Wirtschaftsausblick

03.12.2018

Wirtschaftsausblick - Singapur (November 2018)

Inhalt

Singapur erwartet geringere Dynamik / Von Werner Kemper

Kuala Lumpur (GTAI) - Singapurs Wirtschaft wird wohl 2019 in schwierigeres Fahrwasser geraten. Grund sind die wachsenden Unsicherheiten auf den Weltmärkten.

Wirtschaftsentwicklung: Singapur leidet unter Handelsstreitigkeiten

Singapur kann auf ein erfolgreiches Jahr 2018 zurückblicken. Dennoch hat die Wirtschaft aller Voraussicht nach deutlich weniger stark zugelegt als noch im Vorjahr. Das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird den meisten Experten zufolge 2018 knapp unter 3 Prozent gelegen haben. Auch der IWF rechnet mit einem Plus von 2,9 Prozent. Im 3. Quartal 2018 stieg das BIP um 2,6 Prozent. Für 2019 wird eine weitere Abkühlung auf dann 2,7 Prozent erwartet.

Grund für die etwas nachlassende Performance sind die Unsicherheiten auf den Weltmärkten durch Handelskonflikte und aufkommende protektionistische Tendenzen. Singapur ist stark vom Außenhandel abhängig. Gerade beim Welthandel sieht der IWF 2019 jedoch ein Ende des hohen Wachstums. Sowohl die Ein- als auch die Ausfuhren sollen dann nur noch um weniger als 5 Prozent zulegen.

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Hauptwachstumsträger werden 2018 und auch 2019 der Dienstleistungssektor und der private Konsum sein. Dienstleistungen sind ohnehin für über 75 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung verantwortlich - Tendenz steigend. Besonders dynamisch wachsen Finanzdienstleistungen und die Informations- und Kommunikationsbranche. Sie werden von der zunehmenden Digitalisierung beflügelt ihre Anteile an der BIP-Entstehung weiter ausbauen. Allerdings sind gerade diese beiden Segmente auch sehr stark durch externe Schocks gefährdet.

Die verarbeitende Industrie konnte zwar auch zulegen, aber weniger stark als der Dienstleistungssektor, weshalb insgesamt ihr Anteil am BIP rückläufig ist. Durch die derzeitige angespannte globale "Großwetterlage" lässt die Nachfrage nach Elektronikerzeugnissen ein wenig nach, was sich auch auf die entsprechenden Produktionszahlen auswirken wird.

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor in Singapur ist die rapide Überalterung der Gesellschaft. Diese spielt im Staatshaushalt eine immer größere Rolle. Neben den Haushaltsmitteln für den Übergang zur Industrie 4.0 stellt die Regierung verstärkt Gelder zur Abfederung der Auswirkungen des demografischen Wandels bereit. Auch die Bevölkerung spart weniger und gibt mehr für Gesundheits- und Altersvorsorge aus.

Wirtschaftliche Eckdaten Singapur
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 309,8 323,9 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 55,607 57.973 44.791
Bevölkerung (Mio.) 5,6 5,6 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1US$ = Singapur-Dollar) 1,446 1,336 -

Quellen: Singapore Department of Statistics; Monetary Authority of Singapore; IWF; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Firmen investieren in Digitalisierung und Automatisierung

Die Bruttoanlageinvestitionen gingen 2017, wie schon im Jahr davor, um 2,3 Prozent zurück. Dabei war das öffentliche Engagement um 7 Prozent rückläufig, während der Privatsektor um 1,2 Prozent nachgab. In den ersten drei Quartalen 2018 zeigt sich ein minimaler Aufwärtstrend. Es ging um 0,3 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode nach oben. Recht erfreulich entwickeln sich die Investitionen bei Maschinen und Anlagen. Sie konnten in den ersten drei Quartalen 2018 ein Plus von 7,8 Prozent verzeichnen.

In einer Studie von PWC Singapur zeigten sich nur noch 40 Prozent der befragten Unternehmen zuversichtlich, was die Umsatzerwartungen für 2019 betrifft. Dennoch planen 65 Prozent ihre Investitionen zu erhöhen, vor allem in einen weiteren Ausbau der Digitalisierung und Automatisierung.

