Wirtschaftsausblick

04.06.2018

Wirtschaftsausblick - VAE (Mai 2018)

Inhalt

Wirtschaftswachstum beschleunigt sich leicht / Emirate investieren wieder mehr/ Von Katrin Pasvantis

Dubai (GTAI) - Mit der Wirtschaft geht es langsam wieder aufwärts. Die höheren Ölpreise führen zu einem leichten Anziehen der Investitionen. Abu Dhabi plant Milliardenprojekte in der Downstream-Industrie und Dubai zieht seine Investitionen im Vorfeld der Expo 2020 an. Steigende Kosten für Unternehmen und Privatpersonen dämpfen die Nachfrage je nach Sektor. Risiken für die künftige Entwicklung bleiben unter anderem die Ölpreisentwicklung, geopolitische Spannungen und ein schwacher Immobilienmarkt.

Wirtschaftsentwicklung: Es geht langsam aufwärts

Das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) könnte 2018 wieder leicht anziehen, nachdem es 2017 nahezu zum Erliegen kam. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein reales Plus von 2 Prozent. Die Ölpreise sind gestiegen und spülen zusammen mit höheren öffentlichen Einnahmen aus Mehrwertsteuer und sonstigen Abgaben mehr Geld in die öffentlichen Kassen. Die VAE investieren wieder etwas mehr.

Das reale Wirtschaftswachstum wird in diesem Jahr ausschließlich vom Nicht-Ölsektor kommen. Denn die Emirate haben sich bis Ende 2018 gegenüber der OPEC verpflichtet, ihre Ölproduktion nicht über das derzeitige Niveau zu steigern. Sollte die Förderbeschränkung nicht verlängert werden, könnte der Ölsektor helfen, das Wachstum 2019 weiter auf real 3 Prozent zu heben.

MKT201806018002.14

Die OPEC-Förderbeschränkung trug im letzten Jahr wesentlich zur Wirtschaftsflaute bei. Die VAE fuhren Anfang 2017 ihre Ölproduktion zurück und das daraus resultierende Minus könnte nur teilweise vom Nicht-Ölsektor aufgefangen werden.

In den letzten Monaten sind die Ölpreise gestiegen und haben dem Emirat Abu Dhabi höhere Exporterlöse beschert. Abu Dhabi zeigt sich wieder investitionsfreudiger. Milliarden sollen in den Ausbau der Ölförderkapazitäten den Ausbau der Downstreamproduktion fließen. Die Ölpreise erreichten im Dezember 2017 erstmals seit Juni 2015 mehr als 60 US-Dollar (US$) und stiegen Mitte Mai 2018 sogar auf über 75 US$. Allerdings sind die Ölpreise, obgleich besser, weit entfernt von dem Niveau vor dem Ölpreiseinbruch. Die Ölpreise brachen Mitte 2014 von hohen 115 US$ ein und erreichten zeitweise in 2016 unter 30 US$. Die meisten Analysten rechnen mittelfristig mit einem neuen Normalwert von etwa 60 US$. Ausländisches Kapital dürfte deshalb kritisch für die Umsetzung von Projekten bleiben, insbesondere solange die OPEC-Förderbeschränkung gilt.

Dubai, dessen Wirtschaft anders als in Abu Dhabi kaum direkt vom Öl abhängt, hat in den letzten Jahren rege weiter investiert, vor allem in Projekte im Vorfeld der Weltausstellung Expo 2020. Der Starttermin rückt näher und Dubai zieht die Investitionen weiter an. Auf der Agenda stehen Transportinfrastruktur und der Metroausbau und Projekte, die das Emirat für Besucher noch attraktiver machen sollen.

Wirtschaftliche Eckdaten der VAE
Indikator 2016 2017 1) 2018 2) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 349 377 412 3.263,4
BIP pro Kopf (US$) 38.234 40.230 42.666 39.475
Bevölkerung (Mio.) 3) 9,1 9,4 9,7 82,7
.Einheimische 1,1 1,1 1,2
.Ausländer 8,0 8,2 8,5
Wechselkurs (1 US$ = AED) 4) 3,6725 3,6725 3,6725

1) Schätzungen 2) Prognosen; 3) Schätzungen, jeweils zur Jahresmitte; 4) der Dirham ist fest an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: Federal Competitiveness and Statistics Authority, IMF, GTAI, Bundesamt, Bundesbank

Investitionen: Zahlreiche Projekte in der Planung

Das Investitionsklima ist vergleichsweise gut. Die VAE sind gemessen am Wert der vergebenen Projekte der mit Abstand größte Projektmarkt der GCC-Region. In 2017 haben die Emirate neue Projekte im Wert von 48 Milliarden US$ (2017/2016: +14 Prozent) vergeben, dies entspricht 40 Prozent der GCC-Verträge. Dabei entfallen auf das Emirat Dubai allein 30 Milliarden US$ (+18 Prozent). Vor allem Investitionen im Vorfeld der Expo 2020 und in Abu Dhabis Öl- und Gassektor sorgen zusammen mit den leicht gestiegenen Ölpreisen für eine recht lebhafte Projekttätigkeit.

Obwohl der Wert der vergebenen Projekte steigt, beklagen die meisten Unternehmensvertreter einen zunehmenden Konkurrenzdruck, geringere Margen und Zahlungsverzögerungen. Ein Grund dürfte sein, dass das Projektvolumen in den GCC insgesamt stark zurückgegangen ist. Die meisten Unternehmen sind in der gesamten Region aktiv und die Konkurrenz um die verbliebenen Projekte hat über die Landesgrenzen hinweg zugenommen. Es werden auch vermehrt Stimmen laut, die in den VAE einen Abschwung befürchten. Kritisch bleiben neben der Ölpreisentwicklung die hohe Verschuldung Dubais, ein schwacher Immobilienmarkt, steigende Zinsen und geopolitische Spannungen.

Ausgewählte Großprojekte in den VAE in der Planungsphase
Projektbezeichnung Investitions-Summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
2480 MW Combined Cycle Power Plant in Ras Al Khaimah 2.500 DE Federal Electricity & Water Authority (FEWA)
Marsa Al Arab 1.715 DE Dubai Holding
Dubai Creek Harbour : Dubai Creek Tower 1.500 AW Emaar Properties
Chemical Complex at KIZAD 1.080 ST Shaheen Chem Investments LLC
Dubai Sports City : Mohammed bin Rashid Stadium 817 DE Dubai Sports Council
Skyscraper Project on Shaikh Zayed Road 816 DE Azizi Developments
Crude Oil Export Pipeline From Zirku to Onshore 600 PQ Adnoc Offshore
Polypropylene-5 (PP5) Project 550 AW Abu Dhabi Polymers Company (Borouge)
Nebras Al Ain : Strata - Propeller Plant 500 AW Strata
Palm Jumeirah: Kingdom of Sheba: Phase 2 500 DE IFA Hotels & Resorts

*) Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in stark modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen; DE = Design, AW = Angebotsauswertung,

PQ = Präqualifizierung, ST = Studie

Quellen: MEED Projects, Pressemeldungen, GTAI

Abu Dhabi listet öffentliche Ausschreibungen in einer online Datenbank. In Dubai werden öffentliche Beschaffungen über ein eSupply Portal von Dubai eGovernment and Tejari abgewickelt. Sharjah nutzt ein ähnliches Portal zur Registrierung von Anbietern. Beschaffung und Ausschreibungen für die Expo 2020 erfolgen über ein eigenes Portal.

Konsum: Mehrwertsteuer bremst Konsumfreude

Das Konsumklima ist stark eingetrübt. Seit dem 1. Januar 2018 wird landesweit eine Mehrwertsteuer erhoben. Mit fünf Prozent ist der Satz noch vergleichsweise niedrig, aber der psychologische Effekt der Mehrwertsteuer-Einführung ist beachtlich und hat die Konsumfreude stark gedämpft. Kunden haben auch Käufe vorgezogen und die Einzelhandelsumsätze sind deshalb je nach Sektor Anfang 2018 stark zurückgegangen. Teils scheint sich der Abwärtstrend fortzusetzen.

Zu der getrübten Stimmung tragen auch zahlreiche Entlassungen von Hochlohnpersonal bei. Ausländische Arbeitskräfte stellen vermehrt hochpreisige Anschaffungen zurück, weil sie Entlassungen fürchten. Vor allem Autohändler berichten von erheblichen Umsatzeinbußen im gehobenen Preissegment. Die Mieten bei hochpreisigen Objekten sinken, die Leerstandsraten sind hoch. Die Einkommensrückgänge der zumeist einheimischen Eigentümer drücken ebenfalls den Konsum.

Neben der Mehrwertsteuer drücken auch andere Preissteigerungen die verfügbaren Einkommen. Seit dem Ölpreiseinbruch werden verstärkt staatliche Subventionen abgebaut. Die Benzinpreise sind landesweit gestiegen und Abu Dhabi hat kürzlich die Preise für Strom und Wasser erhöht. Außerdem drehen einige Emirate an der Gebührenschraube. Dubai hat Anfang 2018 auf öffentliche Dienstleistungen eine sogenannte "innovation fee" und eine "knowledge fee" eingeführt.

Außenhandel: Deutsche Handelsgüter weiter gefragt

Der Wert der deutschen Exporte in die VAE ist 2017 um fast ein Viertel (-23 Prozent) auf 11 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, meldete Eurostat. Allerdings verzerren Großlieferungen von Flugzeugen die Statistik. Bleiben diese 2016 und 2017 unberücksichtigt, blieb der Wert der deutschen Lieferungen nahezu unverändert bei 7 Milliarden US$.

Außenhandel der VAE (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2015 2016 1) 2017 1) Veränderung 2017/16
Importe (fob) 223,9 226,6 232,6 2,7
Exporte (fob) 300,5 295,0 313,5 6,3
.Öl und Gas 2) 61,5 46,5 58,1 25,1
.Nichtöl-und Gasprodukte 104,2 103,5 106,6 3,0
.Re-Exporte 134,8 145,1 148,8 2,6
Handelsbilanzsaldo (fob) 76,6 68,4 80,9 18,2

1) Revidierte und vorläufige Angaben; 2) einschließlich Raffinerieprodukte

Quelle: Central Bank of UAE

Die Importnachfrage der VAE schwächelt infolge der niedrigen Ölpreise. Verglichen mit anderen Ländern des GCC ist der Wert der Einfuhren aber noch vergleichsweise hoch. Der Zollstatistik zufolge ist der Wert der Nicht-Öl Importe 2017 um 2 Prozent zurückgegangen. Ein erheblicher Teil der VAE Einfuhren ist für den Re-Export nach bestimmt. Diese legten gleichzeitig um 11 Prozent zu.

Für 2018 ist mit Importen auf einem ähnlichen Niveau zu rechnen. Positiv würde sich eine weiterhin recht rege Projekttätigkeit auswirken. Dagegen dämpft die anhaltend schwache Konjunktur im größten GCC-Abnehmermarkt Saudi-Arabien, in das viele Re-Exporte gehen. Sollten die Vision 2030 Projekte in Saudi-Arabien im Jahresverlauf Fahrt aufnehmen, könnte sich das Blatt wenden.

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=swotanalyse--vereinigte-arabische-emirate-mai-2018,did=1927710.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/branchencheck,t=branchencheck--vereinigte-arabische-emirate-mai-2018,did=1926472.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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