Wirtschaftsausblick

07.12.2017

Wirtschaftsausblick Dezember 2017 - Iran

Inhalt

Konjunkturbelebung auf breiterer Basis / Aber neue US-Sanktionen könnten Wachstum bremsen / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Die hohen Wachstumsraten nach Lockerung der Sanktionen Anfang 2016 wurden vor allem durch die kräftige Ausweitung der Ölförderung verursacht, hier sind nun Grenzen erreicht. Bislang ging es nur in einzelnen Bereichen der verarbeitenden Industrie deutlich bergauf. Jetzt verstärken sich aber in immer mehr Sektoren die Anzeichen für eine zumindest langsame Erholung. Politische Entwicklungen, insbesondere die Washingtoner Iran-Politik, könnten den weiteren Aufschwung erheblich behindern.

Wirtschaftsentwicklung: Ölsektor trägt Hauptlast

Bei den im Mai 2017 abgehaltenen Präsidentschaftswahlen wurde Amtsinhaber Hassan Rouhani für seine bislang enttäuschenden Ergebnisse bei der Senkung der Arbeitslosigkeit, einem Hauptwahlkampfthema, nicht abgestraft. Über 57 Prozent der Wähler gaben Rouhani ihre Stimme. Offensichtlich traut ihm die Mehrheit der Bevölkerung zu, den Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren stärker zu beleben. Dazu müsste Irans Wirtschaft über mehrere Jahre kräftig zulegen. Der im März 2017 vom Parlament verabschiedete 6. Fünfjahresplan (2017/18 bis 2021/22; iranische Jahre: 21. März bis 20. März) sieht ein durchschnittliches reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8 Prozent vor.

Gemäß Zentralbank hat das BIP 2016/17 real um 12,5 Prozent (zu Faktorkosten; neues Basisjahr 2010/11) zugelegt, ohne den Ölsektor aber nur um 3,3 Prozent. Das für den Ölsektor (einschließlich Gasförderung) ausgewiesene BIP-Plus von 61,6 Prozent spiegelt die starke Erhöhung der Ölfördermenge seit Lockerung der Sanktionen. Die Landwirtschaft legte 4,2 Prozent zu, die verarbeitende Industrie 6,9 Prozent und der Dienstleistungssektor 3,6 Prozent, die Baubranche hingegen blieb mit -13,1 Prozent auf Talfahrt.

MKT201712068023.14

Wirtschaftliche Eckdaten 1)
Indikator 2015/16 (1394) 2) 2016/17 (1395) 3) Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Milliarden US$) 4) 385,9 419,0 3.480
BIP pro Kopf (US$) 4) 4.897 5.257 42.188
Bevölkerung (Millionen) 78,8 79,7 82,5
Wechselkurs (Zentralbankrate; Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Rial) 29.580 31.389
Wechselkurs (freie Marktrate; Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Rial) 34.501 36.440

1) jeweils iranische Jahre (21. März bis 20. März); 2) offizielle Angaben; 3) vorläufige offizielle Angaben; 4) zu Marktpreisen, Umrechnung zum durchschnittlichen Zentralbankkurs

Quellen: Central Bank of Iran; Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank

Aufgrund der mit der OPEC vereinbarten, bis März 2018 geltenden Förderbegrenzung fällt 2017/18 die Rohölförderung als Wachstumsmotor aus. Positive Impulse wird aber die steigende Gas- und Kondensatförderung geben. Viele Branchen der Nicht-Öl-Wirtschaft zeigen weiterhin nur schwaches Wachstum, Ausnahmen sind vor allem der weiter stark expandierende Kfz-Sektor und die Petrochemie.

Der Internationale Währungsfonds prognostiziert in seinem jüngsten "Article IV Consultation"-Report (Februar 2017) für 2017/18 ein BIP-Plus von 3,3 Prozent (zu Faktorkosten; 2018/19: 4,3 Prozent), der Ölsektor soll um 2,6 Prozent (6,7 Prozent) expandieren, die Nicht-Öl-Wirtschaft um 3,4 Prozent (3,8 Prozent). Im Oktober 2017 wurde die BIP-Prognose leicht auf 3,5 Prozent angehoben, für die nächsten fünf Jahre (2018/19 bis 2022/23) wird ein durchschnittliches Plus von 4 Prozent erwartet.

Die iranische Zentralbank rechnet 2017/18 mit einem BIP-Wachstum von mindestens 5 Prozent. Das Forschungsinstitut des iranischen Parlaments veröffentlichte im September eine Prognose mit einem BIP-Plus von nur 3,7 Prozent. Der Öl- und Gassektor soll immerhin noch 4,1 Prozent zulegen. Für die Landwirtschaft wird mit einem Zuwachs von 3,8 Prozent kalkuliert, in der verarbeitenden Industrie sollen es 6,0 Prozent werden, im Bergbau -4,1 Prozent (ohne Öl und Gas) und im Dienstleistungssektor 2,8 Prozent. Die Bauwirtschaft soll 2,5 Prozent zulegen.

Die Wachstumsperspektiven dürften erheblich durch die Washingtoner Iran-Politik beeinflusst werden. Ein Anfang August 2017 in Kraft getretenes neues US-Sanktionsgesetz (Countering America's Adversaries Through Sanctions Act, Title I -Sanctions with Respect to Iran; Public Law 155-44) und der Anfang 2018 drohende Ausstieg der USA aus dem 2015 mit Iran geschlossenen Atomvertrag (Joint Comprehensive Plan of Action) könnten Irans wirtschaftliche Entwicklung stark behindern.

Investitionen: Hohe ausländische Direktinvestitionen erwartet

Die Realisierung der ambitionierten Wachstumsziele erfordert eine starke Belebung der Investitionstätigkeit. In jüngsten Erklärungen spricht die Regierung von notwendigen 250 Milliarden US-Dollar (US$) innerhalb des Zeitraums 2017/18 bis 2021/22, davon sollen 50 Milliarden US$ auf ausländische Direktinvestitionen entfallen. Diese Zielmarke bei Direktinvestitionen wäre leicht zu erreichen, wenn ein Großteil der mit ausländischen Unternehmen unterzeichneten Absichtserklärungen umgesetzt werden könnte, was allerdings derzeit zweifelhaft ist.

Im November gab ein Regierungssprecher die Höhe der Direktinvestitionen 2016/17 mit 13 Milliarden US$ an. Hierbei handelt es sich aber im Wesentlichen nicht um tatsächliche Zuflüsse, sondern um Absichtserklärungen. Die UNCTAD Statistik weist für Iran zwischen 2012 und 2015 eine Verminderung des jährlichen Investitionszuflusses von netto 4,7 Milliarden auf 2,1 Milliarden US$ aus, ein Anstieg auf 3,4 Milliarden US$ wird für 2016 gemeldet.

Der Zentralbank zufolge sind 2016/17 die Bruttoanlageninvestitionen um 3,7 Prozent gesunken. Die Investitionen befanden sich seit 2012/13 auf rasanter Talfahrt, unterbrochen durch eine Belebung 2014/15, es folgte 2015/16 ein Minus von 12,0 Prozent. Die Quartalsdaten der Statistikbehörde zeigen seit Anfang 2017 eine deutliche Belebung der Investitionstätigkeit.

Iran: Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitions-summe (Millionen US$) Projekt-stand *) Projekträger
Tehran Metro: Line 8, 9 and Four Express Lines 10.000 DE Tehran Urban & Suburban Railway Company (TUSRC)
Tehran to Mashhad High Speed Railway 3.000 ST Iran Railways
Imam Khomeini International Airport Expansion: New Terminal 2.800 PQ Iran Ministry of Roads & Urban Development
Mokran Major Steel Complex 1.600 ST Iranian Mines & Mining Industries Development & Renovation Organization
Miyaneh Combined Cycle Power Plant 1.500 ST Ministry of Energy
Mehdiabad Zinc Production Plant 1.200 ST Iranian Mines & Mining Industries Development & Renovation Organization
Shiraz International Airport Expansion 1.000 ST Iranian Airports Holding Company
Gorgan - Gonbad Railway 500 DE Construction & Development of Transportation Infrastructure Company
Mahshahr PVM Plant (Propylene Via Methanol) 500 ST Iran Petrochemical Research & Technology Company
Mazandaran Hospital (1000 Beds) 500 ST Ministry of Health

*) ST = Studie, DE = Design, PQ = Präqualifizierung

Quellen: MEED Projects; Pressemeldungen; Recherchen von Germany Trade & Invest

Konsum: Privater Verbrauch legt langsam zu

Der private Konsum lag 2016/17 auf dem 2012/13 erreichten Niveau. Die letzten fünf Jahre waren durch sich abwechselnde Zuwächse und Schrumpfungen gekennzeichnet. Auf ein Minus 2015/16 von 3,5 Prozent folgte 2016/17 ein Plus von 3,8 Prozent, so die vorläufigen Daten. Die Wiederwahl von Präsident Rouhani dürfte sich positiv auf die Konsumentenstimmung auswirken, aber die erhoffte kräftige Erhöhung des privaten Verbrauchs wird bis zu einer signifikanten realen Steigerung der Haushaltseinkommen ausbleiben.

Seit Abschluss des Atomabkommens hat der Einzelhandel in Erwartung einer deutlichen Nachfragebelebung erheblich investiert. Dies gilt insbesondere für Anbieter ausländischer Konsumgüter des gehobenen und Luxusbedarfs. Daten zur Geschäftsentwicklung liegen aber nicht vor. Der Absatz ausländischer Konsumgüter wird durch hohe Zollabgaben gebremst. So sind beispielsweise ausländische Haushaltsgeräte teilweise doppelt so teuer wie vergleichbare Produkte in Deutschland.

Der Spielraum für eine Ausweitung der Konsumausgaben ist bei der Mehrheit der privaten Haushalte angesichts geringer Einkommen sehr begrenzt, zudem sollen die staatlichen Subventionen weiter reduziert werden. Nach Erhebungen der Zentralbank verfügte 2016/17 ein städtischer Haushalt mit durchschnittlich 3,3 Personen über ein Monatseinkommen von 32,7 Millionen Rial (897 US$; 2015/16: 852 US$).

Außenhandel: Einfuhren steigen kräftig

Nach einem starken Einbruch der Einfuhren 2015/16 und weiteren Rückgängen in der 1. Hälfte 2016/17 führte der seit Herbst 2016 zu verzeichnende Aufwärtstrend im Gesamtjahr 2016/17 zu einem Anstieg der Importe um 5,2 Prozent auf 43,7 Milliarden US$ (cif), so die Daten des iranischen Zolls. In den ersten acht Monaten 2017/18 (21.3. bis 20. November 2017) erhöhten sich die Einfuhren gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 17,5 Prozent auf 32,4 Milliarden US$. Es führte China (8 Milliarden US$), es folgten die Vereinigten Arabischen Emirate (5,7 Milliarden US$; vor allem Re-Exporte über Dubai), die Türkei (2,2 Milliarden US$), Korea (Rep.; 1,8 Milliarden US$) und Deutschland (1,8 Milliarden US$).

Die Zahlungsbilanzdaten der Zentralbank weichen deutlich von den Zollabgaben ab und weisen für 2016/17 ein Importplus von über 20 Prozent aus (siehe Tabelle). Die Zollstatistik scheint einen Großteil der Einfuhren nicht zu erfassen.

Iran: Außenhandel 2014/15 bis 2016/17 (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1)
2014/15 (1393) 2) 2015/16 (1394) 3) 2016/17 (1395) 3) Veränderung 1395/1394
Importe (fob) 70.915 52.419 63.135 20,4
.Öl- und .Gaserzeugnisse 2.597 2.233 1.388 -37,8
.sonstige .Erzeugnisse 68.318 50.186 61.747 23,0
Exporte (fob) 88.976 64.597 83.978 30,0
.Öl und Gas 55.406 33.569 55.752 66,1
.Nichtöl-.erzeugnisse 33.569 31.028 28.226 -9,0
Handelsbilanz-saldo 18.060 12.178 20.843 71,2

1) jeweils iranische Jahre (21. März bis 20 März); 2) offizielle Angaben; 3) vorläufig

Quelle: Central Bank of Iran

Eurostat zufolge sind die Ausfuhren der EU28 Gruppe nach Iran 2016 um 28 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro gestiegen. In den ersten neun Monaten 2017 wurde ein Zuwachs von 34 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro verzeichnet. Deutschland lieferte für 2,1 Milliarden Euro (+22 Prozent), Italien für 1,3 Milliarden Euro (+18 Prozent) und Frankreich für 1 Milliarden Euro (+130 Prozent). Der sprunghafte Anstieg der französischen Ausfuhren spiegelt die Auslieferungen von bislang drei Airbus Maschinen an Iran Air. Die VR China meldet für die ersten zehn Monate 2017 einen Anstieg der Exporte nach Iran um 15 Prozent auf 14,9 Milliarden US$, Korea (Rep.) um 12 Prozent auf 3,4 Milliarden US$ und Japan für die ersten neun Monate um 76 Prozent auf 0,7 Milliarden US$.

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=swotanalyse--iran-dezember-2017,did=1830818.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=branchencheck-iran-dezember-2017,did=1831080.html

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Iran Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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