Wirtschaftsausblick

16.05.2018

Wirtschaftsausblick - Schweden (Mai 2018)

Inhalt

Zuvor starker Wohnungsbau ebbte gegen Jahresende 2017 ab / Impulsgeber ist seither weitgehend der Export / Von Heiko Steinacher

Bonn (GTAI) - Schwedens Wirtschaft dürfte 2018 real um 2 bis 2,5 Prozent zulegen. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen mit einem prognostizierten Plus von 4 bis 6 Prozent expansiv bleiben, für die Industrie werden sogar 6 bis 8 Prozent erwartet. Vor den im Herbst 2018 anstehenden Parlamentswahlen will die rot-grüne Regierung noch ein zusätzliches Ausgabenpaket in Milliardenhöhe auf den Weg bringen. Die Mittel sind unter anderem für Infrastruktur- und Umweltprojekte vorgesehen.

Wirtschaftsentwicklung: Exporte profitieren von schwacher Krone

Nachdem der Wohnungsbau im Zuge fallender Eigenheimpreise gegen Ende des Jahres spürbar an Dynamik einbüßt hatte, legte Schwedens Wirtschaft 2017 real nur um 2,4 Prozent, also im Durchschnitt der Europäischen Union (EU), zu. Damit blieb das Land unter den Erwartungen. Im Jahr 2018 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des nordischen Landes real um 2 bis 2,5 Prozent wachsen.

Angetrieben wurde die Konjunktur in der 1. Jahreshälfte 2017 vor allem durch noch boomenden Wohnungsbau. Beflügelt wurde dieser durch den negativen Leitzins, der seit Februar 2017 bei -0,5 Prozent liegt, weil dadurch auch die Zinsen für Baudarlehen in den Keller gegangen sind. Im Zuge einer Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen bei der Baufinanzierung begann der Wohnungsbau jedoch zu schwächeln.

Die Wachstumsimpulse kommen seither überwiegend vom Export, dem der schwache Außenwert der Krone zu Hilfe eilt. Wie schon in den drei vorangegangenen Jahren hat die schwedische Währung gegenüber dem Euro 2017 noch einmal abgewertet, diesmal im Schnitt um knapp 2 Prozent.

Trotz des gegen Jahresende 2017 schwächelnden Wohnungsbaus stiegen die Bruttoanlageinvestitionen im Gesamtjahr real um knapp 7 Prozent. Mit einem prognostizierten Plus von 4 bis 6 Prozent bleiben sie auch 2018 expansiv. Für die Industrie werden in diesem Jahr sogar 6 bis 8 Prozent erwartet.

Vor den schwedischen Parlamentswahlen im Herbst 2018 wird mit einer Lockerung der staatlichen Finanzpolitik gerechnet. Die rot-grüne Regierung will bis dahin noch ein zusätzliches Ausgabenpaket in Milliardenhöhe auf den Weg bringen. Die Mittel sind für Maßnahmen am Arbeitsmarkt, Infrastruktur- und Umweltprojekte sowie Steuersenkungen vorgesehen. Diese Aktivitäten sollen auch den privaten Konsum beflügeln, der trotz anhaltend günstiger Finanzierungskonditionen und einem leicht anziehenden Lohnniveau kaum steigt. Aber auch 2018 dürfte sich der Anstieg der privaten Konsumausgaben in Grenzen halten, da die zumindest bis Anfang Mai anhaltende Schwäche der Schwedischen Krone die Kaufkraft beeinträchtigt.

MKT201805158006.14

Wirtschaftliche Eckdaten Schweden
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 465,2 477,9 3.263,4
BIP pro Kopf (Euro) 46.890 47.218 39.475
Bevölkerung (Mio.) 10,0 10,1 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = Schwedische Kronen) 9,4689 9,6351

Quellen: SCB; Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank

Investitionen: Beachtliches Investitionsplus in der Industrie

Der zuvor starke Wohnungsbau ebbte gegen Jahresende 2017 etwas ab. Das relativ starke Investitionsplus im Gesamtjahr ist daher auch anderen Akteuren zu verdanken, darunter der Papierindustrie, Energieerzeugern und Kfz-Produzenten, die ihre Investitionen in Maschinen und Anlagen ausweiteten. Der kapitalintensive Bergbau und die Stahlindustrie investieren vor allem in Energieeffizienzmaßnahmen.

Auch langfristige Infrastrukturprojekte wie der "Stockholm Bypass" beleben die Investitionen. Ferner wendet die öffentliche Hand hohe Summen für das Schienennetz auf. In dem für Schweden wichtigen Bereich Fernwärme stehen der Bau neuer sowie Umbauten an bestehenden Produktionsanlagen an, die Heizenergie in vorhandene Netze einspeisen. Auch neue Netze sind geplant. Es soll vor allem mehr Abwärme aus industriellen Prozessen genutzt werden.

Siemens baut eine Fabrik in Landskrona, in der ab 2019 das von einem schwedischen Start-up entwickelte Elektromobil Uniti One vollautomatisch produziert werden soll; auch E.ON ist Partner bei dem Projekt. Der Technologiekonzern ABB soll unter anderem die Batteriefabrik von Northvolt mit Automatisierungstechnik wie Robotern und Elektronik ausrüsten. Forstwirtschaftskonzerne wie Stora Enso und SCA stellen hohe Summen für die Entwicklung innovativer, digitaler Lösungen bereit.

