Wirtschaftsausblick

14.06.2018

Wirtschaftsausblick - Ungarn (Juni 2018)

Inhalt

Deutschland bleibt wichtigster Wirtschaftspartner / Von Waldemar Lichter

Budapest (GTAI) - Ungarns Wirtschaftswachstum legt weiter an Tempo zu. Gestützt wird es sowohl von starken Investitionen als auch vom steigenden privaten Verbrauch. Das eröffnet deutschen Anbietern einige Chancen auf dem Markt. Modernisierung und Digitalisierung der Wirtschaft bleiben wichtige Anliegen der Regierung. Der Fachkräftemangel entwickelt sich zum hemmenden Faktor für die Wachstumsdynamik.

Wirtschaftsentwicklung: Kräftiges Wachstum auf breiter Basis erwartet

Das Wachstum der ungarischen Wirtschaft bleibt hoch. Nach einer deutlichen Abschwächung im Jahr 2016 legte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2017 dank starker Inlandsnachfrage um 4 Prozent zu. Für 2018 geht die Europäische Kommission von einer ebenso hohen BIP-Zunahme aus. Für 2019 wird eine Verlangsamung auf 3,2 Prozent erwartet, da sich die Impulse, die von den Investitionen und vom privaten Verbrauch ausgehen, abschwächen werden.

Die ungarische Regierung rechnet dagegen für 2018 mit einem Plus von 4,3 Prozent und für die Jahre 2019 bis 2022 mit einer anhaltend starken BIP-Zunahme zwischen 4 und 4,2 Prozent pro Jahr. Gefahren für die Wirtschaftsentwicklung gehen vom zunehmenden Fachkräftemangel aus. Ungewiss ist ferner auf mittlere Sicht, welchen Umfang die künftigen EU-Transfers nach Ungarn erreichen werden.

Um das reale Wachstum bei über 4 Prozent pro Jahr zu halten, will die Regierung die Wirtschaft mit zusätzlichen fiskalischen Impulsen und anderen Maßnahmen unterstützen. Einzelheiten sind allerdings noch nicht bekannt. Ziel ist, ein Wachstum auf breiter Basis zu erreichen - vom Agrarsektor, über den Maschinenbau und andere Industriezweige bis hin zur Bauwirtschaft. Da die bisherige Regierungskoalition Fidesz/KDNP bei den Parlamentswahlen im April 2018 eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erringen konnte, ist damit zu rechnen, dass Premierminister Viktor Orban und seine Regierung ihre wirtschaftspolitischen Pläne verwirklichen können.

MKT201806138005.14

Die wichtigsten Triebkräfte der Konjunktur werden auch 2018 und 2019 der private Verbrauch und die Investitionen bleiben, wenngleich sich auch deren Dynamik ab 2019 leicht abschwächen wird. Die kräftig steigenden Löhne und die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt treiben den Konsum an. Die verstärkte Nutzung von EU-Fonds trug erheblich zum nahezu 17-prozentigen Anstieg der Investitionsausgaben 2017 bei. Eine Wiederholung dieses Ergebnisses scheint 2018 und 2019 kaum möglich, die Dynamik bleibt dennoch robust.

Wirtschaftliche Eckdaten Ungarns
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 113,7 123,5 3.263,4
BIP pro Kopf (Euro) 11.600 12.600 39.475
Bevölkerung (Mio.) 9,8 9,8 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = Forint) 311,44 309,19 -

Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt, Europäische Zentralbank

Investitionen: Auch 2018 und 2019 starker Anstieg zu erwarten

Die Investitionen werden in den nächsten Jahren eine wichtige Stütze des ungarischen Wirtschaftswachstums bleiben. Die Trendwende von 2017 wird leicht abgeschwächt auch 2018 und 2019 halten. Die Europäische Kommission erwartet einen immer noch hohen realen Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen von 12,5 beziehungsweise 8,8 Prozent. Diese günstige Entwicklung ist auf die gute Konjunktur und die damit zusammenhängenden, besseren Geschäftsaussichten der Unternehmen zurückzuführen.

Die hohe Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe (1. Quartal 2018: 84,1 Prozent) lässt die Unternehmen über Projekte zur Erweiterung ihrer Anlagen nachdenken. Besonders deutlich sind die Engpässe in der Baustoffindustrie sichtbar, die vom Boom im Bausektor profitiert. Neben zahlreichen neuen Projekten ist deshalb auch mit Erweiterungsinvestitionen zu rechnen. Einen wesentlichen Beitrag zum Anstieg der Investitionen leisten auch die in breiteren Strömen nach Ungarn fließenden EU-Gelder der Förderperiode 2014 bis 2020.

