Wirtschaftsausblick

09.02.2018

Wirtschaftsausblick Februar 2018 - Dschibuti

Inhalt

Mini-Republik punktet mit strategischer Lage als Transitland / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Dschibuti positioniert sich erfolgreich als Umschlagzentrum für Schiffe auf der Suezkanal-Route und als Transitdienstleister für fast den gesamten äthiopischen Außenhandel. Die VR China will Dschibuti zu ihrem Handelszentrum für Ostafrika ausbauen. Äthiopien sucht allerdings nach Alternativen, um seine Abhängigkeit von Dschibuti zu vermindern, was die kleine Republik mittel- bis langfristig treffen könnte.

Wirtschaftsentwicklung: Geringeres Wachstum mangels neuer Projekte

Dschibutis Wirtschaft wächst langsamer: Nach 6,9 Prozent im Jahr 2017 werden es 2018 und 2019 vermutlich nur noch 6,1 beziehungsweise 5 Prozent sein. Unverändert profitiert die Mini-Republik von ihrer strategischen Lage an einer Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Die Häfen des Landes schlagen mehr als 80 Prozent des äthiopischen Außenhandels um. Der Hafen von Dschibuti-Stadt ist zudem eine beliebte Umlade-Station für Containerschiffe auf der Route zwischen Asien und Europa. Investitionen in den weiteren Hafenausbau nebst großen Gewerbegebieten, in neue Verkehrswege und eine Gaspipeline sorgen für Wachstum. Hinzukommen lukrative Militärpräsenzen ausländischer Staaten.

Veränderungen aber sind in Sicht: So möchte Äthiopien seine Abhängigkeit von Dschibuti reduzieren und hat mit Sudan vereinbart, die dortigen Hafenkapazitäten zugunsten äthiopischer Im- und Exporte zu erhöhen. Das alles wird noch lange dauern, grundsätzlich aber könnte Sudan einmal bis zur Hälfte des äthiopischen Außenhandels abwickeln. Eine weitere Option ist der Hafen Berbera in Somaliland, der von der in Dubai ansässigen DP World professionell gemanagt wird. Und irgendwann wäre auch das kenianische Lamu eine Alternative. Während aktuell die vielen, auf Pump finanzierten Infrastrukturprojekte ein Wachstumsmotor sind, ist ein Ende der Entwicklung abzusehen, wenn das Begonnene fertiggestellt wird.

Immerhin: Die bisherigen Projekte gelten mehrheitlich als volkswirtschaftlich sinnvoll und dürften sich deshalb mittel- bis langfristig auch rechnen, was in Ostafrika längst keine Selbstverständlichkeit ist. Von der prosperierenden Wirtschaft profitieren allerdings nur eine vergleichsweise kleine Elite, die sich ihre Dienste gut bezahlen lässt, sowie ausländische Firmen, welche all die notwendigen Dienst- und Bauleistungen erbringen und die Inputs mitbringen. Zu den Verlierern zählt die einheimische Bevölkerung, die, zynisch gesprochen, mit Almosen und der Droge Khat abgefunden wird.

Politisch gesehen ist Dschibuti stabil: Die Macht im Staate liegt fest in den Händen von Präsident Ismail Omar Guelleh und seiner Familie. Die weitverbreitete Armut und Arbeitslosigkeit gepaart mit allgegenwärtiger Vetternwirtschaft und Korruption birgt derweil sozialen Sprengstoff, der langfristig einmal explodieren könnte. In internationalen Indizes macht Dschibuti eine bessere Figur als die Nachbarn, wie im Ease of Doing Business Ranking: Rang 154 (von 190 Ländern; deutliche Verbesserung gegenüber 2017) und im Korruptionsindex: 123 (von 176).

