Wirtschaftsausblick

25.12.2017

Wirtschaftsausblick Dezember 2017 - Slowenien

Inhalt

Sloweniens Wirtschaft legt stärker zu als erwartet / Wachstumsimpulse durch Investitionen / Von Waldemar Lichter

Ljubljana (GTAI) - Sloweniens Wirtschaft zählt derzeit zu den wachstumsstärksten in Europa. Die Prognosen sind aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung deutlich angehoben worden. Das Wachstum stützt sich auf eine breite Basis. Stark angezogen haben dank bereitstehender EU-Gelder die Investitionen. Aber auch vom privaten Verbrauch und der Exportnachfrage gehen starke Impulse aus.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum zieht kräftig an

Die slowenische Wirtschaft entwickelt sich weitaus besser als in früheren Prognosen erwartet. Das ohnehin hohe reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Jahre 2014 bis 2016 von zwischen 2,3 und 3,1 Prozent hat nochmals deutlich an Fahrt aufgenommen. Im 1. Quartal 2017 nahm das BIP um 5,1, im 2. Quartal um 4,6 und im 3. Quartal um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet die Europäische Kommission in ihrer Herbstprognose vom November ein überdurchschnittlich hohes Plus von 4,7 Prozent und für 2018 eine kräftige Zunahme von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dabei wurden die Prognosen gegenüber denjenigen vom Frühjahr 2017 deutlich angehoben - für 2017 um 1,4 und für 2018 um 0,9 Punkte auf 4,7 beziehungsweise 4 Prozent. Das Land schneidet auch im Vergleich mit anderen EU-Ländern überdurchschnittlich gut ab. Schneller als Slowenien wächst in der EU die Wirtschaft nur in Rumänien (2017: +5,7 Prozent) und in Malta (+5,6 Prozent). Für die EU-28 prognostiziert die Europäische Kommission für 2017 ein reales Wirtschaftswachstum von 2,3 und für 2018 von 2,1 Prozent jeweils gegenüber dem Vorjahr.

Die gute Konjunkturentwicklung steht dabei auf breiter Basis. Das Wachstum wird sowohl von den Exporten als auch vom privaten Konsum und von den Investitionen getragen. Die schwächsten Impulse gehen vom Staatsverbrauch aus, wenngleich sich die Situation der öffentlichen Finanzen im Trend immer weiter verbessert. Auch längerfristig wird das Wirtschaftswachstum stark bleiben und nach Einschätzung der Europäischen Kommission vor allem von der Inlandsnachfrage angetrieben.

MKT201712228020.14

Wirtschaftliche Eckdaten Sloweniens
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 38,8 40,4 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 18.800 19.600 38.114
Bevölkerung (Mio.) 2,1 2,1 82,5

Quellen: Eurostat; Deutsche Bundesbank; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Kräftige Zunahme dank EU-Fördergeldern

Die Bruttoanlageinvestitionen ziehen seit Anfang 2017 stark an. Nach dem hohen Minus von 3,6 Prozent im Jahr 2016 und von 1,6 Prozent 2015 - bedingt vor allem durch den geringeren Abruf von EU-Geldern - legten die Investitionen 2017 um kräftige 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Auch für 2018 und 2019 rechnet die EU-Kommission mit einem starken Plus von 9,8 beziehungsweise 7,4 Prozent.

Der positive Trend ist zum Teil auf die besser fließenden EU-Gelder zurückzuführen. Überdurchschnittlich stark sollen die Ausrüstungsinvestitionen steigen - nach Prognosen der EU-Kommission um über 15 Prozent in den Jahren 2017 und 2018 sowie um weitere 11,5 Prozent im Jahr 2019. Die positiven Erwartungen basieren auf der guten Nachfrage aus dem Ausland sowie der hohen Kapazitätsauslastung der Anlagen. Dies ermutigt Unternehmen zu Investitionen in Erweiterung und Modernisierung von Anlagen.

Ausgewählte Großprojekte in Slowenien
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Kernkraftwerk Krsko Laufzeitverlängerung bis 2043 218 in Durchführung, geplanter Abschluss 2018 GEN Energija http://www.gen-energija.si
Neuer Kernkraft-Block im Kernkraftwerk Krsko 3.000 bis 5.000 Entscheidung über den Bau bis 2020 geplant, hängt von der Zielsetzung des neuen Energiekonzepts ab, das sich in Ausarbeitung befindet
Bau von zehn neuen Wasserkraftwerken am mittleren Lauf der Save 1.300 bis 1.500 In Planung; Gesamtleistung: 330 MW; Unterzeichnung des Konzessionsvertrags mit HSE wegen dessen Finanzlage immer wieder verschoben; Baubeginn deshalb in absehbarer Zeit nicht wahrscheinlich Holding Slovenske elektrarne (HSE) http://www.hse.si ; GEN Energija http://www.gen-energija.si
Wasserkraftwerk Mokrice am unteren Lauf der Save 150 in Planung, Finanzierungsengpässe; geplante Fertigstellung von 2020 auf 2022 verschoben Hidroelektrarne na Spodnji Savi(HESS) http://www.he-ss.si
Modernisierung und Ausbau der Bahninfrastruktur Insgesamt 2.300, wichtigstes Projekt: Divaca-Koper bis zu 1.400 Divaca-Koper: Bieterauswahl für Vorbereitungsarbeiten; Finanzierung nur zum Teil gesichert: bisher 153 Mio. Euro aus der Connecting Europe Fazilität (CEF) zugeteilt, Beteiligung der Nachbarländer möglich; ferner sind Ausschreibungen zur Modernisierung der Bahnstrecken Maribor-Sentilj, Kocevje und Zidani Most-Celje im Gang Ministerium für Infrastruktur http://www.mzi.gov.si; Direktion für Infrastruktur http://www.di.gov.si
Hafen Koper - Ausbau der Infrastruktur und Umschlagkapazitäten 290 (Entwicklungsprogramm für den Hafen 2016 bis 2020) Ausweitung des Containerterminals (Kai 1) für 2018 geplant, es steht aber immer noch eine Zustimmung der lokalen Verwaltungseinheiten aus; Bau des neuen Containerterminals (Kai 3) von der Realisierung des Divaca-Koper-Bahnprojekts abhängig Luka Koper http://www.luka-kp.si; Ministerium für Infrastruktur http://www.mzi.gov.si
Autobahnbau: zweite Röhre des Karawankentunnels (zusammen mit Österreich) 312 (slowenischer Teil: 150) CEF-Mittel für die Ausarbeitung der Projektunterlagen; geplanter Baubeginn 2018 DARS http://www.dars.si
Nord-Süd-Schnellstraße (sogenannte dritte Achse) 2.050 Geplant; Finanzierung offen; Baubeginn nach 2019
Gaspipelines: Verbindungspipeline nach Ungarn: Kidricevo-Lendava/Pince 90 Machbarkeitsstudie mit CEF-Kofinanzierung Plinovodi http://www.plinovodi.si
Interkonnektoren mit Kroatien: Rogatec-Zabok und Kalce-Jelsane (Anbindung an das künftige LNG-Terminal in Omisalj) k.A. Absichtserklärung
Ausbau des Flughafens Ljubljana: neues Passagierterminal 16 Großteil der Bauarbeiten 2018 vorgesehen; geplante Fertigstellung: Frühjahr 2020 Fraport Slovenija http://www.lju-airport.si
Ausbau des Flughafens Maribor 660 Vorvertrag mit einem chinesischen Bauunternehmen unterzeichnet; Projekt ist wegen zahlreicher administrativer Auflagen umstritten Aerodrom Maribor http://www.maribor-airport.si

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Nationale Ausschreibungsdatenbanken:

https://www.enarocanje.si/?podrocje=portal

http://www.javnirazpisi.com

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt stützt den Verbrauch

Vom privaten Verbrauch werden auch in den nächsten Jahren wichtige Impulse für das Wirtschaftswachstum ausgehen. Seine Bedeutung ist aber geringer als die der Investitionen. Die Verbraucherstimmung ist nach wie vor gut, die Arbeitslosigkeit nimmt ab. Im 3. Quartal 2017 hat die Arbeitslosenquote mit 6,3 Prozent den niedrigsten Stand seit Ende 2009 erreicht. Bis 2019 wird die Quote gemäß Prognosen der EU-Kommission weiter auf 5,2 Prozent sinken. Die gute Beschäftigungslage stützt den Konsum. Die Löhne entwickeln sich dagegen nur moderat.

Außenhandel: Einfuhren ziehen dank guter Binnenkonjunktur stärker an

Von den Exporten gehen weiterhin starke Wachstumsimpulse aus. Die Ausfuhrdynamik wird sich zwar abschwächen, bleibt aber weiterhin hoch. Dank der guten Konjunkturentwicklung bei wichtigen Partnerländern und Abnehmern slowenischer Waren werden die Ausfuhren 2018 und 2019 um 7,4 beziehungsweise 5,5 Prozent zulegen. Zu den Erfolgen der slowenischen Exportwirtschaft trägt nach Meinung von Fachleuten auch die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit des Landes bei. Die wachsende Binnennachfrage lässt aber auch die Einfuhren zunehmen. Deren Anstieg wird 2018 und 2019 mit 8,4 und 6,2 Prozent deutlich höher ausfallen als in den Vorjahren.

Der slowenische Außenhandel hat sich von den Auswirkungen der Krise 2008/2009 gut erholt. Die Exporte erreichten das Vorkrisenniveau im Jahr 2011 und nahmen seither stetig zu. Die Importe erreichten nach Berechnungen des Statistikamtes in Ljubljana den Vorkrisenstand von 2008 erst im Jahr 2015. Die slowenische Außenwirtschaft hat vom EU-Beitritt im Jahr 2004 stark profitiert. Den größten Teil des Außenhandels wickelt das Land mit anderen EU-Ländern ab. Wichtigste Handelspartner Sloweniens sind Deutschland und Italien.

Außenhandel Sloweniens (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 26.887 27.598 2,6
Exporte 28.793 29.742 3,3
Handelsbilanzsaldo 1.905 2.145 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Slowenien

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowenien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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