Wirtschaftsausblick

15.06.2018

Wirtschaftsausblick - Thailand (Juni 2018)

Inhalt

Gute Wachstumsperspektiven auf mittlere Sicht / Von Dr. Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Thailands Wirtschaft hat sich 2017 stabilisiert und lässt längerfristig eine solide Entwicklung erwarten. Größere Wachstumsimpulse kamen zuletzt aus dem Export und dem Tourismus, während ab 2018 auch die Investitionstätigkeit stärker zulegen sollte. Ausschlaggebend sind ein massives Programm für die Verkehrsinfrastruktur und die gezielte Förderung von zehn Industrieclustern mit hohem Exportpotenzial sowie Zukunftstechnologien. Regional liegt der Schwerpunkt im Eastern Economic Corridor.

Wirtschaftsentwicklung: Neuausrichtung der Industriestrategie

Thailands Bruttoinlandsprodukt konnte 2017 um real 3,9 Prozent zulegen und lässt auch längerfristig ein solides Wachstum erwarten. Für 2018 prognostizierte der nationale Think Tank NESDB nach einem guten Start im ersten Quartal einen Zuwachs um 4,2 bis 4,7 Prozent. Wachstumsfördernd wirkten 2017 insbesondere Export und Tourismus, während 2018 bedeutende Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur neue Impulse versprechen. Vor diesem Hintergrund sollten auch der Konsum und private Investitionen stärker angeregt werden. Größere Risiken drohen eher extern aus der Beeinträchtigung des Welthandels und der Volatilität der Exportpreise für Cash Crops.

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Die langfristigen Wachstumsperspektiven basieren laut der Weltbank auf dem Übergang zu einer innovationsorientierten Ökonomie und einer höheren Produktivität im Spiegel der rapide alternden Bevölkerung. Dies impliziere auch vermehrte Anstrengungen in komplementäre Faktoren, die die richtigen Anreize für weitere Investitionen in Innovationen setzten. Als die Schlüsselebenen gelten hierbei die Wettbewerbspolitik, die Liberalisierung der Dienstleistungen, Big Data, qualifizierte Ausbildung und intellektuelle Eigentumsrechte. Entscheidend für das Wachstum auf mittlere Sicht sei zudem die Implementierung des "Transportation Action Plan".

Wirtschaftliche Eckdaten Thailand
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 407,1 437,8 3.687
BIP pro Kopf (US$) 5.902 6.336 44.595
Bevölkerung (Mio.) 68,1 69,1 82,7
Wechselkurs (1 US$ =)*) 35,6 32,6 -

*) Jahresendkurs des Thailändischen Baht (B)

Quellen: National Economic and Social Development Board, Economist Intelligence Unit, Statistisches Bundesamt

Ausländischen Unternehmen dürfte die relativ hohe Stabilität in den Fundamentaldaten mehr Sicherheit verschaffen. Wichtige Eckpunkte sind die gedämpfte Inflation, die Festigung des Baht (B) gegenüber dem US-Dollar sowie das niedrige Zinsniveau. Die Jahresinflation soll sich 2018 laut dem NESDB ledglich zwischen 0,7 bis 1,7 Prozent bewegen. Der Baht konnte sich nach der starken Aufwertung im letzten Jahr festigen und wird 2018 vom Thai National Shipping Council im Durchschnitt bei 31,5 B/US$ angesetzt. Die Zentralbank hat ihren Eckzins - ungeachtet der währungsbedingten Risiken für den Export - unverändert bei 1,5 Prozent aufrecht erhalten.

Das insgesamt gesunde und aussichtsreiche Geschäftspanorama reflektieren auch die wichtigsten internationalen Vergleichsstudien. Im "Ease of Doing Business" der Weltbank gelang Thailand unter insgesamt 190 Ländern ein beachtlicher Sprung um 22 Plätze auf Rang 26 mit herausragender Bewertung in der Kategorie Investitionsschutz (16). Im "Global Competitiveness Index" des World Economic Forum konnte sich das Königreich um zwei Positionen auf Rang 32 verbessern, ebenso im FDI Confidence Index für Asien auf Rang 19 hinter China (3), Japan (6) und Singapur (10) in Asien.

Investitionen: Schub aus der Infrastruktur

Die Investitionen sollen 2018 wieder bedeutend stärker zulegen, um 10 Prozent im öffentlichen Sektor und 3,7 Prozent in der Privatwirtschaft. Für die Infrastruktur im Eastern Economic Corridor waren zu Jahresbeginn 168 Projekte im Wert von 32 Milliarden US$ genehmigt. Die größten Vorhaben sind der Flughafen U-Tapao mit 6,4 Milliarden US$, die Hochgeschwindigkeitszugstrecke zwischen den drei Flughäfen Don Muang, Suvarnabhumi und U-Tapao für 5 Milliarden US$ sowie die Erweiterungen des Containerhafens Laem Chabang und des Erdölterminals Map Ta Phut. Zukunftsweisend sind überdies zwei Highspeed-Trassen mit China und Japan.

