Wirtschaftsausblick

29.12.2017

Wirtschaftsausblick Dezember 2017 - Irland

Inhalt

Robuste Konjunktur eröffnet deutschen Anbietern viele Chancen / Von Torsten Pauly

Dublin (GTAI) - Irlands Wirtschaft soll 2018 in der Europäischen Union (EU) erneut mit am dynamischsten wachsen und könnte um rund 3,9 Prozent zulegen. Dies liegt unter anderem am starken Engagement ausländischer, vor allem angelsächsischer Investoren. Allerdings können sich der Brexit und die von US-Präsident Donald Trump angestrebte Rückholung von Investitionen und Produktion in die USA negativ auf Irlands Erfolgsmodell auswirken.

Wirtschaftsentwicklung: Kräftiges Wachstum hält trotz Brexit-Unsicherheiten an

Preisbereinigt soll Irlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 um 3,9 Prozent zunehmen. Dies prognostizierte die EU-Kommission Ende 2017, die nur in drei Mitgliedsstaaten ein noch stärkeres Wachstum erwartet. Dazu bleibt die Konjunktur in Irland sehr robust, denn 2018 steigen voraussichtlich sowohl die Investitionen (+5,6 Prozent) als auch der Export (+4,5 Prozent) und der Konsum (+2,6 Prozent), so die EU-Kommission. Im Zuge dessen ziehen auch der Import (+4,7 Prozent) und die gesamte Inlandsnachfrage (+3 Prozent) 2018 weiter an. Irland eröffnet deutschen Anbietern somit viele Chancen, auch weil die Margen oft hoch sind. Das irische Preisniveau lag 2016 um 24,6 Prozent über dem EU-Schnitt und war das zweithöchste in der Union. In Deutschland, zum Vergleich, waren die Preise 2016 nur um 3,6 Prozent höher als im EU-Mittel.

MKT201712288007.14

Irland hat sich innerhalb einer Generation von einer strukturschwachen und stark auf den Binnen- und britischen Markt ausgerichteten Volkswirtschaft zu einer sehr offenen und exportstarken Ökonomie entwickelt. Zwischen 1996 und 2016 hat sich Irlands reale Wirtschaftsleistung fast verdreifacht (+195 Prozent). Damit ist das BIP in Irland mehr als in jedem anderen EU-Staat gestiegen, obwohl sein Niveau in der Rezession 2008 und 2009 zwischenzeitlich um 8,4 Prozent eingebrochen war. Irlands Überschuss im Warenaußenhandel hat 2016 etwa 16,3 Prozent des BIP entsprochen. Dies ist mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (7,9 Prozent des BIP). Irlands Bestand an ausländischen Direktinvestitionen hat sich von 1996 bis 2016 fast verachtzehnfacht (+1.790 Prozent). Multinationale, oft US-amerikanische Unternehmen, die in Irland Waren und Dienstleistungen für den Weltmarkt fertigen, konnten ihre Wertschöpfung von 2007 bis 2016 stetig um insgesamt 160 Prozent steigern, während die anderen irischen Firmen 2008 und 2009 einen Einbruch von 8,9 Prozent verzeichnen mussten.

Einige Unsicherheiten bedrohen jedoch das irische Erfolgsmodell. Zum einen kann der für März 2019 terminierte britische EU-Austritt die Wirtschaftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich, und den Transit zum Kontinent stark beeinträchtigen. Noch problematischer könnte es sich auswirken, wenn US-Präsident Donald Trump sein Ziel erreicht, Investitionen und Produktion zurück in die USA zu verlagern, etwa mit einer erfolgreichen Steuerreform. Von einer sinkenden britischen Exportabnahme wären vor allem traditionelle irische Wirtschaftszweige wie die Nahrungsmittel- und Getränkeherstellung betroffen. Eine Abwanderung von multinationalen Investoren hingegen würde Irlands weltweite Ausfuhr von High-Tech-Erzeugnissen verringern.

Wirtschaftliche Eckdaten von Irland
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 262,0 275,6 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 56.400 58.800 38.114
Bevölkerung (Mio.) 4,6 4,7 82,5

Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ausrüstungsaufträge und Bauvorhaben legen 2018 stark zu

Die Investitionstätigkeit ist 2018 mit einem realen Wachstum von 5,6 Prozent der stärkste irische Konjunkturmotor, so die EU-Kommission im November 2017 (2017: +3,5 Prozent). Die Ausrüstungsbeschaffungen legen 2018 um 5,7 Prozent und die Bauinvestitionen sogar um 14,3 Prozent zu. Mit der Wirtschaftskrise waren die Bruttoanlageinvestitionen in Irland von 2008 bis 2010 um insgesamt 37,6 Prozent eingebrochen. Dennoch war das Niveau 2016 preisbereinigt um 70,3 Prozent höher als vor der Rezession 2007. Dies liegt an der kräftigen Erholung der irischen Wirtschaft, zum erheblichen Teil aber auch an Patenten, Urheberrechten und Flugzeugen, die internationale Konzerne in den letzten Jahren nach Irland verlagert haben und die sich in der dortigen Statistik als inländische Investitionsgüter niederschlagen.

Der durch den Rezessionseinbruch bedingte Modernisierungsstau belebt die Aufträge im jetzigen Aufschwung zusätzlich. Nicht zuletzt investiert die öffentliche Hand wieder mehr. So hat die Regierung im August 2017 angekündet, die an staatlichen Investitionen von 2018 bis 2021 geplante Summe nochmals um 6 Milliarden Euro auf 27 Milliarden Euro zu erhöhen. Der durchschnittliche Jahresbetrag bleibt aber noch geringer als vor der Krise. Im Jahr 2008 hatte der Staat 10 Milliarden Euro investiert.