Ausgewählte Großprojekte in Schweden
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro*) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau einer Batteriefabrik in Skelleftea 4.200 Baustart 2. Halbjahr 2018 Bauherr: NorthVolt AB, http://northvolt.com
Frihamnen, Älvstaden (Stadtentwicklungsprojekt mit zahlreichen neuen Wohnungen, Büroräumen sowie Flächen für Einzelhandel und Dienstleistungen) 3.100 Baustart 2019 Planung: Göteborgs Stad Stadsbyggnadskontoret, Kontakt: Älvstranden Utveckling AB, http://alvstranden.com
Kungshatt Vision (neuer Stadtteil auf der Insel Kungshatt im Mälaren) 600 bis 650 Baustart 2019 Bauherrenvertretung: Kungshatt Intressenter Ekonomisk förening
Kista Boulevard (Hochhaus-Neubau in Kista) 400 bis 500 Baustart 2019 Bauherr: Rosewood Fastigheter Holding AB, http://rosewoodfastigheter.se
Varbergstunnel (Eisenbahntunnel in Varberg) 400 Baustart Januar 2019 Bauherr: Trafikverket Region Väst, https://www.trafikverket.se
Malmporten (Erzhafen; Ausbaggern der Fahrrinnen und Umbau des Hafens in Lulea) 300 bis 350 Baustart 2019 Bauherr: Lulea Hamn AB, http://www.portlulea.com
Seekabelsystem zwischen Gotland und dem schwedischen Festland 260 bis 310 Baustart 2019 Bauherr: Svenska Kraftnät, http://www.svk.se
Ausbau des Einkaufszentrums Globen Shopping im Stockholmer Stadtteil Johanneshov 250 bis 270 Baustart 2019 Bauherr: Citycon AB, http://www.citycon.com
Centrum - Torsvik, Etappe 3 (Stadtentwicklungsprojekt auf Lidingö mit neuen Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen) 200 bis 320 Baustart 2019 Planung: Lidingö Stad, http://www.lidingo.se

*) Umrechnung zum Euro-Referenzkurs der Europäischen Zentralbank (Jahresdurchschnitt 2017: 1 Euro = 9,6351 Schwedische Kronen)

Quellen: Sverige Bygger; Recherchen von Germany Trade & Invest

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen sind unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de verfügbar.

Konsum: Stabiles, aber nur moderates Wachstum

Der private Konsum hat 2017 um 2,4 Prozent zugelegt. Angesichts steigender Beschäftigungsraten, leicht zunehmender Reallöhne und einer historisch hohen Sparquote (2017 knapp 17 Prozent des verfügbaren Einkommens der Privathaushalte) blieb das Ergebnis etwas hinter den Erwartungen. Der Hauptgrund dafür dürften die gegen Jahresende gesunkenen Immobilienpreise und hiermit verbundene Vermögenseffekte sein.

Entgegen des allgemeinen Wirtschaftsklimas hat sich das Vertrauen der privaten Verbraucher in den ersten vier Monaten des Jahres 2018 sukzessive, wenn auch nur leicht, verschlechtert. Dennoch rechnen große Banken und Forschungsinstitute für 2018 mit einem Wachstum des Privatkonsums von gut 2 Prozent.

Außenhandel: Deutschland für Schweden wichtigstes Liefer- und Abnehmerland

Schwedens Import hat 2017 um rund 5 Prozent zugelegt. 2018 dürfte die Dynamik mit 4 bis 5 Prozent nur etwas niedriger ausfallen. Der relativ schwache Außenwert der heimischen Währung scheint das Importgeschäft kaum zu belasten. Allerdings soll die Schwedische Krone im Verlauf des Jahres gegenüber dem Euro und dem US-Dollar auch wieder erstarken.

Der deutsche Anteil am schwedischen Warenimport betrug 2017 knapp 19 Prozent. Damit ist Deutschland das mit Abstand wichtigste Lieferland Schwedens. Andere große Liefernationen wie Norwegen, Dänemark und das Vereinigte Königreich haben leicht an Boden verloren. Ausnahmen bilden die Niederlande, die ihren Lieferanteil seit 2012 (etwa 7 Prozent) im letzten Jahr auf fast 9 Prozent ausbauen konnten, sowie Belgien (von 4 auf knapp 5 Prozent).

In umgekehrter Richtung ist Deutschland auch für schwedische Lieferanten das wichtigste Abnehmerland. Mit knapp 11 Prozent Anteil an der Gesamtausfuhr hat es Norwegen (rund 10 Prozent) 2016 als größte Exportdestination erstmals leicht überflügelt und diese Position 2017 halten können. Dahinter folgten Finnland, die USA, Dänemark und das Vereinigte Königreich.

Außenhandel Schwedens (in Mio. Euro; reale Veränderung in %) 1)
2016 2017 Veränderung 2017/2016 2)
Importe 127.512 136.356 8,8
Exporte 125.960 135.608 9,5
Handelsbilanzsaldo -1.552 -747 -51,0

1) Waren; Wechselkurse: 2015: 1 Euro = 9,3535 Schwedische Kronen (skr); 2016: 1 Euro = 9,4689 skr; 2) Veränderung auf Basis der Ursprungswerte in skr

Quelle: auf Grundlage von Daten von SCB

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Schweden

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

Edda vom Dorp Edda vom Dorp | © GTAI

Kontakt

Edda vom Dorp

‎+49 228 24 993 279

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche