Wirtschaftsausblick

25.12.2017

Wirtschaftsausblick Dezember 2017 - Serbien

Inhalt

Vorerst kein Ende des moderaten Aufschwungs in Sicht / Von Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - Serbiens Wirtschaft behält ihren Wachstumskurs bei. Vorwiegend witterungsbedingt verlor die Konjunktur 2017 mit einem Zuwachs von lediglich 2 Prozent zwar leicht an Schwung. Es gilt jedoch als sicher, dass die Entwicklung 2018 mit einem Plus von bis zu 3,5 Prozent wieder an Tempo gewinnt. Der Aufwärtstrend wird insbesondere durch die regen Exportaktivitäten stark gestützt. Zudem steigt die Binnennachfrage nach Investitions- und Konsumgütern.

Wirtschaftsentwicklung: Anhaltender Aufwärtstrend dank mehrerer Impulsgeber

Das Wirtschaftswachstum in Serbien hat sich gefestigt. Mit einem Plus von 2,1 Prozent im dritten Quartal 2017 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes bereits das zehnte Quartal in Folge. Gleichwohl ging es spürbar weniger temporeich als erwartet voran. Die meisten auf ein höheres Wachstum zielenden Prognosen wurden im Jahresverlauf deutlich nach unten revidiert. Hielten viele Ökonomen ursprünglich ein wirtschaftliches Plus von 3 Prozent für möglich, gilt mittlerweile ein BIP-Zuwachs von 2 Prozent für das Gesamtjahr 2017 als Erfolg.

Grund ist an erster Stelle ein verhältnismäßig kalter und langer Winter, der vor allem in den für Serbien wichtigen Bereichen Landwirtschaft und Energie seine Spuren hinterließ. Eine zeitweilige Drosselung der Kohleförderung wegen starken Frostes führte zu einer geringeren Stromproduktion und sorgte für hohe Umsatzeinbußen. Hinzu kam, dass in den ersten Jahresmonaten auch die Bruttoanlageinvestitionen weniger stark als erhofft zulegten.

Mittlerweile fällt die Investitionsneigung jedoch wieder stärker aus. Begleitet durch eine langsam, aber stetig verlaufende Stärkung des privaten Konsums, festigt dies maßgeblich den wirtschaftlichen Aufschwung im Land. Serbiens Wirtschaft profitiert zudem stark von der anhaltend hohen Warennachfrage des Auslands - hauptsächlich aus der EU. Ohne neuerliche gravierende Wetterunbilden und Schockwellen von außen wird das Land voraussichtlich mittel- bis langfristig solide BIP-Wachstumsraten sehen. Die EU-Kommission, der Internationale Währungsfonds, das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche und die Economist Intelligence Unit rechnen für 2018 mit einem Plus um 2,5 bis 3,5 Prozent.

MKT201712228019.14

Wirtschaftliche Eckdaten Serbiens
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 33,5 34,6 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 4.720 4.904 38.114
Bevölkerung (Mio.) 7,1 7,1 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Serbische Dinar) 120,73 123,12 -

Quellen: RZS; Narodna banka Srbije (NBS; Nationalbank Serbiens); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Staat fährt sein Investitionsbudget 2018 um knapp ein Drittel hoch

Die Bruttoanlageinvestitionen liefern weiterhin wichtige Impulse für die Konjunktur. Im 1. Halbjahr 2017 betrug der Zuwachs zunächst lediglich 2,5 Prozent. Doch im 3. Quartal legten die Investitionen um gut 6 Prozent zu, in Folge dessen steuert das Gesamtjahr auf ein Plus von etwa 4 Prozent zu. Damit kommt die 2015 und 2016 erreichte Marke von über 5 Prozent wieder in Sicht. So werden voraussichtlich 2018 die Kapitalanlagen um gut 5 Prozent anziehen. Darin wird sich nicht zuletzt ein Aufstocken der staatlichen Investitionen um satte 30 Prozent widerspiegeln.

Dahinter stehen mehrere Vorhaben in den Bereichen Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie im Städtebau, die dem lange Zeit schwächelnden Baugewerbe einen spürbaren Aufschwung bescheren. Bereits in den ersten neun Monaten 2017 wurden landesweit rund 50 Prozent mehr Bauanträge genehmigt als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. Ausgesprochen vielversprechend fällt deshalb der Ausblick auf 2018 aus. Zu den Initiatoren von Bauprojekten zählen auch zahlreiche ausländische Akteure. Die gesamten Nettozuflüsse von ausländischem Direktinvestitionen steigen 2017 um etwa 10 Prozent und übertreffen die Marke von 2 Milliarden Euro.

Ausgewählte Großprojekte in Serbien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Wohn- und Geschäftsviertel Belgrad Waterfront 3.500 Bau von zwei Wohntürmen und Erschließung weiterer Gebäude im Gange; Auftrag für zusätzlichen Wohnturm BW Vista an Strabag Serbia vergeben Mehrere Bauabschnitte für 5.700 Wohnungen 2.200 Hotelzimmer, 12.700 Büroräume - insgesamt 1,8 Mio. qm; Eagle Hills (VAE); Kontakt für interessierte Zulieferer: http://www.eaglehills.com/sr/suppliers)
Verschiedene Vorhaben zu Modernisierung und Ausbau der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Belgrad 1.000 Erste Ausschreibungen erfolgt; Angebote bis Mitte August 2018 Mehrere Projektphasen bis 2025; Belgrader Wasserwerke und Kanalisationsnetze (http://www.bvk.rs/, E-Mail: milan.stamenic@bvk.rs)
Modernisierung der Raffinerie Pancevo 330 Zweite Ausbauphase im November 2017 gestartet; Fertigstellung geplant bis Ende 2019 NIS (http://www.nis.eu/en/presscenter/nis-starts-constructing-bottom-of-the-barrel-plant-key-project-in-the-second-stage-of-modernising-pancevo-oil-refinery)
Bau des Windparks Cibuk 1 bei Kovin (57 Windräder mit insgesamt 158,4 MW) 300 Baubeginn für Anfang 2018 angekündigt Vetroelektrane Balkana (http://www.wpc.rs/en/project/project-development; E-Mail: office@teslawind.rs); Teilfinanzierung durch EBWE und IFC
Bau einer Brücke über die Donau in Belgrad 180 Projektdokumentation liegt vor; Partnersuche für PPP läuft Zusätzliche Flussquerung in Höhe der Flusshalbinsel Ada Huja; Stadt Belgrad (http://www.beograd.rs/lat/gradska-vlast/2032-sekretarijat-za-urbanizam-i-gradjevinske-poslove_2/)
Modernisierung von Teilabschnitten und Bahnhöfen der Eisenbahntrasse Belgrad-Rakovica-Resnik (Teil des Paneuropäischen Verkehrskorridors X) 92 Ausschreibung von Leistungen bis Mitte 2018 zu erwarten Infrastruktur der Serbischen Eisenbahnen (http://infrazs.rs; E-Mail: gorica.petrovic@srbrail.rs; kabinet.infrastruktur@srbrai.rs); Finanzierung durch Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
Bau des Bahnausbesserungswerkes für Personenzüge Zemun 47 Ausschreibung verschiedener Leistungen und Ausrüstungen seit Mitte November 2017; Angebote bis Anfang Januar 2018; Baubeginn ab Mitte 2018 Srbija Voz (E-Mail: masan.radojevic@srbrail.rs); Finanzierung durch EBWE
Bau und Betrieb von vier Tiefgaragen im Zentrum von Belgrad 40 Konzession seit Anfang November 2017 ausgeschrieben; Angebote bis Ende Januar 2018 Stadt Belgrad (http://www.beograd.rs/en/city-ads-competitions-and-tender/1741645-public-invitation-for-participation-in-the-procedure-for-granting-of-a-concession-for-designing-financing-construction-operation-maintenance-and-transfer-of-four-underground-garages-located-on-the-territory-of-the-city-of-belgrade_2/; E-Mail: nenad.vlaketic@beograd.gov.rs)
Bau einer Kläranlage und Erweiterung des Abwassernetzes der Stadt Krusevac 24 Baubeginn Mitte Oktober 2017; Fertigstellung geplant bis Oktober 2019 Stadt Krusevac; (http://www.krusevac.rs/en.html); Finanzierung durch KfW

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/serbien ( "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte").

Konsum: Privater Verbrauch liefert Wachstumsimpulse

Nach mehreren impulsarmen Jahren trägt der private Konsum wieder zum Wachstum bei. Größere Bevölkerungsgruppen hatten zwischenzeitlich reale Einkommensverluste als Beitrag zur unumgänglichen Konsolidierung der Staatsfinanzen hinzunehmen. Dieser Prozess gilt mittlerweile als erfolgreich abgeschlossen, was Spielräume eröffnet. Unter anderem wurden Gehälter im öffentlichen Dienst sowie die Renten leicht erhöht. Davon profitiert der private Verbrauch, der 2017 um 2,2 Prozent zulegt.

Das Wiederaufstocken der Löhne erfolgt mit viel Augenmaß. Die Durchschnittsbruttolöhne, die 2016 real um 2,6 Prozent zugelegt hatten, stiegen von Januar bis Oktober 2017 nur um 1 Prozent. Um 4,8 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro erhöhten sich parallel dazu in den ersten drei Quartalen 2017 die Privattransfers aus dem Ausland, die für zahlreiche lokale Haushalte ein wichtiges finanzielles Zubrot sind.

Als wichtiger Nutznießer der Einkommenszuwächse gilt der Einzelhandel. Dessen Umsatzplus in lokaler Währung blieb jedoch zwischen Januar und Oktober 2017 mit real 3,9 Prozent unter dem Vorjahrswert zurück. Grund ist der Kursverlauf des Serbischen Dinars, der seit Beginn des Jahres gegenüber Euro und US-Dollar spürbar aufwertete.

Außenhandel: Deutliche Zugewinne für Ex- wie Importe

Der sich erholende private Konsum und die gute Investitionsneigung bescheren den Anbietern ausländischer Güter mehr Nachfrage. Für 2017 wird ein Einfuhrplus von nominal etwa 11 Prozent erwartet, während die Ausfuhren um 12 Prozent zulegen. Im Folgejahr gelten für Serbiens Import- wie Exportgeschehen Zuwächse von jeweils 7 Prozent als wahrscheinlich.

Auf Basis vorläufiger Angaben stiegen die Einfuhren zwischen Januar und Oktober 2017 um knapp 14 Prozent. Dabei erzielten mehrere Warengruppen, deren Lieferwerte mehr als 100 Millionen Euro erreichten, sogar Zuwächse von über 20 Prozent. Dazu zählten etwa Arbeitsmaschinen für besondere Zwecke, elektrische Ausrüstungen, metallurgische Erze und Metallabfälle, Erdöl und -gas sowie Eisen und Stahl.

Parallel dazu zogen die Ausfuhren insgesamt mit gut 13 Prozent ähnlich deutlich an, obwohl die wichtigen Akteure nicht alle gleichermaßen Zuwächse verbuchen konnten. So verfehlte etwa der nach wie vor wichtigste Einzelexporteur im Land, der Pkw-Hersteller FCA Srbija, in den ersten elf Monaten 2017 sein Vorjahresergebnis um gut ein Achtel. Besser lief es für den nächstgrößeren Akteur, die HBIS GROUP Serbia Iron & Steel, deren Verkäufe ins Ausland im Berichtszeitraum um mehr als die Hälfte zunahmen.

Außenhandel des Landes Serbien (in Mio. Euro, Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 16.387,4 17.381,6 6,1
Exporte 12.040,5 13.432,1 11,6
Handelsbilanzsaldo -4.346,9 -3.949,5

Quelle: RZS

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Serbien

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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‎+49 228 24 993 321

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