MKT201802088007.14

Wirtschaftliche Eckdaten von Dschibuti
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 1,8 1) 1,9 1) 3.480,2
BIP pro Kopf (US$) 2.004 1) 1.931 1) 42.188
Bevölkerung (Mio.) 0,9 1,0 1) 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Dschibuti-Franc) 2) 177,7 177,7 -

1) Schätzung; 2) Der Wechselkurs des Dschibuti-Franc (FD)ist seit 1973 an den US-Dollar gekoppelt.

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Größere Rolle für private Investitionen angestrebt

Dschibutis Stärken sind seine strategische Lage als Transithafen für das Binnenland Äthiopien und als maritimer Zwischenstopp für Schiffe, die den Suezkanal passieren. Darüber hinaus hat sich Dschibuti erfolgreich als Standort für ausländische Militärstützpunkte etabliert. Damit das Geschäft weiter brummt, investieren Dschibuti und seine Partner bislang kräftig in Infrastrukturen: Gaspipelines, Flug- und Seehäfen, neue Kraftwerke und Militärbasen. Eine neue elektrifizierte Eisenbahnlinie nach Äthiopien hat den Betreib aufgenommen und sollte sich bezahlt machen.

Ein potenziell lukratives Vorhaben ist eine Export Processing Zone (EPZ) nach dem Vorbild der chinesischen Shekou-EPZ in Shenzhen, über die China seinen ostafrikanischen Handel abwickeln will. Wenn all die Projekte allerdings eines Tages abgeschlossen sind, dürfte wenig nachkommen. Äthiopien will seine Abhängigkeit von Dschibuti reduzieren und auch andere Handelsrouten ausbauen. Der finanzielle Spielraum des Landes ist zudem auf absehbare Zeit gering: Die Auslandsverschuldung wird für Ende 2019 auf 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) prognostiziert. Dschibuti will deshalb verstärkt auf private ausländische Direktinvestitionen setzen und mit Steuervergünstigungen locken.

Ausgewählte Großprojekte in Dschibuti 1)
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Gasleitung zwischen Äthiopien und Dschibuti nebst Gasverflüssigungsterminal 4.000 Gespräche mit potenziellen Technologiepartnern. Angestrebte Aufnahme der Gasförderung Mitte 2019. Baubeginn wird allerdings ständig verschoben; das Vorhaben ist offensichtlich noch nicht in trockenen Tüchern. Entwickler: Poly Group/GCL Petroleum Group Holdings Ltd.(beide VR China); favorisierter Technologiegeber für eine schwimmende Verflüssigungsanlage: Sembcorp Marine (Singapur).
550 km lange Ölproduktpipeline zwischen Äthiopien und Dschibuti 1.600 Projekt wurde Anfang 2017 gestoppt und könnte obsolet werden, wenn eine in Äthiopien geplante Ölraffinerie realisiert werden kann. Black Rhino (BRM) und Mining Oil & Gas Services (MOGS; beide Südafrika); Berater: Turner & Townsend (Vereinigtes Königreich).
Zwei neue Flughäfen 600 Projekt wird neu ausgeschrieben.
200-MW-Solarkraftwerk 440 Absichtserklärung. SkyPower Global, Kanada.
300-MW-Solarkraftwerk 360 Erwartete Fertigstellung der ersten 50-MW-Ausbauphase 2018. Entwickler ist die schweizerische Green Enesys.
48 qkm große chinesische Freihandelszone 340 Im Bau; weitgehende Fertigstellung 2019 Dalian Port Corp., China Merchants Holdings (beide VR China), Djibouti Ports and Free Zone Authority.
Mehrere 50-MW-Geothermie-Kraftwerke 2) k.A. Absichtserklärung. Toshiba Corp. und das Office Djiboutien de Developpement de l'Energie Geothermique.
Mehrere Geothermie-Kraftwerke 2) k.A. Beginn erster Bohrungen. Office Djiboutien de Developpement de l'Energie Geothermique mit der türkischen Petroteca als technischem Partner.
128 km lange Straße Tadjoura-Balho (für äthiopische Kalisalzexporte) 98 Im Bau; Fertigstellung Ende 2018. Auftragnehmer: Mohammed Abdulmohsin Al-Kharafi & Sons (Kuwait).
Wasserentsalzungsanlage 76 Im Bau; Fertigstellung 2020. Auftragnehmer: Eiffage Genie Civil (Frankreich), Tedagua (Spanien).

1) Hinzukommen substanzielle militärische Vorhaben ausländischer Staaten; 2) Es gibt mehrere ausländische Firmen, die sich für das Geothermie-Potenzial von Dschibuti interessieren, das auf 1.000 Megawatt geschätzt wird. Solche Projekte dürften erfahrungsgemäß allerdings sehr lange brauchen, bis sie tatsächlich eines Tages realisiert werden können.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/dschibuti, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Hotels und Supermärkte für kleine, reiche Oberschicht

Dschibuti ist zweigeteilt: Einerseits eine vergleichsweise wohlhabende Oberschicht, die sehr gut vom Transitgeschäft des Hafens und den verschiedenen ausländischen Militärbasen leben kann. Und andererseits das Gros der Bevölkerung, welches zu den ärmsten und rückständigsten Afrikas gehört. Etwa neun Zehntel der Bevölkerung leben in Städten, knapp die Hälfte wohnt davon in Slums. Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, mehr als die Hälfte arbeitslos.

Hochpreisige Konsumgüter und Dienstleistungen können sich nur die Oberschicht, die zahlreich vertretenen ausländischen Militärs, einige Franzosen, die mit der ehemaligen Kolonie Geschäftsbeziehungen unterhalten, sowie das diplomatische Corps leisten. Diese Gruppe ist mit französischen Supermärkten, zahlreichen Restaurants und zwei großen Luxushotels gut versorgt. Die Inflationsrate dürfte 2018 und 2019 bei etwa 2,6 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent liegen, was im Regionalvergleich sehr wenig ist.

Außenhandel: Nahezu vollständige Abhängigkeit von Warenimporten

Dschibuti importiert rund sechsmal so viel wie es exportiert - ein Handelsungleichgewicht, das bleiben dürfte. Das karge Wüstenland kann sich selbst nicht ernähren, ist auf importierte Energie (Öl, Strom) angewiesen und braucht für seine umfangreichen Infrastrukturinvestitionen jede Menge Kapitalgüter. Die Dienstleistungsbilanz ist dagegen positiv, weil Dschibuti sein Geld mit den Häfen verdient und zudem satte Mieten für die ausländischen Militärbasen auf seinem Territorium kassiert. Aus deutscher Sicht sind lediglich die Häfen, die damit verknüpften Logistikbetriebe sowie die verschiedenen anderen Infrastrukturprojekte als potenzielle Abnehmer von Waren und Dienstleistungen interessant. Mit einem Lieferanteil von schätzungsweise 2 Prozent (2016) spielt Deutschland nur eine bescheidene Rolle.

Das bevorzugte Lieferland ist dagegen die VR China - mit großem Abstand gefolgt von Indien und den VAE. Belastbare Zahlen sind allerdings nicht zu bekommen. Dschibuti veröffentlicht seit 2009 keine entsprechenden Statistiken mehr, während die Zahlen von Partnerländern häufig nicht ausreichend zwischen einem Handel mit Dschibuti und einem Transitgeschäft mit Äthiopien unterscheiden. Mehr als 80 Prozent des Hafenumschlags dürften das Binnenland Äthiopien betreffen. Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2016 für 21,8 Millionen Euro Waren nach Dschibuti (gegenüber 2015: +17 Prozent). Die deutschen Importe beliefen sich 2016 auf 255.000 Euro.

Außenhandel von Dschibuti (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 *) Veränderung 2017/2016
Importe (fob) 705,2 754,5 7,0
Exporte (fob) 139,0 156,2 12,4
Handelsbilanzsaldo -566,2 -598,3 -

*) Schätzungen

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/dschibuti

Dieser Artikel ist relevant für:

Dschibuti Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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