich somit gute Chancen.

Wirtschaftsentwicklung: Aufschwung dank starker Binnennachfrage

Das Wirtschaftswachstum hält in den Niederlanden weiter an. Für das laufende Jahr erwartet die Europäische Kommission einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3 Prozent. Das nationale Planungsbüro CPB geht von einem Plus von 3,2 Prozent aus. Zunehmende Beschäftigung, höhere Realeinkommen sowie wachsender Konsum und Investitionen sorgen für eine dynamische Entwicklung auf dem Binnenmarkt. Der Aufschwung wird zwar breit getragen, aber besonders starke Impulse sollen in den kommenden Jahren von der Binnennachfrage kommen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt spannt sich an. Die Beschäftigungsrate steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt und soll 2019 mit 3,5 Prozent das niedrigste Niveau seit 2001 erreichen. Die Anzahl der Arbeitslosen ist seit 2014 rückläufig. Anfang 2018 beklagte laut CPB jedes fünfte Unternehmen Personalmangel. Das sind doppelt so viele Firmen wie ein Jahr zuvor. Laut CPB gibt es allerdings keine Hinweise dafür, dass sich das Angebot auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert hat. Die aktuelle Situation dürfte zu höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen, mehr Festanstellungen sowie für Selbstständige zu höheren Honoraren führen.

Der Haushaltssaldo soll sich 2018 auf 0,7 Prozent des BIP verringern (2017: 1,1 Prozent). Hauptgrund für den Anstieg war die letzte Steuerreform. Die Staatsverschuldung ist 2017 zum ersten Mal seit 2010 mit 56,7 Prozent wieder unter die für die Euroländer vereinbarte Obergrenze von 60 Prozent gerutscht. In den Jahren 2018 und 2019 soll sie weiter auf 53,5 Prozent und 50,1 Prozent sinken.

MKT201806148015.14

Wirtschaftliche Eckdaten der Niederlande
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 702,6 734,0 3.263,4
BIP pro Kopf (Euro) 41,380 42,970 39.475
Bevölkerung (Mio.) 17,0 17,1 82,7

Quellen: CPB, CBS, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Unternehmen sind äußerst ausgabefreudig

Investitionen leisten seit 2014 in den Niederlanden einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Nachdem die Bruttoanlageinvestitionen 2017 um 5,6 Prozent gewachsen sind, erwartet die EU-Kommission für 2018 ein Plus von 5,2 Prozent und für 2019 von 4,4 Prozent. Der Zuwachs bei Ausrüstungen dürfte bei 6,1 Prozent und 5,2 Prozent liegen.

Die Produktionsauslastung des verarbeitenden Gewerbes hat sich 2017 weiter verbessert und lag Anfang 2018 mit 84 Prozent über dem Niveau des Krisenjahres 2012 (78 Prozent). Die Produzenten sind laut CPB so zuversichtlich wie nie zuvor. Dementsprechend werden weitere Investitionen erwartet. Neben dem ausgeprägten Vertrauen der Unternehmen kommen Impulse von Produktionszuwächsen, hohen Kapazitätsauslastungen und niedrigen Kapitalkosten.

Nach drei Jahren mit zweistelligen Wachstumszahlen werden die Wohninvestitionen 2018 mit 6,1 Prozent und 2019 mit 5,9 Prozent zwar abgeschwächt, aber immer noch beachtlich steigen. Die öffentlichen Investitionen sollen an Dynamik zulegen.