Ausgewählte Großprojekte in Thailand
Projektbezeichnung Investitionssumme Projektstand Anmerkung
Bangkok MRT Yellow Line und Pink Line 3 Mrd. US$ 2018 bis 2021 Joint Venture zwischen Ratch und Sino-Thai Construction
Hochgeschwindigkeits Bahntrasse Bangkok - Rayong 4,8 Mrd. US$ Terms of Reference (ToR) Verbindung der Flughäfen U-tapao, Suvarnabhumi und Don Mueang
Hochgeschwindigkeits Bahntrasse Bangkok - Nakhon Rachasima 5,4 Mrd. US$ Ausschreibung Herbst 2018 G2G-Projekt mit China, 253 km
Expansion des Seehafens Laem Chabang 2,6 Mrd. US$ ToR Verdoppelung der Kapazität auf jährlich 18 Mio. Container
Flughafen U-tapao 6,0 Mrd. US$ ToR Reparatur- und Wartungszentrum für Flugzeuge
PTT Global Chemical Polymereproduktion 3,9 Mrd. US$ 2017 bis 2021 Expansion der Produktionskapazität
IRPC Petrochemiewerk 1,2 Mrd. US$ Machbarkeitsstudie Expansion der Kapazität für Benzol und Paraxylol
Ratchaburi Electricity Generating Holding 300 Mio. US$ 2018 Erhöhung der Kapazität der Stromerzeugung von 7.500 auf 8.200 MW (PPA)
B.Grimm Stromerzeugung 1,3 Mrd. US$ 2017 bis 2022 IPP aus Deutschland; Erweiterung der Kapazität von 1.779 auf 2.518 MW, mehr Erneuerbare Energien

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Die ausländischen Direktinvestitionen haben sich wertmäßig abgeschwächt. Im letzten Rekordjahr 2015 hatte der Board of Investment noch 698 Anträge über 14,3 Milliarden US$ genehmigt. Aufgrund der Umstellung der Investitionsförderung waren es im Folgejahr 926 Anträge über 10,1 Milliarden US$, während es 2017 nur 730 Projekte im Wert von 6,7 Milliarden US$ waren. Nach Herkunftsländern dominierte 2017 unverändert Japan mit 238 Projekten und einem wertmäßigen Anteil von 39,5 Prozent vor der Europäischen Union mit 150 Genehmigungen beziehungsweise 18,6 Prozent. Deutschland verzeichnete dabei 23 Projekte im Wert von 92 Millionen US$.

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/thailand, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Einzelhandel signalisiert Expansion

Der Vertrauensindex der Konsumenten zeigt seit Mitte 2017 eine überwiegend positve Entwicklung bis auf 80,9 Punkte im April 2018, wie die letzte Erhebung der University of the Thai Chamber of Commerce (UTCC) besagt. Dauerhafte Güter wie Autos oder Immobilien bildeten die Schwergewichte der Konsumbelebung. Die UTCC prognostizierte für den weiteren Jahresverlauf eine anhaltend positive Tendenz, allerdings gekoppelt an sichtbare Verbesserungen in Politik und Wirtschaft. Anregend wirkten zudem die relativ niedrige Preissteigerungsrate von 1,2 Prozent und ein festerer Baht um 31 US$/B, der zur Verbilligung ausländischer Produkte beigetragen hat.

Die Thailand Shopping Center Association prognostizierte im Einzelhandel für den Zeitraum 2017 bis 2019 weitere Investitionen von insgesamt rund 1,7 Milliarden US$. Fast die Hälfte bestreite Central Pattana, etwa ein Viertel entfalle auf Siam Future Development, Platinum Group sowie Terminal 21 Pattaya und der Rest auf Mega City, Iconsiam, Seacon Square, Rangsit Plaza, Index Living Mall, Pacific Park und The Mall Group. Damit erhöhe sich die Zahl der Einkaufskomplexe unter dem Dach der TSCA von 97 auf 107 Zentren auf 9,1 Millionen Quadratmetern (+3,3 Prozent). Die gesamte Gewerbefläche soll sogar um 10 Prozent auf 20,9 Millionen Quadratmeter ansteigen.

Außenhandel: Export stärkt Wirtschaftswachstum

Der Güterexport verbesserte sich 2017 recht verheißungsvoll um 9,9 Prozent auf 237 Milliarden US$, wobei die stärkere Nachfrage in den wichtigsten Absatzmärkten USA, China, Japan und den größten Ländern der ASEAN den Ausschlag gaben. Dass sich der Import stärker um fast 15 Prozent auf 223 Milliarden US$ hochschraubte, beruhte zuvorderst auf der höheren Erdölrechnung (+35 Prozent) sowie der Flucht in Edelmetalle (+79 Prozent). Ein Risiko für die zukünftige Exportperformance sieht der Thai National Shippers' Council zuvorderst im Aufwärtstrend des Baht. Wenn dieser auch längerfristig anhielte, könnte dies zur Rückstellung größerer Lieferaufträge führen.

Außenhandel Thailands (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung
Importe 194,2 222,8 14,7
Exporte 215,4 236,7 9,9
Handelsbilanzsaldo 21,2 13,9 -34,4

Quelle: Customs Department

Das erste Quartal 2018 zeigte indes eine beachtliche Fortsetzung des Trends des Vorjahres. Der Export stieg auf Jahresbasis um 11,3 Prozent auf 62,8 Milliarden US$, während der Import sogar um 16,2 Prozent auf 60,9 Milliarden US$ zulegte. Für das Gesamtjahr prognostizierte der NESDB einen Exportzuwachs um 8,9 Prozent. Stärkere Zuwächse zeigten im ersten Quartal alle wichtigen Exportkategorien - vor allem Kraftfahrzeuge und Teile, Elektronik, Maschinen, Chemie und Petrochemie, Gummiprodukte sowie Edelsteine und Juwelen. Nach Ländern verzeichneten neue Märkte wie Russland, Indien oder Südasien eine stark gestiegene Nachfrage.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/thailand

Dieser Artikel ist relevant für:

Thailand Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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