Ausgewählte Großprojekte in Ungarn
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau des Kernkraftwerks PAKS 2 (zwei Blöcke je 1.200 MW brutto) 12.500; davon 80 Prozent aus einem russischen Kredit Verzögerungen infolge von Prüfung durch die Europäische Kommission; Baubeginn Mitte 2018, Produktionsstart bis 2026/27 vorgesehen; Auftrag für Turbinenlieferung an GE Hungary Generalunternehmen: Rosatom-Tochter JSC ASE EC; Koordinierung durch Minister ohne Geschäftsbereich Janos Süli; im Februar 2018 reichte Österreich vor dem Europäischen Gerichtshof eine Nichtigkeitsklage gegen PAKS 2 ein; http://www.paks2.hu/en/default.aspx;
Modernisierung der Bahnstrecke Budapest-Belgrad 2.000; ungarischer Abschnitt: 166 km Tender für den Hauptauftragnehmer im November 2017 veröffentlicht; bis Anfang 2018 zwei Interessenten - die Konsortien CRE und Strabag-CCCC 2018 Betrieb der Strecke durch das Joint Venture: Kinai-Magyar Vasuti Nonprofit Zrt; Finanzierung des Projektes zu 85% durch die Eximbank der VR China, 15% durch Ungarn
Modernisierung mehrerer lokaler Bahnstrecken a) Budapest - Hatvan: rund 480; b) Kelenföld - Pusztaszabolcs: rund 440 a) Tender gewonnen von Strabag, Swietelsky und Belfry PE;b) Tender für einzelne Lots von mehreren Konsortien gewonnen Fertigstellung bis 2020; verantwortlich für die Realisierung der Vorhaben: die Nationale Gesellschaft für Infrastrukturentwicklung NIF
Bau eines neuen Mercedes-Werkes in Kecskemet 1.000 Baubeginn 2018 Werk für flexible Produktion von Pkw mit Front- und Heckantrieb
Bau eines Werkes für Antriebsbatterien für Elektroautos; SK Innovation (Korea Rep.) 310 Baubeginn März 2018 Jahreskapazität: Batterien mit einer Leistung von rund 7,5 GWh - für 250.000 Pkw

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest

Amtsblatt für öffentliche Ausschreibungen Közbeszerzési Értesíto: http://www.kozbeszerzes.hu/nyelvi-verziok/english/

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Kräftig steigende Löhne treiben den Verbrauch an

Der private Verbrauch gewinnt als Stütze der Konjunktur spürbar an Bedeutung. Seine Dynamik wird 2018 und 2019 Prognosen der EU-Kommission zufolge 4,9 beziehungsweise 3,3 Prozent erreichen. Das Verbrauchervertrauen steigt bereits seit 2012 deutlich.

Zum Wachstum der Konsumausgaben tragen vor allem steigende Löhne und die günstige Lage am Arbeitsmarkt bei. Für 2017 gibt das ungarische Statistikamt KSH den Anstieg der Nettoverdienste im Jahresvergleich mit 12,9 Prozent an, 2016 lag die Dynamik bei 7 Prozent. Der reale Anstieg belief sich 2017 auf 10,3 Prozent. Die ungarische Regierung will auch in den nächsten Jahren einen deutlichen Anstieg der Reallöhne erreichen.

Die Arbeitslosenquote ging von 11,2 Prozent im Jahr 2010 kontinuierlich zurück und erreichte im März 2018 ein Allzeittief von 3,8 Prozent. Ungarn liegt damit laut Eurostat EU-weit auf Rang vier, deutlich unter dem Durchschnitt von 7,1 Prozent. Kehrseite des Beschäftigungsbooms ist der zunehmende Fachkräftemangel.

Außenhandel: Inlandsnachfrage treibt Importe an

Die ungarischen Exporte bleiben auf Rekordkurs. Nach dem bisherigen Höchststand von über 100 Milliarden Euro im Jahr 2017 ist auch für die nächsten Jahre dank der guten konjunkturellen Entwicklung der wichtigsten Außenhandelspartner ein kräftiges Wachstum zu erwarten. Zu einem der wichtigsten Ausfuhrposten des Landes haben sich Straßenfahrzeuge entwickelt, was umfangreichen ausländischen Direktinvestitionen geschuldet ist. Die gute Entwicklung der Inlandsnachfrage wird auch die Einfuhren stark steigen lassen. Die EU-Kommission geht in ihrer Frühjahrsprognose 2018 davon aus, dass die Einfuhren in den nächsten Jahren stärker zulegen werden als die Ausfuhren.

Den größten Teil seines Außenhandels wickelt Ungarn mit den EU-Mitgliedsländern ab, jeweils 79,4 Prozent der Export- und Importumsätze. Der mit Abstand wichtigste Außenhandelspartner Ungarns ist Deutschland.

Außenhandel Ungarns (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 84.829 94.994 12,0
Exporte 92.073 100.559 9,2
Handelsbilanzsaldo 7.244 5.565 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Ungarn

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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