Wirtschaftsausblick

28.12.2017

Wirtschaftsausblick Dezember 2017 - Malta

Inhalt

Gute Aussichten dank Tourismusboom und günstigem Konsumklima / Von Robert Scheid

Valletta (GTAI) - Der Boom der maltesischen Wirtschaft hält an. Im Jahr 2017 soll das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erheblich über dem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum in den Ländern der Europäischen Union (EU) liegen. Starke Impulse kommen von der Tourismusbranche. Sie profitiert unter anderem davon, dass Valletta zur Europäischen Kulturhauptstadt 2018 ernannt wurde. Die Konsumausgaben dürften aufgrund der guten Lage am Arbeitsmarkt sowie neuer Steuererleichterungen auch 2018 steigen.

Wirtschaftsentwicklung: Aufschwung hält an

Der wirtschaftliche Boom im kleinsten EU-Mitgliedstaat setzt sich fort. In den vergangenen drei Jahren lag das Wirtschaftswachstum zwischen 5 und 8 Prozent pro Jahr und damit deutlich über dem Durchschnittsniveau der EU-Länder. Für das Jahr 2017 erwartet die Europäische Kommission ein Plus von 5,6 Prozent. 2018 wird das Bruttoinlandsprodukt laut den Prognosen um weitere 4,9 Prozent zulegen. In den letzten Jahren hat die maltesische Wirtschaft allerdings mehrmals die mittelfristigen Konjunkturprognosen übertroffen. Aufgrund der geringen Größe der Wirtschaft können große Schwankungen vorkommen, was genaue Prognosen erschwert.

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Laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte haben im Jahr 2017 Dienstleistungen am meisten zum BIP-Wachstum beigetragen, insbesondere Finanzdienstleistungen, der Tourismus und die Glücksspielbranche. Die Tourismusbranche rechnet für 2018 mit weiter steigenden Besucherzahlen. Grund hierfür ist die Ernennung Vallettas zur europäischen Kulturhauptstadt für das Jahr 2018 und die dadurch gewonnene Sichtbarkeit.

Die Bruttoanlageinvestitionen in Malta sind 2017 rückläufig. Die negative Entwicklung hängt allerdings mit dem außergewöhnlich starken Anstieg der Investitionen im Jahr 2015 zusammen, der auf einige Großprojekte im Energiebereich zurückzuführen war. Im Jahr 2018 soll die Investitionsdynamik wieder positiv ausfallen. Positive Impulse dürften mittelfristig aus der Baubranche kommen.

Der private Konsum entwickelt sich weiterhin positiv. Die Bevölkerung wächst, die Arbeitslosigkeit ist auf knapp über 4 Prozent gesunken und die Kaufkraft der Malteser steigt. Der Haushalt für 2018 sieht weitere Maßnahmen vor, um die verfügbaren Mittel einkommensschwacher Gruppen zu erhöhen.

Wirtschaftliche Eckdaten Maltas
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 9,3 9,9 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 21.475 22.670 38.114
Bevölkerung (Mio.) 0,4 0,4 82,5

Quellen: NSO Malta; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Hotel- und Straßenbauprojekte sorgen für Impulse

Die Jahresangaben für die Investitionen sind nur bedingt aussagekräftig, da sie aufgrund der geringen Größe der Wirtschaft starken Schwankungen unterliegen. Im Jahr 2015 gab die EU-Kommission ein Plus von 48,8 Prozent an. Da große Energieprojekte fertiggestellt wurden und die letzte EU-Förderperiode 2015 auslief, sanken die Investitionen 2016 und 2017. Für 2018 erwartet die EU-Kommission dank der Investitionen im Baubereich wieder ein Plus.

In den letzten Jahren wurden Großinvestitionen im Energiebereich, darunter der Bau eines neuen Gas-und-Dampf-Kombikraftwerks und die Verlegung eines Unterseestromkabels nach Sizilien, realisiert. Als nächster Schritt zur Energiesicherheit und Modernisierung der Energieversorgung wird der Bau einer neuen Gaspipeline zwischen Malta und Sizilien untersucht.

In den kommenden Jahren sind Wachstumsimpulse aus dem Hoch- und Tiefbau zu erwarten. Der Tourismusboom hat eine Reihe von Hochbauprojekten ausgelöst. Errichtet werden vor allem hochwertige Hotels, um das Angebot an die wachsende Nachfrage anzupassen. Hinzu kommt eine Reihe von Straßenbauprojekten, die die Verkehrsprobleme reduzieren sollen. In diesen Bereichen sind maltesische Bauunternehmen aus Kapazitätsgründen auf ausländische Zulieferer angewiesen.

Ausgewählte Großprojekte in Malta (Investitionssumme in Mio. Euro)
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Investitionen in das öffentliche Straßennetz 700 Zeitraum: 2018-2024 http://mtip.gov.mt
Sechs-Sterne Hotel 400 Verkündet 2015 The Corinthia Group
Smart City 250 Fertigstellung 2021 http://www.smartcity.ae/Malta
Müllverbrennungsanlage 150 Fertigstellung 2023
Metropolis Project (Hochhausprojekt in Gzira) 120 Fertigstellung 2020 http://www.metropolis.com.mt
Malta Logistics Hub 80 k.A. https://economy.gov.mt/mt/Malta_Logistics_Hub/Pages/Malta-Logistics-Hub.aspx
Finanzdistrikt Mriehel 70 Verkündet Neuer Finanzdistrikt
Maritime Hub 55 Zeitraum: 2017-2027 Ablecare Oilfield Services Holding Ltd
Nachhaltige und alternative Transportprojekte 28,5 Fertigstellung 2020 http://mtip.gov.mt/en; neue Fähranleger und Dieselbusse

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Gute Aussichten dank steigender Kaufkraft

Maltas Verbraucher sind im Kaufrausch. Der private Konsum ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Für 2017 erwartet die EU-Kommission ein Plus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für die kommenden zwei Jahre wird ein ähnlich hohes Wachstum erwartet.

Das gute Konsumklima ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt hält an; die Beschäftigung steigt und die Arbeitslosenquote wird Ende 2017 bei circa 4,2 Prozent liegen. Auch der bisher niedrige Anteil von Frauen auf dem Arbeitsmarkt stieg dank gezielter Maßnahmen der Regierung.

Weitere von der Regierung geplante Maßnahmen dürften die Kaufkraft der Malteser auch 2018 steigen lassen. Vorgesehen sind zum Beispiel Einkommenssteuererleichterungen für Geringverdiener und die Anhebung der staatlichen Rente. Auch Hauskäufer können auf neue Förderinstrumente zurückgreifen, um ihre Steuerlast zu reduzieren.

Außenhandel: Dienstleistungen retten Exportplus

Angesichts des geringen absoluten Volumens sind starke statistische Schwankungen im Außenhandel die Regel. Die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen legten 2016 um 0,8 Prozent zu, die Exporte um 3 Prozent. Im Jahr 2017 werden die Ausfuhren dank der Dienstleistungsexporte um weitere 3 Prozent steigen. Für 2018 erwartet die EU-Kommission einen Anstieg der Ausfuhren um 4 Prozent.

Für den reinen Warenverkehr weist das National Statistics Office (NSO) im Jahr 2016 ein Plus aus. Im 1. Halbjahr 2017 sanken sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren. Die Einfuhren von Maschinen und Fahrzeugen brachen ein, während die Nachfrage nach Konsumgütern und Nahrungsmitteln aus dem Ausland relativ konstant blieb.

Außenhandel Maltas (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 1. Hj. 2017 Veränderung 1. Hj. 2017/1. Hj. 2016
Importe 6.471 3.160 -8,3
Exporte 3.646 1.334 -24,9
Handelsbilanzsaldo -2.825 -1.826 -

Quelle: NSO Malta

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Malta

Dieser Artikel ist relevant für:

Malta Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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