Ausgewählte Großprojekte in Irland
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Landesweiter Ausbau des Breitbandnetzes 2.800, davon 275 staatlich Planung Realisierung bis 2020 geplant; http://www.dcenr.gov.ie
U-Bahn Dublin-Nord (Zentrum-Flughafen-Swords) 2.430 Planung Planung bis 2022, Realisierung bis 2026 geplant; http://www.swords-dublin.com/metro-north
Umfahrungsstraße in Galway 593 Planung Realisierung 2021-2025 geplant; http://www.n6galwaycity.ie
Fernstraße N21/N69 Limerick-Foynes 305 Planung 33 km; Realisierung 2021-2025 geplant; http://www.irishmororwayinfo.ie
Fernstraße N20 Ballyvourney-Macroom 200 Planung 22 km; Realisierung 2020-2022 geplant; http://www.irishmororwayinfo.ie
Fernstraße N28 Cork-Hafen Ringaskiddy 210 Planung 13 km; Realisierung 2022-2024 geplant; http://www.irishmororwayinfo.ie
Ausbau der regionalen Gasübertragung und -verteilung 454 Planung EIB-Kofinanzierung; http://www.gasnetworks.ie/corporate/procurement
Müllverbrennungsanlage Ringaskiddy (bei Cork) 160 Planung Jahreskapazität 240.000 t; Genehmigung steht noch aus; http://www.ringaskiddyrrc.ie
Kinderkrankenhaus Dublin 916 Planung 39 fachmedizinische Bereiche bis 2021 geplant; http://www.newchildrenshospital.ie
Entbindungsklinik Dublin 295 Planung Realisierung bis 2022 geplant: http://www.nmh.ie

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Für alle öffentlichen Ausschreibungen und Beschaffungen ist in Irland das Office of Government Procurement (OGP) zuständig: http://www.procurement.ie

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Lohn- und Bevölkerungsanstieg belebt Nachfrage dauerhaft

Die EU-Kommission prognostiziert, dass der Verbrauch der irischen Haushalte 2017 und 2018 preisbereinigt um jeweils 2,6 Prozent zulegt. Die Kauflaune wird begünstigt durch den Reallohnanstieg, der 2017 bei 2 Prozent und 2018 bei 1,7 Prozent liegen soll. Die Beschäftigung soll sich um 2,9 Prozent (2017) und 2,2 Prozent (2018) ausweiten. Der Bevölkerungsanstieg belebt die Nachfrage auch längerfristig. Laut Eurostat wird Irlands Einwohnerzahl wegen der hohen Geburtenrate und zuziehender qualifizierter Arbeitskräfte bis 2026 um 8,2 Prozent höher sein als 2016. Die Kehrseite dessen sind vor allem in Dublin, aber auch in anderen Zentren stark steigende Wohnkosten, was das für den Konsum verfügbare Einkommen schmälert.

Der Privatverbrauch war in Irland im Zuge der Rezession von 2009 bis 2013 stetig und um insgesamt 6,7 Prozent gesunken. Dank der seitherigen Erholung lagen die Konsumausgaben 2016 real aber wieder um 2,4 Prozent höher als 2008. Konsumenten kaufen wieder verstärkt auf Kredit. Die von irischen Haushalten weder für Immobilien noch für anderweitige Investitionen aufgenommenen Darlehen waren im Juni 2017 mit 12,9 Milliarden Euro um 7 Prozent umfangreicher als vor Jahresfrist. Dieser Wert kommt einer Verschuldung mit Konsumkrediten von 2.738 Euro pro Kopf gleich.

Außenhandel: Exportplus auf neuem Rekordstand

Irland erwirtschaftet seit Jahren sehr hohe Überschüsse im Warenaußenhandel. Dieses Plus ist 2016 nochmals um 5,3 Prozent auf 45 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht 9.565 Euro je irischem Einwohner, was mehr als dreimal so viel wie in Deutschland ist (2016: 3.017 Euro pro Kopf). Irlands Export fußt aber nur auf wenigen Branchen, denn 2016 haben chemische Erzeugnisse 56,1 Prozent, Nahrungsmittel 8,5 Prozent, Mess-, Regel- und Prüftechnik 4,9 Prozent und EDV-Technik und Büromaschinen 3,2 Prozent der Ausfuhr gestellt. Bei den meisten Waren ist dagegen die irische Importabhängigkeit hoch, was deutschen Lieferanten viele Chancen bietet.

Die USA waren 2016 erneut Irlands wichtigster Handelspartner, lieferten 17,9 Prozent aller Einfuhren und nahmen 26,9 Prozent aller Ausfuhren ab. Viele US-Firmen verarbeiten importierte Komponenten in Irland zu hochwertigen Endprodukten für den Export. An zweiter Stelle folgte 2016 das Vereinigte Königreich mit einem Anteil von 28 Prozent an der Einfuhr und von 12,6 Prozent an der Ausfuhr. Für irische Agrarprodukte ist der britische sogar der wichtigste Auslandsmarkt. Deutschland war 2016 mit einem Einfuhranteil von 9,8 Prozent Irlands drittstärkster Lieferant. Bei der irischen Ausfuhr lag Deutschland mit einer Quote von 6,6 Prozent auf Rang vier.

Außenhandel von Irland (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 69.024 73.273 6,2
Exporte 111.704 118.230 5,8
Handelsbilanzsaldo 42.680 44.957 5,3

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/irland

(P.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

Edda vom Dorp Edda vom Dorp | © GTAI

Kontakt

Edda vom Dorp

‎+49 228 24 993 279

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche