Wirtschaftsausblick

09.02.2018

Wirtschaftsausblick Februar 2018 - Island

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Wachstum schwächt sich langsam ab / Von Martin Schulte

Bonn (GTAI) - Der isländischen Wirtschaft geht es gut. Das Wachstum wird sich in den kommenden Jahren jedoch etwas verlangsamen. Große Investitionsprojekte der Industrie laufen aus, der Tourismus stößt an Kapazitätsgrenzen und der private Konsum wird nur noch moderat steigen. Insgesamt bleiben die Aussichten jedoch günstig.

Wirtschaftsentwicklung: Stabiles Wachstum auch in den kommenden Jahren

Das kräftige Wachstum der isländischen Wirtschaft setzte sich 2017 fort. Nach vorläufigen Berechnungen des nationalen Statistikamtes Statistics Iceland stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2017 nach dem starken Wachstum des Vorjahres (+7,4 Prozent) noch einmal um 4,9 Prozent. Angetrieben wurde die Wirtschaft insbesondere vom Boom der Tourismusbranche. Auch der deutlich gestiegene private Konsum und umfangreiche Industrieinvestitionen trugen zum Aufschwung der Wirtschaft bei. Bremsend wirkte dagegen der Außenbeitrag, weil die Importe aufgrund der starken Inlandsnachfrage kräftig stiegen.

Der private Konsum, die verfügbaren Einkommen und die Beschäftigung liegen inzwischen wieder auf dem Niveau von vor der Finanzkrise. Im Gegensatz zu den Boomphasen, die die isländische Wirtschaft vor 2008 erlebte, ist die Situation heute durch einen hohen Leistungsbilanzüberschuss gekennzeichnet.

In den kommenden Jahren dürfte sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen. Der Economist Intelligence Unit prognostiziert noch Wachstumsraten von 4,1 Prozent für 2018 und 3,5 Prozent für 2019. Statistics Iceland erwartet dagegen 2018 nur noch einen BIP-Zuwachs von 3,1 Prozent und 2019 von 2,6 Prozent. Für die darauf folgenden Jahre bis 2023 wird ein Wachstum von jährlich etwa 2,5 Prozent prognostiziert.

Der private Konsum ist 2017 schätzungsweise um 7,8 Prozent gestiegen. Auch 2018 dürfte er stark bleiben, jedoch nicht mehr ganz die bisherige Steigerungsrate erreichen. Bremsend machen sich zum Beispiel die schwächer steigenden Löhne bemerkbar. Das nationale Statistikamt erwartet für 2018 einen Anstieg des privaten Verbrauchs um 5,3 Prozent. 2019 wird der Zuwachs voraussichtlich unter der Marke von 4 Prozent bleiben.

Die Lohnvereinbarungen der meisten Arbeitnehmer reichen derzeit bis Ende 2018 oder Frühjahr 2019. Mit dem näher rückenden Ende der Tariflaufzeit, wird die Unsicherheit über die zukünftige Lohnentwicklung für die Wirtschaft zu einem zunehmenden Unsicherheitsfaktor werden.

MKT201802088005.14

Wirtschaftliche Eckdaten Islands
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 15,2 18,3 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 45.999 54.494 38.114
Bevölkerung (Mio.) 0,3 0,3 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Isländische Kronen) 146,700 133,960 -

Quellen: Statistics Iceland; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Wohnungsbau wächst stark

Die Investitionen stiegen 2017 nach vorläufigen Berechnungen des isländischen Statistikamtes um 8,8 Prozent. Mit der Fertigstellung großer Anlagen zur Siliziumverarbeitung wird der Anstieg der Industrieinvestitionen ab 2018 deutlich geringer ausfallen.

Wohnraum ist in Island derzeit knapp. Die Gründe dafür sind der Einbruch der Bauwirtschaft nach der Wirtschaftskrise, das starke Bevölkerungswachstum durch zuwandernde Arbeitskräfte, der schnelle Anstieg der verfügbaren Einkommen und die große Nachfrage der Tourismusbranche nach Bauleistungen in den letzten Jahren. Die Hauspreise sind in der Folge schnell gestiegen. Der Wohnungsbau wächst derzeit stark.

Die Ende 2017 neu gebildete isländische Regierung will die Investitionen in das Gesundheitssystem des Landes 2018 gegenüber dem vergangenen Jahr um umgerechnet rund 180 Millionen Euro erhöhen. Unter anderem sollen die Ausstattungen von Gesundheitszentren und Krankenhäusern verbessert werden. Weitere Investitionsschwerpunkte sind die Infrastruktur und der Umweltschutz.

Ausgewählte Großprojekte in Island
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau einer Siliziumproduktionsanlage 855 Bauphase Silicor Materials Inc.; http://www.silicormaterials.com
Bau einer Produktionsanlage für Siliziummetall 265 Im Bau; Fertigstellung geplant für 2018 PCC BakkiSilicon hf; http://www.pcc.eu/projektverlauf-bau-einer-hochmodernen-siliziummetall-produktionsanlage/
Bau einer Produktionsanlage für Siliziummetall 238 In Planung; Fertigstellung vorgesehen für Mitte 2019 Thorsil ehf Suurlandsbraut 30,Reykjavik

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Konsum: Verbraucher weiterhin in Kauflaune

Die finanzielle Situation der isländischen Verbraucher hat sich in den letzten drei Jahren erheblich verbessert. Das verfügbare Einkommen ist stark gestiegen und hat inzwischen das Vorkrisenniveau übertroffen. Das Nettovermögen der isländischen Haushalte stieg um fast 25 Prozent pro Jahr. Der private Konsum nahm entsprechend zu. Nach Schätzungen von Statistics Iceland lag der Anstieg 2017 knapp unter 8 Prozent.

Ab 2018 dürfte sich das Wachstum des privaten Konsums etwas verlangsamen. Positiv wird sich weiterhin die geringe Arbeitslosigkeit auswirken. Die Löhne werden allerdings nicht mehr so stark steigen wie in den letzten Jahren. Für das laufende Jahr wird ein Anstieg des privaten Konsums um 5,3 Prozent erwartet. 2019 rechnet Statistics Iceland mit einem Plus von 3,6 Prozent. Die mittelfristigen Prognosen gehen für die darauf folgenden Jahre bis 2023 von einem jährlichen Anstieg zwischen 2,5 und 3 Prozent aus. Die Verbraucherpreise werden nach den Prognosen des Statistikamtes 2018 und 2019 um jeweils 2,9 Prozent steigen.

Außenhandel: Importe steigen ab 2018 langsamer

Die Importe von Waren und Dienstleistungen legten im vergangenen Jahr nach vorläufigen Berechnungen von Statistics Iceland um 12,5 Prozent zu. Für 2018 und 2019 wird mit einem deutlich geringeren Wachstum der Einfuhren von 6,2 beziehungsweise 4,2 Prozent gerechnet. Die Einfuhren aus Deutschland nahmen 2017 gegenüber dem Vorjahr um 13,6 Prozent zu.

Auf der Exportseite belasten die Handelssanktionen zwischen der Europäischen Unioin (EU) und Russland insbesondere die isländische Fischereiwirtschaft. Als Reaktion auf die isländische Unterstützung der Handelsbeschränkungen durch die EU, an denen Island sich beteiligt, hat Russland ein Einfuhrverbot von Nahrungsmitteln aus Island verhängt.

Sollte es im Zuge des Brexit zu einem wirtschaftlichen Abschwung im Vereinigten Königreich kommen, dürfte auch dies die isländische Exportwirtschaft treffen. Das Vereinigte Königreich ist der zweitwichtigste Absatzmarkt für isländische Waren.

Außenhandel Islands (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 4.819 5.773 19,8
Exporte 4.012 4.294 7,0
Handelsbilanzsaldo -807 -1.479 -

Quelle: Statistics Iceland

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse) finden Sie unter http://www.gtai.de/Island

Dieser Artikel ist relevant für:

Island Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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Martin Schulte

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