Ausgewählte Großprojekte in den Niederlanden
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Amphia Neubau und Umbau 100 Bau Neubau des Amphia-Krankenhaus in Breda auf 76.000 qm https://www.amphia.nl/over-ons/nieuwbouw
Waterschap Rivierenland 400 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2015 bis 2020,der Fokus liegt auf Schutz vor Flut, Wasser-Management, Infrastruktur zwischen Rhein/Lek und Maas https://www.waterschaprivierenland.nl/index.html
Dunea, Duinwaterbedrijf Zuid-Holand III 100 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2016 bis 2020 in der Region Den Haag, Verbesserung der Trinkwasserversorgung und der Verteilungsanlagen https://www.dunea.nl
Waterschap Friesland 252 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2017 bis 2021 in Friesland, Hochwasserschutz, Wassermanagement, Infrastruktur zur Abwasserbehandlung https://www.wetterskipfryslan.nl
Vrije Universiteit Amsterdam 70 Planung, Bau Campusmodernisierung der Universität Amsterdam, neues Forschungsgebäude, Energieversorgung soll effizienter werden
Bau und Sanierung von Sozialwohnungen in Amsterdam 200 Bau bis Ende 2020 Bau und Sanierung von Sozialwohnungen in Amsterdam, Nachhaltigkeit soll verbessert werden https://www.eigenhaard.nl
Rotterdamsebaan 640 Bau bis Ende 2020 Verbindungsstraße zwischen Ypenburg (A4/ A13) und Binckhorst-Centrum-Scheveningen)
Offshore Windenergie-Parks Wird auf 15 bis 20 Milliarden geschätzt Bau 2024 bis 2030 Die Regierung will, dass zwischen 2024 und 2030 Windparks mit einer Leistung von 7 Gigawatt realisiert werden https://www.rijksoverheid.nl/actueel/nieuws/2018/03/27/kabinet-maakt-plannen-bekend-voor-windparken-op-zee-2024-2030

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen, EIB

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Höhere Beschäftigung und Löhne fördern die Kauflaune

Der Privatkonsum liefert mit 3 Prozent im laufenden Jahr und 2,6 Prozent 2019 einen entscheidenden Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Impulse kommen von steigenden Reallöhnen und der zunehmenden Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote sinkt und soll laut Prognosen der EU-Kommission 2018 bei 3,8 Prozent liegen und 2019 mit 3,5 Prozent einen historischen Tiefstand erreichen. Die Realeinkommen dürften 2018 und 2019 um je 3,9 Prozent und 3,7 Prozent zulegen.

Auch niederländische Konsumenten blicken optimistisch in die Zukunft. Ausschlaggebend für das hohe Konsumentenvertrauen ist der boomende Wohnungsmarkt. Steigende Häuserpreise sorgen dafür, dass immer weniger Haushalte Hypothekenschulden haben, die den Immobilienwert überschreiten. Etwa 1,5 Millionen der insgesamt 7,6 Millionen Haushalte waren 2014 noch überschuldet, da ihre Kredite deutlich höher als der Marktwert ihrer Wohnungen war.

Außenhandelswachstum schwächt sich etwas ab

Die Ausfuhren gelten als die zuverlässigste Konjunkturstütze der Niederlande. Auch in den kommenden Jahren sollen die Exporte weiter zulegen, dabei allerdings etwas an Schwung verlieren. Die EU-Kommission rechnet mit einem Plus von 6,1 Prozent und 5,5 Prozent für die Jahre 2018 und 2019. Der Handel von im Inland gefertigten Waren soll sich besonders dynamisch entwickeln. Das Land reexportiert viele Importe, da es mit seiner Lage und Europas größtem Hafen Rotterdam ein Transitland ist. Die Einfuhren werden laut Einschätzungen von CPB und der EU-Kommission etwas stärker zunehmen als die Ausfuhren. Die Lieferungen aus Deutschland sind 2017 um 11,1 Prozent auf 77,8 Milliarden Euro gestiegen.

Deutschland bleibt der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Es ist sowohl bedeutendstes Lieferland (15,3 Prozent) als auch Abnehmerland (24,1 Prozent). Weitere wichtige Lieferanten waren 2017 China und Belgien. Die Hauptexporte gehen nach Belgien, in das Vereinigte Königreich und nach Frankreich.

Außenhandel der Niederlande (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 456.290 508.372 11,4
Exporte 516.249 577.714 11,9
Handelsbilanzsaldo 59.959 69.342 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Niederlande.

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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