Ausgewählte Großprojekte in Singapur
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) *) Projektstand (aktuellen Projektstand genau prüfen und die genaue Projektphase angeben) Anmerkung/Ansprechpartner
Tieftunnel Abwasserprojekt (Deep Tunnel Sewarage System, DTSS) 10,0 Fertigstellung wird 2025 erwartet; aktuell läuft Phase 2 40 km langer Abwassertunnel plus Recycling und Abfallverwertung / PUB (Public Utilities Board), Singapore's National Water Agency; Tel.:(65) 6225 5782; E-Mail: PUB_One@pub.gov.sg
Ausbau des Changi Flughafens(Changi East) Mehr als 6,5 (genaue Angaben liegen nicht vor) Terminal 5 soll 2030 in Betrieb genommen werden Verdoppelung der Passagierkapazitäten auf jährlich 135 Mio. bis 2020; Ansprechpartner für Changi Airport und Changi Airport Group: Mr. Ivan Tan; Group Senior Vice President, Corporate & Marketing Communications; Tel.:(65) 6595 6823; Email: ivan.tan@changiairport.com; Ansprechpartner für Changi Airports International: Ms. See Ngee Muoy; Managing Director; Tel.: (65) 6541 1922; Email: corpcomms@cai.sg
North-South Expressway(Nord-Süd Schnellstraße) 5,8 Bauarbeiten haben 2017 begonnen, sollen 2026 beendet werden 22 km Autobahn einschließlich Tunnel und Überführungen; Land Transport Authority (LTA); Tel.:(65) 62255 582
Ausbau des Stadtbahnnetzes (MRT - Mass Rapid Transit) 60,0 Bauarbeiten haben 2013 begonnen, sollen 2030 beendet werden 170 km neue Strecken, davon 70 km unterirdisch; SMRT Corporation Ltd; Tel.: (65) 6331 1000

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 US-Dollar (US$) = 1,376 Singapur-Dollar

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/singapur, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Privater Konsum wächst ungebremst weiter

Der private Verbrauch ist eine der tragenden Säulen der Wirtschaft Singapurs. Dies wird auch 2018 und 2019 so bleiben. Im laufenden Jahr 2018 soll der Zuwachs bei 3,4 Prozent liegen. 2019 werden sogar plus 3,5 Prozent erwartet. Einer der Hauptgründe für diese positive Entwicklung ist die sehr gute Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit liegt bei gerade einmal 2 Prozent und soll 2019 sogar weiter auf dann 1,9 Prozent sinken.

Dadurch, dass der Arbeitsmarkt leergefegt ist und auch die Vergabe von Arbeitserlaubnissen für weniger qualifizierte Arbeitskräfte restriktiver gehandhabt wird, steigen die Löhne. Dies wirkt sich unmittelbar auf den Konsum aus, insbesondere bei Lohnerhöhungen in unteren und mittleren Einkommensschichten.

Die Inflation wird vermutlich im Jahr 2018 bei rund 1 Prozent gelegen haben. 2019 wird die Rate voraussichtlich auf 1,3 Prozent ansteigen. Verantwortlich hierfür sind die steigenden Löhne und der weiter anziehende Konsum.

Außenhandel: Externe Faktoren machen Prognosen schwierig

Der Außenhandel Singapurs wird 2018 aller Voraussicht nach sehr gute Ergebnisse vermelden können. Entgegen vieler Prognosen dürfte der Zuwachs sogar noch höher ausfallen als 2017. Der IWF erwartet beispielsweise ein Plus bei den Importen von 11,9 Prozent. 2017 wurde bereits ein Anstieg um 11,6 Prozent erreicht. 2019 vermutet er dann allerdings einen Importanstieg von "nur noch" 4,5 Prozent.

Bei den Exporten gilt ähnliches: Nachdem sie 2017 bereits um 9,9 Prozent zulegen konnten, wird 2018 ein Anstieg um über 10 Prozent erwartet. 2019 sollen die Ausfuhren dann nur noch etwa halb so stark (unter 5 Prozent) wachsen.

Derzeit ist nicht absehbar, wie es mit den protektionistischen Tendenzen auf den Weltmärkten weitergeht. Es ist unklar, welche Auswirkungen sie auf Handelsströme haben werden. So lange diese Unsicherheiten existieren, sind Experten mit ihren Prognosen gerade bei offenen Volkswirtschaften eher zurückhaltend bis vorsichtig.

Außenhandel Singapur (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 291,9 327,7 11,6
Exporte 338,1 373,3 9,9
Handelsbilanzsaldo 46,2 45,6 -

Quelle:UN Comtrade

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/singapur

Dieser Artikel ist relevant für:

Singapur Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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