Wirtschaftsausblick

25.12.2017

Wirtschaftsausblick Dezember 2017 - Saudi-Arabien

Inhalt

Wirtschaft am Rand der Rezession / Reformplan Vision 2030 nimmt Fahrt auf / Von Katrin Pasvantis

Dubai/ Riad (GTAI) - Saudi-Arabiens Wirtschaftswachstum ist wegen staatlicher Sparzwänge und des schwachen Privatsektors zum Erliegen gekommen. Die Regierung hat ihren Sparkurs etwas gelockert, aber die Aussichten für 2018 bleiben gedämpft. Der geplante Börsengang von Saudi Aramco könnte die Trendwende bringen und hohe Investitionen in Projekte der Vision 2030 auslösen. Für deren Umsetzung wird neben staatlichen Investitionen auch privates Kapital aus dem In- und Ausland nötig sein.

Wirtschaftsentwicklung: Herausforderungen bleiben

Saudi-Arabiens Wirtschaftswachstum ist zum Erliegen gekommen, auch für 2018 bleiben die Aussichten gedämpft. Die niedrigen Ölpreise halten an, das Land hat sich gegenüber der OPEC bis Ende 2018 zur Drosselung der Förderung verpflichtet. Die Finanzierung von laufenden Ausgaben und Projekten bleibt so eine Herausforderung. Der Staat ist der größte Investor, der Privatsektor spielte bislang eine schwache Rolle.

Der geplante Börsengang (IPO - Initial Public Offering) des staatlichen Ölgiganten Saudi Aramco könnte die Trendwende bedeuten und für lebhafte öffentliche Investitionen sorgen. Aramcos Börsenwert wird auf bis zu zwei Billionen US-Dollar (US$) geschätzt. Ende 2018 oder 2019 sollen etwa 5 Prozent des Konzerns lanciert werden. Der anvisierte Erlös von 100 Milliarden US$ soll zu einem großen Teil in Projekte im Inland zur Diversifizierung der Wirtschaft fließen. Der Börsengang ist ein entscheidender Bestandteil der Vision 2030 des Kronprinzen Mohammed bin Salman.

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Das Reformprogramm Vision 2030 wurde 2016 vorgestellt. Zu den wesentlichen Zielen zählen die Stärkung des Privatsektors, die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, der Ausbau der lokalen Produktion und eine höhere Beschäftigung Einheimischer im Privatsektor. Kapital aus dem In- und Ausland wird neben staatlichen Investitionen zentral für die Realisierung sein. Das Engagement der Privatwirtschaft wird wesentlich von verlässlichen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen abhängen.

Wirtschaftliche Eckdaten Saudi-Arabien
Indikator 2016 1) 2017 2) Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 646,4 678,5 3.480,2
BIP pro Kopf (US$) 20.365 21.379 42.188
Bevölkerung (Mio.) 31,7 32,4 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Saudi-Riyal)3) 3,75 3,75 -

1) vorläufige Daten; 2) Prognose; 3) der Saudi-Riyal ist fix an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: General Authority for Statistics; IWF; Statistisches Bundesamt

Saudi-Arabien fährt seit dem Einbruch der Energiepreise Mitte 2014 hohe Haushaltsdefizite ein, ist aber dabei das Ausmaß zu reduzieren. Wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung im ersten Halbjahr 2017 hat die Regierung ihren strengen Sparkurs jedoch gelockert und den Zeitplan für die Konsolidierung von 2019 auf 2023 gestreckt. Sollte sich die Finanzspritze aus dem Börsengang von Aramco verzögern, könnten Abgabenerhöhungen und Subventionsabbau schneller auf die Agenda rücken.

Die Inlandsnachfrage hat infolge der schwachen Konjunktur nachgelassen. Sektoren wie die Bauwirtschaft und der Einzelhandel sind stärker betroffen als andere. Staat und auch private Unternehmen investieren deutlich weniger. Dem Vernehmen nach bestehen bei zahlreichen Unternehmen weiterhin hohe offene Forderungen gegenüber staatlichen Kunden, obwohl zwischenzeitlich Zahlungen geleistet wurden und sich die Lage gegenüber 2016 insgesamt verbessert hat.

Investitionen: Börsengang von Aramco schürt Hoffnung auf Projektwelle

Zahlreiche Projekte wurden vertagt oder gestrichen. Auch private Investoren zeigen sich zurückhaltend. Es ist deutlich weniger Geld im Markt und dem Vernehmen nach sollen insbesondere KMU Schwierigkeiten haben, Bankenfinanzierungen zu erhalten.

Der geplante Börsengang von Aramco und darauf gegebenenfalls folgende Investitionen zur Diversifizierung der Wirtschaft könnten dies ändern. In den letzten Monaten wurde das bis dato wichtigste Unterprogramm des Reformplans, NTP 2020 (National Transformation Program), überarbeitet. Neben dem NTP gibt es elf weitere Unterprogramme der Vision 2030, deren Bedeutung zunimmt. Informationen sind unter http://vision2030.gov.sa/en abrufbar.

Derzeit wird ein neues Beschaffungsgesetz für staatliche Einrichtungen und Staatsunternehmen erarbeitet (Government Tender and Procurement Law 2017). Dem Entwurf zufolge werden Gebote ausländischer Unternehmen nur noch berücksichtigt, wenn kein oder nur ein lokaler Bewerber den Auftrag ausführen kann.

Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen (FDI) blieb im ersten Halbjahr 2017 mit 3,5 Milliarden US$ unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2016 (3,7 Mrd. US$). Im Gesamtjahr 2016 flossen gemäß UNCTAD 7,5 Milliarden US$ als FDI ins Land. Der Investitionsbestand erhöhte sich 2016 auf 231,5 Milliarden US$ (2015: 224,1 Mrd. US$).

Ausgewählte Großprojekte Saudi-Arabien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand 1) Anmerkung/Ansprechpartner
Neom 2) 500,0 ST Public Investment Fund; Chief Executive: Dr. Klaus Kleinfeld; Programme Manager: BuroHappold Engineering
Jubail Oil-To-Chemical Complex 30,0 AP Saudi Aramco / Sabic JV
Yanbu Integrated Refinery & Petrochemicals Complex 20,0 ST Saudi Aramco
King Abdulaziz International Airport in Jeddah (KAIA): Phase 2 10,0 ST General Authority for Civil Aviation
Nuclear Power Reactor: Reactor - Package 1 2) 8,0 ST King Abdullah City for Atomic & Renewable Energy (KA-CARE), Studie: China Nuclear Energy Engineering Group
Third Phosphate Fertiliser Manufacturing Facility 6,4 ST Ma'aden
Jubail 3 IWPP 5,4 ST Saline Water Conversion Cooperation
Mecca Metro: Line A 4,0 ST Makkah Mass Rail Transit Company
Marjan Field Development 3,5 FEED Saudi Aramco
Renewable Energy Program: Round 1, Phase 1, PV and Wind Park (0,7 GW) 1,3 AP Renewable Energy Project Development Office (REPDO)

1) ST = Studie, FEED= Front End Engineering and Design, AP = Angebotsprüfung; 2) Parent Project, der Status der Unteraufträge ist unterschiedlich

Quellen: Meed Projects; Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Konsum: Verfügbare Einkommen sinken

Der Einzelhandel gehört zu den Branchen, die besonders stark von der schwachen Konjunktur betroffen sind. Das Wachstum des privaten Konsums verlangsamte sich auf 2,2 Prozent in 2016, für 2017 ist mit einem Plus um 1 bis 2 Prozent zu rechnen. Ein Wachstumstreiber dürften vorgezogene Käufe aufgrund der geplanten Einführung einer Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2018 (VAT, 5 Prozent) sein.

Im Jahr 2018 ist nicht mit einer Aufhellung des Konsumklimas zu rechnen, da die Kaufkraft der privaten Haushalte tendenziell zurück geht. Der im Januar 2016 begonnene Abbau von Subventionen bei Benzin, Strom und Wasser wird fortgesetzt und bedeutet für Viele eine spürbare Verschlechterung ihrer Finanzsituation. Erst Anfang Dezember 2017 wurde eine erneute Erhöhung der Strompreise verabschiedet. Negativ dürfte sich auch der zu erwartende Preisanstieg aufgrund der Mehrwertsteuereinführung auswirken.

Auf dem Arbeitsmarkt ist ebenfalls keine Besserung in Sicht. Der Privatsektor leidet unter der schlechten Auftragslage und baut eher Personal ab, als dass er neue Stellen schafft. Die Beschäftigung der einheimischen Bevölkerung im öffentlichen Sektor dürfte sich angesichts der Sparzwänge nicht erhöhen. Ob die Fahrerlaubnis für Frauen ab Mitte 2018 zu Autokäufen und damit steigenden Konsumausgaben führt, bleibt abzuwarten.

Außenhandel: Lokale Produktion soll Importe ersetzen

Die geringe öffentliche Projekttätigkeit bremst die Importnachfrage. Erst wenn die Investitionen wieder anziehen, ist mit einer Wiederbelebung zu rechnen. Falls Saudi-Arabien seinen Plänen folgt und bei öffentlichen Beschaffungen lokal produzierten Waren und Dienstleistungen den Vorzug gibt, dürften Lieferchancen mittelfristig generell abnehmen. Seit Anfang Juni 2017 sind infolge der diplomatischen Krise mit Katar der Waren-, Personen- und Finanzverkehr zwischen beiden Ländern ausgesetzt.

Deutschland lieferte in den ersten neun Monaten 2017 mit knapp fünf Milliarden Euro neun Prozent weniger als in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Dabei waren die Lieferungen bereits 2016 gegenüber 2015 um ein Viertel eingebrochen.

Außenhandelsdaten Saudi-Arabiens für 2017 liegen noch nicht vor. Die Angaben wichtiger Lieferländer deuten auf einen weiteren Rückgang hin. Die VR China meldet für die ersten neun Monate 2017 einen Rückgang ihrer Lieferungen nach Saudi-Arabien um fünf Prozent (auf 14 Mrd. US$), die USA von sechs Prozent (auf 12 Mrd. US$), Deutschland von neun Prozent (auf 7 Mrd. Euro), Korea (Rep.) von zwölf Prozent (auf 4 Mrd. US$) und Japan von 32 Prozent (auf 2,6 Mrd. US$).

Außenhandel Saudi-Arabiens (in Mrd. US$; Veränderung in %)*)
2014 2015 2016 1) Veränd. 2016/2015
Importe (fob) 158,5 159,3 127,8 -19,7
Exporte (fob) 342.5 203.5 183.6 -9,8
.Öl und Gas (cif)2) 284.6 152.9 136.2 -10,9
.Nichtöl-und Gasprodukte (cif) 57.9 50.6 47.4 -6,4
Handelsbilanzsaldo (fob) 184.0 44.3 55.8 26,0

1) Revised und vorläufige Angaben; 2) einschließlich Raffinerieprodukte

Quelle: Saudi Arabian Monetary Authority (Zentralbank)

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--saudiarabien-januar-2018,did=1851624.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=branchencheck-saudiarabien-dezember-2017,did=1840112.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Saudi-Arabien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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